{"id":1004,"date":"2014-04-10T11:27:24","date_gmt":"2014-04-10T10:27:24","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1004"},"modified":"2014-04-10T11:27:24","modified_gmt":"2014-04-10T10:27:24","slug":"tag-6566-nur-noch-ein-paar-kilometer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1004","title":{"rendered":"Tag 65\/66: Nur noch ein paar Kilometer!"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 65 &#8211; 06.April<\/h2>\n<p>Takestan &#8211; Abyek: 102km; 5:25h im Sattel; 18 &#8211; 23 Grad, sonnig<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>F\u00fcr heute hatte ich mir vorgenommen, einmal etwas langsamer zu starten. Ich hatte den Verdacht, dass mein Magen gestern etwas abbekommen hat. Kann sein, dass irgendwas mit dem Essen nicht ganz gestimmt hat. Zumindest war die Nacht nicht sonderlich erholsam und auch am Morgen f\u00fchlte ich mich ziemlich schlapp.<br \/>\nTrotz ramponiertem Magen konnte ich nicht widerstehen und kostete in der \u00f6rtlichen Konditorei allerlei S\u00fc\u00dfgeb\u00e4ck. Das muss man dem Iran schon lassen, die Auswahl an S\u00fc\u00dfspeisen ist bei Weitem gr\u00f6\u00dfer als in der T\u00fcrkei und geschmacklich liegen da auch Welten dazwischen. Wenn es nicht so einseitig w\u00e4re, w\u00fcrde ich mich am liebsten nur von Zuckergeb\u00e4ck ern\u00e4hren&#8230;<br \/>\nGegen Mittag war ich schlie\u00dflich in Qazvin. Hier legte ich einen kurzen Stop ein, um mir die Stadt ein wenig anzuschauen. Seit langem wieder mal eine Stadt, die nicht nur aus Autozubeh\u00f6r-Gesch\u00e4ften besteht. Die Dichte an L\u00e4den f\u00fcr den Auto, oder Motorradbedarf ist kaum zu glauben. Just der Ort vor Qazvin bestand praktisch zu 100% nur aus derartigen L\u00e4den. In Qazvin gab es zumindest einen Bazar und ein paar Moscheen zu besichtigen. Mit dem vollbepackten Rad bewegt man sich dabei aber etwas unbeholfen und so fiel die Stadtbesichtigung eher kurz aus. Immerhin schaffte ich es, mir eine SIM Karte zu organisieren.<br \/>\nSagt man den Iranern doch stets eine gewisse Freundlichkeit nach, so war ich \u00fcberrascht, wie r\u00fccksichtslos teilweise im Stadtverkehr miteinander umgegangen wird. Ungeniert wird bei Rot \u00fcber die Ampel gefahren wobei die gerade passierenden Fu\u00dfg\u00e4nger dezent zur Seite geschoben werden. Bin schon gespannt, wie sich die Situation in Teheran darstellen wird.<br \/>\nJe n\u00e4her ich Teheran komme, desto h\u00e4ufiger sieht man nun auch Frauen hinter dem Steuer. Die ersten Tage im Iran habe ich keine einzige Frau ein Auto lenken gesehen.<br \/>\nF\u00fcr heute hatte ich geplant, wieder einmal zu Zelten. Der n\u00e4chst gr\u00f6\u00dfere Ort mit Hotel war doch noch zu weit entfernt. Die M\u00f6glichkeiten, das Zelt aufzuschlagen sind im Moment aber relativ d\u00fcnn ges\u00e4t. Anfangs fuhr ich einige Kilometer entlang von -vermutlich- H\u00fchnerfarmen. Der Geruch, der in der Luft lag war alles andere als angenehm. Dann folgten einige Kilometer milit\u00e4risches \u00dcbungsgebiet, also auch kein idealer Ort zum Zelten. Ich hatte mir f\u00fcr heute vorgenommen, maximal bis Abyek zu radeln. Als ich nun bereits im Ort war, wurde es Zeit, am Ortsrand einen Platz f\u00fcr das Zelt zu finden. Etwas abseits gab e dann auch eine passende Wiese. Selbstverst\u00e4ndlich blieb mein Auftauchen nicht lange unbemerkt. Nach kurzer Zeit gesellte sich Omik zu mir. Mit seinen 12 Jahren konnte er besser Englisch, als seine beiden Schwestern, die sp\u00e4ter auch noch vorbeikamen. Der Mann von einer der Beiden tat sich ebenfalls sehr schwer noch Vokabeln aus dem 4-j\u00e4hrigen Englischunterricht hervorzuholen. Mit Hilfe des Bilderw\u00f6rterbuches und den Fotos auf der Kamera konnten wir uns aber ganz gut verst\u00e4ndigen.<br \/>\nBis Einbruch der Dunkelheit verbrachten wir die Zeit gemeinsam, dann schlug ich mein Zelt auf und die vier gingen zur\u00fcck in den Ort. Immer wieder wurde ich von ihnen eingeladen, bei ihnen zuhause einen Tee zu trinken, doch f\u00fcr heute sehnte ich mich nach einem ruhigen Ort f\u00fcr mich alleine. Der Magen meldete sich schon wieder zur\u00fcck und ich war froh, schlussendlich alleine im Zelt zu liegen.<\/p>\n<h2>Tag 66 &#8211; 07.April<\/h2>\n<p>Abyek &#8211; Tehran: 97km; 5:11h im Sattel; 18 &#8211; 20 Grad, Sonne<br \/>\nHomestay<\/p>\n<p>F\u00fcr heute stand eine sehr gem\u00fctliche Tagesetappe an. Nachdem Mina, meine Gastgeberin f\u00fcr die ersten Tage in Tehran, erst am Abend in der Stadt ist, konnte ich mir besonders viel Zeit lassen. Ich genoss die Morgensonne vor dem Zelt und g\u00f6nnte mir ein ausgedehntes Fr\u00fchst\u00fcck. Nach den Magenverwirrungen der letzten zwei Tage war das auch notwendig. Zumindest f\u00fchlte ich mich heute wieder so einigerma\u00dfen fit.<br \/>\nNach den ruhigen Stunden im Zelt ging es nun wieder zur\u00fcck auf die E32. So langsam wird das ewige Fahren an der Hauptstra\u00dfe ein wenig m\u00fchsam. Aber ja, jetzt sind es nur noch ein paar Stunden und ich bin in Tehran&#8230; Zuvor machte ich in Karaj noch ausgedehnt Mittagspause. In einem Take-Away Lokal versorgte ich mich mit Reis, Fleisch und Joghurt und machte mich auf die Suche nach einem Park. Es war interessant zu sehen, wie die Leute im Park auf meine Anwesenheit reagierten. Immer wieder setzte sich jemand neben mich und erkundigte sich nach meinem Befinden. Nachdem ich \u00fcberhaupt keinen Zeitdruck hatte, konnte ich ganz gem\u00fctlich sitzenbleiben. Immer wieder wurde ich nach meinem Facebook-Kontakt gefragt. F\u00fcr mich etwas paradox, weil mein Zugang im Iran nicht funktioniert. Ich m\u00fcsste dazu irgend etwas installieren, um die Beschr\u00e4nkungen der Regierung umgehen zu k\u00f6nnen. Praktisch Jeder im Iran hat sich schon einen Weg durch die H\u00fcrden der Regierung gebahnt. Vielleicht klappt es f\u00fcr mich ja auch noch. Aber im Moment bin ich eh nicht so sehr darauf angewiesen. Es ist aber schon ein eigenartiges Gef\u00fchl, wenn viele Seiten im Internet nicht aufgerufen werden k\u00f6nnen. Gerade hier sp\u00fcrt man deutlich, dass die Freiheit durchaus eingeschr\u00e4nkt ist. Ansonsten wirken die Leute nicht so, als ob sie unter den Auflagen der Regierung leiden w\u00fcrden. F\u00fcr mich macht es den Eindruck, als ob jeder sich seinen Weg sucht, um m\u00f6glichst angenehm und ruhig leben zu k\u00f6nnen.<br \/>\nFast Jeder der sich l\u00e4nger mit mir unterh\u00e4lt gibt mir auch gleich seine Telefonnummer und die Internetkontakte. Mein Notizbuch f\u00fcllt sich in den letzten Tagen besonders schnell mit Kontakteintr\u00e4gen. Es wird schon langsam eine Herausforderung, den \u00dcberblick nicht zu verlieren.<br \/>\nIn Karaj gab es ansonsten nicht wirklich was zu sehen. Es ist eine v\u00f6llig neue Stadt, ohne historisches Zentrum und so verbrachte ich meine Zeit gem\u00fctlich im Park.<br \/>\nAls ich gut eine Stunde gefahren war, stoppte ein Auto vor mir und ein iranisches Ehepaar plauderte ein wenig mit mir. Die beiden sind auch Fahrradfahrer und wollen in ein paar Wochen eine Tour in der T\u00fcrkei starten. Selbstverst\u00e4ndlich wurden gleich die Kontakte ausgetauscht. Die beiden wohnen in Karaj und sind gerade auf dem Weg zum Bazar, um Fahrradbedarf zu kaufen. Viele Zubeh\u00f6rteile sind im Iran nicht erh\u00e4ltlich, z.B. die Packtaschen von Ortlieb. Doch nat\u00fcrlich haben sich die Iraner schon eine Alternative ausgedacht. Es gibt viele kleine Betriebe, die diverse Produkte sehr qualitativ nachbauen&#8230; &#8220;geht nicht gibts nicht!&#8221;<br \/>\nIm Vergleich zu Istanbul war die Stadteinfahrt nach Tehran recht unspektakul\u00e4r. Der Verkehr war schon ab Karaj sehr intensiv, nahm aber gottseidank nicht mehr zu. Ich hatte mich die letzten Tage ja schon ausgiebig an den Verkehr gew\u00f6hnt und so f\u00fchlte ich mich ganz wohl, als ich mitten im Abendverkehr in Richtung Stadtzentrum radelte. In der N\u00e4he von Minas Wohnung hatte ich \u00fcber Warmshowers einen Fahrradladen ausfindig gemacht (www.fdj.ir Jabbari Bicycle Store). Nachdem meine Handschuhe nun schon ganz durchgewetzt sind, wollte ich mir neue Handschuhe besorgen. Der Laden ist zwar klein, daf\u00fcr aber umso besser sortiert. Besonders sympathisch fand ich den Eintrag in Warmshowers, der Reiseradlern einen gratis Service f\u00fcr das Rad anbot. Eine perfekte Anlaufstelle also f\u00fcr Radler, die seit Monaten unterwegs sind. Da mein Rad immer noch top in Schuss ist, brauchte ich auf den Service nicht zur\u00fcckzugreifen. Die Handschuhe wurden bestellt und dann musste ich noch in ein Internet Cafe, um meine Antr\u00e4ge f\u00fcr die Visa auszudrucken. Ausserdem ben\u00f6tigte ich ein paar Passkopien, da bei den Botschaften der originale Pass gottseidank nicht hinterlegt werden muss.<br \/>\nSchlie\u00dflich ging es dann auch schon zum vereinbarten Treffpunkt mit Mina. Sie war f\u00fcr ein paar Tage im Norden des Iran gewesen und kam gerade von einer mehrst\u00fcndigen Busfahrt zur\u00fcck. Somit waren wir beide \u00fcbergl\u00fccklich, nach einem anstrengenden Tag schlussendlich in einer ruhigen Wohnung gelandet zu sein.<br \/>\nMina hatte als private Postbotin ein Care-Paket von meiner Familie aus Bayern mitgenommen. Notizb\u00fccher, Schokolade, Briefe und Lesematerial&#8230; Ein Traum! Vielen herzlichen Dank!<br \/>\nSeit Yerevan bin ich nun ohne Unterbrechung unterwegs gewesen. Zehn Tage mit teilweise sehr gro\u00dfen Distanzen. Es wurde Zeit, dass ich in Tehran angekommen bin. Mein K\u00f6rper sehnt sich schon seit langem nach einer kleinen Auszeit vom t\u00e4glichen Sitzen im Fahrradsattel. Ich h\u00e4tte mir selbst nie gedacht, dass ich so schnell in Tehran sein k\u00f6nnte, doch nun bin ich da. Erneut ein Meilenstein erreicht. Nun gibt es einiges an Organisation, was auf mich wartet. Die Visa f\u00fcr Uzbekistan, Tajikistan und schlussendlich Turkmenistan m\u00fcssen beantragt werden. Ich hoffe, dass alles glatt l\u00e4uft. Die Nacht wird kurz werden, weil ich bereits um 7 Uhr bei der deutschen Botschaft sein muss&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 65 &#8211; 06.April Takestan &#8211; Abyek: 102km; 5:25h im Sattel; 18 &#8211; 23 Grad, sonnig Camping F\u00fcr heute hatte ich mir vorgenommen, einmal etwas langsamer zu starten. Ich hatte den Verdacht, dass mein Magen gestern etwas abbekommen hat. 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