{"id":1016,"date":"2014-04-10T11:34:04","date_gmt":"2014-04-10T10:34:04","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1016"},"modified":"2014-04-10T11:34:04","modified_gmt":"2014-04-10T10:34:04","slug":"tag-6768-endlich-in-tehran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1016","title":{"rendered":"Tag 67\/68: Endlich in Tehran"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 67 &#8211; 08.April<\/h2>\n<p>Zwischenstand: 5446km; 272,8h im Sattel<\/p>\n<p>Tehran Tag 1; 22 Grad, Sonne<br \/>\nHomestay<\/p>\n<p>Ich hatte das Gef\u00fchl, bestens auf den Visa-Marathon vorbereitet zu sein. Der Plan bestand darin, zuerst auf der Deutschen Botschaft ein Empfehlungsschreiben f\u00fcr das Tajikische Visum zu besorgen, um dann direkt im Anschluss das Uzbekische Visum zu beantragen. Danach wollte ich noch zur Botschaft von Tajikistan, um dort ebenfalls den Antrag abzugeben. Es sollte dann doch wieder alles anders kommen&#8230;<br \/>\nAls ich um kurz vor 7 bei der deutschen Botschaft ankam hatte sich schon eine ordentliche Schlange gebildet. Vorsichtshalber z\u00fcckte ich meinen Pass und schon nach wenigen Minuten sprach mich ein Sicherheitsbeamter in perfektem Deutsch an. Wir plauderten ein wenig \u00fcber meine Reise, Iran und Deutschland. Kazem gab mir seine Nummer und schlug mir vor, eventuell am Wochenende mit ihm ans Meer zu fahren. Als die Botschaft dann \u00f6ffnete, durfte ich schlussendlich als Erster in die rein und musste auch nur eine halbe Stunde auf das Empfehlungsschreiben warten. 1.000.000 RIAL (ca. 25 EUR) f\u00fcr eine A4 Seite, die besagt, dass ich der rechtm\u00e4\u00dfige Besitzer des Passes bin und mir doch bitte ein Visum ausgestellt werden sollte&#8230;<br \/>\nBis jetzt lag ich noch perfekt im Zeitplan. Ab in die U-Bahn und raus in den Norden. Nach gut 10 Minuten entdeckte ich pl\u00f6tzlich im Selben Wagen zwei bekannte Gesichter. Dei beiden Franzosen, die ich in Trabzon bei der Abholung des iranischen Visums getroffen hatte, waren auch auf dem Weg zum Konsulat von Uzbekistan. Welch ein Zufall&#8230; Die beiden waren ja von Frankreich aus zu Fu\u00df nach Istanbul gegangen und hatten sich dann in der T\u00fcrkei ein Rad gekauft. Mit dem Rad sind sie bis in den Iran gefahren, haben es aber dann wieder verkauft und sind nun wieder zu Fu\u00df unterwegs. Lustigerweise hatten sie mich bereits vor ein paar Tagen auf der Stra\u00dfe gesehen, als sie in einen Bus eingestiegen sind. Wir konnten es alle drei kaum glauben, dass man sich hier wieder \u00fcber den Weg l\u00e4uft.<br \/>\nDie Beiden kamen gerade von der Franz\u00f6sischen Botschaft. Sie hatten zwei Tage auf ihre Empfehlungsschreiben gewartet, daf\u00fcr mussten sie aber nichts bezahlen. Nach ihren Informationen ben\u00f6tigen sie f\u00fcr Uzbekistan und Turkmenistan die Briefe von der Botschaft. Meine Informationen verlangten das nur f\u00fcr Tajikistan. Schlussendlich war meine Information falsch. Ohne Empfehlungsschreiben von der Botschaft wurde mein Antrag nicht angenommen. Da war nichts zu machen&#8230; Ver\u00e4rgert und etwas geknickt ging es wieder zur\u00fcck zur Deutschen Botschaft. Die meisten Botschaften haben ja nur Vormittags ge\u00f6ffnet, die Deutsche Botschaft allerdings von 7:30 bis 15:00 Uhr. Also perfekt f\u00fcr mich&#8230; Um in Tehran von einem Ort zum anderen zu kommen vergeht immer enorm viel Zeit. Ich war kurz vor Mittag wieder an der Botschaft und beantragte Empfehlungsschreiben f\u00fcr Uzbekistan und Turkmenistan. Immerhin konnte ich die Zettel bereits am Nachmittag abholen.<br \/>\nKazem war \u00fcberrascht, mich wieder zu sehen, lud mich dann aber spontan ein, am Abend bei ihm zum Essen vorbeizukommen. Nachdem er ohnehin in wenigen Minuten Mittagspause hatte, schlug er vor, mich mit dem Motorrad zu Minas Wohnung zu bringen.<br \/>\nUnd so ging es mit einem Affenzahn durch den Tehraner Stadtverkehr. Nat\u00fcrlich ohne Helm, entgegen die Einbahn und ohne Beachtung von Verkehrszeichen. Aber irgendwie klappt das ganz gut. Motorisierte Zweiradfahrer machen sich in Tehran ihre eigenen Gesetze. Einziges Ziel ist es, m\u00f6glichst schnell voranzukommen, da darf man durchaus auch mal auf den Gehweg ausweichen&#8230;<br \/>\nMeine schlechte Stimmung war wie weggeblasen. Ich hatte eine Einladung zum Essen, vielleicht eine Einladung ans Meer und einen neuen Kontakt in der Stadt. Gemeinsam mit Mina ging es Nachmittags dann wieder zur Botschaft, um die Bescheinigungen abzuholen. Wie es der Zufall so will machte Kezem gerade Feierabend und so fuhren wir diesmal zu dritt auf seinem Motorrad zum iranischen K\u00fcnstlerforum. Gerade dort angekommen sah ich zwei Reiseradler an der Stra\u00dfe stehen. Ich sprach die Beiden nat\u00fcrlich gleich an. Enzo aus Italien ist seit Herbst unterwegs und ist auch erst gerade in der Stadt angekommen. Shiva ist aus dem Iran und hat Enzo unterwegs getroffen. Sie war in der T\u00fcrkei unterwegs. Es wurden Kontakte ausgetauscht und Geschichten erz\u00e4hlt. Ich musste innerlich durchaus ein wenig schmunzeln, wie zuf\u00e4llig sich doch viele Dinge ergeben.<br \/>\nDas Abendessen bei Kazem war ein Traum. Wir besorgten beim Metzger frische Leber und etwas Fett. Beim B\u00e4cker holten wir uns noch frisches Brot aus dem Ofen und dann wurden auf dem Balkon Spie\u00dfe gegrillt.<br \/>\nAls Highlight gab es dazu dann sogar echtes Bier. Im Iran eher eine Seltenheit. Kazem verwendet dazu das handels\u00fcbliche alkoholfreie Bier und f\u00fcgt diesem dann mit Zucker und Hefe wieder Alkohol zu. Das ist offenbar eine g\u00e4ngige Praxis im Iran. Einige Brauereien haben darauf bereits reagiert und die Zusammensetzung des Bieres ver\u00e4ndert, sodass nachtr\u00e4glich keine G\u00e4hrung mehr m\u00f6glich ist. Doch auch daf\u00fcr wird sich bald wieder ein Ausweg finden&#8230; Die Iraner sind sehr erfinderisch!<\/p>\n<h2>Tag 68 &#8211; 09.April<\/h2>\n<p>Tehran Tag 2: 18 &#8211; 22 Grad, bedeckt, Regenschauer<br \/>\nHomestay<\/p>\n<p>Heute also Versuch Nummer zwei f\u00fcr die Visa. Mit der U Bahn ging es in Richtung Norden, dann mit dem Taxi zum Konsulat von Uzbekistan. Diesmal warteten einige Leute vor mir. Nach etwa einer 3\/4 Stunde wurde ich dann aber vorgelassen. Alle au\u00dfer mir waren von Reiseagenturen. Ich war heilfroh, dass ich vorgelassen wurde, als ich sah, was in den Taschen der Leute vor mir war. Einer packte gerade eine gro\u00dfe Sporttasche aus, darin waren ungelogen ca. 200 Reisep\u00e4sse. Da h\u00e4tte es schon noch eine Weile gedauert, bis ich an der Reihe war.<br \/>\nMit dem Empfehlungsschreiben von der Botschaft ging der Antrag nun durch und ich kann in einer Woche wieder kommen um das Visum abzuholen. Endlich&#8230; die Dinge nehmen ihren Lauf.<br \/>\nMit dem Taxi dann gleich weiter zur Botschaft von Tajikistan. Dort wartete ich eine Weile, bis sich die Klappe am Schalter \u00f6ffnete, doch schlussendlich lief alles glatt. Bereits am Sonntag sollte das Visum fertig sein. Die spezielle Erlaubnis f\u00fcr die Pamir-Gegend bekomme ich aber leider nicht in Teheran, sondern muss sie mir in Dushambe abholen. Angeblich sollte das aber relativ leicht klappen. Nun gut, da vertraue ich mal auf den Botschaftsangestellten.<br \/>\nMir fiel ein gewaltiger Stein vom Herzen, als nun alle Antr\u00e4ge abgegeben waren. Das Transitvisum f\u00fcr Turkmenistan kann ich erst beantragen, wenn ich das Uzbekische Visum habe. Also jetzt erst einmal eine Woche warten&#8230;<br \/>\nMit Mina ging ich dann noch einmal zum Iranischen Kunstforum, weil wir dort im Cafe Mittagessen wollten. Unter Tags hatte es bereits immer wieder einmal geregnet. Die Sonne trocknete den Regen aber binnen weniger Minuten wieder auf und man konnte die frische Luft in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen. Die Luftverschmutzung ist in Tehran durchaus ein Thema. Ich bin froh, im Fr\u00fchjahr hier zu sein. Die Temperaturen sind noch relativ angenehm und der Smog h\u00e4lt sich in Grenzen.<br \/>\nDen ganzen Nachmittag \u00fcber f\u00fchlte ich mich richtig befreit. Von einem Schlag auf den anderen war mein Kopf wieder frei f\u00fcr Neues. Die Sorgen mit den Visa waren vergessen und ich konnte den Tag so richtig genie\u00dfen.<br \/>\nAls wir am Nachmittag wieder in Richtung Norden fuhren, um dort Freunde von Mina zu treffen, stie\u00df ich in der U-Bahn wieder auf Enzo und Shiva. Wieder mal so ein Zufall&#8230; man k\u00f6nnte sich fast daran gew\u00f6hnen. Leider hatten sie schon Pl\u00e4ne f\u00fcr den Abend. Aber man wei\u00df ja nie&#8230; offenbar trifft man sich immer wieder zuf\u00e4llig.<br \/>\nAls ich heute mit Mina an der ehemaligen amerikanischen Botschaft vorbeischlenderte, musste ich wieder \u00fcber die Situation mit Touristen im Iran nachdenken. Es ist wirklich ein bisschen komisch, in einer derart gro\u00dfen Stadt wie Tehran nur \u00e4u\u00dferst selten auf Touristen zu sto\u00dfen. Vor allem Amerikaner, die ja sonst \u00fcberall auf der Welt anzutreffen sind, sucht man hier wirklich vergeblich. Man merkt auch, dass die Stadt noch nicht wirklich auf internationalen Tourismus ausgelegt ist. Wenn man z.B. eine &#8220;tourist-map&#8221; von Tehran aufschl\u00e4gt, sind s\u00e4mtliche Sehensw\u00fcrdigkeiten und auch die Stra\u00dfen in Persisch geschrieben. Doch daf\u00fcr sind die Iraner wirklich sehr hilfsbereit. Ich frage mich, ob sich der Iran in den kommenden Jahren zu einem Touristenland entwickeln kann. Es scheint, als ob die Regierung sich langsam nach Au\u00dfen hin \u00f6ffnet, doch das kann sehr leicht auch nur eine Schein-\u00d6ffnung sein.<br \/>\nAls wir am Abend Arash und Shiva, zwei Freunde von Mina, treffen, bekomme ich ein wenig einen Einblick in die Hass-Liebe, die die Leute mit ihrem Land verbindet. Nat\u00fcrlich ist es ihnen bewusst, dass sie mit vielen Einschr\u00e4nkungen leben m\u00fcssen, doch sie betrachten das oft mehr als Herausforderung, einen Weg zu finden, diese wieder zu umgehen. Sie f\u00fchlen sich ihrem Land gegen\u00fcber sehr verbunden, doch andererseits sind sie es oft auch leid, nicht machen zu k\u00f6nnen, was sie eigentlich wollen. Die Beiden lernen seit einem Jahr Deutsch und versuchen zum Studieren nach Deutschland zu kommen. Mit einem Studentenvisum stehen die Chancen ganz gut, auch l\u00e4nger in Deutschland bleiben zu k\u00f6nnen.<br \/>\nShiva meint, dass auch wenn &#8211; hypothetisch &#8211; es ab morgen erlaubt w\u00e4re, ohne Kopftuch herumlaufen zu k\u00f6nnen, dass sie es nicht machen w\u00fcrde, weil sie der Regierung nicht traut. Man sp\u00fcrt das auch in vielen Alltagssituationen, dass stets ein sehr gro\u00dfes Misstrauen vorhanden ist. Auch wenn sich die Regierung von einem Tag auf den anderen \u00e4ndern w\u00fcrde, glaubt Shiva, dass es mindestens zwei Generationen dauern w\u00fcrde, bis ein freies Leben, \u00e4hnlich wie in Europa, im Iran vorstellbar w\u00e4re. Ihrer Meinung nach durchleben die Leute bereits ab den fr\u00fchen Kinderjahren eine Art Gehirnw\u00e4sche, die es nat\u00fcrlich auch erschwert, einfach einen anderen Lebensstil anzunehmen. Trotzdem zieht es Shiva und Arash raus aus dem Land. Ich w\u00fcnsche ihnen viel Gl\u00fcck und hoffe, dass sie das Studentenvisum bekommen, um ein paar Jahre in Deutschland bleiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 67 &#8211; 08.April Zwischenstand: 5446km; 272,8h im Sattel Tehran Tag 1; 22 Grad, Sonne Homestay Ich hatte das Gef\u00fchl, bestens auf den Visa-Marathon vorbereitet zu sein. Der Plan bestand darin, zuerst auf der Deutschen Botschaft ein Empfehlungsschreiben f\u00fcr das Tajikische Visum zu besorgen, um dann direkt im Anschluss das Uzbekische Visum zu beantragen. 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