{"id":1037,"date":"2014-04-15T06:59:14","date_gmt":"2014-04-15T05:59:14","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1037"},"modified":"2014-04-15T06:59:14","modified_gmt":"2014-04-15T05:59:14","slug":"tag-69-73-ab-in-den-suden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1037","title":{"rendered":"Tag 69 &#8211; 73: Ab in den S\u00fcden"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 69 &#8211; 73 &#8211; (10.April &#8211; 14.April)<\/h2>\n<p>Tehran \/ Kish Island<br \/>\nHomestay \/ Apartment<\/p>\n<p>So, die ersten Tage in Tehran liegen hinter mir. Es gab viel zu organisieren doch nun kann ich mich voll und ganz auf die Stadt einlassen. Eine Woche Warten, bis die Visa f\u00fcr Uzbekistan und Tajikistan fertig sind und dann noch einmal kurz Bangen, ob das Transitvisum f\u00fcr Turkmenistan auch auf 5 Tage ausgestellt wird. Doch dann ist f\u00fcr die n\u00e4chsten Wochen alles geregelt.<br \/>\nDie Zeit mit Mina neigt sich auch schon wieder dem Ende zu. Sie f\u00e4hrt weiter nach Yazd um dort mit einem Freund Fotos f\u00fcr ein Buch \u00fcber den Iran zu machen. Durch einen gl\u00fccklichen Zufall habe ich schon einen neuen Gastgeber gefunden. Kazem, den ich an der deutschen Botschaft kennengelernt hatte, hat mich freundlicherweise bei sich zuhause aufgenommen. Am Wochenende wollen wir dann gemeinsam in den S\u00fcden des Iran fliegen und dort ein paar Tage am Meer verbringen. Ich habe einmal zugesagt, ohne zu wissen, was mich dort erwartet. Aber der Gedanke an ein paar Tage am Meer klingt durchaus verlockend.<br \/>\nMit Mina verbringe ich den Nachmittag noch im Norden der Stadt. Im Caf\u00e9 des Filmmuseums gibt es einerseits was gutes zu Essen und andererseits auch sehr stabiles Internet. Im Iran ist es bisher nicht so leicht gewesen, gutes Internet zu finden, also wird die Gelegenheit gleich genutzt.<br \/>\nMinas und auch Kazems Wohnung befinden sich im S\u00fcden von Tehran. In der Stadt gibt es ein deutliches Sozialgef\u00e4lle von Nord nach S\u00fcd. Wenn man im Norden der Stadt durch die Gassen l\u00e4uft, ist man von sehr gut gekleideten, wohlhabenden Tehranern umgeben. Stolz werden, sowohl bei M\u00e4nnern, als auch bei Frauen, die Pflaster der zur\u00fcckliegenden Nasenoperationen getragen. Mir sind noch nie so viele Leute mit erst k\u00fcrzlich operierten Nasen begegnet, wie hier. Die Frauen sind auffallend stark geschminkt und recht modern gekleidet. Ich muss ehrlich zugeben, ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass gerade bei der Kleidung so viele Freiheiten m\u00f6glich sind.<br \/>\nShiva, eine Freundin von Mina, hat mir aber erz\u00e4hlt, dass offenbar gerade im Fr\u00fchling die Z\u00fcgel etwas lockerer gelassen werden. Die Sittenw\u00e4chter lassen vieles durchgehen, was im Sommer, oder Herbst oft mit Abmahnungen geahndet wird. So kann offenbar verhindert werden, dass sich eine zu gro\u00dfe Unzufriedenheit in der Bev\u00f6lkerung entwickelt. Ein st\u00e4ndiges Auf und Ab&#8230;<br \/>\nEs gibt beispielsweise grunds\u00e4tzlich Satellitenempfang f\u00fcrs Fernsehen, doch hin und wieder wird dieser durch St\u00f6rsignale beeintr\u00e4chtigt. Man kann also nicht sagen, dass es keinen freien Zugang zu Informationen g\u00e4be, aber dauerhaft frei ist er auf keinen Fall. Bez\u00fcglich der St\u00f6rsignale f\u00fcr die Satelliten hat mir Kazem erz\u00e4hlt, dass es in der Belegschaft der Botschaft schon einige F\u00e4lle von Leuk\u00e4mie bei Kleinkindern gibt, wobei das Ger\u00fccht kursiert, dass diese von den St\u00f6rsignalen hervorgerufen wird. Nachweisen l\u00e4sst sich das sicherlich nicht, aber in der Bev\u00f6lkerung kursieren bereits dementsprechende Ger\u00fcchte.<br \/>\nAuf den Stra\u00dfen sieht man junge Paare Hand in Hand umherlaufen, doch in den U-Bahnen und Bussen gibt es abgetrennte Bereiche f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen. F\u00fcr mich eine v\u00f6llig neue Erfahrung, die zumindest f\u00fcr den Beginn noch etwas befremdlich ist. Zwischen \u00f6ffentlichem Leben und privatem Leben sind die Unterschiede unbeschreiblich gro\u00df. Sobald die Wohnungst\u00fcre geschlossen ist, kann der Schleier abgelegt werden und pl\u00f6tzlich f\u00fchlt man sich wie in einer anderen Welt. Im Fernsehen laufen sehr freiz\u00fcgige Musikvideos, es wird viel \u00fcber Partys, Drogen und Alkohol geredet. Alles was in der \u00d6ffentlichkeit nicht gezeigt werden darf, wird im Privaten fast extensiv ausgelebt.<br \/>\nIch bin Kazem kurz behilflich, seine 25 Liter &#8220;selbstgebrautes Bier&#8221; wieder in Flaschen zu f\u00fcllen. Er kauft das \u00fcberall erh\u00e4ltliche alkoholfreie Bier ein und versetzt es dann mit Hefe und Zucker. Nach ein paar Wochen hat man dann Bier mit einem relativ hohen Alkoholgehalt. Der Geschmack ist zwar nicht \u00fcberragend, aber das ist in dieser Situation eher nebens\u00e4chlich. Man kann auf diese Weise relativ gut Geld verdienen. F\u00fcr 6 Liter alkoholfreies Bier bezahlt man ca. 2 Euro. F\u00fcr einen Liter Bier mit zugesetztem Alkohol bekommt man ebenfalls etwa 2 Euro. Also eigentlich ein ganz guter Verdienst daf\u00fcr, dass man nur Zucker und etwas Hefe dazusetzt.<br \/>\nZuletzt war ich in der T\u00fcrkei mit dem islamischen Alltagsleben in Kontakt gekommen. Ich hatte eigentlich mit weit mehr Parallelen zwischen der T\u00fcrkei und dem Iran gerechnet, doch das Alltagsleben unterscheidet sich gravierend voneinander. Ich habe den Eindruck, dass Religion im Iran zumindest im Alltagsleben keine so gro\u00dfe Rolle spielt, daf\u00fcr ist der Einfluss der Regierung definitiv nicht zu verleugnen. Nur sehr selten sieht man Moscheen. Soweit ich es richtig verstanden habe, wird hier auch nur drei Mal am Tag gebetet und nicht f\u00fcnf Mal. Auch die Lautsprecher an den Minaretten, die den Ruf des Muezzin \u00fcber die ganze Stadt verteilen, findet man im Iran eigentlich nicht.<br \/>\nAls Mann kann man sich auch wirklich sehr frei im \u00f6ffentlichen Raum bewegen, doch als Frau ist man schon sehr reglementiert. Ich war daher auch sehr gespannt, wie sich die Alltagssituation am Strand darstellen wird. Z\u00e4hlt doch der Strand auch in Europa zu den Orten, wo man sich etwas entspannter und frei von Zw\u00e4ngen gibt.<br \/>\nKazem und ich bestiegen am fr\u00fchen Nachmittag die Maschine nach Kish. Die drei Liter Bier im Handgep\u00e4ck fielen den Sicherheitsbeamten am Flughafen dann doch auf. Die Verschl\u00fcsse wurden ganz genau gepr\u00fcft und die Geruchsprobe machte alle drei etwas stutzig, doch Kazem schaffte es irgendwie, sich aus der Situation rauszureden. Mir war aber schon klar, dass hier ziemlich viele Augen zugedr\u00fcckt wurden. Aber das zeigt auch wieder, dass es durchaus einen gewissen Spielraum gibt innerhalb dessen sich die Iraner bewegen.<br \/>\nNach gut 1 1\/2 Stunden Flug stand ich dann auf der Insel Kish. Die Temperaturen waren gottseidank nicht um so viel h\u00f6her, als in Tehran. Es blies ein ordentlicher Wind, der die knapp dreissig Grad noch ertr\u00e4glich machte.<br \/>\nAuf dem Weg zum Strand beschlossen wir beide, uns die Haare mal wieder schneiden zu lassen. Nun, da jetzt doch die Zeit kommt, dass man auf dem Rad auch immer mehr schwitzen wird, konnte ich dem Gedanken an eine Kurzhaarfrisur durchaus etwas abgewinnen.<br \/>\nKish ist offenbar ein sehr beliebtes Ausflugsziel f\u00fcr Iraner. Auch im Winter ist es hier sehr warm, im Sommer hingegen muss es unertr\u00e4glich hei\u00df sein. Die Insel besteht eigentlich fast nur aus Hotels und Apartmenth\u00e4usern. Mit Touristen l\u00e4sst sich hier sehr gut Geld verdienen. Hier auf Kish sieht man zum ersten Mal auch wieder amerikanische Autos. Auf dem Festland sind amerikanische Autos nicht gestattet, aber f\u00fcr Kish gilt eine Sonderregel. Hier muss man auch keinen Einfuhrzoll f\u00fcr Autos bezahlen. Das Einkommen der Bewohner von Kish scheint im Durchschnitt relativ hoch zu sein. Dementsprechend viele Luxusschlitten fahren durch die Gegend. Ein ziemlicher Kontrast zur bisher eher einfach gepr\u00e4gten Gegend zwischen Armenien und Tehran.<br \/>\nViel tut sich nicht auf Kish&#8230; Unter Tags spielt sich das Leben auf der Insel haupts\u00e4chlich in den unz\u00e4hligen Einkaufszentren ab. Bei Temperaturen um 40Grad im Sommer ist das aber auch verst\u00e4ndlich. Erst Abends treibt es die meisten Leute an den Strand.<br \/>\nDie Kleidervorschriften m\u00fcssen aber auch hier eingehalten werden. Frauen gehen g\u00e4nzlich bekleidet ins Wasser und auch M\u00e4nner sollten eigentlich ein T-shirt tragen. Zum allerersten Mal h\u00f6re ich hier von einer Vorschrift, die zum &#8220;Schutz&#8221; der Frauen gemacht ist. Ansonsten sind ja die meisten Vorschriften zum Schutze des Mannes aufgestellt&#8230; Die Schultern des Mannes m\u00fcssen bedeckt sein, damit die Frau nicht erregt wird. Auch ich werde einmal von einem Ordnungsh\u00fcter angepfiffen, mein T-shirt wieder anzuziehen, nachdem ich aus dem Wasser gekommen bin. Um ehrlich zu sein, die pure Strandentspannung kommt irgendwie nicht auf. Wenn ich mir die Leute so ansehe, wie sie in voller Kleidermontur im Wasser sitzen, kann ich mir nicht vorstellen, dass das ein wirklich angenehmes Gef\u00fchl ist. Nur die Kinder k\u00f6nnen sich ganz ungezwungen bewegen. F\u00fcr alle Anderen gelten stets Regeln.<br \/>\nObwohl die Insel relativ klein ist, kommt man ohne fahrbaren Untersatz nicht wirklich herum. Wir m\u00fcssen daher immer wieder ein Taxi nehmen, um von einem Ort zum n\u00e4chsten zu kommen. Die Insel besteht zu 90% aus Hotels und Apartments. In der Mitte der Insel liegt der Flughafen, der von viel Brachland umgeben ist. Der wahre Reiz der Insel hat sich mir noch nicht wirklich erschlossen. Kann gut sein, dass dieser Ort f\u00fcr viele Iraner etwas ganz besonderes ist, da sie auch nicht so viele Wahlm\u00f6glichkeiten haben. Kann aber auch gut sein, dass die Anforderungen an einen Urlaubsort hier im Iran etwas anders sind, als ich es aus Europa gew\u00f6hnt bin. Als wir am zweiten Tag auf der Insel die nachmitt\u00e4gliche Delphinshow besuchen f\u00fchle ich mich teilweise etwas deplatziert. Das ganze Vorhaben gipfelt in einer gewaltigen Gruppenaktivit\u00e4t. Mit dem Ticket zur Delphinshow ist auch der Eintritt in den Vogelpark, ein Zirkus, ein Theater und ein Aquarium inkludiert. Allerdings kann man dabei nicht frei w\u00e4hlen, welchen der Programmpunkte man besichtigen m\u00f6chte, statt dessen wird man mit hunderten Anderen Schritt f\u00fcr Schritt durch den Park geleitet. Teilweise sind dei Tiere in sehr kleinen Gehegen, oder K\u00e4figen untergebracht. Im Aquarium tummeln sich viel zu viele Fische auf viel zu kleinem Raum. Dazu wird melancholische klassische Musik gespielt. Es wirkt wie ein Trauerlied f\u00fcr die Tiere. Den Leuten hier scheint das ganze aber relativ viel Spa\u00df zu machen. F\u00fcr mich eine interessante Erfahrung einmal in mitten von iranischen Touristen zu sein, aber um ehrlich zu sein sp\u00fcre ich so langsam schon wieder das Verlangen aufs Rad zu steigen und weiterzufahren.<br \/>\nDen letzten Tag auf Kish verbrachten wir &#8211; wo auch sonst &#8211; am Strand. Diesmal gabs aber zu meiner \u00dcberraschung noch relativ viele Fische zu sehen. Ein bisschen Brot ins Wasser gestreut und schon tummeln sich unz\u00e4hlige Fische im Wasser. Es gab sogar Rochen und eine Gruppe Tintenfische zu sehen. Dadurch, dass Kish nicht so sehr \u00fcberlaufen ist, gibt es noch eine relativ intakte Fischwelt zu bewundern. Die ersten Entwicklungspl\u00e4ne f\u00fcr Kish stammen noch aus der Zeit vor der Revolution. Damals war der Plan, die Insel als gro\u00dfen internationalen Touristenmagneten auszubauen. Die internationalen Touristen bleiben nun nach der Revolution aus, doch auch mit nationalen Touristen l\u00e4sst sich die Insel leicht f\u00fcllen. Der R\u00fcckflug ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, obwohl es drei Fl\u00fcge t\u00e4glich nach Tehran gibt.<br \/>\nWieder zur\u00fcck in Tehran freue ich mich \u00fcber die angenehmen Temperaturen. Nur 24 Grad, eine Wohltat nach der Hitze am Strand. In zwei Tagen kann ich mein Visum f\u00fcr Uzbekistan und Tajikistan abholen. Die Spannung steigt, ob auch alles glatt l\u00e4uft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 69 &#8211; 73 &#8211; (10.April &#8211; 14.April) Tehran \/ Kish Island Homestay \/ Apartment So, die ersten Tage in Tehran liegen hinter mir. Es gab viel zu organisieren doch nun kann ich mich voll und ganz auf die Stadt einlassen. 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