{"id":1040,"date":"2014-04-17T06:21:56","date_gmt":"2014-04-17T05:21:56","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1040"},"modified":"2014-04-17T06:21:56","modified_gmt":"2014-04-17T05:21:56","slug":"tag-74-76-die-visa-sind-da","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1040","title":{"rendered":"Tag 74-76: Die Visa sind da!"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 74 &#8211; 76 (15.April &#8211; 17.April)<\/h2>\n<p>Tehran &#8211; Ruhetag 8-10<br \/>\nHomestay<\/p>\n<p>Meine Tage in Tehran gehen nun langsam dem Ende zu. Die Visa f\u00fcr Uzbekistan und f\u00fcr Tajikistan kleben im Pass, das Transitvisum f\u00fcr Turkmenistan kann ich mir in einer Woche in Maschad abholen. Wie es der Zufall so will habe ich vor der Botschaft von Uzbekistan meine beiden franz\u00f6sischen Freunde wieder getroffen. Sie waren eine Woche in der W\u00fcste unterwegs und wollen so fr\u00fch als m\u00f6glich weiterreisen. Bei den Botschaften trifft man immer wieder aufeinander. Ich hatte mir f\u00fcr den Vormittag ein Taxi organisiert, sodass wir gleich nachdem das Uzbekistan Visum ausgestellt war in einen Copy-Shop fahren konnten und Farbkopien von unseren P\u00e4ssen anfertigen lie\u00dfen. Seit kurzem besteht die Turkmenische Botschaft n\u00e4mlich auf Farbkopien. Gottseidank habe ich noch zuvor im Internet einen Hinweis darauf gefunden. Von offizieller Seite kann man da n\u00e4mlich nichts erfahren. Ausgestattet mit den Passkopien, dem Empfehlungsschreiben von der Botschaft und einem Motivationsschreiben vertrauten wir auf unser Gl\u00fcck, dass wir der Antrag noch angenommen wird, da es bereits halb 11 war und die Botschaft eigentlich um 11 zusperrte. Wie durch ein Wunder lief alles glatt. Die Antr\u00e4ge wurden angenommen und wir k\u00f6nnen unser Visum auf dem Weg abholen. Ein bisschen muss man noch zittern, aber ich denke, dass es schon klappen wird.<br \/>\nDer Ansturm bei der Visumsverteilung hielt sich in Grenzen. Ausser uns waren nur Iraner vor Ort, die \u00fcber den Umweg Turkmenistan ein Visum f\u00fcr Amerika beantragen wollen. Ich wurde mit Fragen zu meiner Reise gel\u00f6chert. Das freie Reisen ist f\u00fcr Iraner immer noch sehr schwer. Dementsprechend neugierig sind sie nat\u00fcrlich, Berichte aus anderen L\u00e4ndern zu h\u00f6ren. Meine Adressliste wurde wieder ein bisschen l\u00e4nger. Viele luden mich ein, wenn ich das n\u00e4chste Mal im Iran bin, bei ihnen vorbeizukommen. Auf meiner Reise durch den Iran kann ich leider nur einen kleinen Bruchteil mitnehmen. Gerne h\u00e4tte ich mir Yazd, Esfahan oder Shiraz angesehen. Die Tage in Tehran mit Kazem und seiner Familie waren aber auch sehr fein.<br \/>\nIch konnte so einen sehr guten Einblick in das Alltagsleben der Stadt bekommen. Die Fahrten auf dem Motorrad durch den dichten Stadtverkehr vermisse ich jetzt schon&#8230; Kazem nahm mich mit zu einem Termin auf dem Gericht. Im Iran gibt es bei der Hochzeit den Brauch, Brautgeld zu vereinbaren. Teilweise werden hier immens hohe Summen vereinbart. Kazems letzte Frau ist leider an einer Hirnblutung gestorben. Nach iranischem Recht gehen alle Anspr\u00fcche der Frau auf die Mutter \u00fcber. Nun hat seine fr\u00fchere Schwiegermutter ihren Anteil eingeklagt. Obwohl Kazem relativ gut verdient, ist es f\u00fcr ihn auch zu viel Geld. Nun versucht er gerichtlich die H\u00f6he der zu zahlenden Summe zu dr\u00fccken. Er hat mir im Vorfeld davon berichtet, dass neuerdings viele Frauen diese Regelung schon fast als Business verstehen. Kurz nach der Hochzeit wird die Scheidung eingereicht und das Brautgeld gefordert. Damit werden oft Sch\u00f6nheitsoperationen oder gr\u00f6\u00dfere Investitionen finanziert. Wenn der Mann nicht zahlen kann, wandert er ins Gef\u00e4ngnis&#8230; Als ich im Vorhof des Gerichts wartete trottete auch gleich eine Gruppe von M\u00e4nnern in Str\u00e4flingskleidung und Handschellen vorbei. Eine sehr befremdliche Szenerie. Kazem hat aus dieser Erfahrung gelernt und mit seiner jetzigen Frau nur eine Goldm\u00fcnze Brautgeld vereinbart. Zuvor waren es \u00fcber 300 Goldm\u00fcnzen und eine betr\u00e4chtliche Summe Bargeld.<br \/>\nW\u00e4hrend meiner Zeit in Tehran habe ich ziemlich viele Leute getroffen. Ich bin in die Stadt gekommen mit ein paar Adressen von Leuten, die ich pers\u00f6nlich gar nicht kannte. Jetzt f\u00fcllen die Kontakte schon ein paar Seiten in meinem Notizbuch. Besonders nett war das Treffen mit einer Freundin von Daniel, einem guten Freund aus Wien. Farzaneh hatte vor einiger Zeit in Wien Raumplanung studiert. Obwohl ihr die Stadt sehr gut gefallen hat, war der Drang st\u00e4rker, wieder in den Iran zur\u00fcckzukommen. Aufgrund einer Augeninfektion (ja ja, die gute Tehraner Luft) kann sie momentan f\u00fcr drei Wochen nicht aus dem Haus. Daher vereinbarten wir ein Treffen bei ihr zuhause. Sie lud noch eine Hand voll ihrer Freunde ein und so machten wir uns einen sehr gem\u00fctlichen Abend. Farzaneh Vater produziert ausserordentlich guten Wein. Eine gro\u00dfe \u00dcberraschung, wenn ich an die hausgemachten Weine in Georgien zur\u00fcckdenke. Die Freundlichkeit und die \u00fcberaus gro\u00dfe Gastfreundschaft mit der man im Iran Willkommen gehei\u00dfen wird \u00fcberw\u00e4ltigt mich immer noch. Es gibt nicht viel, was man als Gegenleistung anbieten kann, ausser ein paar Geschichten von der Reise. Mehdi, ein Freund von Farzaneh lud mich ein, am n\u00e4chsten Tag mit ihm gemeinsam ein bisschen Tehran anzuschauen. Gerne nahm ich die Einladung an. Mehdi hatte zuf\u00e4lligerweise erst vor kurzem ein Buch \u00fcber den Norden von Tehran geschrieben. Da traf es sich ja perfekt, dass wir eben dort ein wenig herumwanderten. Wir schlenderten durch die ehemalige Palastanlage (Sa\u00b4d Abad) der Familie des Shah. Auffallend, wie sehr international die Einrichtung der Anlage ist. W\u00e4hrend der Zeit vor der Revolution war der Iran sehr international ausgerichtet. Der Shah pflegte sehr gute Beziehungen zu Regierungen vieler L\u00e4nder. Das gro\u00dfe Netzwerk ist nun unter der jetzigen Regierung verschwunden.<br \/>\nBesonders beeindruckend war eine Ausstellung \u00fcber die Omidvar Br\u00fcder, die in den 1950er Jahren zu einer fast 10-j\u00e4hrigen Weltreise aufgebrochen sind und praktisch als Botschafter des Iran Kontakte in vielen L\u00e4ndern gekn\u00fcpft haben. Sieben Jahre mit dem Motorrad und drei Jahre mit einem Auto&#8230; Beeindruckende Geschichte, vor allem wenn man die Zeit betrachtet, in der sie unterwegs waren. Man wird allerdings schon auch recht nachdenklich, wenn man sieht, wie frei sich die Leute noch vor wenigen Jahrzehnten im Iran bewegen konnten. Und jetzt sind die Grenzen mehr oder weniger dicht. Viele Iraner f\u00fchlen sich einerseits im eigenen Land gefangen, wollen aber andererseits ihr Heimatland auch nicht verlassen. Es bleibt fraglich, wie lange es dauern wird, bis sich die Regierung wieder etwas mehr dem Rest der Welt \u00f6ffnet.<br \/>\nMit Mehdi habe ich auch ausgiebig \u00fcber die Reglementierungen im Iran geplaudert. Ich hatte vor einiger Zeit vernommen, dass es f\u00fcr Frauen gesetzlich verboten ist, Fahrrad zu fahren. Dieses Gesetzt gibt es nach Aussage von Mehdi tats\u00e4chlich, doch offenbar wird es nicht so streng ausgelegt. Es kann aber trotzdem immer wieder zu Abmahnungen kommen. Genauso wie es eigentlich nicht gestattet ist, als Paar Hand in Hand durch die Stadt zu laufen. Viele bestehende Gesetze werden recht liberal ausgelegt, doch man muss sich immer darauf besinnen, dass sie das jederzeit auch wieder \u00e4ndern kann.<br \/>\nEin Taxifahrer hat mich einmal gefragt, ob es f\u00fcr Europ\u00e4er vorstellbar sei, im Iran zu leben. Gerade wenn man die vielen Gesetze betrachtet, die das Alltagsleben regeln ist es schwer sich vorzustellen, die in Europa \u00fcber Jahrhunderte erk\u00e4mpfte Freiheit wieder aufzugeben. F\u00fcr M\u00e4nner mag es nicht so tragisch sein, aber f\u00fcr Frauen ist der Bruch sicherlich sehr gro\u00df.<br \/>\nIch bin schon sehr gespannt, wie sich die Situation in Maschad darstellen wird. Maschad wird als das religi\u00f6se Zentrum des Iran betrachtet. In Tehran werden viele Regeln sehr liberal ausgelegt. Das scheint in Maschad nicht mehr der Fall zu sein. Ich lasse mich \u00fcberraschen. In gut einer Woche wei\u00df ich mehr. Nachdem das Visum jetzt in der Tasche ist, werde ich morgen wieder aufbrechen. F\u00fcr die kommenden 1000km habe ich 10 Tage Zeit. Wieder mal ein relativ enges Zeitkorsett, aber das sollte schon klappen. Meinen letzten Tag in Tehran wollte ich noch in Ruhe mit Kazem und seiner Familie verbringen. Ausserdem muss das Rad noch auf Vordermann gebracht werden. Die Kette muss wieder mal getauscht werden und die Bremsen sollten auch nachgestellt werden.<br \/>\nVermutlich werde ich die bequeme, aber sehr verkehrsreiche Bundesstra\u00dfe in Richtung Osten meiden und statt dessen in Richtung Kaspisches Meer aufbrechen. Dazu muss aber erst die Gebirgskette im Norden von Tehran \u00fcberquert werden. Danach hoffe ich aber auf mediterranes Klima und mehr Gr\u00fcn&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 74 &#8211; 76 (15.April &#8211; 17.April) Tehran &#8211; Ruhetag 8-10 Homestay Meine Tage in Tehran gehen nun langsam dem Ende zu. Die Visa f\u00fcr Uzbekistan und f\u00fcr Tajikistan kleben im Pass, das Transitvisum f\u00fcr Turkmenistan kann ich mir in einer Woche in Maschad abholen. 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