{"id":1069,"date":"2014-04-19T19:16:49","date_gmt":"2014-04-19T18:16:49","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1069"},"modified":"2014-04-19T19:27:39","modified_gmt":"2014-04-19T18:27:39","slug":"tag-7778-sandstrand-zum-zweiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1069","title":{"rendered":"Tag 77\/78: Sandstrand zum Zweiten"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 77 &#8211; 18.April<\/h2>\n<p>Tehran &#8211; Ab-Ali: 63km; 3:36h im Sattel; 20-27 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Gestern Abend gab es noch eine Abschiedsfeier f\u00fcr mich. Dazu fuhren wir alle nach Karaj (ca. 40km westlich von Tehran). Mohammad, der Cousin von Mariam hatte eingeladen. Eigentlich wollte ich ja heute zeitig aufbrechen, da doch ein ordentliches St\u00fcck Weg vor mir liegt, doch im Laufe des gestrigen Abends wurde mir schnell klar, dass ich wohl eher Nachmittags loskommen werde. Ich muss schon sagen, die Iraner verstehen ganz gut zu feiern. Es gibt zwar keine Clubs, oder Tanzgelegenheiten in Lokalen, daf\u00fcr geht es in den privaten Wohnzimmern umso wilder zu. Im alkoholfreien Iran habe ich bis jetzt hausgemachtes Bier und hausgemachten Wein gekostet. Der heutige Abend stand unter dem Motto Rosinenschnaps&#8230; Da ja offiziell im Iran kein Alkohol konsumiert wird, ist die Wahrscheinlichkeit auch nicht so gro\u00df, in eine Alkoholkontrolle zu geraten. Das erleichtert die n\u00e4chtliche Fahrt zum n\u00e4chstgelegenen Supermarkt ungemein.<br \/>\nWieder einmal war ich \u00fcberw\u00e4ltigt, wie warmherzig ich aufgenommen wurde. Alma, die Frau von Mohammad glaubte mir bis zum Schluss nicht, dass ich kein Farsi spreche. Ihre Taktik war stets, mit mir besonders langsam auf Farsi zu reden, weil sie dann davon ausging, ich w\u00fcrde sie verstehen. Mit der Zeit eignet man sich wohl die F\u00e4higkeit an, viel aus dem Zusammenhang zu interpretieren. So mag vielleicht der Eindruck entstehen, dass man versteht, was gesagt wird, aber leider ist das nicht so. Gerne w\u00fcrde ich etwas mehr verstehen, oder auch sprechen k\u00f6nnen. Aber auch so hatten wir einen \u00fcberaus netten Abend.<br \/>\nZur\u00fcck in Tehran durfte ich nat\u00fcrlich nicht gleich aufbrechen. Erst einmal gab es Tee, dann wurde noch Kebab vom benachbarten Laden geholt und wir a\u00dfen noch einmal alle zusammen. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto ging es dann aber los. Der Abschied viel mir nicht sehr leicht. Ich habe Kazem und seine Familie in den letzten Tagen sehr ins Herz geschlossen. Aber leider dr\u00e4ngt die Zeit ein wenig. Der Zeitpunkt f\u00fcr die kommenden Grenz\u00fcbertritte ist bereits fixiert und dabei ist kein Tag Spielraum. Es darf also nichts gr\u00f6beres dazwischenkommen.<br \/>\nUm kurz nach 15 Uhr war es dann so weit. Nach zehn Ruhetagen schwang ich mich wieder aufs Rad und suchte mir meinen Weg aus der Stadt. Es war Freitag und dementsprechend wenig Verkehr war auf den Stra\u00dfen (Freitag = Sonntag in Europa). Nach langem Hin und Her hatte ich mich doch dazu entschlossen, die Route \u00fcber die Berge, zum Kaspischen Meer zu w\u00e4hlen. Ich wollte nach so vielen Tagen in trockenen Gebieten endlich wieder einmal etwas Gr\u00fcnes sehen. Dazu musste ich aber erst noch einmal \u00fcber 2600m hinauf. Einen Teil des Anstieges hatte ich mir f\u00fcr heute vorgenommen. Laut Karte sollte es sich bei der Strecke um eine Nebenstra\u00dfe handeln, doch der Verkehr war teilweise st\u00e4rker als in Tehran.<br \/>\nAuf 2000m fand ich dann einen passenden Platz um mein Zelt aufzuschlagen. Die letzten Tage waren stets sehr lebhaft. Die Kinder hielten mich meistens am Abend ziemlich auf Trab. Da war es eine willkommene Abwechslung, einmal seit langem wieder die Nacht alleine zu verbringen.<\/p>\n<h2>Tag 78 &#8211; 19.April<\/h2>\n<p>Ab-Ali &#8211; Mahmudabad: 150km; 6:16h im Sattel; 18-28 Grad, wechselhaft<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Die erste Nacht im Zelt ohne Kondensat am Innenzelt. Es wird endlich w\u00e4rmer! Daf\u00fcr hatte es in der Fr\u00fch noch kurz geregnet, sodass ich mir mit dem Fr\u00fchst\u00fcck etwas Zeit lassen konnte, damit das Au\u00dfenzelt noch auftrocknen konnte.<br \/>\nEs standen heute nur noch gut 600 H\u00f6henmeter Anstieg bevor. Die Steigung war moderat, doch bei 25 Grad schwitzt man sich trotzdem fast zu Tode&#8230; Immerhin noch 23 Grad auf 2600m, aber am Stra\u00dfenrand noch Schneereste. Es scheint, dass ich gerade zur rechten Zeit hier bin&#8230;<br \/>\nDie Szenerie, die mich umgab gab mir Recht, den Weg \u00fcber die Berge gew\u00e4hlt zu haben. Die Tage in der monotonen Steppe vor Tehran hatten mich etwas demotiviert. Umso interessanter war es jetzt wieder steil aufragende Bergr\u00fccken zu beiden Seiten zu sehen. Die Strecke folgte einem kleinen Bach, der in weiterer Folge eine Vielzahl von Fischfarmen mit Frischwasser versorgte. Auf das erhoffte Gr\u00fcn musste ich aber noch eine Weile warten. Zu Mittag fand ich zumindest ein sehr idyllisches Pl\u00e4tzchen am Fluss. Obwohl ich an einer Vielzahl von Restaurants vorbeigeradelt bin, war mir heute mehr nach privater K\u00fcche. So konnte ich mir auch noch einen kurzen Mittagsschlaf im Schatten der B\u00e4ume g\u00f6nnen. Kurzzeitig machte es den Anschein, als ob ein schweres Gewitter aufziehen w\u00fcrde. Pechschwarze Wolken hangen in den Bergen, doch zu meinem Gl\u00fcck verzogen sich diese wieder. Daf\u00fcr hatte ich die n\u00e4chsten drei Stunden mit ordentlichem Gegenwind zu k\u00e4mpfen.<br \/>\nDer Verkehr lies leider auch nicht nach. Stellenweise war die Stra\u00dfe nur zweispurig, der Verkehr verlangte aber eigentlich eine vierspurige Stra\u00dfe. Die Strecke f\u00fchrte durch eine Vielzahl von Tunnels. Teilweise unbeleuchtet, teilweise unbel\u00fcftet&#8230; wenn dann noch st\u00e4ndig schwere LKW an einem vorbeidonnern geht das durchaus an die Substanz. In meiner ganzen Zeit in Tehran war die Luft nie so schlecht wie heute in den Bergen. Sauberer Benzin und bessere Filter \/ \u00fcberhaupt irgendwelche Filter w\u00fcrden sicher viel zur Verbesserung der Luftqualit\u00e4t beitragen. So angenehm das Reisen im Iran durch die Leute vor Ort auch gemacht wird, der Verkehr macht das Radfahren nicht unbedingt attraktiv. Der Baut\u00e4tigkeit nach zu urteilen stellt sich das Land auch auf ein steigendes Verkehrsaufkommen ein. Ich hoffe, dass sich in den n\u00e4chsten Jahren in Punkto Verbesserung der Luftqualit\u00e4t auch noch einiges tut.<br \/>\nEine Wohltat war es dann aber, als ich zum ersten Mal dicht bewaldete H\u00fcgel sah. Eine gef\u00fchlte Ewigkeit habe ich schon kein saftiges Gr\u00fcn mehr gesehen. Man konnte die N\u00e4he zum Meer schon sp\u00fcren. \u00c4hnlich wie am Schwarzen Meer in der T\u00fcrkei regnet es auch am Kaspischen Meer sehr viel in K\u00fcstenn\u00e4he. Tehran liegt nur knapp 150km Luftlinie vom Meer entfernt, bekommt aber nur sehr selten Regen ab. Daf\u00fcr ist es hier nun umso gr\u00fcner&#8230;genau das hatte ich gesucht.<br \/>\nUm kurz vor Sechs stand ich dann am Strand. Immerhin schon das dritte Meer, das ich mir selbst erstrampelt habe. Bis zum n\u00e4chsten Mal wird noch einige Zeit vergehen&#8230;<br \/>\nZur Feier des Tages g\u00f6nnte ich mir heute ein Hotel. Ich hatte in Tehran einen Reisebericht \u00fcber dieselbe Strecke gelesen und daraus entnommen, dass auf den kommenden Kilometern kaum M\u00f6glichkeiten zum Zelten bestehen. Ein Blick in den Spiegel machte mir aber auch klar, dass es an der Zeit war, wieder einmal zu duschen. Von der schlechten Luft war ich ganz schwarz im Gesicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 77 &#8211; 18.April Tehran &#8211; Ab-Ali: 63km; 3:36h im Sattel; 20-27 Grad, Sonne Camping Gestern Abend gab es noch eine Abschiedsfeier f\u00fcr mich. Dazu fuhren wir alle nach Karaj (ca. 40km westlich von Tehran). Mohammad, der Cousin von Mariam hatte eingeladen. 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