{"id":1073,"date":"2014-04-22T16:56:11","date_gmt":"2014-04-22T15:56:11","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1073"},"modified":"2014-04-22T16:56:11","modified_gmt":"2014-04-22T15:56:11","slug":"tag-79-81-ein-bisschen-farsi-wurde-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1073","title":{"rendered":"Tag 79-81: Ein bisschen Farsi w\u00fcrde helfen.."},"content":{"rendered":"<h2>Tag 79 &#8211; 20. April<\/h2>\n<p>Mahmudabad &#8211; Beshahar: 133km; 6:03h im Sattel; 26 &#8211; 32 Grad, sonnig<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Der Iran ist landschaftlich ja ein sehr reiches Land. Von Hochgebirge \u00fcber sanfte H\u00fcgelketten, von dichter gr\u00fcner Vegetation \u00fcber trockenste W\u00fcste findet sich alles in einem Land. Und das beste, der Iran hat zwei Meerzug\u00e4nge. Nachdem ich dank Kazem den Persischen Golf bereits gesehen habe, freute es mich umso mehr, aus eigener Kraft nun das Kaspische Meer erreicht zu haben. Leider gilt das Kaspische Meer als sehr verschmutzt. Ob das der Grund war, weshalb mir gestern Abend, als ich einen gegrillten Fisch bestellte, kein Salzwasserfisch, sondern eine Forelle aus der Fischzucht vorgesetzt wurde wei\u00df ich nicht. Eigentlich h\u00e4tte ich mich auf frischen Fisch aus dem Kaspischen Meer gefreut, ist aber offenbar nicht so leicht zu bekommen. Ich erinnere mich an die Schwarzmeerk\u00fcste der T\u00fcrkei zur\u00fcck. Auch da musste man l\u00e4nger suchen, bis man ein Fischrestaurant fand. Im Bezug auf die Einbindung der Meeresk\u00fcste finden sich hier generell viele \u00c4hnlichkeiten mit der t\u00fcrkischen Schwarzmeerk\u00fcste. Die Ortskerne sind eigentlich alle relativ weit von der K\u00fcste entfernt. In der Gegend um Mahmudabad verl\u00e4uft die Stra\u00dfe generell einige hundert Meter abseits von der K\u00fcste. Nur vereinzelt gibt es kleine Stichstra\u00dfen zum Strand.<br \/>\nBereits in der Fr\u00fch war die Temperatur jenseits der 20 Grad Marke. Es schien ein hei\u00dfer Tag zu werden. Die K\u00fcstenregion ist daf\u00fcr bekannt, dass es relativ h\u00e4ufig regnet. Der Regen kommt aber nicht weit ins Landesinnere, sondern regnet sich gleich an den ersten H\u00fcgelketten ab. F\u00fcr heute sollte es aber trocken bleiben.<br \/>\nZu beiden Seiten der Stra\u00dfe finden sich viele Reisfelder, die eifrig bestellt werden. Das absolut flache Land eignet sich offenbar sehr gut zum gro\u00dffl\u00e4chigen Reisanbau. immer wieder sieht man einzelne Personen in mehreren Fu\u00dfballfeld gro\u00dfen Feldern durch das Wasser warten. Nur selten sind Maschinen im Einsatz.<br \/>\nDie Liste der \u00fcberfahrenen Tiere am Stra\u00dfenrand wird nun erg\u00e4nzt durch eine Vielzahl von Schildkr\u00f6ten und &#8211; heute ganz \u00fcberraschend &#8211; durch ein Stachelschwein. Bei dem Verkehrsaufkommen wundert es mich aber auch nicht, dass es keine Schildkr\u00f6te \u00fcber die Stra\u00dfe schafft.<br \/>\nDurch die leichte Briese die vom Meer her weht, ist die Luftqualit\u00e4t endlich einmal wieder gut. Die schwarzen Abgaswolken der vorbeirauschenden LKWs werden schnell wieder verblasen. Eine Wohltat, beim Radeln wieder tief einatmen zu k\u00f6nnen&#8230;<br \/>\nIn Babolsar mache ich noch ein letztes Mal einen Abstecher zum Strand und schaue einige Zeit einer Gruppe Schulkindern zu, wie sie das Meer genie\u00dfen. Trotz der relativ hohen Temperaturen ist mir irgendwie nicht nach Baden im Meer. Den Moment genie\u00dfe ich trotzdem. Wenn ich das n\u00e4chste Mal am Meer stehe, ist meine Reise schon fast wieder zu Ende&#8230;<br \/>\nVon Babolsar bis Sari w\u00e4hle ich ein paar kleinere Nebenstra\u00dfen. Leider f\u00fchrt keine Stra\u00dfe an der K\u00fcste entlang, auch wenn dies in der Karte so eingezeichnet ist. Daf\u00fcr h\u00e4lt sich der Verkehr auf den kleineren Stra\u00dfen in Grenzen. Ich bin froh, auf dem Tablet ebenfalls eine Karte geladen zu haben. Erstens ist sie diesmal korrekt und zweitens kann man so ganz gut ohne die Wegbeschilderung auf Persisch navigieren.<br \/>\nDie Sonne brennt vom Himmel und ich bin immer wieder am \u00fcberlegen, ob ich in die kurzen Fahrradklamotten wechseln sollte. Die Kleidersitten im Iran halten mich aber noch ein wenig davon ab. Ausserdem sch\u00fctzt die lange Kleidung auch vor Sonnenbrand, Wenn es nicht noch viel w\u00e4rmer wird, sollte es bis zur Grenze nach Turkmenistan so noch gut klappen.<br \/>\nSeit ich am Kaspischen Meer angekommen bin, sieht man wieder viel mehr Einheimische fahrradfahren. Das Fahrrad \u00fcbernimmt wieder die Rolle des g\u00fcnstigen Verkehrsmittels. Viele Bauern sind damit zu ihren Feldern unterwegs. Kinder sieht man aber praktisch keine mit R\u00e4dern, obwohl praktisch in jedem Ort die Fahrradl\u00e4den zum Gro\u00dfteil mit Kinderr\u00e4dern best\u00fcckt sind.<br \/>\nKurz vor Neka beschlie\u00dfe ich, meine Lebensmittelvorr\u00e4te wieder aufzuf\u00fcllen, da ich heute Abend irgendwo mein Zelt aufschlagen m\u00f6chte. Obst und Gem\u00fcse kostet hier im Iran praktisch gar nichts. Das einzige, was verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig teuer ist, sind Fruchts\u00e4fte. Aber auf die m\u00f6chte ich nicht wirklich verzichten. Auf der Suche nach frischem Brot muss man nur der Nase folgen. Das ist wom\u00f6glich einer der gr\u00f6\u00dften Vorteile vom Fahrradfahren, dass man sich so orientieren kann.<br \/>\nSchon als ich mein Rad vor der B\u00e4ckerei abstelle, kommt mir einer der Mitarbeiter entgegen und begr\u00fc\u00dft mich \u00fcberschw\u00e4nglich. Die Beschreibung meiner Reise bekomme ich jetzt auf Farsi schon ganz gut hin. Binnen weniger Minuten bin ich von gut 10 M\u00e4nnern umringt, die alle wissen wollen, woher ich komme und wohin es geht. Ich werde sowohl in der B\u00e4ckerei, als auch in der benachbarten Autowerkst\u00e4tte zum Tee eingeladen. Der Mechanikermeister spendiert sogar noch eine Runde Eis f\u00fcr alle Anwesenden. F\u00fcr mich geht es aber wieder weiter. So schnell man im Iran auch eingeladen wird, es ist immer wieder eine besondere Herausforderung, den Leuten klar zu machen, dass man nicht ewig bleiben kann.<br \/>\nWieder mal eine sehr nette Erfahrung reicher geht es noch ein paar Kilometer entlang an herrlich gr\u00fcnen H\u00fcgeln. Genau danach hatte ich mich seit Tagen gesehnt. Die Landschaft erinnert sogar ein wenig an zuhause.<br \/>\nDie Suche nach einem geeigneten Zeltplatz erweist sich heute als besonders schwierig. Kurz vor Beshahar biege ich in eine kleine Seitenstra\u00dfe in Richtung Wald ab und versuche hier einen Platz zu finden. Gerade als ich mein Zelt aufstellen will, kommt ein Hirte mit seiner Schafherde vorbei. Er hat nicht wirklich was dagegen, dass ich mein Zelt hier aufstelle, er will aber erst noch seine Schafe hier weiden lassen. Also warte ich noch, bis er mit seiner Herde wieder weiterzieht. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit stelle ich dann mein Zelt auf. Seit Ewigkeiten mal wieder eine saftige Wiese als Untergrund. Die Hauptstra\u00dfe ist weit entfernt und hinter mir nichts als B\u00e4ume.<\/p>\n<h2>Tag 80 &#8211; 21.April<\/h2>\n<p>Beshahar &#8211; kurz vor Fazelabad: 119 km; 5:26h im Sattel; 24 &#8211; 30 Grad, bew\u00f6lkt<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Die erste Nacht im Zelt ohne den Daunenschlafsack! Die Temperatur fiel Nachts nicht unter 20 Grad, da kann man es gut mit dem leichten Seidenschlafsack aushalten. Willkommen im S\u00fcden sage ich da nur. Wegen der feuchten Luft musste ich aber relativ lange warten, bis das Zelt aufgetrocknet war. Eine willkommene Gelegenheit, das Fr\u00fchst\u00fcck ein wenig in die L\u00e4nge zu ziehen.<br \/>\nBeshahar liegt noch im Bezirk Mazandaran. Schon nach wenigen Kilometern fuhr ich in den Bezirk Golestan, der im S\u00fcden direkt an Turkmenistan angrenzt. Diesmal nimmt man den \u00dcbergang der verschiedenen Bezirke sehr deutlich war. Die Leute, die Kleidung, die Bauweisen und teilweise auch die Landwirtschaftlichen Methoden haben nun einen viel st\u00e4rkeren asiatischen Einschlag. Seit ich aus Tehran losgefahren bin, hat sich wirklich viel ver\u00e4ndert. Zuerst die Berge, dann das Meer und nun schon fast ein kleiner Vorgeschmack auf China.<br \/>\nDie Frauen sind nun viel h\u00e4ufiger zur G\u00e4nze schwarz verh\u00fcllt. Auch die M\u00e4nnern tragen nun immer \u00f6fter spezielle Kopfbedeckungen und einheitliche Oberbekleidung. Am Stra\u00dfenrand wird nun neuerdings Fisch zum Verkauf angeboten. Bisher gab es nur Obst und Gem\u00fcse. Wie frisch die Fische aber dann wirklich sind, will ich nicht wissen. Die Verk\u00e4ufer stehen in der prallen Hitze und warten auf Kunden. Beim Vorbeifahren riecht es ziemlich intensiv nach Fisch&#8230; Ich bleibe da lieber beim Obst.<br \/>\nMittags habe ich diesmal beschlossen, mir ein ruhiges \u00d6rtchen im Park von Kordukuy zu suchen um dort Pasta zu kochen. Ein nettes Pl\u00e4tzchen war schnell gefunden, doch von ruhig konnte keine Rede sein. Immer wieder kamen Leute vorbei und wollten wissen, woher ich komme und was ich hier im Iran mache. Besonders penetrant war ein etwa zehnj\u00e4hriger Junge, der mir partout nicht mehr von der Seite weichen wollte. Erst als ich mich demonstrativ zum Schlafen unter einen Baum legte, entschuldigte er sich, dass er jetzt gehen m\u00fcsse&#8230; Das Nickerchen konnte ich dann zumindest ganz entspannt genie\u00dfen. Bei 30 Grad im Schatten war das aber auch das Beste, was man zur Mittagszeit machen konnte.<br \/>\nSehns\u00fcchtig blickte ich immer wieder in Richtung der dicht bewaldeten H\u00fcgelkette rechts von der Stra\u00dfe. Leider verlief die Stra\u00dfe immer etwa 1 &#8211; 1 1\/2 km davon entfernt. Aber immerhin konnte man immer dann, wenn gerade mal wenig Verkehr war, den Duft der Rapsfelder oder auch der Getreidefelder genie\u00dfen. Mir war gar nicht bewusst, wie sehr man den Geruch von &#8220;Gr\u00fcn&#8221; vermissen kann.<br \/>\nKurz nach Gorgan beschloss ich mich so langsam nach einem Zeltplatz umzuschauen. Am liebsten h\u00e4tte ich direkt in den W\u00e4ldern gezeltet, aber dorthin zu gelangen war relativ schwer. Es gibt immer wieder mal D\u00f6rfer in der N\u00e4he der W\u00e4lder, doch die Stra\u00dfen f\u00fchren leider nicht weiter, sodass man im Dorf wieder umdrehen muss. Kurz vor Fazelabad reicht der Wald dann fast bis zur Bundesstra\u00dfe und da war dann auch pl\u00f6tzlich ein kleiner Forstweg, der direkt in die W\u00e4lder f\u00fchrte. Nach gut 500m hatte ich den perfekten Platz gefunden. Nachdem das Zelt aufgebaut war, wartete ich nur noch darauf, bis der Bauer vom Feld kam. Ich erkundigte mich kurz, ob es in Ordnung ist, dass ich hier zelte und dann gings auch schon ans Abendessen. Es zogen noch zwei Schafherden samt Hirten vorbei und dann war erst mal Ruhe. Ich genoss den Blick auf die Berge mit den noch schneebedeckten Gipfeln und die Weizenfelder vor mir. Als es gerade dunkel wurde kamen noch zwei Gestalten vorbei, die mich ewig lange zutexteten. Nat\u00fcrlich verstand ich kein Wort, doch ich begriff schon, dass sie mich dazu \u00fcberreden wollten, im benachbarten Park zu zelten, weil es hier kein guter Platz w\u00e4re. Ich versuchte mich diesmal dumm zu stellen. Die beiden begriffen auch, dass ich kein Farsi verstehe, doch ihre Taktik, das zu umgehen war dann einfach alles aufzuschreiben. F\u00fcr mich nicht unbedingt einfacher, da ich keinen Buchstaben entziffern kann. Ich versuchte zu erkl\u00e4ren, dass ich heute hier bleibe und morgen in den Park schaue&#8230; Das schien sie zu beruhigen und weg waren sie. Ich zog mich wieder ins Zelt zur\u00fcck und erfreute mich der Ruhe im Wald. Nach einer guten halben Stunde waren die beiden aber wieder da und gaben mir zu Verstehen, dass ich doch das Zelt abbauen solle. Es war stockfinster und ich hatte einfach keine Lust dazu. Es wurde viel herumtelefoniert und dann fuhr ein Jeep der \u00f6rtlichen Polizei vor. Angeblich konnte einer der Beamten Englisch, das beschr\u00e4nkte sich aber auch auf den Satz &#8220;hello Mister, how are you?&#8221;. Mir war klar, dass ich die Situation so nun nicht aussitzen kann. Wiederwillig packte ich meine Sachen zusammen und lud alles auf die Ladefl\u00e4che. Angeblich wimmelt es im Wald vor Terroristen und Kriminellen die es auf Geld abgesehen haben&#8230; Im Park, direkt neben der Bundesstra\u00dfe sollte es angeblich sicherer sein.<br \/>\nIch war ziemlich sauer, dass ich von meinem Zeltplatz vertrieben wurde, stellte mein Zelt zum zweiten Mal und gr\u00fcbelte ein wenig \u00fcber die Hilfsbereitschaft und die F\u00fcrsorge im Iran nach.<\/p>\n<h2>Tag 81 &#8211; 22.April<\/h2>\n<p>kurz vor Fazelabad &#8211; Minu Dasht: 92km; 3:56h im Sattel; 25 &#8211; 32 Grad, wechselhaft<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Die gestrige &#8220;Vertreibung aus dem Paradies&#8221; ging mir noch lange durch den Kopf. Hier im Iran scheint man einen v\u00f6llig anderen Zugang zur Natur zu haben, als ich es aus Europa gew\u00f6hnt bin. Die Gegend hier wird beispielsweise als Dschungel bezeichnet, wenn man ehrlich ist, ist es einfach nur dicht bewaldetes Gebiet. Mit Dschungel hat das ganze noch wenig zu tun. Die Natur wird sehr h\u00e4ufig noch als gef\u00e4hrlich betrachtet. Besonders Nachts wird von jedem davor gewarnt, abseits von besiedeltem Gebiet unterwegs zu sein. Woher das kommt, ist mir nicht ganz klar. Viel hat das aber mit Angstmacherei zu tun. Die Leute f\u00fcrchten sich vor wilden Tieren, wissen aber nicht einmal, welche &#8220;wilde Tiere&#8221; im Wald sind. Man kann auch nicht logisch erkl\u00e4ren, dass die meisten Tiere die Menschen eigentlich meiden&#8230; Nachts im Wald ist praktisch gleichbedeutend mit Todesgefahr. Offenbar wird das den Leuten von Kindesbeinen an eingetrichtert. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich auch mit dem Misstrauen Anderen gegen\u00fcber. Ich habe den Iran als ein \u00e4u\u00dferst sicheres Land erlebt, doch immer wieder werde ich vor Kriminellen und Todschl\u00e4gern gewarnt. Irgendwie paradox, wo doch im Islam kriminelle Handlungen streng untersagt sind. Wenn man dann n\u00e4her nachfragt, hat auch noch kaum jemand schlechte Erfahrungen gemacht, aber trotzdem geht man davon aus, dass mir das Rad, das ich unter den Augen von ca. 10 Leuten f\u00fcr 2 Minuten vor dem Supermarkt abstelle, sofort gestohlen wird&#8230;<br \/>\nDieses unn\u00f6tige Angst sch\u00fcren geht mir schon ein wenig auf den Geist. Ebenso das leicht gest\u00f6rte Verh\u00e4ltnis zur Natur. Aber so langsam verstehe ich nun, weshalb die Natur oft so r\u00fccksichtslos behandelt wird. Wenn man nur die &#8220;domestizierte Natur&#8221; als gut und sicher betrachtet, dann liegt es ja nahe, sich nicht weiter um alles was ausserhalb des bewohnten Umfeldes liegt zu k\u00fcmmern. Man sucht sich einen netten Platz zum Picknicken, vorzugsweise direkt neben der Stra\u00dfe und l\u00e4sst dann alles, was nicht verzehrt wurde einfach liegen. Eigenartig ist nur, dass es die Leute auch nicht st\u00f6rt, sich wieder auf verm\u00fcllte Pl\u00e4tze zu setzen.<br \/>\nAls ich heute Fr\u00fch aus dem Zelt kroch, f\u00fcllte sich der Park gerade mit unz\u00e4hligen Schulkindern. Offenbar trafen sich heute alle umliegenden Schulen hier zum Picknicken. Auch hier das selbe Bild. Viele werfen die Verpackungen einfach \u00fcber ihre Schultern und weiter gehts&#8230;Nicht einmal das Lehrpersonal h\u00e4lt die Sch\u00fcler dazu an, ihren M\u00fcll wieder mitzunehmen.<br \/>\nAm Hauptplatz des Parks befindet sich ein kleines Gehege f\u00fcr einen einzelnen Affen. Dieser wird von kreischenden Kindern umringt und durch ein Kunstoffrohr mit leeren Chipst\u00fcten, Dosen und sonstigem Unrat &#8220;gef\u00fcttert&#8221;.<br \/>\nLeicht demotiviert packe ich meine Sachen und verlasse den Park.<br \/>\nMeine Stimmung ist noch lange auf einem Tiefstand. Stellenweise f\u00fchle ich mich selbst auch wie ein Exot in einem Zirkus. Die Leute fahren vorbei und hupen mich an, rufen mir unverst\u00e4ndliche S\u00e4tze zu und brausen wieder weiter. Hin und wieder sehnt man sich auch einfach nur nach etwas Ruhe&#8230;<br \/>\nAls ich in Daland kurz stehenbleibe um eine der \u00f6rtlichen Moscheen zu fotografieren, werde ich sofort vom &#8220;Manager&#8221; zum Tee eingeladen. Anfangs bin ich nicht so sehr von der Idee begeistert, doch ich gebe mir einen Ruck und versuche die schlechte Stimmung zu vergessen. Wir sitzen zu viert in einem etwa 2qm gro\u00dfen Raum neben dem Gebetsraum und versuchen uns mit der Unterst\u00fctzung eines online-\u00dcbersetzers zu unterhalten. Einer der Anwesenden ist Reporter f\u00fcr die Lokalzeitung. Bin gespannt, was er \u00fcber diese Begegnung schreiben wird. Zumindest hier habe ich mal wieder gesp\u00fcrt, dass sich die Leute wirklich gefreut haben, dass es ein europ\u00e4ischer Tourist zu ihnen geschafft hat. Ich bestehe darauf, nach einem Glas Tee wieder weiterzufahren, mit dem Wissen, dass sich das ohnehin noch in die L\u00e4nge ziehen wird. Es werden noch unz\u00e4hlige Fotos geschossen, doch dann gehts f\u00fcr mich wieder weiter.<br \/>\nIm n\u00e4chsten Ort suche ich mir einen kleinen Imbiss, weil ich eigentlich nicht gro\u00df Lust auf die immer wiederkehrenden &#8220;Unterhaltungen&#8221; hatte. Die zwei einzigen G\u00e4ste verfolgten dann aber dieselbe Taktik wie die beiden Typen gestern Abend. Als sich begriffen, dass ich kein Farsi spreche \/ verstehe, beginnen sie, alles aufzuschreiben. Nun ja, manchmal muss man dieses Spiel auch mitspielen.<br \/>\nAls ich gerade meine Landkarte studiere kommt ein neuer Gast ins Lokal. Er erkundigt sich kurz nach meiner Route und gibt mir dann noch den Tip, einen kleinen Umweg zu fahren und einen sehenswerten Turm in Gonbad-e Kavus zu besichtigen. Warum nicht&#8230; f\u00fcr heute steht ohnehin nur eine kurze Etappe auf dem Plan.<br \/>\nAuf dem Weg in die Stadt \u00fcberholt mich immer wieder ein Bus mit kreischenden Schulm\u00e4dchen. Beim zweiten Mal hat der Buschauffeur dann auch noch die T\u00fcren ge\u00f6ffnet, sodass mir die M\u00e4dels aus jeder T\u00fcr aufgeregt zuwinken. Auch ein netter Empfang&#8230;<br \/>\nIn Gonbad-e Kavus steht ein spezieller Turm, der sog. Gonbad-e Qabus. Dieser wurde ca. 1000 nach Christus erbaut. Ein etwa 50m hoher Turm, innen hohl, ohne Treppen oder dergleichen. Den konkreten Zweck des Bauwerks konnte ich nicht in Erfahrung bringen, aber immerhin steht der Turm auf der Liste des Weltkulturerbes&#8230;<br \/>\nIch g\u00f6nne mir ein Eis im Schatten der Palmen und ruhe mich noch ein wenig aus, bevor ich nach Minu Dasht weiterradle. F\u00fcr heute ist mal wieder ein Hotel angesagt. Morgen geht es in den Golestan Nationalpark. Angeblich viel Wald, aber keine Hotels&#8230; Vielleicht habe ich diesmal ja Gl\u00fcck und finde einen ruhigen Platz zum Zelten. Heute werden auf alle F\u00e4lle mal die Salzverkrusteten Klamotten gewaschen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 79 &#8211; 20. April Mahmudabad &#8211; Beshahar: 133km; 6:03h im Sattel; 26 &#8211; 32 Grad, sonnig Camping Der Iran ist landschaftlich ja ein sehr reiches Land. Von Hochgebirge \u00fcber sanfte H\u00fcgelketten, von dichter gr\u00fcner Vegetation \u00fcber trockenste W\u00fcste findet sich alles in einem Land. Und das beste, der Iran hat zwei Meerzug\u00e4nge. 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