{"id":1125,"date":"2014-05-05T08:39:12","date_gmt":"2014-05-05T07:39:12","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1125"},"modified":"2015-01-16T19:48:35","modified_gmt":"2015-01-16T17:48:35","slug":"tag-89-92-auf-ins-land-der-gold-und-silberzahne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1125","title":{"rendered":"Tag 89 &#8211; 92: Auf ins Land der Gold- und Silberz\u00e4hne"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 89 &#8211; 30.April<\/h2>\n<p>Sarakhs &#8211; irgendwo neben einem Kanal: 95km; 4:54h im Sattel; 24 &#8211; 36 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Von Sarakhs bis zur Grenze nach Turkmenistan waren es nur knapp 3km Fahrt. Das Hotel muss eine Goldgrube sein&#8230; Die Grenze schlie\u00dft t\u00e4glich um 18 Uhr und auf dem Weg zur Grenze ist es das einzige Hotel. Ausstattung und Service eher mau, daf\u00fcr \u00fcberraschend schnelles Internet. Was braucht man als Reisender mehr, als eine warme Dusche und gutes Internet&#8230;<br \/>\nEs ist immer wieder ein aufregendes Gef\u00fchl, vor einer unbekannten Grenze zu stehen. So wie es den Anschein macht, wird der Grenz\u00fcbergang fast nur von iranischen und t\u00fcrkischen LKW-Fahrern benutzt. Vereinzelt gibt es aber auch ein paar Grenzg\u00e4nger, die zu Fu\u00df in Richtung Turkmenistan unterwegs sind. Wenn man mit seinem eigenen Auto in den Iran einreisen will, muss man ziemlich viel Pfandgeld hinterlegen, damit das Auto den Iran auch wieder verl\u00e4sst. Aufgrund der hohen b\u00fcrokratischen Auflagen sieht man praktisch keine ausl\u00e4ndischen Fahrzeuge im Iran. Der sonst \u00fcbliche grenznahe Verkehr f\u00e4llt hier v\u00f6llig weg.<br \/>\nDie Ausreise aus dem Iran ging noch relativ flott. Vor mir waren vier turkmenische Damen, die offenbar f\u00fcr den privaten Handel im Iran eingekauft hatten. Penibel wurden alle ihre Taschen kontrolliert. Offenbar hatte der Grenzbeamte aber nicht allzu viel Lust, alle meine Taschen zu kontrollieren und so gab er sich mit einer kurzen Stichprobe zufrieden. Nach gut einer Viertel Stunde war ich offiziell aus dem Iran ausgereist. Nun ging es \u00fcber die Br\u00fccke in Richtung Turkmenistan, vorbei an einer endlos langen Schlange von LKWs. So flott wie im Iran ging es hier aber nicht mehr weiter. Sage und schreibe 2 Stunden verbrachte ich im Abfertigungshaus auf der Turkmenischen Seite. Irgendwann hatte ich aufgeh\u00f6rt zu z\u00e4hlen, durch wie viele H\u00e4nde mein Pass gegangen ist. Die meisten davon erfreuten sich aber prim\u00e4r an den Sicherheitsmerkmalen des Reisepasses. Irgendwann kam dann aber Bewegung in die Sache. Ich musste 12 Dollar f\u00fcr die Einreise bezahlen, ein paar Hotels nennen, in denen ich \u00fcbernachten werde und dann wurde ich noch kurz vom Arzt befragt, ob eh alles in Ordnung sei. Schlussendlich kam der Stempel auf das Visum. Daf\u00fcr, dass ich nur f\u00fcnf Tage im Land bleiben darf, ist Turkmenistan relativ teuer&#8230; 55 Dollar f\u00fcrs Visum und 12 Dollar f\u00fcr die Einreise. Immerhin gabs daf\u00fcr eine Quittung.<br \/>\nDie Gruppe Turkmenen, die bereits auf iranischer Seite vor mir waren, mussten allesamt zur Leibesvisitation. Ihr Gep\u00e4ck wurde aufs genaueste durchsucht. Sogar die Zigarettenschachteln wurden ge\u00f6ffnet und die einzelnen Zigaretten rausgeholt. So ausf\u00fchrliche Grenzkontrollen habe ich noch nie erlebt. Gl\u00fccklicherweise blieben meine Taschen aber geschlossen. So gro\u00df schien das Interesse an meinem Hab und Gut dann doch nicht zu sein.<br \/>\nW\u00e4hrend der langen Wartezeit hatte ich Gelegenheit, die Eigenheiten der turkmenischen Grenzpolizisten zu studieren. Nichts wird dem Zufall \u00fcberlassen, alles wird kontrolliert. Da werden sogar die original verpackten Windeln zweimal durch den Scanner geschickt. Auch unter die Schuhsohlen wird geschaut&#8230;<br \/>\nUnter den LKW-Fahrern kennt man sich. Auch viele Grenzpolizisten scheinen die Fahrer pers\u00f6nlich zu kennen. Man scherzt miteinander, trotzdem wird jeder genau unter die Lupe genommen. Die Fahrer nehmen die Prozedur aber recht gelassen. Offenbar ist das f\u00fcr sie schon eher Alltag.<br \/>\nKurz vor Mittag war ich dann endlich eingereist. Die Temperatur hatte die 30 Grad Marke schon \u00fcberschritten und ich versuchte gleich noch ein paar Meter zu machen.<br \/>\nDie Stra\u00dfenbedingungen waren wie erwartet relativ schlecht. Man \u00fcbt sich im Slalomfahren und versucht, so gut es geht das Material zu schonen. Da ich davon ausgegangen bin, auf den n\u00e4chsten 100km auf kein Gesch\u00e4ft mehr zu sto\u00dfen, habe ich ordentlich Wasser zugeladen. Die Extra Kilo machen sich zus\u00e4tzlich bemerkbar. Das Rad wird immer tr\u00e4ger, je schwerer es beladen ist. Heute konnte ich meine Neugierde aber nicht mehr zur\u00fcckhalten und stellte mein Rad samt Gep\u00e4ck auf die Waage im Abfertigungshaus. Fahrrad und ich sind fast gleich schwer&#8230; Mein fahrbarer Untersatz bringt immerhin 69kg auf die Waage!<br \/>\nIm ersten Ort nach der Grenze werde ich von zwei t\u00fcrkischen LKW-Fahrern zum Tee eingeladen. Eine gute Gelegenheit, im Schatten etwas Erholung zu finden. In der Gaststube l\u00e4uft t\u00fcrkisches Fernsehen, man f\u00fchlt sich fast wieder zur\u00fcckversetzt in die Zeit in der T\u00fcrkei.<br \/>\nSo langsam tauche ich ein in eine w\u00fcstenartige Umgebung. Im darauffolgenden Ort suche ich erneut einen Schattenplatz auf. Eigentlich wollte ich in Ruhe etwas essen, doch schon nach 15min bin ich umringt von 4 Halbstarken, die alle wild auf mich einreden. Sie bestehen darauf, dass ich mit ihnen ihr Bier teile. Vom Alter her h\u00e4tte ich sie zwischen 12 und 14 gesch\u00e4tzt. Einer der vier holt dann aber mit dem Auto Nachschub. Offenbar waren sie doch etwas \u00e4lter&#8230; Irgendwann wird mir die Sache zu turbulent und ich packe meine Sachen wieder zusammen. Am Ortsausgang laufen mir die ersten Dromedare \u00fcber den Weg. Kein Zweifel, es steht W\u00fcste bevor. \u00dcber zig-Kilometer verl\u00e4uft die Stra\u00dfe schnurgerade und ohne Erhebung. Der Stra\u00dfenbelag ist teilweise so schlecht, dass man auf den Kiesstreifen am Rand ausweichen muss. Die Schlagl\u00f6cher verlaufen stellenweise \u00fcber die gesamte Stra\u00dfe und sind nicht selten mehr als 20cm tief.<br \/>\nImmer wieder sieht man Schildkr\u00f6ten und gro\u00dfe Eidechsen am Stra\u00dfenrand.<br \/>\nIch hatte mich schon auf eine lange W\u00fcstendurchquerung eingestellt, als auf einmal wieder Weizenfelder und Obstplantagen am Stra\u00dfenrand auftauchten. Ich n\u00e4herte mich einem gr\u00f6\u00dferen Fluss, der offenbar die gesamte Region mit ausreichend Wasser versorgt.<br \/>\nBl\u00fctenduft liegt in der Luft. Bevor ich von der Hauptstra\u00dfe in Richtung Mar abbiege, g\u00f6nnte ich mir noch ein Eis. Jedesmal, wenn ich in einer Siedlung anhalte sind innerhalb k\u00fcrzester Zeit eine Handvoll Leute um mich herum. Neugierig wird versucht herauszufinden, was es mit diesem eigenartigen Touristen auf sich hat. In fast jedem m\u00e4nnlichen Gesicht blitzt eine Reihe Goldz\u00e4hne. Die Frauen sind gr\u00f6\u00dftenteils recht traditionell gekleidet. Viele Kinder laufen mit kahl geschorenem Kopf herum. Der starke asiatische Einschlag ist nicht mehr zu \u00fcbersehen. Ich h\u00e4tte mir nicht gedacht, dass sich das Aussehen der Leute innerhalb von nur weniger Kilometer so gravierend ver\u00e4ndert.<br \/>\nAuf der Nebenstra\u00dfe in Richtung Mary genie\u00dfe ich die k\u00fchle Abendbriese. Da die Strecke f\u00fcr LKW gesperrt ist, war ich fast alleine und fand dann auch noch einen sehr idyllischen Zeltplatz.<br \/>\nVor exakt einem Monat bin ich nun in den Iran eingereist. Auch heute gab es wieder eine sternenklare Nacht ohne Mond. Die Intensit\u00e4t mit der die Sterne leuchten ist immer wieder faszinieren. Au\u00dfentemperatur um 22 Uhr immerhin noch 26 Grad&#8230;<br \/>\nGrillen und Fr\u00f6sche l\u00e4rmten um die Wette, ein schwei\u00dftreibender Tag geht zu Ende. Das Abenteuer Turkmenistan hat nun begonnen.<\/p>\n<h2>Tag 90 &#8211; 01.Mai<\/h2>\n<p>Irgendwo am Bew\u00e4sserungskanal &#8211; kurz vor Bayramaly: 132km; 6:21h im Sattel; 26 &#8211; 39 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Auf den ersten Kilometern war die Stra\u00dfe in katastrophalem Zustand. Ich hatte schon Sorge, dass diese Holperei die ganze Zeit so weitergehen wird, doch als ich wieder auf die Hauptstra\u00dfe von Tedzehn in Richtung Mary einbog, besserte sich die Situation gleich wieder. Bis auf ein paar Ausreisser war der Belag sehr gut. Der Wind schien mich heute auch noch zu verschonen, einzig die Hitze machte ordentlich zu schaffen. Ich hatte versucht, heute etwas fr\u00fcher zu starten, und \u00fcber Mittag der gr\u00f6\u00dften Hitze aus dem Weg zu gehen. Um 7 Uhr brachte das Thermometer aber schon beachtliche 26 Grad aufs Display&#8230; es schien ein hei\u00dfer Tag zu werden. Gl\u00fccklicherweise passierte ich zur Mittagszeit gerade ein Lokal, das von einigen B\u00e4umen umgeben war. Eigentlich wollte ich mich ein wenig ausruhen, aber mit viel Ruhe war nichts. St\u00e4ndig kam jemand vorbei und wollte meine ganze Geschichte wissen. Nachdem es relativ schwer ist, f\u00fcr Turkmenistan ein Touristenvisum zu bekommen, sind Individualtouristen doch noch eine Seltenheit. Im Laufe des Tages werde ich immer wieder von Leuten aufgehalten, die ein Foto von mir, oder mit mir machen wollen.<br \/>\nDer Verkehr hat nun deutlich abgenommen. Im Vergleich zum Iran sind auch nicht mehr so viele alte LKWs unterwegs, die Luftqualit\u00e4t ist nun dementsprechend besser. Wenn da nicht die Hitze w\u00e4re&#8230; Nachdem ich am fr\u00fchen Nachmittag wieder aufgebrochen bin, f\u00fchle ich mich wie in einem Backofen. Der Asphalt heizt von unten her, die Sonne brennt im Nacken. Von Zeit zu Zeit liegen immer wieder mal halb volle Wasserflaschen am Stra\u00dfenrand. Regelm\u00e4\u00dfig bleibe ich stehen und \u00fcbergie\u00dfe mich mit dem hei\u00dfen Wasser. F\u00fcr gut 10 Minuten erreicht man dann eine gute K\u00fchlung, danach sind die Klamotten wieder trocken. Gottseidank hatte ich ausreichend zum Trinken eingepackt. St\u00e4ndig musste ich meine Trinkflasche wieder auff\u00fcllen. Ich wei\u00df nicht, wann ich zum letzten Mal so viel getrunken habe.<br \/>\nIch bin froh, \u00fcber die Wasserspenden, die ich hie und da von Leuten bekomme, die ein Foto von mir machen. Ohne diese zus\u00e4tzlichen Liter w\u00e4re es heute vermutlich knapp geworden.<br \/>\nAls ich am sp\u00e4ten Nachmittag Mary erreiche, bin ich irgendwie schon viel zu sehr im monotonen Strampelrythmus, als dass ich mich lange in der Stadt aufhalten m\u00f6chte. Ein irrsinniger Kontrast zu allem, was ich bisher gesehen habe. Pl\u00f6tzlich gibt es gigantomanische Prunkbauten und sogar eine Pferderennbahn. Was die Leute davon halten, die meist nicht unbedingt zu den Bestverdienenden geh\u00f6ren, ist mir ein R\u00e4tsel.<br \/>\nEin paar Kilometer lege ich noch drauf, doch dann ist Schluss. Ein bisschen Wasser ist noch \u00fcbrig, sodass sich sogar noch Schwei\u00df und Staub des heutigen Tages abwaschen lassen. Eine Wohltat nach einem so schwei\u00dftreibendem Tag. Dank der Anti-M\u00fccken-Tinktur kann ich sogar noch Abends vor dem Zelt sitzen und den Sternenhimmel bewundern. Um 22 Uhr immer noch 28 Grad&#8230; na das kann ja heiter werden f\u00fcr morgen.<\/p>\n<h2>Tag 91 &#8211; 02.Mai<\/h2>\n<p>Kurz vor Bayramaly &#8211; kurz hinter Ukajy: 123km; 6:33h im Sattel; 26 &#8211; 42 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>An die hohen Temperaturen hier in der Gegend kann man sich nur sehr schwer gew\u00f6hnen. Bereits morgens um 7 hat es 26 Grad. Der so gef\u00fcrchtete Wind bleibt momentan noch aus und so radle ich ganz entspannt bis kurz vor den Ortsausgang von Bayramaly. Ich stocke meine Lebensmittelvorr\u00e4te wieder mal auf und komme bei der Gelegenheit mit einem etwa 12 j\u00e4hrigen Jungen ins Gespr\u00e4ch. Er spricht ausserordentlich gut Englisch, kommt daher, dass er in eine spezielle Schule f\u00fcr Sprachen geht. Sein Vater betreibt den Lebensmittelladen und will offenbar f\u00fcr seinen Sohn alles f\u00fcr die Zukunft bereitstellen. Als ich erz\u00e4hle, dass ich Architekt bin, fallen mir beide gleich ins Wort und meinen, ich solle unbedingt am Ortsausgang links, statt rechts abbiegen und das Mausoleum vom Sultan anschauen. Ich erinnerte mich daran, dass auf der Karte was von den Ruinen der Stadt Merw gestanden ist. Und tats\u00e4chlich &#8211; nur ein paar Kilometer hinter Bayramaly liegt ein gigantisch gro\u00dfes Areal, das die ehemaligen Stadtmauern von Merw und einige gewaltige Pal\u00e4ste und Mausoleen umfasst. Erstaunlich, dass Lehmarchitektur aus dem 6. &#8211; 15. Jahrhundert so lange erhalten bleiben kann. Verst\u00e4ndlich auch, dass es auf der Unesco Weltkulturerbe Liste steht. Wenn man nicht achtgibt, br\u00f6selt so ein Komplex einfach vor sich hin. Als ich das gro\u00dfe Mausoleum anschauen will, werde ich pl\u00f6tzlich nach einem Ticket und der Erlaubnis f\u00fcr die Kamera gefragt. Alles in allem sollte das 15 Manat kosten, ich habe aber f\u00fcr Turkmenistan sehr knapp kalkuliert und besitze nur noch 8 (ca. 2 Euro), und das sollte noch bis T\u00fcrkmenamad reichen. Anschauen darf ich das Mausoleum noch, die Kamera bleibt draussen und danach muss ich das Gel\u00e4nde leider verlassen. F\u00fcr mich erstaunlich, dass so ein besonderer Ort keinen einzigen Wegweiser verdient. Aber mit den Wegweisern, oder auch Stra\u00dfenschildern ist es nicht weit her. Von Sarakhs bis Mary ist mir kein einziges Hinweisschild aufgefallen. Erst in Mary war der erste Wegweise zu finden.<br \/>\nNun gut, ausgestattet mit genug Wasser und Essensvorr\u00e4ten geht es nun wieder auf in die W\u00fcste. So abrupt die Besiedelung rund um Mary begonnen hat, so abrupt endet sie auch wieder. Binnen k\u00fcrzester Zeit bin ich wieder v\u00f6llig alleine, einzig ein paar Lastwagen und hie und da ein PKW durchbrechen die Stille.<br \/>\nDie Hitze wird immer unertr\u00e4glicher. Gegen Mittag finde ich bei einer Zufahrt zu einem Bauernhof einen Baum, der genug Schatten spendet. Die Sonne steht ziemlich hoch, daher bedarf es eines ordentlichen Baumes, um auch genug Schatten zu erhaschen. Die Morgenetappe hat mich so geschafft, dass ich w\u00e4hrend ich mein Brot kaue einfach einschlafe. Gut eine Stunde sp\u00e4ter gehts dann aber wieder mit neuen Kr\u00e4ften weiter. Die Wasservorr\u00e4te werden langsam weniger. Ich mache mir schon Gedanken, wo ich wieder Wasser bekomme. Als ich mal wieder von zwei Verkehrspolizisten freundlich gestoppt werde, gibts ein paar Schalen Wasser in ihrem Unterstand. Einer der beiden will unbedingt mit meiner Kamera ein Foto von mir und seinem Kollegen machen, doch der wehrt sich mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen dagegen. Schlussendlich kontrolliert er auch noch, ob ich auch wirklich alle Bilder gel\u00f6scht habe. Von seinem Kollegen bekomme ich daf\u00fcr aber kurz vor Weiterfahrt noch 1,5L Cola zugesteckt.<br \/>\nVermutlich in Ravina (so genau l\u00e4sst sich das nie sagen, weil es keine Ortstafeln gibt) taucht eine Tankstelle und ein Restaurant auf. Hier gibt es den lange ersehnten Wassernachschub. Nach einem kurzen Stop im Schatten gehts dann aber auch gleich wieder weiter. Obwohl das Transitvisum f\u00fcr Turkmenistan 5 Tage gilt, m\u00f6chte ich in 4 Tagen in Turkmenabad sein, um am f\u00fcnften Tag morgens ausreisen zu k\u00f6nnen. Demnach stehen noch ein paar Kilometer an.<br \/>\nIn Ucajy passiere ich ein Hotel und einen Supermarkt, bin kurz am \u00fcberlegen, ob ich mir eine Dusche g\u00f6nnen sollte, entscheide mich dann aber dagegen und rolle weiter in Richtung Nordost. Am Ortsausgang mal wieder ein kurzer Plausch mit den Verkehrspolizisten. Kurz bevor ich mir einen Zeltplatz hinter den D\u00fcnen suche, gibts von einem LKW Fahrer noch einen Liter kaltes Cola und direkt danach von einem Autofahrer noch einen Liter Wasser. Juche! Jetzt ist sogar noch ein bisschen Waschen drin&#8230; Was kann es sch\u00f6neres geben? Zum ersten Mal stelle ich mein Zelt im Sand auf. Wenn nicht so viele K\u00e4fer rumlaufen w\u00fcrden, w\u00e4re es perfekt zum draussen schlafen. Zwecks der ungest\u00f6rten Nachtruhe ziehe ich dann aber doch das Zelt vor.<\/p>\n<h2>Tag 92 &#8211; 3.Mai<\/h2>\n<p>kurz hinter Ukajy &#8211; kurz hinter Turkmenabad: 146km; 7:37h im Sattel; 24 &#8211; 42 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich zum Sonnenaufgang krieche ich aus dem Zelt. In den fr\u00fchen Morgenstunden sind die Temperaturen noch sehr ertr\u00e4glich. Nach einer Stunde bin ich dann soweit und es geht wieder los. Am Morgen habe ich festgestellt, dass meine Wasservorr\u00e4te gar nicht mehr so gro\u00df sind. Auf der Karte scheint es f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit keine Siedlung mehr zu geben. Nun gut, ich versuche ein bisschen zu haushalten. Gerade in der Fr\u00fch ist es eh noch nicht so hei\u00df, da kommt man auch mit etwas weniger Wasser aus. St\u00e4ndig kreisen die Gedanken ums Trinken. Auf meiner Karte ist auf den kommenden 100km kein einziges Dorf eingezeichnet. Ich vertraue aber darauf, dass es doch mal wieder eine kleine Siedlung geben wird. Und schlie\u00dflich taucht nach 40km dann auch Peski, ein kleines Dorf an der Bahnstrecke, auf. Ein Supermarkt ist aber nicht wirklich auszumachen. Ich frage einfach mal nach und bekomme freundlicherweise frisches Wasser aus dem hauseigenen Reservoir. Ich bin froh, meine leeren Wasserflaschen noch nicht entsorgt zu haben, so kann ich diese wieder auff\u00fcllen lassen. Die Leute im Ort wirken auf den ersten Eindruck recht sch\u00fcchtern und zur\u00fcckhaltend, doch auf mein freundliches Gr\u00fc\u00dfen wird stets l\u00e4chelnd zur\u00fcckgegr\u00fc\u00dft. Ein gutes Gef\u00fchl, jetzt wieder 4 Liter Wasser mehr getankt zu haben.<br \/>\nEin Blick auf die Karte verr\u00e4t mir, dass es noch immer 100km bis Turkmenabad sind. Nachdem ich diesmal aber recht fr\u00fch gestartet bin, sollte das schon noch klappen. Da kann auch der immer st\u00e4rker werdende Wind nicht viel dagegen anrichten.<br \/>\nHin und wieder verw\u00fcnsche ich die W\u00fcste und die schlechten Stra\u00dfen. Stellenweise wird das Rad so durchgesch\u00fcttelt, dass ich mir ernsthaft Sorgen mache, dass auch alles h\u00e4lt. Die Hitze, der Wind, diese endlose Weite, das monotone Pedalieren&#8230; teilweise wirklich m\u00fchsam, doch dann gibt es immer wieder Momente, an denen man nur staunend um sich blickt und die Umgebung aufsaugt. Am meisten fasziniert mich ja, dass es vielerorts so angenehm s\u00fc\u00dflich duftet. Ich bin leider immer noch nicht dahinter gekommen, um welchen Baum \/ Strauch es sich handelt, aber der Geruch ist so angenehm, dass man f\u00fcr ein paar Minuten die Strapazen direkt vergisst.<br \/>\nAls ich kurz vor Mittag (etwa 60km von Ukajy entfernt) von der Ferne eine Raststation erblicke, muss ich nicht lange \u00fcberlegen und biege gleich mal rechts ab. F\u00fcr 7 Manat erstehe ich 5L Wasser und einen Liter eiskalte Cola. Jetzt bleibt mir noch 1 Manat (ca. 25cent) bis zur Grenze&#8230;<br \/>\nIm Schatten der Raststation packe ich meine Sachen zum Mittagessen aus. Zwei LKW Fahrer wechseln gerade einen Reifen und dr\u00e4ngen mir f\u00f6rmlich ihren Gaskocher auf. Wir plaudern ein wenig und schlie\u00dflich gibt es sogar noch ein gek\u00fchltes Bier als Draufgabe. Damit hatte ich heute wirklich nicht mehr gerechnet. Ich muss schon sagen, die Kontakte mit der turkmenischen Bev\u00f6lkerung sind stets sehr herzlich und in ihrer Art irgendwie auch gro\u00dfz\u00fcgig.<br \/>\nGest\u00e4rkt und gut erholt geht es auf in Runde zwei&#8230; Der Wind frischt ein wenig auf, die Landschaft \u00e4ndert sich nicht gro\u00df. Sand, St\u00e4ucher, Sand, Str\u00e4ucher&#8230; Ich habe meine Augen gr\u00f6\u00dftenteils auf den Fahrbahnrand gerichtet. Da tut sich noch am allermeisten. Zeugnisse von gr\u00f6\u00dferen Autounf\u00e4llen, diverser Plastikm\u00fcll und nat\u00fcrlich haufenweise zerschlissene Reifen. Die LKWs fahren ihre Reifen meist so lange, bis sie von der Felge fallen. Offenbar l\u00f6sen sich die Reifen dann aber nach ein paar Jahren praktisch vollst\u00e4ndig auf. Zur\u00fcck bleibt nur das Metallgewebe. Bei den hohen Temperaturen entz\u00fcnden sich die Reifen im Sand teilweise selbst und den Rest erledigt dann der Wind und die Sonne.<br \/>\nEin paar Erdm\u00e4nnchen und ziemlich viele V\u00f6gel fl\u00fcchten immer wieder wenn ich mich ihnen n\u00e4here. Die gro\u00dfen Eidechsen \/ Geckos sieht man meist nur sehr kurz, weil die wirklich sehr flott sind.<br \/>\nEin paar mal fahre ich auch an den \u00dcberresten von Dromedaren vorbei. So wie es den Anschein macht wohl eher Unfallopfer, als verdurstet&#8230; Bei 42 Grad und brennender Sonne kommt einem aber schon mal der Gedanke, dass auch ein Dromedar in der W\u00fcste verdursten k\u00f6nnte.<br \/>\nUnd pl\u00f6tzlich ist die W\u00fcstendurchquerung dann vorbei. Wie mit dem Lineal gezogen beginnt auf einmal Turkmenabad&#8230; Auf einmal sieht man viele Leute auf der Stra\u00dfe, die an der Bepflanzung der Hauptallee arbeiten oder die Stra\u00dfen fegen. Es ist kurz nach 16 Uhr, im Schatten hat es immer noch 37 Grad und ich g\u00f6nne mir meine letzte Pause f\u00fcr heute. Ein eigenartiges Gef\u00fchl, nach zwei ganzen Tagen mit praktisch nichts als Sand und Gestr\u00fcpp pl\u00f6tzlich wieder Leute zu sehen. Kurz bevor ich die Stadt wieder verlasse, versuche ich noch, ob ich in einem kleinen Laden mit harter US W\u00e4hrung was zum Essen bekommen. Gleich auf Anhieb habe ich Gl\u00fcck, allerdings muss ich die druckfrischen Scheine aus den Seitentaschen holen. \u00c4hnlich, wie auf dem Konsulat akzeptiert man hier nur praktisch ungebrauchte Scheine. Aber immerhin, f\u00fcr den offiziellen Wechselkurs kann ich nochmal ordentlich einkaufen. F\u00fcr heute Abend kann also wieder gro\u00df aufgekocht werden. Zur Feier des Tages ist auch sogar noch ein Eis drin.<br \/>\nDirekt nach Turkmenabad geht es \u00fcber einen gr\u00f6\u00dferen Fluss. Zu meiner Linken entdecke ich aber noch einen See, an dem ein paar Jungs baden. Nach drei Tagen Schwei\u00df ohne Ende scheint ein Bad im See sehr verlockend. Aber erst mal frage ich bei den Fischern am anderen Ufer nach, ob ich vielleicht auch mein Zelt hier aufstellen kann. Der Platz schein perfekt zu sein. Zu meiner Verwunderung \u00e4u\u00dfert niemand Bedenken und schon steht das Zelt&#8230; Das Bad im See war ein Traum! So frisch habe ich mich nach einem Tag auf dem Rad schon lange nicht mehr gef\u00fchlt.<br \/>\nDas Abendteuer Turkmenistan schein nun vor\u00fcber zu sein. Morgen geht es \u00fcber die Grenze nach Uzbekistan&#8230; Leider bekommt man in 4 Tagen nur einen sehr beschr\u00e4nkten Einblick von Land und Leuten. Vor allem vom Leben in der Stadt bekommt man nur sehr wenig mit. F\u00fcr die klassischen Transitradler gibt es praktisch nur W\u00fcste zu sehen. So wie mir die Leute aber begegnet sind, k\u00f6nnte das Land durchaus interessant zu bereisen sein. Die Offenheit und Freude Touristen gegen\u00fcber wirkt jedenfalls sehr einladend.<br \/>\nGerade das dauernde Haushalten mit dem Wasser, die oft sehr schlechten Stra\u00dfen, die starke Hitze und der konstante Gegenwind (f\u00fcr mich gottseidank nur 1 1\/2 Tage lang) hatten die letzten Tage gepr\u00e4gt. Bleiben werden aber auch sehr angenehme Erinnerungen an die Leute, die mir immer wieder mit ihren strahlenden Goldz\u00e4hnen ein L\u00e4cheln schenkten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 89 &#8211; 30.April Sarakhs &#8211; irgendwo neben einem Kanal: 95km; 4:54h im Sattel; 24 &#8211; 36 Grad, Sonne Camping Von Sarakhs bis zur Grenze nach Turkmenistan waren es nur knapp 3km Fahrt. 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