{"id":1164,"date":"2014-05-10T08:06:02","date_gmt":"2014-05-10T07:06:02","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1164"},"modified":"2014-05-18T08:14:34","modified_gmt":"2014-05-18T07:14:34","slug":"tag-95-96-auf-nach-samarkand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1164","title":{"rendered":"Tag 95 \/ 96: Auf nach Samarkand"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 95 &#8211; 06.Mai<\/h2>\n<p>Bukhara &#8211; Ziyondin: 132km; 5:38h im Sattel; 26 &#8211; 38 Grad, bedeckt \/ Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Sobald man wieder auf dem Rad sitzt, \u00e4ndert sich sofort die Wahrnehmung durch die Leute vor Ort. Man wird wieder laufend gegr\u00fc\u00dft und der Daumen aufmunternd in die H\u00f6he gestreckt. Ich bin wieder unterwegs&#8230; der Ruhetag hat meinem Sitzfleisch ganz gut getan, mit neuer Energie gehts nun in Richtung Samarkand.<br \/>\nDurch den gestrigen kurzen Regenschauer am Abend sind die Temperaturen leicht abgesunken. Gegen den wolkenverhangenen Himmel habe ich im Moment auch \u00fcberhaupt nichts einzuwenden.<br \/>\nKurz vor Mittag gibts dann mal wieder einen platten Reifen. So langsam muss ich mich schon wundern. Jetzt war ich fast 7000km ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme unterwegs und neuerdings muss ich fast t\u00e4glich zur Reparatur stoppen. Aber den Mantel trifft auch diesmal keine Schuld. Wieder einmal ein kleines Loch auf der Felgeninnenseite. Ich hoffe nur, dass das nicht zur Gewohnheit wird, weil mir sonst die Reparaturflicken ausgehen. Nachdem ich meinen Reifen in unmittelbarer N\u00e4he eines k\u00fcrzlich angefahrenen Hundes flicken musste, beschloss ich aufgrund der doch recht starken Geruchsbel\u00e4stigung einen alternativen Platz f\u00fcr die Mittagspause zu finden. Am Ortsausgang wartete auch schon ein schattiger Platz auf mich. Im Minutentakt kamen Leute vorbei und begutachteten meine Ausr\u00fcstung, mein Essen, meine Karten, den Reisepass&#8230; Das Interesse ist gro\u00df und trotz gravierender Sprachbarrieren klappt die Kommunikation ganz gut.<br \/>\nNach einigen Tagen mit Gegenwind in Turkmenistan werde ich heute von dezentem R\u00fcckenwind verw\u00f6hnt. Die Stra\u00dfe ist zu meiner \u00dcberraschung nicht sehr stark befahren. Immerhin ist es die Hauptverbindung in Richtung Kirgistan \/ Kasachstan. Vielleicht liegt es aber auch an dem Engpass an Treibstoff. Ich fahre an einer Vielzahl von geschlossenen Tankstellen vorbei. Auch die Motorradfahren hatten in Bukhara dar\u00fcber gejammert, dass es wirklich schwer sei, hier in Uzbekistan Treibstoff aufzutreiben. Robert aus Amerika musste sein Bike z.B. schon einige Kilometer schieben, bis ein paar Motorradkollegen vorbeikamen und ihm etwas Benzin abgeben konnten. Nur wenige Tankstellen haben welchen und stellenweise m\u00fcssen die Leute tagelang darauf warten. Unter der Hand wird nat\u00fcrlich fleissig verkauft, aber viel Treibstoff ist in der Fl\u00fcssigkeit, die man da erh\u00e4lt nicht mehr drin. Es wird gestreckt was geht&#8230; Da bin ich froh, dass ich in der Hinsicht autark unterwegs bin. Im Iran hatte ich zuletzt aufgetankt und ich denke, dass ich mit meinem Benzinvorrat noch leicht bis Tajikistan kommen werde.<br \/>\nNach einer relativ langen Stecke mit dichter Besiedelung komme ich nun wieder in einen Streckenabschnitt, der sehr an Turkmenistan erinnert. Die Sonne brennt auch wieder vom Himmel, aber die 2 Grad weniger als in Turkmenistan merkt man schon deutlich. Mitten im Nirgendwo taucht dann pl\u00f6tzlich eine alte Karawanserei aus dem 16.Jhdt auf. Die Hauptstra\u00dfe f\u00fchrt mitten durch den noch verbliebenen Rest der Anlage hindurch. Direkt dahinter beginnt das Industriegebiet von Navoiy.<br \/>\nHinter Navoiy wird es wieder deutlich gr\u00fcner. Viele Obstplantagen s\u00e4umen die Stra\u00dfe. \u00dcber ausgekl\u00fcgelte Kanalsysteme k\u00f6nnen s\u00e4mtliche Felder mit Wasser versorgt werden. Ein Zeltplatz ist in dieser Umgebung aber schwer zu finden. Also beschlie\u00dfe ich am Ortsausgang mein Gl\u00fcck auf dem Fu\u00dfballplatz zu versuchen. Die Familie, die direkt am Sportplatz wohnt hei\u00dft mich herzlich willkommen. Ich kann sogar ihr Wasser zum Waschen und Kochen verwenden.<br \/>\nAuf dem Sportplatz weiden noch die K\u00fche und Schafe, doch diese werden eben von der Dorfjugend des Platzes verwiesen, weil nun Zeit f\u00fcr Fu\u00dfball ist. Erstaunlich, wie viele Leute sich dann noch einfinden. Nat\u00fcrlich will jeder kurz ein paar Worte mit mir wechseln, doch nachdem jeder mal an der Reihe war, kann ich in Ruhe mein Abendessen kochen und den Jungs aus der Ferne ein wenig beim &#8211; doch recht brachialen &#8211; Ballspiel zuschauen. Noch weit \u00fcber Einbruch der Dunkelheit hinweg sitzen wir vor meinem Zelt und studieren die Karte von Zentralasien. Den meisten ist auch hier die Hauptstrecke der Radltouristen bekannt, doch jeder will einen Blick auf die Karte werfen.<br \/>\nNachdem der heutige Tag doch relativ viele Kilometer gebracht hat, werde ich vermutlich schon morgen in Samarkand einrollen. Mal schauen, vielleicht g\u00f6nne ich mir daf\u00fcr einen Ruhetag mehr&#8230;<\/p>\n<h2>Tag 96 &#8211; 07.Mai<\/h2>\n<p>Ziyondin &#8211; Samarkand: 150km; 6:44h im Sattel; 26 &#8211; 39 Grad, Sonne<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Fr\u00fchmorgens ist schon einiges los auf der Stra\u00dfe. Weniger Verkehr, daf\u00fcr viel mehr Leute am Stra\u00dfenrand, die entweder auf eine Mitfahrgelegenheit warten, auf dem Weg zum Feld sind, oder sich in Richtung Schule bewegen. Die M\u00e4dels, allesamt mit Sonnenschirm ausgestattet, wandern meist in 3er-Gruppen einer Prozession gleich zur Schule. Dazwischen bahnen sich Eselskarren ihren Weg und die Bauern f\u00fchren ihre K\u00fche an der Leine zum Weiden aus. Mit einem Pflock am Stra\u00dfenrand, oder zwischen den Obstb\u00e4umen festgemacht, kann man die K\u00fche dann den Tag \u00fcber grasen lassen. Viele Aprikosenb\u00e4ume s\u00e4umen die Stra\u00dfe. Die wenigsten der Fr\u00fcchte erleben aber ihr Reifedatum, weil die Einheimischen die Aprikosen schon im gr\u00fcnen Stadium essen. Hie und da bekomme ich freudestrahlend eine Handvoll gr\u00fcner Aprikosen zugesteckt, die aber in dieser Form nicht zu meinen Lieblingsfr\u00fcchten avancieren werden.<br \/>\nNach gut zwei Stunden auf dem Rad sto\u00dfe ich auf Gayle, John und Gabu die ich vor zwei Tagen ih Bukhara aufbrechen gesehen habe. Eigentlich wollten sie die Hauptstra\u00dfe meiden und auf kleinen Nebenstra\u00dfen nach Samarkand raadeln, doch irgendwie hat es sie dann doch auf die Hauptstra\u00dfe verschlagen. Vom Verkehr her spricht aber auch nichts dagegen, hier zu radeln. Wir fahren ein paar Kilometer gemeinsam, dann trenne ich mich wieder von ihnen und mache mich auf, noch heute in Samarkand einzutreffen.<br \/>\nDie Stra\u00dfenverh\u00e4ltnisse sind teilweise mal wieder sehr schlecht. Obwohl es die Hauptverbindung in Richtung Tashkent ist, s\u00e4umen hunderte Schlagl\u00f6cher den Weg. Streckenweise ist die Stra\u00dfe von Baumwolle bedeckt, die ein paar Laster zuvor verloren hatten. Wieviel sie von ihrer Fracht in Tashkent abliefern, wenn sie so weiterfahren ist nicht sicher&#8230;<br \/>\nDie Hitze schl\u00e4gt heute mal wieder ordentlich zu. Zwar spenden viele B\u00e4ume am Stra\u00dfenrand kurzzeitig Schatten, doch daf\u00fcr ist die Luft auch ziemlich schw\u00fcl. S\u00e4mtliche Felder neben der Stra\u00dfe werden \u00fcber gro\u00df angelegte Kanalsysteme bew\u00e4ssert. In den Kan\u00e4len sieht man jetzt immer wieder Burschen beim Baden. Es liegt richtiger Sommerduft in der Luft, der mich an die wenigen Hochsommertage in Deutschland erinnert. Jetzt haben wir aber erst Anfang Mai&#8230;<br \/>\nMein Wasserverbrauch erreicht heute mit gut neun Litern mal wieder das Niveau von Turkmenistan. Daf\u00fcr brauen sich am Horizont ein paar Abk\u00fchlung versprechende Regenwolken zusammen.<br \/>\nUm kurz nach F\u00fcnf rolle ich in Samarkand ein. Auf der Suche nach dem B&amp;B, das mit Gayle und John empfohlen hatten irre ich ein wenig durch die Stadt und pl\u00f6tzlich stehe ich vor einem Hotel, in dem die Motorradgruppe, die ich bereits aus Bukhara kenne, residiert. Adam besteht darauf, dass ich bei ihnen im Hotel bleibe und arrangiert f\u00fcr mich ein g\u00fcnstiges Zimmer. Nachdem er flie\u00dfend Usbekisch spricht, dr\u00fcckt er den Preis von 20 auf 10 Dollar&#8230; Bei den Motorradjungs hat die Tatsache, dass ich dieselbe Strecke wie sie per Fahrrad zur\u00fccklege ziemlich Eindruck hinterlassen und so werde ich am Abend sogar noch zum Essen eingeladen.<br \/>\nDer Vorstellung von zwei Ruhetagen kann ich nun immer mehr abgewinnen. Noch ein bisschen Erholung kann nicht schaden, bevor es wieder in die Berge geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 95 &#8211; 06.Mai Bukhara &#8211; Ziyondin: 132km; 5:38h im Sattel; 26 &#8211; 38 Grad, bedeckt \/ Sonne Camping Sobald man wieder auf dem Rad sitzt, \u00e4ndert sich sofort die Wahrnehmung durch die Leute vor Ort. Man wird wieder laufend gegr\u00fc\u00dft und der Daumen aufmunternd in die H\u00f6he gestreckt. 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