{"id":1203,"date":"2014-05-18T08:21:06","date_gmt":"2014-05-18T07:21:06","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1203"},"modified":"2014-05-18T08:25:46","modified_gmt":"2014-05-18T07:25:46","slug":"tag-100-106-od-kuda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1203","title":{"rendered":"Tag 100 &#8211; 106: &#8220;Od Kuda?&#8221; &#8211; &#8220;Germania!&#8221;"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 100 &#8211; 11.Mai<\/h2>\n<p>Samarkand &#8211; Sahrisabz: 98km; 5:09h im Sattel; 26 &#8211; 33 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Unglaublich, Tag 100 bricht an und ich breche schon wieder aus Samarkand auf. In den letzten Tagen hatte ich mit einigen Radreisenden gesprochen und wieder einmal gemerkt, dass jeder mit einer anderen Motivation und einem anderen Ziel unterwegs ist. Manchmal hatte ich mich schon gefragt, ob ich vielleicht zu schnell das Land bereise, doch wenn ich unterwegs bin, f\u00fchlt es sich ganz richtig an. Mag sein, dass mir manche Dinge entgehen, nachdem ich oft auf den Hauptverkehrsstra\u00dfen unterwegs bin, aber daf\u00fcr ergeben sich oft andere Gelegenheiten. Ich habe festgestellt, dass sich praktisch bei jedem, den ich treffe die Art des Reisens unterscheidet. Nachdem ich ohne Reisef\u00fchrer unterwegs bin, wird mir oft erst im Nachhinein bewusst, dass ich eine besondere Sehensw\u00fcrdigkeit vielleicht gerade um ein paar Kilometer vers\u00e4umt habe. Aber hat man deshalb wirklich was verpasst? Im Hostel hatte ich einen sehr guten Spruch gelesen, der meiner Meinung nach den Umstand ganz gut beschreibt: &#8220;the traveler sees, what he sees, the tourist sees, what he has come to see.&#8221;<br \/>\nAlso, ich lasse mich weiterhin \u00fcberraschen&#8230;<br \/>\nKurz hinter Samarkand \u00e4ndert sich bereits die Landschaft. Die Stra\u00dfe verl\u00e4uft schnurgerade auf eine gewaltige Felswand zu. Auf den Gipfeln sind noch die Schneereste zu erkennen. Anfangs sehr gem\u00e4chlich, dann doch noch recht steil, f\u00fchrt die Stra\u00dfe auf den Pass. Es sind heute besonders viele Leute unterwegs. Offenbar ist hier in Uzbekistan Sonntag, \u00e4hnlich wie in Europa, ein richtiger Erholungstag. \u00dcberall sieht man Familien, wie sie in den pittoresk anmutenden Gesteinsformationen am Stra\u00dfenrand Erinnerungsbilder machen.<br \/>\nAm Gipfel angekommen er\u00f6ffnet sich ein gigantischer Fernblick in das darunterliegende Tal. Ich \u00fcberlege ich kurz, ob ich bereits hier Mittagspause machen soll, oder noch ein paar Meter in Richtung Tal rollen sollte. Wenn man sich nicht entscheiden kann, dann l\u00e4sst man einfach dem Zufall seinen Lauf. Aufgrund der doch relativ starken Steigung rollt das Rad nun erst einmal in Richtung Tal. Immer wieder werde ich aber aufgehalten, weil die Leute ein Bild mit mir machen wollen. Eigenartigerweise fragen sie nicht einmal, woher ich bin, sondern geben sich schon mit dem Bild alleine zufrieden. Bei einer dieser Gelegenheiten komme ich mit Utkur, einem Deutschlehrer ins Gespr\u00e4ch. Er \u00fcberredet mich, ihm und seinen Freunden beim Essen Gesellschaft zu leisten. Nachdem ein nettes Lokal am Stra\u00dfenrand gefunden wurde, wird gro\u00df aufgetischt. Ich sitze in mitten von 10 Uzbeken, die sehr interessiert meinen Schilderungen der bisherigen Reise folgen. Utkur \u00fcbersetzt immer wieder&#8230;<br \/>\nDer Aufbruch f\u00e4llt nicht leicht. Die Gruppe hat mich in ihr Herz geschlossen und will mich nicht wirklich weiterfahren lassen. Nachdem ich aber dann doch hartn\u00e4ckig bleibe, wird mir noch ordentlich Essen und Trinken f\u00fcr die Nacht eingepackt. Wom\u00f6glich waren es wieder einmal ein paar Vodka zuviel, aber bis Sahrisabz wollte ich zumindest noch kommen.<br \/>\nAls ich mich heute Vormittag von Gabor verabschiedet hatte, gab er mir noch &#8220;viel R\u00fcckenwind&#8221; mit auf den Weg. Sein Wunsch ist sofort in Erf\u00fcllung gegangen. Ein kr\u00e4ftiger Wind treibt mich bergab. mit 75km\/h Spitze gehts in Richtung Tal. Fast unten angekommen muss ich dann noch einmal eine Zwangspause wegen einem kleinen Nagel einlegen. Leicht angetrunken und bei st\u00fcrmischem Wind wird das Hinterrad geflickt. Nach ein paar Minuten gehts weiter&#8230;<br \/>\nIn Sahrisabz h\u00e4tte eigentlich Timur beigesetzt werden sollen. Das Mausoleum war schon fertiggebaut, aber da starb er \u00fcberraschen im Winter. Der Pass von Samarkand nach Sahrisabz war eingeschneit und so wurde Timur kurzerhand im Mausoleum, das eigentlich f\u00fcr seinen Sohn vorgesehen war, beigesetzt. In Sahrisabz fand dann sein Sohn die letzte Ruhe. Anders als in Samarkand ist das Mausoleum hier nicht bis ins letzte Detail restauriert. Die Gr\u00f6\u00dfe der Anlage l\u00e4sst sich aber noch gut erahnen.<br \/>\nAls ich nach kurzer R\u00fccksprache mit einem Sch\u00e4fer mein Zelt in Flussn\u00e4he aufstelle, dauert es mal wieder nicht lange und ich bin umgeben von neugierigen Kindern, die alle mein Rad testen wollen und interessiert das Zelt begutachten. Am liebsten w\u00fcrde ich mich eigentlich im Zelt verkriechen und ein paar Minuten die Augen schlie\u00dfen, aber erst mal muss die Neugierde der Kids befriedigt werden.<\/p>\n<h2>Tag 101 &#8211; 12.Mai<\/h2>\n<p>Sahrisabz &#8211; Qarshi: 127km; 5:30h im Sattel; 23 &#8211; 34 Grad, Sonne<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Da sagt man immer, beim Zelten bestimmt man den Rhythmus selbst,,, Pustekuchen. Um kurz vor f\u00fcnf Uhr kam der erste Weckruf von einem der Burschen aus dem Ort. Er lie\u00df auch nicht locker, bis ich meinen Kopf aus dem Zelt steckte. Unbedingt wollt er die 4 S\u00e4tze Englisch, die er beherrschte loswerden. Freundlich versuchte ich ihm klarzumachen, dass ich noch eine halbe Stunde Schlaf br\u00e4uchte. Mission erfolgreich abgeschlossen&#8230; doch nach einer halben Stunde war er wieder da. Ich kam mir vor, wie bei &#8220;ewig gr\u00fc\u00dft das Murmeltier&#8221;. Die selbe Konversation wie vor einer halben Stunde&#8230; Nun gut, es war also Zeit, den Tag zu beginnen. Es lagen gut 100km bis Qarshi vor mir. Die Temperaturen waren heute \u00fcberraschend angenehm. Man sp\u00fcrt bereits deutlich den Einfluss der nahe gelegenen Berge. Darauf kann ich mich also jetzt schon freuen, dass es weiter \u00f6stlich deutlich k\u00fchler wird. Diese ewige Hitze geht schon ein wenig an die Substanz.<br \/>\nAls ich in Samarkand aufgebrochen bin, hatte ich zum ersten Mal in die kurzen Radelklamotten gewechselt. Die Angst vor dem Sonnenbrand f\u00e4hrt also st\u00e4ndig mit, aber es ist in den langen Klamotten praktisch nicht mehr auszuhalten. Und ausserdem wird es eh langsam Zeit, ein bisschen Farbe auf den Armen zu bekommen.<br \/>\nLeichter R\u00fcckenwind, die Temperaturen noch unter 30 Grad und eine konstant abfallende Stra\u00dfe. Was will man mehr? Gem\u00fctlich gehts weiter in Richtung Qarshi. Die Verkehrspolizei ist heute mal wieder besonders neugierig und will bei jedem Checkpoint meinen Ausweis sehen. Am meisten interessieren sie sich aber stets f\u00fcr die unterschiedlichen Visa.<br \/>\nJe weiter ich Richtung Westen fahre, desto w\u00e4rmer wird es. Auch das Gr\u00fcn nimmt wieder ab. Irgendwie schade, aber in ein paar Tagen bin ich ja zur\u00fcck.<br \/>\nDie Verkehrszeichen in Uzbekistan sind noch \u00fcberwiegend handgezeichnet. Hie und da findet man ein neues Verkehrsschild, doch die Meisten sind individuell gestaltet. Gerade bei den Hinweistafeln muss man oft ein wenig schmunzeln, weil die Darstellungen teilweise etwas unbeholfen sind. Aber auf der anderen Seite kommt so ein bisschen Leben in den Schilderwald.<br \/>\nStellenweise ist die Fahrbahn in extrem guten Zustand, doch dann kommt unittelbar darauf wieder eine Passage, die wegen der Anzahl an Schlagl\u00f6chern nur in Schrittgeschwindikeit befahren werden kann. Viel Gelegenheit zum &#8220;in die Landschaft schauen&#8221; bleibt da nicht. Volle Konzentration auf die Stra\u00dfe&#8230;<br \/>\nKurz nach 15 Uhr rolle ich in Qarshi ein. Mit Tyson hatte ich mich in der N\u00e4he des Flusses verabredet. Zuvor gings aber noch in den benachbarten Supermarkt. Nach kurzem Beschnuppern wurde ich von der ganzen Belegschaft belagert und mit Fragen bombardiert. Jeder wollte ein Foto mit mir machen. Geduldig lie\u00df ich die Prozedur \u00fcber mich ergehen und zog mich schlie\u00dflich mit einem Eis in der Hand in den Schatten zur\u00fcck. An gem\u00fctliches Warten war aber nicht zu denken. Pausenlos hockten Leute vor mir, die entweder gar nichts sagten, und einfach nur mich und mein Rad anstarrten, oder auch solche, die mir ihre ganze Lebensgeschichte erz\u00e4hlten. Irgendwann war aber der Moment erreicht, an dem ich eigentlich nur noch meine Ruhe wollte. Ich machte mir auch schon etwas Sorgen, weil Tyson und Hanne immer noch nicht da waren. Bei dem R\u00fcckenwind h\u00e4tten sie schon l\u00e4ngst in Qarshi sein m\u00fcssen. Ich beschloss, ein wenig in Richtung Bukhara zu radeln, vielleicht warten sie ja an einem anderen Fluss&#8230; Nach gut 20min auf dem Rad h\u00f6re ich dann Tyson hinter mir keuchend meinen Namen rufen. Wir hatten offenbar nur gut 500m von einander getrennt gewartet. Die beiden hatten es sich sei 13 Uhr in einem Lokal gem\u00fctlich gemacht. Gottseidank hatten sie mich noch gesehen, als ich vorbeigeradelt bin. Es war also keine Punktlandung, aber immerhin haben wir es geschafft&#8230;<br \/>\nNachdem in Uzbekistan alle drei Tage eine Registrierung erforderlich ist, beschlie\u00dfen wir, bereits heute ein Hotel zu suchen, weil die Chancen in Qarshi dazu relativ gut stehen. Es dauert aber ziemlich lange, bis wir schlie\u00dflich ein Hotel finden, in dem wir zu unseren Preisvorstellungen \u00fcbernachten k\u00f6nnen. W\u00e4hrend wir nach den Preisen fragen kommt es schon mal vor, dass das Hotel pl\u00f6tzlich v\u00f6llig ausgebucht ist, oder das versprochene g\u00fcnstige Zimmer doch nicht vorhanden ist. Und so wandeln wir von einem Hotel zum anderen. Wir hatten uns schon damit arrangiert, bei Dunkelheit unser Zelt kurz hinter der Stadt aufzuschlagen, doch dann haben wir schlussendlich doch noch Gl\u00fcck. Bis Dushanbe ist nur noch eine Registrierung erforderlich. Den Rest k\u00f6nnen wir gem\u00fctlich im Zelt verbringen.<\/p>\n<h2>Tag 102 &#8211; 13.Mai<\/h2>\n<p>Qarshi &#8211; kurz vor Gumbuloq: 84km; 4:38h im Sattel; 25 &#8211; 35 Grad, sonnig<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Als wir heute Fr\u00fch unsere Registrierungsscheine in Empfang nahmen, dachte ich schon, dass alle weiteren Registrierungsprobleme gel\u00f6st sind, weil das Abreisedatum offen gelassen wurde. Doch gerade, als wir aufsatteln wollten, kam der Rezeptionist noch einmal zu uns und die fehlende Spalte war ausgef\u00fcllt. Nun gut&#8230; kann man nichts machen. Es w\u00e4re eine gute Gelegenheit gewesen, der l\u00e4stigen Registrierungspflicht zu entgehen.<br \/>\nEs geht wieder Richtung Osten, vorbei an \u00d6lraffinarien, durch weites, trockenes Land, immer den Bergen entgegen, die langsam aus dem Dunst auftauchen. F\u00fcr Tyson und Hanne ist es das erste Mal seit vielen Tagen, dass sie gr\u00f6\u00dfere Bodenerhebungen sehen. Die Luftfeuchtigkeit nimmt wieder zu, es wird wieder Gr\u00fcn. Der Wind streift durch die Getreidefelder und erzeugt ein angenehmes Rauschen.<br \/>\nAls wir in Guzor zum Mittagessen einbiegen werden wir ganz ungl\u00e4ubig begutachtet. Vor dem Mini-Market dann ebenfalls wieder gro\u00dfes Hallo&#8230; jeder will wissen, wohin, woher, wie alt, etc. Wenn man zu dritt unterwegs ist, kann man dann durchaus die Karte ausspielen, dass nur Einer die Leute vor Ort unterh\u00e4lt. Das verschafft den anderen Zwei ein wenig Luft.<br \/>\nZum ersten Mal f\u00fcr 2014 g\u00f6nne ich mir eine T\u00fcte voll Kirschen. Ein paar Kilometer hinter Guzor findet sich dann auch ein gem\u00fctlicher Platz im Schatten, wo wir noch einmal eine Pause einlegen k\u00f6nnen. Diesmal ohne permanente Beobachtung der Ortsbewohner.<br \/>\nKurz hinter Guzor \u00e4ndert sich nun die Landschaft schlagartig. Wir kommen langsam in eine sanfte H\u00fcgelkette. Offenbar findet sich hier viel Lehm, weil seitlich der Stra\u00dfe immer wieder gr\u00f6\u00dfere Gruppen auszumachen sind, die vor Ort Lehmziegel herstellen. Die Ziegel werden vor Ort geformt und zum Trocknen aufgereiht. F\u00fcr die Arbeiter eine willkommene Gelegenheit, mit uns ein paar Fotos zu schie\u00dfen. Auf Fotos fahren die Leute hier total ab. Dabei geht es nicht einmal darum, dass sie selbst ein Foto schie\u00dfen, es reicht oft schon, wenn man von ihnen ein Bild macht&#8230;<br \/>\nDie gef\u00fchlte Temperatur wird immer geringer, je tiefer wir in die H\u00fcgellandschaft eintauchen. Nur hin und wieder kommt man an Siedlungen vorbei, ansonsten gehts seit langem wieder mal durch eine sehr naturbelassene Gegend. Tyson und Hanne haben ihr Einreisedatum nach Tajikistan f\u00fcr den 17. Mai festgelegt. Ich k\u00f6nnte eigentlich schon heute einreisen&#8230; Nachdem wir nicht allzu viele Kilometer vor uns haben, k\u00f6nnen wir die Etappen ganz gem\u00fctlich anlegen. Und so klappt es diesmal auch, dass das Zelt aufgebaut, das Essen gekocht und das Geschirr gewaschen ist, noch bevor die Sonne untergegangen ist. Morgen ist Vollmond, doch auch heute schon leuchtet der Mond die Nachtlandschaft ziemlich intensiv aus. Wir liegen vor den Zelten und bestaunen die scharfen Schatten. Leider sind aufgrund der Helligkeit nur wenige Sterne zu erkennen.<\/p>\n<h2>Tag 103 &#8211; 14.Mai<\/h2>\n<p>Kurz vor Gumbuloq &#8211; kurz hinter Derbent: 81km; 5:28h im Sattel; 23 &#8211; 35 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Als wir heute fr\u00fch unsere Sachen zusammenpackten, wurden wir fast von einer Herde Schafe \u00fcberrollt. Wie aus dem Nichts tauchten auf einmal gef\u00fchlte hundert bl\u00f6kende Schafe auf. Nach einer sehr ruhigen Nacht standen wir also nun in Mitten einer riesigen Schafherde. Aber so schnell wie die Tiere aufgetaucht waren, so schnell verschwanden sie auch wieder.<br \/>\nNach ein paar Kilometern Fahrt durchquerten wir einen sehr gesch\u00e4ftigen Ort. Es war offenbar gerade Markttag. K\u00fche, Schafe, Wolle etc. wurden auf der Stra\u00dfe gehandelt. Man glaubt gar nicht, wie viele Schafe in einen Lada passen. Schafwolle wird in gro\u00dfe S\u00e4cke gestopft und anschlie\u00dfend in die wartenden Autos geschlichtet. Ein kleiner Junge versucht mir st\u00e4ndig, ein Schaffell anzudrehen und versteht gar nicht, weshalb ich daf\u00fcr keine Verwendung habe. Die Sch\u00e4fer laufen alle mit langen, schweren M\u00e4nteln rum. Seit kurzem sieht man nun auch h\u00e4ufiger \u00e4ltere M\u00e4nner mit langen B\u00e4rten. B\u00e4rte habe ich bisher in Uzbekistan nur sehr selten gesehen. Offenbar ist hier der Einfluss von Afghanistan schon zu sp\u00fcren&#8230; Nachdem wir von einem \u00e4lteren Herrn quer \u00fcber die Stra\u00dfe sein Segensgebet erhalten haben, ging es wieder weiter.<br \/>\nDie Stra\u00dfe existiert teilweise nur noch als Schotterpiste, allerdings wird eifrig daran gearbeitet, dass wieder eine asphaltierte Fl\u00e4che entsteht. F\u00fcr die Arbeiter sind wir immer eine willkommene Gelegenheit, ein paar Minuten zu plaudern. Auch hier muss von jeder Gruppe ein Bild gemacht werden, sonst d\u00fcrfen wir nicht weiter&#8230;<br \/>\nGanz \u00fcberraschend taucht pl\u00f6tzlich ein Ort mit zwei Hotels auf. Damit h\u00e4tte ich wirklich nicht gerechnet. In Mitten von einfachen H\u00e4usern pl\u00f6tzlich Hotels&#8230; Offenbar prim\u00e4r f\u00fcr die Transit-LKW Fahrer. Zur Grenze ist es nicht mehr allzu weit. Uns kommen immer wieder t\u00fcrkische und iranische LKWs entgegen. Meist nur mit einem Fahrer. Man kann sich vorstellen, wie anstrengend die Tour ist, von Tajikistan bis in die T\u00fcrkei&#8230;<br \/>\nSchritt f\u00fcr Schritt gewinnen wir an H\u00f6he. Immer wieder tauchen vor uns die schneebedeckten Berge auf, verschwinden dann aber stets wieder hinter den H\u00fcgelketten, durch die wir gerade radeln.<br \/>\nAls wir Nachmittags die Passh\u00f6he mit 1500m erreichen, sind wir von sanften H\u00fcgeln in unterschiedlichsten Gr\u00fcnschattierungen umgeben. Vereinzelt sieht man auch B\u00e4ume auf den Wiesen stehen. Dort wo kein Gras w\u00e4chst, liegt der rote Lehmboden offen. Aufgrund der roten F\u00e4rbung des Lehms sind die H\u00e4user am Stra\u00dfenrand nun prim\u00e4r auch rot gef\u00e4rbt. In dieser Gegend werden viele H\u00e4user noch mit Bruchsteinmauerwerk erbaut. v\u00f6llig ohne M\u00f6rtel. Leider sieht man das Mauerwerk nur sehr selten, weil es in der Regel mit Lehm verputzt wird. Der Lehm wird dazu direkt auf der Baustelle mit Wasser und Stroh vermischt.<br \/>\nOffenbar machen wir einen recht abgek\u00e4mpften Eindruck. Auf der Passh\u00f6he wird uns zweimal frisches Brot aus dem Autofenster zugesteckt. Derartige Geschenke nimmt man gerne an, gerade nachdem die Einkaufsm\u00f6glichkeiten nun doch schon sehr beschr\u00e4nkt sind.<br \/>\nAls wir die Bezirksgrenze \u00fcberschreiten gibt es zu ersten Mal eine richtige Polizeikontrolle. Die P\u00e4sse werden untersucht und peinlichst genau in ein gro\u00dfes Buch eingetragen. Auch der Autoverkehr wird sehr genau kontrolliert. Es kommt schon fast Grenzstimmung auf. S\u00e4ckeweise werden Gurken durch die R\u00f6ntgenmaschine geschoben, lange Schlangen bei der LKW Abfertigung und Polizeibeamte, die von ganzen Menschentrauben umgeben sind&#8230; Die Spalte f\u00fcr das Nummernschild muss bei uns aber offen gelassen werden. Kommt hier scheinbar auch nicht so h\u00e4ufig vor, weil \u00f6fters nachgefragt werden muss, wie nun hier zu verfahren sei.<br \/>\nKurz hinter der &#8220;Grenze&#8221; suchen wir uns dann auch schon einen Zeltplatz. Noch begleitet uns auf der rechten Seite ein Fluss, doch laut Karte biegt der gleich nach S\u00fcden ab. Also nutzen wir die Gelegenheit und stellen das Zelt am Ufer des Flusses auf. Diesmal gibt es sogar den Luxus einer Dusche. Rechtzeitig wurde der Wassersack aufgef\u00fcllt und so kommt auch der Duschvorsatz nun endlich zum Einsatz. Ein herrliches Gef\u00fchl, frisch geduscht ins Zelt zu kriechen&#8230;<\/p>\n<h2>Tag 104 &#8211; 15.Mai<\/h2>\n<p>kurz hinter Derbent &#8211; Bibizaynab: 84km; 5:13h im Sattel; 26 &#8211; 36 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Gestern hatten wir die Hisor Gebirgskette hinter uns gelassen und waren f\u00fcr einige Zeit dem Fluss talw\u00e4rts gefolgt. Nun beginnt wieder ein lang gezogener Anstieg. Noch lange begleiten uns die steil abfallenden Felsw\u00e4nde mit den Schneefeldern in Gipfeln\u00e4he. Kurz vor Boysun \u00e4ndert sich das Landschaftsbild dann aber drastisch. Leider verstehe ich nicht besonders viel von Geologie, aber man sp\u00fcrt f\u00f6rmlich, die Naturgewalt, mit der vor tausenden Jahren die Erdoberfl\u00e4che hier aufgebrochen ist. Gewaltige Platten hatten sich aufgeschoben und nun f\u00fchrt die Stra\u00dfe mehr oder weniger entlang der Bruchkanten. Die einzelnen Erdschichten sind deutlich zu erkennen. Auf der anderen Seite breitet sich eine weite Ebene aus, in der intensiv Getreide angebaut wird. Die Gegend ist nur sehr d\u00fcnn besiedelt, doch von den wenigen Leute, die uns hier begegnen, werden wir stets mit einem sehr freundlichen Lachen empfangen.<br \/>\nDie schlechten Stra\u00dfen fordern langsam auch beim Material Tribut. Die erste Befestigungsniete meiner vorderen Packtasche rei\u00dft aus und es muss rasch Ersatz gefunden werden, nicht dass noch mehrere Nieten aufgrund der ver\u00e4nderten Belastung ausrei\u00dfen. Zum Gl\u00fcck habe ich ein paar Schrauben eingepackt, die gerade durch die vorgebohrten L\u00f6cher passen. Die Beilagscheibe wird kurzerhand in der benachbarten Autowerkstatt passend gemacht und so kann es nach wenigen Minuten schon wieder weitergehen.<br \/>\nHinter jedem H\u00fcgel den wir erklimmen bietet sich ein v\u00f6llig neues Landschaftsbild. Teilweise kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Immer wieder bleibt einer von uns stehen, um Fotos zu machen.<br \/>\nWaren Anfangs die Erdschichten noch klar auszumachen, nimmt nun die Erosion deutlich zu. Nur noch stellenweise sieht man die Schichtungen aus gro\u00dfen Erosionsh\u00fcgeln herausragen. Schritt f\u00fcr Schritt werden die Erosionsh\u00fcgel immer gr\u00f6\u00dfer, bis wir schlie\u00dflich wieder einmal in einer \u00fcber weite Kilometer reichende H\u00fcgellandschaft angekommen sind.<br \/>\nIn der Nachmittagssonne wirkt die Landschaft besonders reizvoll. Die vielen H\u00fcgel werfen lange Schatten, wodurch die Struktur viel deutlicher zum Vorschein kommt.<br \/>\nWieder einmal werden wir von einem gerade vorbeigefahrenen Auto aufgehalten, weil die Insassen mehr \u00fcber unser Vorhaben erfahren wollen. Im Gegenzug gibt es ein paar k\u00f6stlicher Erdbeeren, frisches Brot und Wasser von irgendeiner ganz speziellen Quelle&#8230;<br \/>\nSeit Tagen kommen mir vollbepackte LKWs mit Zwiebels\u00e4cken entgegen. Bisher bin ich noch nicht dahinter gekommen, wo das geheime und scheinbar unersch\u00f6pfliche Zwiebellager liegt. Ich hatte schon damit spekuliert, dass die Zwiebel aus Tajikistan importiert werden. Doch dann tauchen auf einmal die Zwiebelfelder auf. Unz\u00e4hlige H\u00e4nde f\u00fcllen die frisch geernteten Zwiebel in S\u00e4cke, welche dann in Kleinlaster geladen werden. Nat\u00fcrlich wieder gro\u00dfes Hallo, als wir an einem der Felder langsam vorbeirollen. Mit einer Handvoll erntefrischer Zwiebel im Gep\u00e4ck geht es nun in Richtung Zeltplatz, der allerdings erst noch gefunden werden muss. Nachdem wir seit kurzem in einem landwirtschaftlich hoch kultivierten Landstrich unterwegs sind, ist kein ruhiger Zeltplatz auszumachen. Kurzerhand frage ich einen Tankstellenbesitzer, ob wir hinter seiner Tankstelle das Zelt aufschlagen k\u00f6nnen. Wir werden sehr freundlich willkommen gehei\u00dfen und nach wenigen Minuten wird uns sogar einer der zwei Schlafr\u00e4ume der Tankstelle angeboten. Das Zelt bleibt f\u00fcr heute also eingepackt und so bleibt mehr Zeit, die Abendsonne zu genie\u00dfen und frische Zwiebelsuppe aufzusetzen.<\/p>\n<h2>Tag 105 &#8211; 16.Mai<\/h2>\n<p>Bibizaynab &#8211; 5km vor der Grenze zu Tajikistan: 61km; 4:04h im Sattel; 24 &#8211; 36 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Bereits gestern hatte sich abgezeichnet, dass wir nun in einer sehr intensiv bewirtschafteten Gegend unterwegs sind. Bereits fr\u00fch am Morgen sind die Felder voll von Leuten die in m\u00fchevoller Handarbeit die Felder pflegen. Nur selten sieht man Maschinen im Einsatz und wenn, dann prim\u00e4r zum Transport schwerer G\u00fcter. Die Strecke f\u00fchrt uns vorbei an Obstplantagen, gro\u00dfen Feldern mit Weinreben, Getreide- und Gem\u00fcsefeldern und am Stra\u00dfenrand verschiedenste Obstb\u00e4ume. Stellenweise sieht man sogar Blumen. Erstaunlich, wie stark sich das Erscheinungsbild einer Landschaft \u00e4ndern kann, sobald die Wasserversorgung gew\u00e4hrleistet ist. Hier wird die Wasserversorgung prim\u00e4r \u00fcber ein geschlossenes Leitungssystem garantiert. Offene Wasserkan\u00e4le sieht man nur noch selten. Ein wenig bedauern wir, dass wir nicht gerade zur Obstsaison unterwegs sind. So verlockend w\u00e4re es, einfach frisches Obst von den B\u00e4umen zu pfl\u00fccken. Aber immerhin finden wir einen gro\u00dfen Baum mit roten Maulbeeren. Der Reifegrad der Beeren ist gerade perfekt. Immerhin die erste Fruchternte auf dieser Reise&#8230;<br \/>\nKurz bevor wir Denov erreichen werden wir noch gro\u00dfz\u00fcgig von Kromat in sein Haus eingeladen. Wir hatten zugestimmt, auf einen Tee vorbeizuschauen. Die gesamte Familie ist versammelt und nat\u00fcrlich bleibt es nicht beim Tee. Anfangs Kekse, dann frisches Brot, schlie\u00dflich frisch zubereiteter Joghurt und Salat. Vor allem die Frauen des Hauses sind sehr kontaktfreudig und offenbar auch sehr beeindruckt von der Tatsache, dass Hanne ebenfalls mit dem Rad unterwegs ist. Man ben\u00f6tigt stets ein bisschen diplomatisches Geschick, um die \u00fcberaus freundliche Einladung auch wieder zu beenden. Immerhin wollen wir heute ja noch zur Grenze kommen. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto gehts es dann wieder weiter.<br \/>\nNach ein paar Kilometern erreichen wir dann aber schon Denov. V\u00f6llig \u00dcberraschend befinden wir uns nun in einer pulsierenden Kleinstadt. Dichter Verkehr, Marktst\u00e4nde am Stra\u00dfenrand und ein regelrechtes Menschengewirr im Stadtzentrum. Auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite lacht uns ein gro\u00dfer Supermarkt an. F\u00fcr den letzten Abend in Uzbekistan wollen wir noch etwas zum Kochen einkaufen. Das Gef\u00fchl beim Betreten des Supermarktes ist \u00e4hnlich, wie damals in Samarkand. Im ersten Moment ist man schlichtweg \u00fcberw\u00e4ltigt von der Auswahl an Produkten, die hier geboten ist. Lustigerweise kommt man dann aber fast mit den selben Produkten raus, die man sonst auch im Mini Market gekauft h\u00e4tte. Man ertappt sich selbst dabei, wie man einfach nur durch die G\u00e4nge schlendert und sich \u00fcber eine Auswahl von 20 verschiedenen Zahncremen freut, obwohl man selbst gar keine Zahncreme ben\u00f6tigt. Ein bisschen Obst, Gem\u00fcse, S\u00e4fte, Nudeln, Cola&#8230; das ist alles was im Moment wirklich erforderlich ist und genau das gibt es eigentlich auch in jedem noch so kleinen Laden. Wobei man sagen muss, dass die Versorgung mit Gem\u00fcse in den letzten Tagen sehr schlecht war, doch jetzt gibt es endlich wieder Tomaten und Gurken zu kaufen&#8230;<br \/>\nJe n\u00e4her wir der Grenze kommen, desto mehr nimmt unsere Reisegeschwindigkeit ab. Immer wieder bleiben wir stehen, um mit den Leuten ein wenig zu plaudern. Die Freude, mit der sie uns entgegenkommen ist ansteckend. Die Unterhaltungen klappen nun auch schon sehr gut, nachdem das Fragenmuster meist dasselbe ist. Demnach kann man stets im rechten Moment die Antworten einwerfen, auch wenn man nicht versteht, was eigentlich gefragt wird. Ein paar Codew\u00f6rter bzw. die richtige Deutung der K\u00f6rpersprache reichen schon aus um ein mehrere Minuten andauerndes Gespr\u00e4ch aufrecht zu erhalten. Irgendwann kommt dann aber immer der Moment, an dem das Gegen\u00fcber feststellen muss, dass meine Russisch-Kenntnisse doch nicht so gro\u00df sind, wie anfangs angenommen. Trotzdem wird viel gelacht.<br \/>\nIm letzten Ort vor der Grenze f\u00fcllen wir noch einmal unsere Wasservorr\u00e4te auf. Es dauert wieder einmal nur ein paar Minuten, bis sich das halbe Dorf um uns versammelt hat. Viele Burschen sind mit ihren Fahrr\u00e4dern unterwegs. Ich habe mir angew\u00f6hnt, es den Einheimischen gleichzutun und beim Begutachten der R\u00e4der zu allererst den Reifendruck zu \u00fcberpr\u00fcfen. Das imponiert die Leute am meisten, wenn man einen prall gef\u00fcllten Reifen hat&#8230; Nachdem mein Gegen\u00fcber praktisch ohne Luft unterwegs ist, biete ich ihm gleich mal meine Pumpe an, damit er zumindest wieder f\u00fcr ein paar Tage Luft in den Reifen hat.<br \/>\nKurz darauf gibt es noch einmal die Gelegenheit vor Ort helfend einzugreifen. Eine Gruppe Jugendlicher winkt uns aufgeregt zu sich. Offenbar hatte einer der vier gerade einen Unfall mit dem Rad. Das Vorderrad ist v\u00f6llig verbogen. Anfangs versuche ich mein Gl\u00fcck noch mit dem Speichenschl\u00fcssel, doch das Laufrad ist generell in ziemlich schlechtem Zustand, sodass ich mich dazu entscheide, etwas gr\u00f6bere Methoden anzuwenden. Kurzerhand wird das Laufrad mit Einsatz von H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen wieder in Position gebogen. Immerhin dreht es sich jetzt wieder und die Jungs radeln freudestrahlend zur\u00fcck ins Dorf.<br \/>\nAuf der Suche nach einem Zeltplatz werde ich in ein Gespr\u00e4ch verwickelt und wie zu erwarten war, wird uns von dem ins Auge gefassten Zeltplatz abgeraten. Statt dessen werden wir in eine ehemalige Landwirtschaftsanlage gef\u00fchrt, wo sich nun eine kleine Gastwirtschaft und eine B\u00e4ckerei befinden. Es bedarf etwas \u00dcberzeugungskraft, dass wir wirklich im Zelt schlafen wollen und nicht eines der Betten mit Fernseher am Zimmer belegen wollen.<br \/>\nDas geplante Abendessen m\u00fcssen wir dann aber verschieben, weil wir dazu eingeladen werden, im Hof Tee zu trinken und frisch gebackene Kekse zu essen. Damit es uns auch wirklich an nichts fehlt, wird noch Brot, Mineralwasser und Gem\u00fcse besorgt. \u00dcberw\u00e4ltigend, mit welcher Hingabe sich die Leute hier um das Wohl der G\u00e4ste k\u00fcmmern. Auf die zwei Damen vor Ort wirkt es etwas eigenartig, dass ich alleine reise. Wieder einmal werden Pl\u00e4ne geschmiedet, welche der beiden wohl den Platz an meiner Seite einnehmen k\u00f6nnte&#8230;<br \/>\nIch muss ehrlich zugeben &#8211; die Art und Weise der Leute in dieser Gegend werde ich sehr vermissen. Zum allerersten Mal bin ich fast etwas traurig, das Land schon wieder zu verlassen. Das L\u00e4cheln, das herzhafte Lachen, die direkte Art und dann aber auch der notwendige Respekt, all das macht es einem schwer, Uzbekistan zu verlassen. Ich bin gespannt, ob es an der Grenze noch Schwierigkeiten gibt, nachdem wir die letzte Registrierung dann doch nicht mehr durchgef\u00fchrt haben. Auf alle F\u00e4lle wird mir lange in Erinnerung bleiben, wie herzlich ich hier aufgenommen wurde.<\/p>\n<h2>Tag 106 &#8211; 17.Mai<\/h2>\n<p>5km vor der Grenze &#8211; Dushanbe: 79km; 5:27h im Sattel; 27 &#8211; 34 Grad, bedeckt<br \/>\nCamping \/ Warmshowers<\/p>\n<p>Die Grenze nach Tajikistan war schon nach kurzer Zeit in Sicht. Die Vorkontrolle gab uns schon einen ersten Einblick wie der Grenz\u00fcbertritt aussehen wird. Etwas versteckt im Schatten sa\u00df ein Grenzpolizist mit ein paar Einheimischen zusammen und kaute auf frischem Rhabarber. Wir scherzten ein wenig herum und dann wurde uns der Weg in Richtung eigentlicher Grenze gezeigt. Viel war nicht los. F\u00fcr die LKW war die Grenze offenbar noch zu und Autos kommen hier scheinbar gar nicht \u00fcber die Grenze. Nachdem die Zolldeklaration ausgef\u00fcllt war, stellte ich mich auf einige Wartezeit ein, doch \u00fcberraschenderweise erschien ein Beamter, der unsere P\u00e4sse und die Zollerkl\u00e4rung entgegennahm und schon nach wenigen Minuten waren wir bei der Gep\u00e4ckkontrolle. Ein kurzer Pro-Forma Blick in eine der Taschen und schon war der ganze Spuk vorbei. \u00dcberraschenderweise wurde ich nicht nach meinen Hotelregistrierungen gefragt. Auch die Zollerkl\u00e4rung wurde nicht wirklich kontrolliert. Scheinbar waren die Beamten heute gut gelaunt. Freundlich w\u00fcnschte man mir noch eine gute Reise und weiter ging es in Richtung Tajikistan. Im Bereich der Gep\u00e4ckkontrolle auf Tajikischer Seite herrschte gute Stimmung. Die Beamten waren mehr am Verlauf meiner Reise, als an meinem Gep\u00e4ck interessiert. Den Einreisestempel h\u00e4tte ich dann fast verpasst. Der Grenzbeamte sa\u00df in einem abseits gelegenen Raum und folgte gebannt seinem Fernseher. Kurz noch das Einreiseformular ausgef\u00fcllt und alles war erledigt. Das Visum f\u00fcr Tajikistan interessierte den Beamten relativ wenig&#8230; Eine derart entspannte Einreise hatte ich schon lange nicht mehr erlebt.<br \/>\nAber die positiven \u00dcberraschungen rissen nicht ab. Nach 5min Fahrt wurden wir von einem aufgeregt winkenden Mann zum anhalten bewegt. Grund der ganzen Aufregung war, dass er uns zum Plov-Essen einladen wollte. Etwa 50m neben der Stra\u00dfe war eine gro\u00dfe Tafel aufgebaut an der ein paar Grenzpolizisten und einige Taxifahrer sa\u00dfen und gemeinsam speisten. Gerne nahmen wir die Einladung an. Nachdem die M\u00e4nner den Tisch verlassen hatten, kamen die Frauen vom Feld und nahmen deren Pl\u00e4tze ein. Es war nicht leicht, wieder aufzubrechen. In derart lockerer Atmosph\u00e4re h\u00e4tte man gut noch ein paar Stunden verbringen k\u00f6nnen. Aber es lagen noch 65km vor uns.<br \/>\nAnfangs ging es auf einer frisch asphaltierten Stra\u00dfe flott voran, doch nach ein paar Kilometern endete der Asphalt abrupt und f\u00fcr die n\u00e4chsten Stunden radelten wir auf einer Schotterpiste weiter. Stellenweise konnte man die entgegenkommenden Autos nur schemenhaft erkennen. Der feine Staub legte sich \u00fcberall ab. Sobald man die Z\u00e4hne bewegte, knirschte es. Heute gab auch die Befestigungsniete meiner hinteren Packtasche auf. Das dauernde Ger\u00fcttelt war offenbar zu viel. In Dushanbe muss ich unbedingt Schrauben auf Vorrat mitnehmen, da die Stra\u00dfenverh\u00e4ltnisse im Pamirgebirge nicht viel besser sein werden.<br \/>\nAm Stra\u00dfenrand werden frisch Kirschen, Aprikosen und Erdbeeren verkauft. Die Leute sind ebenso wie in Uzbekistan unwahrscheinlich freundlich und gehen bei jeder Gelegenheit sofort auf uns zu. Sprachlich hat sich bisher auch noch nicht viel ge\u00e4ndert. Zumindest die paar S\u00e4tze, die ich mir bisher angeeignet hatte, kann ich auch hier gut einsetzen.<br \/>\nWir n\u00e4hern uns immer mehr den Bergen. Die H\u00fcgel am Fu\u00df der Gebirgskette schimmern in sanftem Gr\u00fcn, die schneebedeckten Berggipfel leuchten uns Wei\u00df entgegen. Von der Ferne ist bereits Dushanbe zu erkennen. Die Stadt scheint nicht sonderlich gro\u00df zu sein. Die Stra\u00dfen sind breit und bei den Geb\u00e4uden sp\u00fcrt man deutlich den fr\u00fcheren sowjetischen Einfluss. Ein klares Zentrum ist auf den ersten Blick nicht auszumachen. Dushanbe orientiert sich offenbar linear entlang eines Flusses. Bei der Stadteinfahrt sind wir aber bereits an einigen der wichtigsten Geb\u00e4ude vorbeigeradelt, demnach l\u00e4sst sich das &#8220;Zentrum&#8221; in etwa eingrenzen.<br \/>\nHanne hatte vor einiger Zeit bereits Veronique kontaktiert und eine Unterkunft organisiert. Veronique arbeitet f\u00fcr die EU in Tajikistan und ist f\u00fcr s\u00e4mtliche Belange der Gesundheitsversorgung zust\u00e4ndig. Seit einem Jahr lebt sie in Dushanbe und residiert in einem beachtlichen Haus mit Garten. Hier kann ich auch mein Zelt aufschlagen, da die Zimmer im Haus bereits vergeben sind. In ein paar Tagen werden auch Gayle und John hier auftauchen. Die Welt ist klein und man trifft sich immer wieder&#8230;<br \/>\nIn zwei Tagen (am Montag) versuche ich dann das Permit f\u00fcr die Pamir-Region abzuholen und dann kann es auch schon losgehen. Vorher muss ich aber unbedingt noch Flicken f\u00fcr die Schl\u00e4uche finden und ein paar Ersatzschrauben auftreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 100 &#8211; 11.Mai Samarkand &#8211; Sahrisabz: 98km; 5:09h im Sattel; 26 &#8211; 33 Grad, Sonne Camping Unglaublich, Tag 100 bricht an und ich breche schon wieder aus Samarkand auf. 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