{"id":1260,"date":"2014-05-20T04:58:36","date_gmt":"2014-05-20T03:58:36","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1260"},"modified":"2014-05-20T04:58:36","modified_gmt":"2014-05-20T03:58:36","slug":"tag-107108-dushanbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1260","title":{"rendered":"Tag 107\/108: Dushanbe"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 107 \/ 108 (18\/19.Mai)<\/h2>\n<p>Dushanbe: 2 Ruhetage; 20 &#8211; 29 Grad; wechselhaft \/ Regen<br \/>\nCamping \/ Warmshower<\/p>\n<p>Veronique, unsere Gastgeberin, bereitet sich auch gerade auf eine Fahrradtour durch das Pamirgebirge vor. Mit ihrem 8 j\u00e4hrigen Sohn Gabriel will sie mit dem Tandem das Gebirge durchfahren. Lulu, ein guter Freund von Veronique will sie dabei begleiten. Die gesamte Ausr\u00fcstung, welche beide besitzen liegt momentan im Innenhof ausgebreitet vor uns. Es wird diskutiert, was unbedingt mit muss und worauf verzichtet werden kann. Lulu\u00b4s Fahrrad ben\u00f6tigt dringend einen Service, jedoch ist in Dushanbe kein ordentliches Fahrradgesch\u00e4ft aufzutreiben. Daher biete ich ihm meine Werkstattk\u00fcnste an und behebe zumindest die gr\u00f6bsten M\u00e4ngel. Veronique ist bei Fahrradreisenden eine beliebte Anlaufstelle in Dushanbe. Entweder vor der Pamir-Durchquerung, oder danach. F\u00fcr mich ist der Aufenthalt bei Veronique auch so etwas wie eine letzte Ruheoase vor einer vermutlich recht entbehrungsreichen Zeit. Frederique (F) und Ashkan (IR), die ebenfalls bei Veronique untergekommen sind, werden in ein paar Tagen zu einer mehrt\u00e4gigen Wanderung im Pamir aufbrechen. Gemeinsam werden Karten studiert und Informationen ausgetauscht. So langsam entsteht ein klareres Bild von der Situation, die mich in den kommenden Wochen erwarten wird.<br \/>\nMeinen ersten Ruhetag nutze ich aber erst noch einmal dazu, um mit dem Rad ein wenig durch Dushanbe zu radeln. Es ist Sonntag und auf den Stra\u00dfen tut sich nicht viel. Im &#8220;Zentrum&#8221; von Dushanbe reihen sich an der Hauptstra\u00dfe unz\u00e4hlige palastartige Geb\u00e4ude. Einige gewaltige Hotelkomplexe sind gerade im Bau. Es scheint, als ob sich Dushanbe auf einen gro\u00dfen Ansturm zahlungskr\u00e4ftiger Touristen r\u00fcstet.<br \/>\nIm zentral gelegenen Vergn\u00fcgungspark ist daf\u00fcr umso mehr los. Der Erholungssonntag wird genutzt und die Kasse bei den Fahrgesch\u00e4ften brummt. Im Vergleich zu den Vergn\u00fcgungsparks in Europa f\u00fchlt man sich hier um 30 Jahre zur\u00fcckversetzt. Es gibt keine besonders spektakul\u00e4ren Fahrgesch\u00e4fte, trotzdem am\u00fcsieren sich die Leute pr\u00e4chtig. Im angrenzenden See werden Motorboote f\u00fcr eine kurze Rundfahrt gemietet, eine Handvoll Kinder vergn\u00fcgt sich am gegen\u00fcberliegenden Ufer im Wasser. Dahinter wird eifrig an der Fertigstellung eines gewaltigen Hotels gearbeitet. Kr\u00e4ftigen Westwind bl\u00e4st \u00fcber den See, da kommt fast schon ein wenig Strandatmosph\u00e4re auf.<br \/>\nIch begebe mich schlie\u00dflich auf die Suche nach ein paar Ersatzschrauben f\u00fcr meine Packtaschen und Flickzeug f\u00fcr die Schl\u00e4uche. Angeblich soll man auf dem Sultoni Kabir Bazar f\u00fcndig werden. Der Weg dorthin f\u00fchrt mich durch Plattenbauartige Wohngebiete aus den 1970er Jahren. Viele Leute tummeln sich vor den H\u00e4usern und in den offenen Stiegenh\u00e4usern. Die Architektur wirkt vertraut &#8211; klassischer Sowjetstil &#8211; allerdings ist das Bild in Kombination mit den Bewohnern noch etwas ungewohnt. Die Frauen mit langen, bunten Gew\u00e4ndern, meist die Haare unter einem kunstvoll gewickeltem Kopftuch versteckt, die alten M\u00e4nner mit Bart und traditioneller Kopfbedeckung. Alle versammelt in der aus Asien so bekannten Sitzhocke vor den Wohnblocks&#8230;<br \/>\nAuf dem Bazar ist viel geboten. Es dauert einige Zeit, bis ich mich orientiere und schlussendlich die &#8220;Abteilung&#8221; f\u00fcr Schrauben etc. gefunden habe. Mit Odkurs Hilfe gelingt es dann schlussendlich auch die erforderlichen Einzelteile aufzutreiben. Imbusschrauben sind hier in Tajikistan allerdings noch eine Seltenheit und auch selbstsichernde Muttern kennen noch die wenigsten H\u00e4ndler. Obwohl die meisten H\u00e4ndler in ihrem Bereich fas dasselbe Angebot f\u00fchren, findet man bei Einzelnen dann doch noch etwas spezielleres. Nun bin ich immerhin ger\u00fcstet, wenn wieder mal eine Niete der Packtaschen rei\u00dft.<br \/>\nDie Flicken f\u00fcr die Fahrradschl\u00e4uche finde ich dann auch noch in der Fahrradabteilung. Praktisch alles, was hier an Fahrradzubeh\u00f6r zu kaufen ist, stammt aus China. Die Qualit\u00e4t ist eher m\u00e4\u00dfig, aber immerhin gibt es ein bisschen ein Angebot. Zur Sicherheit \u00fcberpr\u00fcfe ich noch, ob in der Vulkanisierungspaste auch wirklich was drin ist. Gabor hatte damals in Samarkand die Erfahrung gemacht, dass in drei gekauften Tuben au\u00dfer Luft nichts drin war.<br \/>\nAuf dem R\u00fcckweg sprechen mich drei Jungs an, die gerade auf dem Weg zum Parcour-Training sind. Nachdem ich ohnehin keine konkreten Pl\u00e4ne habe, leiste ich ihnen beim Training kurz Gesellschaft. Die Parcours Community in Tajikistan ist noch relativ klein, aber die Jungs arbeiten fleissig daran, dass es immer mehr werden. Zwei aus der Gruppe m\u00f6chten im Sommer gerne nach Europa kommen, um bei den Meisterschaften teilzunehmen, aber die Einladung vom Organisator steht noch aus. Da hilft auch der Tajikische Meistertitel nicht&#8230; Ich dr\u00fccke ihnen die Daumen, dass es schlussendlich doch noch klappt. Die Vorstellung, in derart viele L\u00e4nder zu reisen, wie ich es im Moment mache, fasziniert die Burschen. Von jedem Land in dem ich war, wollen sie unbedingt ein Foto sehen. Zum Abschluss gibts noch eine kurze Privatvorstellung ihrer Parcour-K\u00fcnste.<br \/>\nAuf dem R\u00fcckweg stolpere ich noch \u00fcber das Somoni Monument. Ein \u00fcberdimensional gro\u00dfer Bogen mit einer goldenen Krone an der Spitze. Angeblich ist die Krone aus Gold, weshalb das Monument stets von Polizei bewacht wird. Einer der Polizisten verwickelt mich dann auch in ein Gespr\u00e4ch und wenige Minuten sp\u00e4ter wird mir klar, dass ich gerade in eine klassische Touristenfalle getappt bin. Da erste Foto vom Somoni Monument konnte ich noch alleine schie\u00dfen, danach bot mir der Polizist an, ein Foto von mir zu machen. Es folgte eine regelrechte Fotosession in der er mich von einem Fleck zum n\u00e4chsten scheuchte, um Bilder von mir zu machen. Das ganze l\u00e4uft dann nat\u00fcrlich auf eine &#8220;Somoni-Spende&#8221; hinaus. Die Tajiken nennen ihre Landesw\u00e4hrung nicht Som, sondern Somoni&#8230; klingt fast schon italienisch.<br \/>\nTouristen sind in Dushanbe nicht gerade h\u00e4ufig, trotzdem treffe ich auf ein \u00f6sterreichisches P\u00e4rchen, dass f\u00fcr 2 Wochen durch Uzbekistan und Tajikistan reist. Die meisten europ\u00e4isch wirkenden Leute in Dushanbe arbeiten f\u00fcr Regierungsorganisationen. Ich habe noch keine Stadt gesehen, in der die Dichte an Diplomatenkennzeichen so hoch war. Mag sein, dass die N\u00e4he zu Afghanistan und Pakistan auch einen Teil dazu beitr\u00e4gt.<br \/>\nAbends gehts gemeinsam mit Lulu ins &#8220;Public Pub&#8221; wo wir es uns bei Burger, Apfelstrudel und Wei\u00dfbier gut gehen lassen. Der Weg dorthin ist etwas m\u00fchsam, weil sich die Grenzpolizei gerade zu einem gewaltigen Aufmarsch formatiert. Offenbar gibt es irgendein Jubil\u00e4um und dazu muss das Marschieren noch ge\u00fcbt werden. Eine eigenartige Stimmung liegt in der Luft. Hunderte Grenzpolizisten marschieren mit ihren Gewehren an uns vorbei, dazwischen immer wieder schwere Milit\u00e4rfahrzeuge&#8230; Hundestaffel, berittene Polizei, Marschmusik, und das alles am Sonntag Abend.<br \/>\n\u00dcber Nacht hatte das Wetter umgeschlagen. Die ganze Nacht \u00fcber hatte es geregnet und auch am Vormittag war keine Besserung in Sicht. Also werden die Regenklamotten ausgepackt und los gehts in Richtung OVIR, um dort die Permits f\u00fcr das Pamirgebirge zu beantragen. Dank einiger Blogs hatten wir genug Information gesammelt, um zu wissen, wie man m\u00f6glichst einfach an das Permit gelangt. Tourorganisationen berechnen zwischen 50 und 100 \u20ac f\u00fcr die Beschaffung, wenn man es selber erledigt, bekommt man das ganze um 20 SOM, also etwa 3\u20ac.<br \/>\nZuerst wird Geld in der benachbarten Bank eingezahlt, dann geht man zum OVIR Office und wartet erst einmal, bis der entsprechende Schalter besetzt wird&#8230;<br \/>\nManchmal bekommt man das Permit schon nach einer Stunde, wir m\u00fcssen leider einen Tag warten, weil der zust\u00e4ndige Beamte nicht im Dienst ist. Es gibt schlimmeres. Ich hatte ohnehin den Dienstag f\u00fcr die Abfahrt ins Auge gefasst.<br \/>\nNach den Gespr\u00e4chen mit Frederique, Ashkan und Veronique habe ich nun beschlossen, die etwas l\u00e4ngere Route durch das Vahan Valley zu w\u00e4hlen. Die Stra\u00dfe ist hier zwar in recht schlechtem Zustand, daf\u00fcr soll die Landschaft sehr beeindruckend sein. Man radelt einige Tage entlang der afghanischen Grenze mit Blick auf den Hindukush. Tajikistan, Afghanistan und Pakistan liegen hier sehr eng zusammen. Nachdem das Vahan Valley durchquert ist, gehts noch rauf auf 4300m, dann kommt man wieder auf die &#8220;Hauptstra\u00dfe&#8221;, die M41. Der Akbajtal Pass mit fast 4700m wird dann der h\u00f6chste Punkt im Pamir werden. Nachts sollen die Temperaturen deutlich unter Null fallen, aber unter Tags scheint es daf\u00fcr recht angenehm zu sein.<br \/>\nIch bin schon sehr gespannt. Radeln in Geo\u00dfer H\u00f6he ist mal eine ganz neue Erfahrung.<br \/>\nInternetzugang gibt es in den kommenden Wochen offenbar nur an zwei Orten. Es kann also gut sein, dass der Blog f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit nicht upgedated wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 107 \/ 108 (18\/19.Mai) Dushanbe: 2 Ruhetage; 20 &#8211; 29 Grad; wechselhaft \/ Regen Camping \/ Warmshower Veronique, unsere Gastgeberin, bereitet sich auch gerade auf eine Fahrradtour durch das Pamirgebirge vor. 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