{"id":1265,"date":"2014-06-02T09:21:31","date_gmt":"2014-06-02T08:21:31","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1265"},"modified":"2014-06-02T09:21:31","modified_gmt":"2014-06-02T08:21:31","slug":"tag-109-112-auf-in-richtung-pamir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1265","title":{"rendered":"Tag 109 &#8211; 112: Auf in Richtung Pamir"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 109 &#8211; 20.Mai<\/h2>\n<p>Dushanbe &#8211; kurz vor Sicharob: 110km; 5:28h im Sattel; 18 &#8211; 32 Grad, wechselhaft<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>\u00dcberraschenderweise hatten sich Tyson und Hanne heute Fr\u00fch dazu entschieden, noch einen Tag l\u00e4nger in Dushanbe zu bleiben. Demnach geht es f\u00fcr mich ab heute wieder alleine weiter. Die Abfahrt verz\u00f6gerte sich noch ein wenig, weil erst der Vorderreifen geflickt werden musste. Der Schlauch war offenbar vom zuvor verwendeten Felgenband noch in Mitleidenschaft gezogen gewesen. Immerhin hatte ich mir einen Vorrat an Flicken angelegt&#8230;<br \/>\nKurz vor Mittag waren wir dann alle zusammen beim OVIR Office und holten unsere Permits f\u00fcr das Pamir Gebiet ab. F\u00fcr mich hie\u00df es dann wieder einmal Abschied nehmen. Bei strahlendem Sonnenschein pedalierte ich gem\u00fctlich aus der Stadt. Es war ein etwas ungewohntes Gef\u00fchl mit dem voll beladenen Rad zu fahren. Die letzten beiden Tage war ich v\u00f6llig ohne Gep\u00e4ck unterwegs und nun hat man wieder das Gef\u00fchl, kaum vom Fleck zu kommen. Die Balance muss erst wieder gefunden werden. In der Regel dauert es einen Tag, bis man wieder voll und ganz mit dem schwer beladenen Rad im Einklang steht. Demnach kommt es mir nur zugute, dass die erste Tagesetappe relativ flach und auf einer sehr guten Stra\u00dfe verl\u00e4uft.<br \/>\nDas gewohnte Hupkonzert der vorbeifahrenden Autos nahm interessanterweise heute konstant ab. Je weiter ich mich von Dushanbe entfernte, desto seltener wurde gehupt. Die Leute am Stra\u00dfenrand gr\u00fc\u00dfen weiterhin noch sehr eifrig. \u00dcber die Ruhe, die nun auf der Landstra\u00dfe einkehrt will ich mich aber gar nicht beklagen. Es bleibt so mehr Zeit, die sich langsam ver\u00e4ndernde Landschaft zu genie\u00dfen. \u00dcberall gr\u00fcne Wiesen, viele B\u00e4ume und wenig Zivilisation. Die Berge r\u00fccken immer n\u00e4her. Links und rechts der Stra\u00dfe sieht man schon die ersten 3000er Gipfel. Bei Vahdat hatte sich die Stra\u00dfe in drei Richtungen geteilt. Ich bleibe auf der M41 in Richtung Osten. Zu meiner Rechten ein gewaltiges Flussbett, das offenbar bei Schneeschmelze gigantische Wassermassen aufnehmen kann. Langsam steigt die Stra\u00dfe ein wenig an. Hinter mir brauen sich nach und nach immer dunklere Wolken zusammen. Der Wind scheint mir heute aber wohl gesonnen zu sein. Die Wolken werden ins Nachbartal abgetrieben. In der Ferne h\u00f6rt man schon den Donner, doch auf meiner Seite ist alles trocken. Es geht hinauf bis auf \u00fcber 1700m. Die Sonne war schon l\u00e4nger nicht mehr zu sehen und die Temperaturen bewegen sich nur noch um 20 Grad. In den kurzen Radelklamotten wird es einem fast schon etwas k\u00fchl&#8230;<br \/>\nDie Abfahrt nach dem ersten Anstieg ist beeindruckend. Die Stra\u00dfe folgt einem Gebirgsfluss, der sich tief ins Gestein hineingefressen hat. Immer wieder sieht man Autowracks im Flussbett liegen. Eine Leitplanke findet man auf dieser Strecke nur sehr selten, da kann es durchaus mal passieren, dass man eine Kurve \u00fcbersieht und sich 50m tiefer im Fluss wiederfindet&#8230;<br \/>\nDie Schneereste auf den umliegenden Bergen reichen noch weit herunter. Die H\u00e4nge leuchten in frischem Gr\u00fcn, dazwischen immer wieder offenliegendes rotes Gestein. Ein gutes Gef\u00fchl, endlich den ewigen Ebenen entkommen zu sein und schlussendlich ins Gebirge einzutauchen.<br \/>\nEs ist nicht viel los auf der Stra\u00dfe. Immer wieder passiert man ein kleineres Dorf, man sp\u00fcrt deutlich, dass die Besiedelungsdichte rapide abnimmt. Ein Blick zur\u00fcck erzeugt Unbehagen. Wieder einmal eine schwarze Wolkenfront hinter mir. Diesmal hat es aber den Anschein, als ob sie sich direkt in meine Richtung bewegt. Ein Zeltplatz ist in dieser Umgebung aber schwer zu finden. Es geht immer noch konstant bergab und das Gel\u00e4nde f\u00e4llt neben der Stra\u00dfe steil ab. Eine Notl\u00f6sung ist gottseidank schnell gefunden. Auf einer stillgelegten Parkbucht finde ich hinter einigen Betonbl\u00f6cken einen ebenen Platz f\u00fcr mein Zelt. Nachdem ohnehin nur sehr wenig Verkehr auf der M41 herrscht, sollte die Nacht auch einigerma\u00dfen ruhig werden. P\u00fcnktlich nachdem das Zelt aufgestellt ist, f\u00e4ngt es auch schon an zu regnen. Gekocht wird heute zum ersten Mal im Zelt und nicht davor.<\/p>\n<h2>Tag 110 &#8211; 21.Mai<\/h2>\n<p>kurz vor Sicharob &#8211; kurz vor Uildara: 72km; 5:42h im Sattel; 12 &#8211; 29 Grad, wechselhaft \/ Regen<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Unbewusst hatte ich meine gestrige Etappe nur wenige Kilometer vor dem Ende der Teerstra\u00dfe beendet. Nach ein paar Minuten Fahrt begann die unbefestigte Strecke. Sand- und Schotterpassagen wechselten sich ab. Obwohl die Stra\u00dfe dem Fluss folgte, ging es konstant bergauf und bergab. Der Fluss war meist tief unterhalb der Stra\u00dfe. Wohl wegen der Regenf\u00e4lle der letzten Tage f\u00fchrte der Flu\u00df beachtlich viel Wasser. Man konnte das Pulsieren der Wassermassen gut vom Stra\u00dfenrand aus beobachten.<br \/>\nAn ein z\u00fcgiges Vorankommen war heute nicht zu denken. Zwischendurch musste man sich immer wieder den Weg durch Schafherden bahnen, die nicht immer gewillt waren, den Weg freizugeben. Mit dem Rad konnte man sich relativ gut hindurchbewegen, f\u00fcr die Autos war streckenweise aber an ein Weiterkommen nicht zu denken.<br \/>\nLandschaftlich hatte es die heutige Etappe ganz sch\u00f6n in sich. Hinter fast jeder Biegung gab es was neues zu bestaunen. Gleich zu Beginn der Etappe konnte ich einer Handvoll Adler zusehen, wie sie hoch \u00fcber meinem Kopf ihre Kreise zogen. Beim Ausblick auf die vor mir liegenden Bergketten musste ich immer wieder mal eine kurze Pause einlegen, um die Szenerie auf mich wirken zu lassen. Leider tr\u00fcbte das Wetter den Spa\u00df ein wenig. Gegen Mittag begann es zu regnen. Gleichzeitig sank die Temperatur sp\u00fcrbar ab. Zum Gl\u00fcck hatte ich heute Morgen wieder in die langen Klamotten gewechselt. Immer wieder musste ich kleine Flussl\u00e4ufe queren. Anfangs lief das auch noch ganz gut, doch irgendwann war es dann soweit und ich musste mit beiden F\u00fc\u00dfen ins knietiefe Wasser, um einen Sturz zu vermeiden. Nun gut, jetzt gehts also mit nassen Schuhen weiter&#8230; Zum Gl\u00fcck gibts wasserdichte Socken, sodass die F\u00fc\u00dfe zumindest trocken bleiben.<br \/>\nDas feuchte Wetter treibt Wasser von \u00fcberall her in Richtung Fluss. Je nach Untergrund ist das Wasser mal tiefrot, mal milchig wei\u00df, mal lehmig braun, oder stellenweise auch klar. Der Fluss donnert mit tiefrotem Wasser in Richtung Tal.<br \/>\nDie meiste Zeit ist man ziemlich alleine unterwegs. Autoverkehr gibt es kaum und nur selten trifft man auf Siedlungen. In einem Dorf blockieren die Kinder mit einer Menschenkette die Durchfahrt. Binnen Sekunden bin ich umringt von etwa 20 Kindern. Die Rufe nach &#8220;Balloon&#8221; werden laut. Offenbar hatten sie des \u00f6fteren von Radlern Luftballons bekommen. Als ich in meine Lenkertasche greife, um ebenfalls ein paar Ballons rauszuholen, wird mir die Tasche fast aus der Hand gerissen. Wie die wilden Tiere st\u00fcrzen sich die Kinder auf die Ballons. Ob \u00fcberhaupt ein einziger diese Aktion heil \u00fcberstanden hat &#8211; ich wei\u00df es nicht. Zum Gl\u00fcck kommt noch ein Erwachsener hinzu und die Situation beruhigt sich ein wenig. Es scheint so, als ob vor kurzem eine Vierergruppe in Richtung Pamir geradelt ist. Leider konnte ich nicht herausfinden, wann die Vier hier vorbeigekommen sind. Mal schauen, vielleicht treffe ich ja noch auf ein paar Radler.<br \/>\nDie wenigen Sonnenstunden am Nachmittag waren leider nur ein kurz w\u00e4hrender Spa\u00df. Gegen 18 Uhr begann es wieder ordentlich zu regnen. Zu allem \u00dcberfluss hatte ich bei der letzten Furt meine wasserdichten Socken ebenfalls unter Wasser gesetzt. Allzu lange wollte ich nicht mehr durch den str\u00f6menden Regen radeln. Zum Gl\u00fcck radelte ich gerade durch ein etwas flacheres Gel\u00e4nde, sodass ein Zeltplatz relativ schnell ausfindig gemacht werden konnte. Im Hintergrund ein kleiner Wasserfall, Das Zelt in Mitten von mannshohen Blumen, gesch\u00fctzt von kleinen B\u00e4umen&#8230; eigentlich ein perfekter Ort, wenn da nicht der Regen w\u00e4re. Nachdem das Zelt stand, lie\u00df der Regen dann auch wieder nach. F\u00fcr mich aber nebens\u00e4chlich, ich verkroch mich im Schlafsack, futterte die eben erstandenen Kekse und w\u00e4rmte mich erst mal wieder auf.<\/p>\n<h2>Tag 111 &#8211; 22.Mai<\/h2>\n<p>kurz vor Uildara &#8211; Safedoron: 64km; 5:19h im Sattel; 17 &#8211; 29 Grad, sonnig<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Der fr\u00fchmorgendliche Blick aus dem Zelt war eher ern\u00fcchternd. Alles grau in grau bei ungem\u00fctlichen Temperaturen. Es gab keinen Grund zur Eile und schlie\u00dflich brach die Sonne doch noch durch. Ich g\u00f6nnte mir ein ausgiebiges Fr\u00fchst\u00fcck, lie\u00df in der Zwischenzeit das Zelt und meine Socken in der Sonne trocknen und tankte selbst auch wieder etwas Morgensonne.<br \/>\nDie Stra\u00dfe war auf den ersten 20km in relativ gutem Zustand. Immer wieder gab es Abschnitte mit Resten einer Teerdecke und auch die Abschnitte mit Sandstra\u00dfe waren ganz gut zu befahren. Zwischendurch aber immer wider mal Streckenabschnitte, die eher mit einer Cross-Strecke gleichzusetzen waren. Das Durchfahren der Furten auch jedes Mal eine kleine Herausforderung, vor allem weil man nie wei\u00df, wie tief das Wasser wirklich ist. Kurz vor Mittag erreichte ich Tavildara, einen der gr\u00f6\u00dften Orte hier in der Gegend. Eine gute Gelegenheit, die Essensvorr\u00e4te aufzustocken und gleichzeitig Mittagessen zu gehen. Ausserdem musste mal wieder getankt werden. Die einzige Tankstelle im Ort war aber nicht besetzt. Nun gut, dachte ich mir, dann muss ich eben auf sp\u00e4ter warten. Am Ortsausgang stand ein etwas \u00e4lterer Tanklaster. Offenbar wurde die Tankstelle kurzerhand einfach an die Stra\u00dfe verlegt. Der Tankwart, ein etwa 10 j\u00e4hriger Junge sch\u00f6pfte mir mit gro\u00dfer Freude aus einem gro\u00dfen Fass Benzin in die Kocherflasche. Den R\u00fcckst\u00e4nden im Filter des gro\u00dfen Trichters zu urteilen, ist der Benzin nicht unbedingt von h\u00f6chster Qualit\u00e4t. Zum Kochen sollte es aber allemal reichen.<br \/>\nKurz darauf wurde ich mal wieder auf die Probe gestellt. Die Stra\u00dfe war praktisch nicht mehr auszumachen. Irgendwo zwischen den vielen Verzweigungen des Flusses musste sie verlaufen&#8230; Zu meinem Gl\u00fcck kamen gerade zwei Autos des Weges, somit hatte ich zumindest eine Vorstellung, wo ich etwa hin muss. Diesmal ging es aber barfu\u00df durchs Wasser. Die vorderen Packtaschen verschwanden fast zur G\u00e4nze im Fluss, bei den hinteren hoffte ich, dass sie nicht zu tief unter Wasser geraten, weil sich in einer der Taschen heute Fr\u00fch ein etwas aggressiver Hund verbissen hatte.<br \/>\nEin paar Kilometer hinter Tavildara teilte sich die Stra\u00dfe. Zuerst f\u00fchrte die M41 \u00fcber den Obikhingov und dann musste noch einer seiner Zufl\u00fcsse \u00fcberquert werden. Nichts leichter als das, wenn da nur eine Br\u00fccke w\u00e4re. Vor einiger Zeit wurde offenbar die Br\u00fccke \u00fcber den Nebenfluss weggesp\u00fclt. Also wieder mal Schuhe aus und versuchen, einen Weg durchs rei\u00dfende Nass zu finden. Vom anderen Ufer her wurde ich durch den Fluss dirigiert. Der Herr auf der Gegenseite wartete mit seinem Opel darauf, dass ihn jemand ans andere Ufer schleppt. Nach einiger Zeit kam dann auch ein Lada mit Allrad vorbei, der ohne Probleme die Flussquerung meisterte. Was so leicht aussieht ist nicht unbedingt mit jedem Auto durchf\u00fchrbar. Der Opel schaffte es nicht einmal in die N\u00e4he des Flusses, sondern blieb gleich im Kiesbett liegen. Nach viel Diskussion kehrte der Lada dann doch wieder um und schleppte den Opel ans andere Ufer.<br \/>\nDie Spur der vor mir fahrenden Radler wird immer w\u00e4rmer. Seit einiger Zeit hatte ich schon Abdr\u00fccke von drei verschiedenen Reifenprofilen gesehen. Der Opel-Fahrer erz\u00e4hlte mir auch, dass heute schon vier Radler hier durchgekommen sind.<br \/>\nZu meiner Freude ging es jetzt \u00fcber einige Zeit relativ flach dahin. In Dushanbe hatten wir noch dar\u00fcber gesprochen, dass der Pamir Highway eigentlich gar nicht so steil ist. F\u00fcr mich z\u00e4hlte die M41 bis nach Khorug ebenfalls zum Pamir Highway, aber von &#8220;nicht so steil&#8221; kann nicht wirklich die Rede sein. Meist geht es mit 5 &#8211; 8 Prozent bergauf. Serpentinen gibts an sich keine, also immer sch\u00f6n gerade auf bergauf&#8230; Die Freude \u00fcber die relativ gute Stra\u00dfe w\u00e4hrte nur kurz.<br \/>\nVor mir war eine Planierraupe im Schlamm steckengeblieben. Wegen der Regenf\u00e4lle der letzten Tage musste die Stra\u00dfe freiger\u00e4umt werden. Doch auch schweres Ger\u00e4t kommt irgendwann an seine Grenzen. Mit der Hand musste jetzt die Raupe vom Schlamm befreit werden. Zum Gl\u00fcck konnte ich mit meinem Gep\u00e4ck an der Planierraupe vorbeiklettern. Was mich dahinter allerdings erwartete war kein gro\u00dfer Spa\u00df. Im kn\u00f6cheltiefen Schlamm war an ein Fahren nicht zu denken. Mit aller Kraft stemmte ich Rad samt Gep\u00e4ck Meter f\u00fcr Meter voran. K\u00f6rperlich war ich schon an der Belastungsgrenze bevor ich bei der festgefahrenen Raupe angelangt war. Was jetzt folgte war pure Schinderei. Doch jede Qual hat auch einmal ihr Ende. Ich war auf \u00fcber 2000m angelangt und passierte die ersten Schneefelder. Im Schmelzwasser g\u00f6nnte ich dann dem Rad eine kurze Zwischenreinigung und weiter gings bergauf. Anfangs dachte ich noch, ich k\u00f6nnte die vier vor mir fahrenden vielleicht noch einholen, nachdem man mir bei der Planierraupe erkl\u00e4rt hatte, dass die vier vor gut einer Stunde vorbeigekommen sind. Schlussendlich beschloss ich dann aber, den Pass heute nicht mehr in Angriff zu nehmen. Es sind noch gut \u00fcber 1000 H\u00f6henmeter. Bei den Stra\u00dfenverh\u00e4ltnissen dauert das noch gut zwei Stunden und bis dahin wird es schon fast dunkel. Das Zelt wird diesmal wieder direkt neben der Stra\u00dfe aufgestellt. Vor dem Verkehr muss ich mir keine Sorgen machen. Heute sind mir den ganzen Tag \u00fcber nur etwa 10 Autos begegnet.<br \/>\nDie Szenerie in der man sich hier bewegt ist einfach atemberaubend. Der Preis, der daf\u00fcr zu zahlen ist, ist aber relativ hoch. Jeder Meter bergauf muss erk\u00e4mpft werden. Vermutlich w\u00e4re die Strecke auch ohne Gep\u00e4ck eine Herausforderung, mit dem vollbeladenen Rad sich die Schotterpiste emporzuqu\u00e4len ist dann nochmal eine Zugabe. Trotz alle dem zahlt sich die M\u00fche aus. F\u00fcr morgen steht also mein erster 3000er an. Danach gehts offenbar prim\u00e4r bergab. Ich lasse mich \u00fcberraschen.<\/p>\n<h2>Tag 112 &#8211; 23.Mai<\/h2>\n<p>Safedoron &#8211; Ruzvai: 55km; 4:13h im Sattel; 17 &#8211; 28 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Der Ort in dessen N\u00e4he ich mein Nachtlager aufgeschlagen hatte, erinnerte mich an das Bild, das man von Bergd\u00f6rfern in den Alpen hat. Verstreut ein paar einzelne Geh\u00f6fte, dazwischen viel Wiesen. Auffallend viele Pferde grasen hier auf den Wiesen. K\u00fche und Schafe sind meinem Erachten nach gar nicht so viele zu sehen. kann aber auch sein, dass sie alle auf der Weide sind. Als ich gestern Abend noch einen kurzen Blick aus dem Zelt geworfen habe, ist mir aufgefallen, dass um 21 Uhr in keinem einzigen Haus mehr Licht brannte. Offenbar geht man hier recht fr\u00fch ins Bett. Das Leben hier in dieser Region stelle ich mir nicht besonders leicht vor. Im Winter, oder nach starken Regenf\u00e4llen ist man total abgeschnitten, aber auch bei guter Witterung ist der Weg ins n\u00e4chste Dorf beschwerlich. Auf 2500m sieht man trotzdem noch relativ viele Felder. Aus der Ferne l\u00e4sst sich leider nicht erkennen, was hier angebaut wird. Die H\u00fcgel leuchten schachbrettartig in unterschiedlichen Gr\u00fcnf\u00e4rbungen.<br \/>\nApropos beschwerlich&#8230; die letzten 800 H\u00f6henmeter hatten es noch einmal in sich. Mit fast durchgehend 5 &#8211; 7% Steigung ging es die Schotterstra\u00dfe empor, vorbei an mannshohen Schneeresten neben der Stra\u00dfe. Es scheint, als ob Mitte Mai wirklich die beste Zeit ist, den Pass zu befahren. Ein paar Wochen vorher ist vermutlich noch alles zugeschneit.<br \/>\nMeter um Meter k\u00e4mpfe ich mich nach Oben. Als ich bei etwa 3000m angekommen bin, erblicke ich in der Ferne zwei Radler. Kurz bin ich dazu verleitet, das Tempo ein wenig zu erh\u00f6hen, um zu ihnen aufschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen, besinne mich dann aber doch etwas besseren und klettere weiter langsam bergauf. Auf dem Gipfel treffe ich dann auf Jonah und Franzi aus Deutschland. Die Welt ist wirklich klein&#8230; Gayle und John hatten mir in Bukhara schon von dem deutschen P\u00e4rchen erz\u00e4hlt. Sie waren gemeinsam durch Turkmenistan geradelt. Nun habe ich zu den Beiden aufgeschlossen. Die andern zwei Radler waren Simon und Bazil, mit denen ich im Iran gemeinsam gefahren bin. Die zwei hatten sich gestern nach der Schlammschlacht von Jonah und Franzi getrennt. Offenbar haben sie ein wenig Zeitdruck mit ihrem Visum. Ob ich die zwei auf dem Weg noch einmal treffe ist ungewiss. Jonah und Franzi hatten in Indien beschlossen, mit dem Rad in die Mongolei zu radeln und hatten sich dann dort ihre Ausr\u00fcstung zusammengestellt. Soweit kommen sie ganz gut zurecht, auch wenn die Ausr\u00fcstung hie und da ein wenig Probleme macht.<br \/>\nMein erster 3000er mit dem Rad! 3252m um genau zu sein&#8230; Auf dem Gipfel weht ein frischer Wind und der uns umgebende Schnee tut sein \u00dcbriges dazu, dass man sich nicht allzu lange aufh\u00e4lt. Es steht eine nicht enden wollende Abfahrt bevor. Von einem Moment auf den anderen \u00e4ndert sich die Landschaft. War die Umgebung beim Anstieg noch gepr\u00e4gt von relativ weichen H\u00fcgeln, zeigt sich der Berg nun von seiner rauen Seite. Wir folgen einem rei\u00dfenden Gebirgsbach, dessen klares Wasser tosend in Richtung Tal donnert. Immer wieder verschwindet der Bach unter gewaltigen Schneefeldern, die sich noch \u00fcber dem Flussbett befinden. Die Stra\u00dfe ist in erstaunlich gutem Zustand, sodass es relativ flott bergab geht. So langsam wird es w\u00e4rmer und der Duft von Bergkr\u00e4utern steigt einem in die Nase. Immer wieder muss ich anhalten um einerseits meinen H\u00e4nden vom konstanten Bremsen eine Erholungspause zu g\u00f6nnen und andererseits die Landschaft in Ruhe aufnehmen zu k\u00f6nnen. Die Passstra\u00dfe schl\u00e4ngelt sich steil in Richtung Tal hinab, die Bergh\u00e4nge sind pl\u00f6tzlich in saftiges Gr\u00fcn getaucht und vom Schnee ist auch nicht mehr viel zu sehen. Von oben brennt die Sonne wieder wie gewohnt auf uns herab.<br \/>\nW\u00e4hrend der Abfahrt rei\u00dft der Mantel von Jonahs Hinterrad. Dem steinigen Untergrund sind die indischen M\u00e4ntel offenbar nicht gewachsen. Die etwas l\u00e4ngere Zwangspause wird gleich mal dazu genutzt, die restlichen Gem\u00fcsevorr\u00e4te zu einem leckeren Salat zu verarbeiten. In der Zwischenzeit repariert Jonah Mantel und Schlauch notd\u00fcrftig. Alle Hoffnung liegt auf dem n\u00e4chsten Ort, um dort einen Ersatzmantel zu kaufen. Kurz nachdem wir wieder aufgebrochen sind, muss ich noch eine kurze Pause einlegen, um eine alte Klebestelle am Hinterrad zu erneuern. Der Vulkanisierungskleber funktioniert offenbar bei gro\u00dfer Hitze nicht sonderlich gut. Der Flicken, den ich mir damals in der W\u00fcste aufgezogen habe, l\u00f6ste sich schon wieder teilweise vom Mantel. Bin gespannt, wie weit ich diesmal mit den chinesischen Flicken komme.<br \/>\nAber nicht nur wir haben Probleme mit den Reifen. Wir passieren eine Gruppe M\u00e4nner, die gerade dabei ist, das Antriebsrad der Kette einer gro\u00dfen Raupe zu reparieren. F\u00fcr die drei bedeutet das nat\u00fcrlich weit mehr Arbeit, als bei unseren R\u00e4dern. Mit den Raupen werden die Reste des Winters von der Stra\u00dfe geschoben. Stellenweise wird dadurch aber auch der noch existierende Asphalt ebenfalls beiseite geschoben&#8230;<br \/>\nAls wir den Checkpoint durchfahren, erkundigen wir uns kurz nach Simon und Bazil. Die Beiden sind mal wieder sehr fr\u00fch aufgestanden. Offenbar hatten sie es gestern noch \u00fcber den Pass geschafft und waren bereits um kurz nach 8 Uhr am Checkpoint.<br \/>\nNach und nach nimmt das Gef\u00e4lle des Flusses ab. Wir n\u00e4hern uns den ersten D\u00f6rfern. Unser Ziel liegt aber noch ein paar Kilometer vor uns. Qalai-Khumb scheint der einzige gr\u00f6\u00dfere Ort hier in der Gegend zu sein. Dort hofft Jonah, Ersatz f\u00fcr seinen defekten Mantel zu finden. Zur \u00dcberraschung aller findet sich dann im Ortszentrum auch wirklich ein bestens sortierter &#8220;Fahrradladen&#8221;. In einem kleinen Kiosk wird praktisch alles verkauft, was zum reparieren von Fahrr\u00e4dern ben\u00f6tigt wird. Auch 28 Zoll M\u00e4ntel finden sich im Lager. Jonah nutzt die Gelegenheit und kauft gleich drei davon. Auch neue Bremsbel\u00e4ge m\u00fcssen her, seine Bel\u00e4ge waren nach der Abfahrt bereits bis aufs Metall abgefahren.<br \/>\nDie Essensvorr\u00e4te werden im Supermarkt aufgestockt w\u00e4hrend Jonah sein Rad wieder auf Vordermann bringt. Auch hier bin ich total \u00fcberrascht von der Auswahl an Produkten im Supermarkt. Ich hatte gedacht, dass die letzte gute Gelegenheit zum Einkaufen in Dushanbe war. Da h\u00e4tte ich durchaus etwas Gewicht einsparen k\u00f6nnen und hier noch einmal alles aufstocken k\u00f6nnen.<br \/>\nIch beschlie\u00dfe, den heutigen Abend noch mit Jonah und Franzi zu verbringen und somit begeben wir uns langsam auf Zeltplatzsuche. Die Stra\u00dfe verl\u00e4uft parallel am Grenzfluss zu Afghanistan. Das Nachbarland nur einen Steinwurf entfernt&#8230;<br \/>\nEine kleine Sandbucht scheint uns der perfekte Ort, um den landschaftlich beeindruckenden Tag ausklingen lassen zu k\u00f6nnen. Im Fluss werden die Lehm- und Schwei\u00dfverkrusteten Klamotten gewaschen und noch schnell zum Trocknen in die Sonne gelegt. Die letzten Tage hatten es ziemlich in sich aber daf\u00fcr wurde man auch mit einzigartigen Landschaftsbildern belohnt. Ab jetzt folgt die Stra\u00dfe konstant dem Flusslauf. Gro\u00dfartige Anstiege sind also nicht mehr zu erwarten. Aber man wei\u00df ja nie&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 109 &#8211; 20.Mai Dushanbe &#8211; kurz vor Sicharob: 110km; 5:28h im Sattel; 18 &#8211; 32 Grad, wechselhaft Camping \u00dcberraschenderweise hatten sich Tyson und Hanne heute Fr\u00fch dazu entschieden, noch einen Tag l\u00e4nger in Dushanbe zu bleiben. Demnach geht es f\u00fcr mich ab heute wieder alleine weiter. 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