{"id":1269,"date":"2014-06-02T09:24:19","date_gmt":"2014-06-02T08:24:19","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1269"},"modified":"2014-06-02T09:24:19","modified_gmt":"2014-06-02T08:24:19","slug":"tag-118-120-alles-wieder-auf-anfang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1269","title":{"rendered":"Tag 118 &#8211; 120: Alles wieder auf Anfang"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 118 &#8211; 29.Mai<\/h2>\n<p>kurz hinter Tajikabad &#8211; Kuhdoman: 114km; 5:52h im Sattel; 13 &#8211; 28 Grad, bedeckt \/ Regen<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Seit langem mal wieder ein Morgen ohne Sonnenschein. \u00dcber Nacht hatte sich eine dichte Wolkendecke gebildet. Die Sicht auf die mich umgebenden 3000er war gr\u00f6\u00dftenteils verschwunden. Es hatte empfindlich abgek\u00fchlt, aber zum Radeln waren die Temperaturen gerade ideal.<br \/>\nHeute Morgen hatte ich noch dar\u00fcber nachgedacht, dass dies wom\u00f6glich mein letzter Radeltag in Tajikistan werden w\u00fcrde. So ganz sicher war ich mir nicht, ob ich die Grenze erreichen w\u00fcrde, aber zumindest recht nah an Kirgistan w\u00fcrde ich auf alle F\u00e4lle kommen.<br \/>\nDas Flussbett neben der Stra\u00dfe war jetzt teilweise schon so breit, dass man kaum noch die H\u00e4user am anderen Ufer erkennen konnte, doch nach und nach wurde das Flussbett wieder schm\u00e4ler. Kilometer um Kilometer gewann man auch immer mehr an H\u00f6he. Die D\u00f6rfer, durch die ich heute fuhr machten einen recht einfachen Eindruck. Es gibt fast nur noch Lehmh\u00e4user und eine zentrale Wasserversorgung scheint in den wenigsten D\u00f6rfern zu existieren. Man sieht viele Kinder und Frauen auf der Stra\u00dfe, die Wasser in Kanistern, oder in Eimern nach hause tragen. H\u00e4ufig findet sich neben der Stra\u00dfe eine einzige Wasserquelle, die sowohl f\u00fcr Trinkwasser, als auch zum W\u00e4sche- \/ Geschirrwaschen verwendet wird.<br \/>\nSo wie sich das Erscheinungsbild der D\u00f6rfer \u00e4ndert, so \u00e4ndern sich auch die Leute. Immer mehr sp\u00fcrt man den chinesischen Einfluss. Die Gesichter werde runder und die Augenpartie wirkt immer schmaler. Kinder und M\u00e4nner winken mir immer noch sehr motiviert zu, aber die Frauen scheinen sich mehr und mehr zur\u00fcckzuziehen. H\u00e4ufig wird mein Gru\u00df nicht mehr erwidert, bzw, der Blick abgewendet. Meist werde ich aber sehr skeptisch gemustert.<br \/>\nEinkaufs- oder Einkehrm\u00f6glichkeiten werden auch immer seltener. Gerne h\u00e4tte ich mir mittags lokale Kost geg\u00f6nnt, doch ein Lokal war nirgendwo zu finden. So musste ich auf meine Nudelreserven zur\u00fcckgreifen.<br \/>\nGerade als ich meine Sachen wieder zusammenpackte, bemerkte ich eine dunkelgraue Wetterfront hinter mir. Anfangs kam nur sehr starker Wind auf. Ich rechnete damit, dass es bald zu regnen anf\u00e4ngt, doch statt dessen befand ich mich binnen weniger Minuten im mitten eines gewaltigen Sandsturms. Keine Ahnung, woher der ganze Sand kam, aber Tatsache war, dass die Sicht streckenweise nur noch ein paar Meter betrug. Zu meinem Gl\u00fcck blies der Wind meist direkt von hinten. Der kr\u00e4ftige R\u00fcckenwind machte sogar richtig Spa\u00df. Bei Gegenwind mit dieser Intensit\u00e4t h\u00e4tte ich wohl Schutz im Stra\u00dfengraben suchen m\u00fcssen, weil an ein Vorankommen nicht mehr zu denken gewesen w\u00e4re. Ich hatte fast das Gef\u00fchl, aus dem Land geblasen zu werden&#8230; Als ich an einer langen Allee mit hohen B\u00e4umen vorbeifuhr, wechselte ich zur Sicherheit die Stra\u00dfenseite, um nicht von einem umst\u00fcrzenden Baum getroffen zu werden. Auf der Stra\u00dfe langen scho verd\u00e4chtig viele dicke \u00c4ste. Diesmal war ich richtig froh, den Helm zu tragen. Ohne Helm w\u00e4re mir bei der ganzen Sache etwas mulmig gewesen.<br \/>\nSo unerwartet wie der Sandsturm gekommen war, so rasch verzog er sich auch wieder. Schlussendlich holte mich dann aber doch noch der Regen ein. Ich nutzte die Wartezeit im Schutze einer Bushaltestelle dazu, einen meiner defekten Schl\u00e4uche wieder auf Vordermann zu bringen. Selbstverst\u00e4ndlich dauert es nicht lange, bis gef\u00fchlterma\u00dfen die gesamte Dorfjugend um mich versammelt ist. Ich lasse mich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Mit der Zeit wird man offenbar etwas abgebr\u00fchter und l\u00e4sst die Jungs auch mal einige Minuten einfach neben sich stehen, ohne mit ihnen gleich ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<br \/>\nDer Grenzort Kalamyk r\u00fcckte immer n\u00e4her. Ich beschloss, so nahe als m\u00f6glich an die Grenze heranzufahren und dann morgen nach Kirgistan einzureisen. Doch offenbar scheine ich mit Tajikistan ein wenig auf Kriegsfu\u00df zu stehen. Meine schlimmsten Bef\u00fcrchtungen wurden war. Bei der Zollkontrolle, ein paar Kilometer vor der eigentlichen Grenze war Endstation. Die Grenze ist f\u00fcr internationalen Verkehr nicht ge\u00f6ffnet. Der Zollbeamte versteht meine Situation und versucht mit mir auf der Karte einen Alternativweg nach Kirgistan zu finden. Offenbar kann man durch das Enklavengewirr doch ohne ein Visum f\u00fcr Uzbekistan reisen. So ganz glaube ich ihm diese Variante noch nicht, aber das \u00e4ndert nichts daran, dass ich hier nicht weiterkomme. Aus Tajikistan k\u00f6nnte ich ohne Probleme ausreisen, aber in Kirgistan komme ich offenbar hier nicht rein. Dazu kommt, dass es irgendwelche politischen Unstimmigkeiten auf kirgisischer Seite gibt, die den Grenz\u00fcbertritt noch erschweren w\u00fcrden.<br \/>\nIch kann es immer noch nicht ganz glauben. Ich f\u00fchlte mich, als ob mir der Boden unter den F\u00fc\u00dfen weggezogen worden w\u00e4re. Den ganzen Weg wieder zur\u00fcck nach Dushanbe&#8230; Der einzige Vorteil dabei ist, dass es f\u00fcrs erste mal 200km auf guter Asphaltstra\u00dfe bergab geht. Das ist aber wirklich nur ein schwacher Trost.<br \/>\nMeine Essensvorr\u00e4te sind nun schon ziemlich am Ende. Als ein Grenzsoldat aus dem Auto zwei T\u00fcten mit Fladenbrot in die Wachstube tr\u00e4gt, frage ich, wo es das Brot zu kaufen gibt. Der Zollbeamte \u00fcberlegt nicht lange und zweigt f\u00fcr mich drei Fladen ab. Gerade als ich geknickt wieder losfahren will, bringt er mir noch eine T\u00fcte mit s\u00fc\u00dfem Geb\u00e4ck. Ein schwacher Trost, aber trotzdem eine sehr nette Geste.<br \/>\nEigentlich hatte ich mich schon auf Zelten eingestellt, doch unter den ver\u00e4nderten Umst\u00e4nden versuche ich noch ein paar Kilometer zu machen. Der R\u00fcckenwind hat sich nun nat\u00fcrlich in Gegenwind verwandelt. Zu meinem Gl\u00fcck weht er aber nur noch ganz schwach.<br \/>\nZum zweiten Mal sehe ich nun eine bereits erradelte Strecke noch einmal. Tajikistan scheint f\u00fcr mich zur Stenfahrt zu werden&#8230; 1500 H\u00f6henmeter habe ich heute schon in den Beinen, daher ist auch gut 15km nach dem Zollposten Schluss f\u00fcr heute. Ich habe heute keine Energie mehr, einen versteckten Zeltplatz zu finden. Nach langem Suchen finde ich dann auch endlich eine ebene Fl\u00e4che. In direkter N\u00e4he zur Stra\u00dfe wird das Zelt aufgeschlagen, der tote Esel, der gut 20m neben meinem Zelt liegt st\u00f6rt mich heute auch nicht mehr.<\/p>\n<h2>Tag 119 &#8211; 30.Mai<\/h2>\n<p>Kuhdoman &#8211; Garm: 132km; 6:09h im Sattel; 11 Grad, Regen<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Obwohl mein Zelt heute Nacht ausser Sichtweite des Dorfes war, wurde ich um 3 Uhr unsanft von ein paar Hunden geweckt, die offenbar meine Anwesenheit bemerkt hatten und jetzt vor dem Zelt um die Wette bellten. Vor einigen Tagen ist mir schon aufgefallen, dass vielen Hunden in Tajikistan die Ohren und der Schwanz abgeschnitten werden. Franzi hatte einmal gemeint, dass es deshalb gemacht wird, weil die Hirten glauben, dass die Hunde dadurch nicht mehr so viel schlafen. Ob es stimmt oder nicht, auf alle F\u00e4lle gab es einen ordentlichen Radau vor dem Zelt und dem Knurren nach zu urteilen hatte ich keine gro\u00dfe Lust, vors Zelt zu gehen und die Ruhest\u00f6rer zu vertreiben.<br \/>\nDer Himmel trug heute Morgen Trauerflor. Von der Sonne war keine Spur zu erkennen. Die Temperatur lag nur knapp \u00fcber 10 Grad. Ich machte mich relativ zeitig auf den Weg, um heute so viele Kilometer als m\u00f6glich zu machen. Am Morgen rechnete ich noch damit, auf dem Weg Franzi und Jonah zu treffen, die ja auch den Plan verfolgt hatten, den Grenz\u00fcbergang in Karamyk zu nehmen.<br \/>\nMir lag die Entt\u00e4uschung von gestern noch ziemlich im Magen. Ich hatte fix damit gerechnet, hier \u00fcber die Grenze zu kommen. Den Weg \u00fcber Dushanbe wollte ich auf jeden Fall vermeiden, weil ich einerseits nicht die gesamte Strecke zur\u00fcckfahren wollte und andererseits der Weg in den Norden \u00fcber zwei ordentliche P\u00e4sse f\u00fchrt. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrt die Strecke laut Karte zweimal durch Uzbekistan. Immerhin bekam ich heute von der Deutschen Botschaft in Dushanbe den R\u00fcckruf mit der Best\u00e4tigung, dass ich die vom Zollbeamten vorgeschlagene Route ohne zu erwartende Schwierigkeiten fahren kann. Solange man in den Uzbekischen Enklaven auf der Stra\u00dfe bleibt, ben\u00f6tigt man kein separates Visum&#8230; Immerhin ist die neue Marschroute nun fixiert. Nach Auskunft der Botschaft sind die Unruhen in Khorug zwar nicht mehr akut, Ausl\u00e4nder werden aber noch immer nicht in die Gegend vorgelassen. Liegt es daran, dass keine internationale Berichterstattung erm\u00f6glicht wird, oder dass man ein Zusammensto\u00dfen von Ausl\u00e4ndern und Milit\u00e4reinheiten verhindern will? Informationen dazu gibt es nat\u00fcrlich keine. Der Pamir ist f\u00fcr mich nun ohnehin nicht mehr fahrbar.<br \/>\nNach gut einer Stunde Fahrt kippte das Wetter. Der restliche Tag l\u00e4sst sich knapp folgenderma\u00dfen beschreiben: kr\u00e4ftiger Gegenwind, 11 Grad und Dauerregen. Um ehrlich zu sein, heute war der erste Tag, an dem das Radfahren \u00fcber lange Distanzen alles andere als sch\u00f6n war. Aber ja, Regentage muss es ja auch geben. Bisher bin ich ja noch ziemlich verschont davon geblieben. Der Gegenwind h\u00e4tte aber wirklich nicht sein m\u00fcssen&#8230;Trotz Regenklamotten war ich nach wenigen Stunden bis auf die Haut nass. Ob jetzt nassgeschwitzt, oder vom Regen durchn\u00e4sst kann ich nicht unterscheiden. Immerhin konnte ich mich durch strammes Treten warm halten. Die Strecke kannte ich ja noch ganz gut. War ja erst einen Tag her, dass ich sie in die andere Richtung geradelt bin. Viel zu sehen gab es aber nicht. Die Wolken hingen tief und von den Bergen war ganz und gar nichts zu sehen.<br \/>\nMein Eindruck von der Herfahrt hatte mich nicht get\u00e4uscht. Je n\u00e4her man sich der Grenze von Kirgistan kam, desto spartanischer und \u00e4rmlicher wurden die D\u00f6rfer und deren Bewohner. Jetzt, da ich dieselbe Strecke wieder zur\u00fcckradelte wurde mir dieser Umstand besonders deutlich.<br \/>\nAls ich Mittags in Tajikabad &#8211; meinem Tagesziel von vor zwei Tagen &#8211; war ich ziemlich ausgehungert und auch ein wenig durchgefroren. Zum Gl\u00fcck hatte ich mich noch daran erinnert, dass es in Tajikabad ein Lokal am Stra\u00dfenrand gab. Auf der heute gefahrenen Stecke das Erste&#8230; Ich a\u00df, was die K\u00fcche hergab. Nach zwei Kannen Tee war ich dann wieder soweit aufgew\u00e4rmt, dass ich in die zweite Runde gehen konnte. Ziel war es, heute noch bis nach Garm zu kommen. Beim Herfahren hatte ich den Eindruck, dass es dort ein Hotel geben k\u00f6nnte.<br \/>\nNachdem ich Tajikabad verlassen hatte, rechnete ich auch nicht mehr damit, heute noch auf Franzi und Jonah zu treffen. Ich gehe mal davon aus, dass sie bei diesem Wetter nicht unbedingt auf dem Rad sitzen. Wenn sie sich im Zelt verkrochen haben, dann habe ich wohl keine Chance, sie von der Stra\u00dfe aus zu sehen. Ich hoffe nur f\u00fcr sie, dass sie von irgendjemandem erfahren haben, dass die Grenze nach Kirgistan auf dieser Strecke f\u00fcr Ausl\u00e4nder nicht passierbar ist.<br \/>\nDer Gedanke an eine warme Dusche und ein trockenes Zimmer lie\u00df mich kr\u00e4ftig in die Pedale treten. Schon um kurz nach halb vier kam ich in Garm an und wurde auch gleich zum wohl einzigen Hotel im Ort dirigiert. Preislich war es zwar nicht gerade das, was ich mir erwartet hatte, aber um ehrlich zu sein h\u00e4tte ich heute wohl fast jeden Preis f\u00fcr ein Zimmer mit Dusche bezahlt. Die Relation ist nur etwas verschoben, wenn man bedenkt, dass man f\u00fcr den Preis f\u00fcr das Hotelzimmer 15 Mal ordentlich Mittagessen kann&#8230;<br \/>\nAls ich schlie\u00dflich unter der hei\u00dfen Dusche stand, konnte ich wieder Frieden mit der Welt schlie\u00dfen. Draussen regnete es immer noch in Str\u00f6men. Die Lust, noch in den Ort zu gehen war praktisch nicht vorhanden und so wurde kurzerhand das Badezimmer zur Feldk\u00fcche umfunktioniert. Dem Dauerregen war mein Tacho wohl nicht ganz gewachsen. Das Display verblasste zusehends, daf\u00fcr schaffte ich es irgendwie, meinen MP3 Player wieder zum Leben zu erwecken und so wurden zum Soundtrack von Falcos Jungen R\u00f6mern Sprotten aus der Dose mit Zwiebeln und Gurken angeschwitzt. \u00dcberall im Zimmer wurden die nassen Klamotten zum Trocknen aufgeh\u00e4ngt. Bei der vorherrschenden Raumtemperatur gehe ich aber nicht davon aus, dass alles bis morgen trocken wird. Es sind noch knapp 200km bis Dushanbe. F\u00fcr einen Tag deutlich zu viel, nachdem es auch noch \u00fcber einen kleinen Pass geht. Also noch zwei Tage, dann werde ich mich wieder kurz bei Veronique einquartieren und nach einer kurzen Regeneration schlie\u00dflich den dritten Versuch starten, nach Kirgistan einzureisen.<\/p>\n<h2>Tag 120 &#8211; 31.Mai<\/h2>\n<p>Garm &#8211; Dushanbe: 185km; 8:15h im Sattel; 15-22 Grad, wolkig<br \/>\nWarmshowers \/ Camping<\/p>\n<p>Der morgenliche Blick aus dem Fenster versprach nichts Gutes f\u00fcr den heutigen Tag. Die Wolken hangen immer noch tief und von der Sonne keine Spur. \u00dcber Nacht waren meine Klamotten leider nicht getrocknet, also musste ich in den sauren Apfel beissen und in die nasskalten Radlklamotten schl\u00fcpfen. Es gibt sch\u00f6neres am Morgen, aber zur Entsch\u00e4digung zeigte sich dann die Sonne als ich aufs Rad stieg.<br \/>\nIn der Fr\u00fch war mir der Gedanke gekommen, die Distanz bis Dushanbe eventuell doch an einem Tag zu bew\u00e4ltigen. Auf eine zus\u00e4tzliche Nacht im immer noch feuchten Zelt hatte ich irgendwie keine Lust. Ausserdem hatte ich von Tyson gestern Abend eine SMS erhalten, dass sie noch bei Veronique sind. Franzi und Jonah hatten es ebenfalls zu Veronique geschafft. Zum Gl\u00fcck sind sie nicht das Garm-Tal entlangeradelt, sondern haben den direkten Weg nach Dushanbe gew\u00e4hlt. Zum Gl\u00fcck kannte ich die Strecke schon und konnte so absch\u00e4tzen, ob es realistisch ist, bis zum Abend nach Dushanbe zu kommen. Trotzdem&#8230; fast 190km sind kein Pappenstiel.<br \/>\nNachdem ich heuer leider nicht an der fabelhaften Radausfahrt &#8220;In Velo Veritas&#8221; teilnehmen kann (www.inveloveritas.at), widmete ich den heutigen Tag ganz &#8220;In Velo Veritas 2014&#8221;. Von der Distanz kommt es etwa hin, knapp \u00fcber 2000 H\u00f6henmeter ist zwar etwas mehr, als das Weinviertel hergibt, aber daf\u00fcr war die Landschaft auch sehr beeindruckend. Nur die Weinlaben fehlten.<br \/>\nDaf\u00fcr gab es Mittags eine doppelte Portion Plov unter dem Dach eines gigantisch gro\u00dfen Kastanienbaumes. Der Wirt hatte offenbar von meinen Augen abgelesen, dass ich heute etwas mehr Unterlage ben\u00f6tigte und brachte ohne zu fragen eine zweite Portion. Gut gest\u00e4rkt ging es also in Runde zwei. Ganz ohne Pannen verlief der heutige Tag leider auch nicht. Die Schl\u00e4uche sind schon ziemlich ramponiert und mussten zweimal geflickt werden. In Dushanbe muss ich unbedingt die Schl\u00e4uche tauschen. Von den vielen Flicken ist jetzt schon fast nichts mehr vom eigentlichen Schlauch zu erkennen. Das Problem an den chinesischen Flicken ist, dass sie sich nicht dehnen und so der Schlauch meist an den R\u00e4ndern der Flicken reisst. Es wird Zeit, das Material wieder auf Vordermann zu bringen. Kette und Schaltung sind auch schon ziemlich mitgenommen. Der gestrige Tag im Regen war nicht gerade eine Wohltat f\u00fcr das Material, aber in Veroniques Garten l\u00e4sst sich das Rad ja wieder wunderbar in Schuss bringen.<br \/>\nViel neues war nicht zu sehen auf der Strecke. Manche Gesichter kamen mir bekannt vor, einige Bauern hatten sogar immer noch dieselben T-shirts an. In meiner Erinnerung war der Pass nat\u00fcrlich viel k\u00fcrzer und weniger steil, aber schlussendlich erreichte ich dann doch das Hochplateau und von dort aus ging es konstant bergab in Richtung Dushanbe.<br \/>\nKnapp 50km vor Dushanbe traf ich auf Inge und Hans aus F\u00fcssen, die gerade eben in Tajikistan angekommen waren und nun ihre 5 Wochen Urlaub zum dritten Mal im Pamir verbringen wollen. Sie hatten geh\u00f6rt, dass die Stra\u00dfen ab Anfang n\u00e4chster Woche wieder offen sind. F\u00fcr mich ist das Thema Pamir f\u00fcr dieses Mal erledigt. Auch wenn die Stra\u00dfen wieder offen sind, zum dritten Mal fahre ich nicht \u00fcber den Pass nach Qalai Khum. Mental bin ich jetzt schon auf die Nordroute eingestellt. Erst noch ein paar Tage in Dushanbe erholen und dann in Richtung Kirgistan&#8230;<br \/>\nNach knapp 120km auf dem Rad begann ein gewisser Automatismus. Ich trat nur noch in die Pedale, die Landschaft flitzte an mir vorbei und es ging z\u00fcgig voran. Der Energiehaushalt wurde mit ausreichend Cola und unz\u00e4hligen Snickers garantiert. Um halb neun war ich in Germ gestartet und bereits um 19 Uhr passierte ich die Ortstafel von Dushanbe. Ich hatte es wirklich geschafft&#8230; die letzten Kilometer bis zu Veroniques Haus waren ein Kinderspiel. Es war fast wie Heimkommen. Man kennt die Abzweigungen, braucht keine Karte mehr und f\u00e4hrt zielstrebig durch den abendlichen Stadtverkehr. Nach Tagen in l\u00e4ndlichen Gebieten jetzt wieder eine Gro\u00dfstadt. Der Kontrast k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer nicht sein. Aber f\u00fcr heute z\u00e4hlte nur noch das Ankommen.<br \/>\nAls sich die T\u00fcr \u00f6ffnete, gab es ein gro\u00dfes Hallo. Der Garten glich einen Campingplatz. \u00dcberall standen Zelte und der Parkplatz war voll mit R\u00e4dern. Mit einem herzlichen Applaus wurde ich empfangen. Gayle, John, Gabor, Franzi, Jonah , Tyson und Hanne waren alle noch bei Veronique. Robert und Chris kannte ich bis dahin noch nicht, doch auch sie warteten auf den Pamir&#8230;<br \/>\nVeronique hatte mich f\u00fcr morgen angek\u00fcndigt, daher war jeder erstaunt, dass ich bereits heute angekommen bin. Aber es passte alles perfekt. Die letzten Stunden hatte ich mich sehnlich nach einem fleischhaltigen Essen und einem k\u00fchlen Bier gefreut. Am Abend gab es eine Party in der Nachbarschaft wo alle meine W\u00fcnsche erf\u00fcllt wurden.<br \/>\nDie Sternfahrt Tajikistan hat nun ein Ende gefunden. Nach der fulminanten Abschlussetappe kann ich mich jetzt getrost ein paar Tage ausruhen und mich dann auf den Weg in Richtung Norden machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 118 &#8211; 29.Mai kurz hinter Tajikabad &#8211; Kuhdoman: 114km; 5:52h im Sattel; 13 &#8211; 28 Grad, bedeckt \/ Regen Camping Seit langem mal wieder ein Morgen ohne Sonnenschein. \u00dcber Nacht hatte sich eine dichte Wolkendecke gebildet. Die Sicht auf die mich umgebenden 3000er war gr\u00f6\u00dftenteils verschwunden. 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