{"id":1375,"date":"2014-06-12T14:08:11","date_gmt":"2014-06-12T13:08:11","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1375"},"modified":"2014-06-12T14:08:11","modified_gmt":"2014-06-12T13:08:11","slug":"tag-125-128-auf-in-den-norden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1375","title":{"rendered":"Tag 125 &#8211; 128: Auf in den Norden"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 125 &#8211; 05.Juni<\/h2>\n<p>Dushanbe &#8211; Iskanderk\u00fcl: 128km; 8:30h im Sattel; 21 &#8211; 32 Grad, Sonne<br \/>\nCampingplatz<\/p>\n<p>Zu meiner eigenen \u00dcberraschung war ich heute Morgen erstaunlich fit. Die Magenverstimmung war zur G\u00e4nze verschwunden und ich f\u00fchlte mich endlich wieder gut. Kurz bevor ich aufbrechen wollte, kam ein neuer Gast bei Veronique an. Zenda aus Hongkong radelt von England aus nach Hause. Er hat schon eine abenteuerliche Reise hinter sich. Vom Iran aus ist er nach Afghanistan gereist und wollte von dort aus nach Tajikistan weiterreisen. Zuerst wurde er in Afghanistan aufgrund von Spionageverdacht verhaftet und ein paar Tage eingesperrt. Danach behandelte ihn die Regierung aber mit Samthandschuhen. Bis nach Tajikistan konnte er aber trotzdem nicht radeln. Die Regierung hatte es ihm untersagt und statt dessen f\u00fcr ihn einen Flug organisiert. Die Reisekosten wurden von der Afghanischen Regierung \u00fcbernommen. Alles mit dem Hintergrund, das Risiko so gering als m\u00f6glich zu halten. Ein wenig entt\u00e4uscht war Zenda schon, weil er sehr gerne bis nach Tajikistan geradelt w\u00e4re. Seiner Ansicht nach ist das Risiko f\u00fcr Fahrradreisende in Afghanistan weit geringer, als man vermuten w\u00fcrde.<br \/>\nDa ich heute noch mit Jona und Franzi zusammentreffen wollte, musste ich aber langsam starten. Es stand ein ziemlicher Anstieg vor mir. Von 850 ging es hinauf auf 2600 H\u00f6henmeter. Obwohl ich viele Schauergeschichten \u00fcber den Anzob Tunnel geh\u00f6rt hatte, beschloss ich, durch den Tunnel zu fahren. Der Pass w\u00fcrde noch einmal 700 H\u00f6henmeter mehr bedeuten und das war mir f\u00fcr heute einfach zu viel.<br \/>\nAnfangs verlief die Strecke recht gem\u00fctlich am Fluss entlang. Der Fluss war ges\u00e4umt von Restaurants, die teilweise schon Ressort-charakter hatten. Man sah gro\u00dfe Schwimmbecken, Sportpl\u00e4tze, Kinderspielpl\u00e4tze usw. Einzig die G\u00e4ste fehlten noch&#8230; aber offenbar bereitet man sich hier gerade darauf vor. Die Angestellten putzen die Anlagen, Aus den Lautsprechern dr\u00f6hnt laute Musik. F\u00fcr mich war es das erste Mal, dass ich eine richtige Ferienanlage in Tajikistan gesehen habe. Aber offenbar ist das hier der &#8220;place to be&#8221;.<br \/>\nF\u00fcr mich gings stetig bergauf. Nach einer kurzen Mittagspause &#8211; diesmal wurde ich mal wieder zum Essen eingeladen &#8211; versch\u00e4rfte sich die Steigung. Der eigentliche Anstieg begann. Am Stra\u00dfenrand immer wieder Busse, LKWs oder PKWs die ihren Motor k\u00fchlen mussten. Die Stra\u00dfe f\u00fchrte durch unz\u00e4hlige kleinere Tunnels, die offenbar zum Schutz vor Schneeabg\u00e4ngen errichtet wurden. Kurz bevor ich den Anzob Tunnel erreichte legte ich noch eine ausgedehnte Verschnaufpause ein. Bei der Tunneldurchfahrt wollte ich ausgeruht sein. Die Stirnlampe wurde am Helm befestigt, die Reflektorweste ausgepackt und ein Tuch f\u00fcr Mund und Nase wurde vorbereitet. Es konnte losgehen&#8230; Kurz vor dem Anzob Tunnel befindet sich noch ein kleinerer Tunnel, bei dessen Ausgang sich ein gewaltiger Verkehrsstau gebildet hatte. Von beiden Seiten ging nichts mehr. Die Fahrzeuge waren alle mehr oder weniger ineinander verkeilt. Ich nahm das gleich mal als Gelegenheit, ohne Verkehr von hinten in den Tunnel einzufahren. Binnen Sekunden ist man von nichts als Dunkelheit umgeben. Anfangs ist die Stra\u00dfe noch in recht gutem Zustand, aber das \u00e4ndert sich rasch. Man sucht sich den Weg zwischen gro\u00dfen, mit Wasser gef\u00fcllten Schlagl\u00f6chern. Besondere Vorsicht ist bei den offenliegenden Bewehrungseisen geboten. Immer wieder sieht man daumendicken Bewehrungsstahl senkrecht nach oben stehen. Mit der Zeit wird man ein wenig paranoid. St\u00e4ndig denkt man, man hat einen Platten, oder irgend etwas anderes ist am Fahrrad. Nichts w\u00e4re unpassender, als eine Panne im Tunnel. Die Sicht wird irgendwann aufgrund der Abgase recht eingeschr\u00e4nkt. Trotzdem war die &#8220;Luftqualit\u00e4t&#8221; besser, als erwartet. Im Tunnel trifft man immer wieder auf Arbeiter, die irgendetwas an der Stra\u00dfe reparieren. Dieser Ort z\u00e4hlt sicherlich mit zu den gesundheitssch\u00e4dlichsten Arbeitspl\u00e4tzen, die es so gibt.<br \/>\nWasser tropft von der Decke, Gesteinsbrocken liegen auf der Stra\u00dfe und die gr\u00f6\u00dfte Angst hat man vor den unergr\u00fcndlich tiefen Pf\u00fctzen. Die 5km scheinen endlos, aber irgendwann taucht ein heller Punkt in der Ferne auf. Der Tunnelausgang r\u00fcckt n\u00e4her. Geschafft!!!! Erst einmal die frische Luft genie\u00dfen. Aus beiden R\u00f6hren des Tunnels dringt Rauch, als ob es im Inneren brennen w\u00fcrde. Es ist schwer vorstellbar, dass der Tunnel wirklich f\u00fcr den Verkehr freigegeben wurde. Den Beinahmen &#8220;Todestunnel&#8221; hat der Anzob Tunnel wohl nicht ohne Grund.<br \/>\nF\u00fcr mich gehts jetzt wieder steil bergab. Das neue Tal \u00fcberrascht mit faszinierenden Gesteinsformationen. Die Berge sind bunt und die D\u00f6rfer bestehen nicht mehr aus Lehmh\u00e4usern, sondern werden aus Bruchsteinen erbaut. Teilweise f\u00fcgen sich die H\u00e4user derart gut in die Umgebung ein, dass man erst auf den zweiten Blick ein Haus erkennen kann.<br \/>\nDie Bremsen laufen hei\u00df, es geht einige Kilometer sehr steil bergab. Zeitlich bin ich schon etwas sp\u00e4t dran, als ich zur Abzweigung nach Iskanderk\u00fcl komme. Gabor hatte uns den Tip gegeben, den 25km Abzweiger zum See bei Iskanderk\u00fcl zu machen. Er meinte, es w\u00fcrde sich lohnen. Was er aber verschwiegen hatte war, dass es von 1700 wieder auf 2400m hinaufging. Und das, nachdem ich schon den ersten Pass bezwungen hatte&#8230; Ein Abstecher zum See &#8211; das hatte ich mir anders vorgestellt. Im letzten Drittel der Strecke wurde die Stra\u00dfe dann auch noch richtig steil. Es ging mit 8 &#8211; 12 Prozent bergauf. K\u00f6rperlich war ich diesmal wirklich an meine Grenzen gesto\u00dfen. So langsam wurde es dunkel, aber ich wolle unbedingt noch den See erreichen. Mit Franzi und Jona hatte ich mich am Campingplatz verabredet&#8230;<br \/>\nUm kurz nach 21 Uhr rollte ich dann den H\u00fcgel in Richtung See hinab. Ein langer und kr\u00e4ftezehrender Fahrradtag geht zu Ende. Die Schlussetappe zum See hatte mir den Rest gegeben. Es verging etwas Zeit, bis ich dem Personal am Campingplatz erkl\u00e4ren konnte, dass ich zwei Deutsche mit dem Fahrrad suche. Der Eintritt zum See betr\u00e4gt eigentlich 15 SOM. Bez\u00fcglich der \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten besteht offenbar gro\u00dfe Konkurrenz. Am Eingangstor betreibt der Kontrolleur eine kleine &#8220;Hotelanlage&#8221;. Ich wollte aber zum Campingplatz. Trotzdem lie\u00df ich erst mal 40 SOM liegen, nicht wissend, was eigentlich zu bezahlen w\u00e4re. Nachdem ich endlich klar gemacht hatte, dass ich kein Zimmer, sondern den Campingplatz suche, wie\u00df er mir missmutig den Weg. Jetzt stand ich aber erst mal vor einem gro\u00dfen verschlossenen Tor. So ganz sicher war ich mir nicht, aber ich vermutete, dass es sich hierbei um den Campingplatz handelte. Anfangs hie\u00df es, es seien keine Fahrradfahrer hier, aber nachdem ich meine Geschichte immer und immer wieder schilderte, wurde ein weiterer Kollege hinzugeholt, der die Beiden gesehen hatte. Schlussendlich hatte ich es doch noch geschafft, die Verabredung einzuhalten. Franzi und Jona hatten sich heute am See entspannt. Die Szenerie ist wirklich traumhaft sch\u00f6n. Umgeben von Bergen liegt vor uns der See. Der Mond spiegelt sich im Wasser und alles strahlt eine gewaltige Ruhe aus. Genau das Richtige nach dem heutigen Tag auf dem Rad.<\/p>\n<h2>Tag 126 &#8211; 06.Juni<\/h2>\n<p>Iskanderk\u00fcl &#8211; kurz hinter Ajni: 60km; 2:49h im Sattel; 12 &#8211; 18 Grad, Regen \/ bew\u00f6lkt<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Ein bisschen l\u00e4diert war ich heute Morgen noch und somit beschloss ich, erst mal noch ein paar Stunden hier am See zu verbringen. Jona und Franzi hatten gestern sehr geschw\u00e4rmt, also wollte ich mir davon auch ein Bild machen. \u00dcber Nacht hatte es mal wieder ordentlich abgek\u00fchlt, was auf den ziemlich lange anhaltenden Regen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Gerade nachdem die Beiden aufgebrochen waren, fing es wieder an zu regnen. Meine Hoffnung, dass es sich nur um einen vor\u00fcbergehenden Schauer handelte, konnte ich bald begraben. Es regnete unaufhaltsam. Von der netten Stimmung am See konnte ich also nicht sonderlich viel mitnehmen. Schlie\u00dflich schl\u00fcpfte ich doch noch in die Regenklamotten und marschierte zum nahe gelegenen Wasserfall. Direkt bei der Einfahrt zum See befindet sich dessen Auslauf. Folgt man dem Flusslauf etwa einen Kilometer kommt man zu einem beeindruckenden Wasserfall. Eine etwas unsicher wirkende Metallplattform erlaubt einem, das gewaltige Schauspiel von oben zu betrachten. So 100% sicher f\u00fchlt man sich aber nicht auf dieser Konstruktion. Die R\u00fcckverankerung wird nur Mittels ein paar gro\u00dfer Felsbrocken gew\u00e4hrleistet und nicht jeder Gitterstab auf der Plattform ist auch wirklich festgeschwei\u00dft.<br \/>\nAuf dem Weg zur\u00fcck zum Campingplatz beginne ich mich mit dem Gedanken zu arrangieren, mal wieder im Regen zu radeln. Nachdem die Zeit ohnehin schon recht fortgeschritten war, lag das Etappenziel aber in greifbarer N\u00e4he. Bis Ajni waren es etwas mehr als 50km und es ging eigentlich nur bergab. Ich packte das nasse Zelt zusammen und gerade als ich das Rad aufsattelte, h\u00f6rte es auf zu regnen. Von einer Minute auf die andere war es pl\u00f6tzlich vorbei mit dem Wolkenbruch.<br \/>\nIch versuchte noch beim Schrankenw\u00e4rter einen Teil meines Geldes zur\u00fcckzubekommen, aber der jammerte mir penetrant etwas vor, fand st\u00e4ndig neue Ausfl\u00fcchte und tat \u00fcberhaupt sehr bed\u00fcrftig. Irgendwann dr\u00fcckte er mir dann 8 SOM in die Hand und ich verlie\u00df gru\u00dflos sein B\u00fcro.<br \/>\nBei der n\u00e4chtlichen Kletteraktion gestern hatte ich gar nicht bemerkt, wie beeindruckend das Tal eigentlich ist, das ich mich hochgequ\u00e4lt hatte. Leider hat heute mein Fotoapparat den Geist aufgegeben, sodass es keine Bilder gibt. Der starke Regen hatte die Schotterstra\u00dfe stellenweise mal wieder in eine ordentliche Schlammpiste verwandelt. Ich rollte durch roten, gr\u00fcnen, grauen, schwarzen und braunen Schlamm. Aber das Beste war&#8230; es ging konstant bergab. Zur\u00fcck auf der Hauptstra\u00dfe ging die Talfahrt weiter. Die Stra\u00dfe verl\u00e4uft parallel zum Fluss, der sich tief in die Felsen hineingefressen hatte. Oft musste man regelrecht den Kopf heben, um noch etwas vom Himmel zu sehen. So unangenehm der Tag auch begonnen hatte, so gem\u00fctlich war die Fahrt bis nach Ajni.<br \/>\nHier gabs erst mal frische Tomaten und etwas Getr\u00e4nkevorrat und dann machte ich mich auf den Weg, einen Zeltplatz zu finden. Bei einem Polizeiposten erkundigte ich mich kurz, ob zwei Radfahrer vorbeigekommen seien. Offenbar sind Franzi und Jona vor Kurzem vorbeigeradelt. Mal schauen, vielleicht treffe ich sie ja morgen wieder auf dem Pass.<br \/>\nEin Blick auf die Karte zeigt, dass ich jetzt nur 150km Luftlinie von Samarkand entfernt bin. Besonders weit nach Osten bin ich bisher also noch nicht vorgedrungen. Zum Gl\u00fcck ist die Intention der Reise nicht, so schnell als m\u00f6glich ostw\u00e4rts zu fahren. Auch wenn es teilweise etwas demoralisierend war, so hatten die Abstecher in Tajikistan doch ihren Reiz. Ich h\u00e4tte sonst wohl niemals die Vielf\u00e4ltigkeit des Landes kennenlernen k\u00f6nnen. Jetzt gehts aber erst mal noch zwei Tage nach Norden und dann ab Khujand wieder ostw\u00e4rts.<\/p>\n<h2>Tag 127 &#8211; 07.Juni<\/h2>\n<p>kurz hinter Ajni &#8211; Khujand: 165km; 7:28h im Sattel;14 &#8211; 30 Grad, bew\u00f6lkt<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Der Himmel versprach heute nichts besonders Gutes. Bis auf ein paar vereinzelte Sonnenstrahlen am Morgen war der Himmel wolkenverhangen. Im Grunde aber keine so schlechte Ausgangssituation f\u00fcr die bevorstehende Bergetappe. F\u00fcr heute hatte ich mir die Pass\u00fcberquerung vorgenommen. Den Tunnel wollte ich dieses Mal umgehen.<br \/>\nGleich von Beginn an ging es relativ steil bergauf. Bei der Anfahrt zum eigentlichen Bergr\u00fccken hatte man das Gef\u00fchl, man n\u00e4hert sich einer senkrechten Wand. Ameisenhaft konnte man in der Ferne die LKWs erkennen, wie sie sich langsam emporschraubten. Der Gipfel war nicht wirklich zu erkennen. Selten sank die Steigung unter 6%, aber daf\u00fcr war der Asphalt in bestem Zustand. Meter um Meter ging es den Berg hinauf. Nach gut drei Stunden Kletterarbeit war der Tunnel erreicht. Von der Stra\u00dfe, die \u00fcber den Pass f\u00fchren sollte war aber nichts mehr zu erkennen. Nach Fertigstellung des Tunnels wurde die Stra\u00dfe offenbar zur\u00fcckgebaut. In der Ferne konnte man noch ein paar Serpentinenst\u00fccke erkennen, aber der Zugang existierte nicht mehr. Folglich musste ich den Weg durch den Tunnel w\u00e4hlen. Die Rahmenbedingungen sind fast ident mit dem Anzob Tunnel. L\u00e4nge ca. 5km, Tunneleingang auf 2700m, Tunnelausgang auf 2600m&#8230; der Rest unterscheidet sich aber gravierend. Durchgehende Beleuchtung, gute Bel\u00fcftung und bester Betonbelag machten die Fahrt durch den Tunnel zum Kinderspiel. F\u00fcr den Bau des Tunnels waren offenbar die Chinesen zust\u00e4ndig. Vielleicht h\u00e4tte man ihnen auch den Anzob-Tunnel anvertrauen sollen.<br \/>\nDas gegen\u00fcberliegende Tal \u00fcberraschte mit bewaldeten Bergh\u00e4ngen. Die Stra\u00dfe fiel mit konstanten 2-3% Gef\u00e4lle ab. Nach den drei Stunden Aufstieg eine Wohltat! Im Grunde war ich dann gar nicht mehr so b\u00f6se, dass ich den Pass nicht zur G\u00e4nze \u00fcberwunden hatte. Meine Beine sp\u00fcrten auch so, dass einiges geleistet wurde.<br \/>\nVon Franzi und Jona war auf dem Pass keine Spur. Ich gehe mal davon aus, dass ich sie gestern doch unbewusst \u00fcberholt hatte und sich unsere Wege nun trennen werden. Der starke Regen gestern hatte ihre aktiven Stunden auf dem Rad vermutlich doch ziemlich eingeschr\u00e4nkt.<br \/>\nIch rollte noch ein paar H\u00f6henmeter in Richtung Tal und g\u00f6nnte mir dann eine ausgedehnte Mittagspause. Ein kurzer Blick auf die Karte verriet, dass es bis Khujand konstant bergab gehen wird. Ich habe den Tunnel bei 2600m verlassen und Khujand liegt auf ca. 300m.<br \/>\nLeichter R\u00fcckenwind und konstantes Gef\u00e4lle setzten mir pl\u00f6tzlich den Floh ins Ohr, noch heute bis nach Khujand zu fahren. Wieder mal ein ziemlicher Satz, aber irgendwie war mir heute nach einer Hotelunterkunft. Ausserdem hoffte ich meine Kamera zur Reparatur geben zu k\u00f6nnen.<br \/>\nJe n\u00e4her ich an Khujand kam, desto mehr f\u00fchlte ich mich an die Tage in Uzbekistan zur\u00fcckversetzt. Auf den Feldern arbeiteten unz\u00e4hlige Frauen in Handarbeit. Am Stra\u00dfenrand wurde Gem\u00fcse und etwas Obst verkauft. Die Felder wurden \u00e4hnlich wie in Uzbekistan mittels Wasserkan\u00e4len bew\u00e4ssert.<br \/>\nAuch die Temperatur war wieder deutlich angestiegen. Bei guten 30 Grad radelte ich in Richtung Khujand. Der Geruch von frisch geerntetem Getreide lag in der Luft. Ein klares Zeichen f\u00fcr mich, dass jetzt langsam Sommer ist. Bereits viele Kilometer vor Khujand nahm die Besiedelung wieder deutlich zu. Es gab kaum noch einen Platz entlang der Stra\u00dfe, der nicht bewirtschaftet, oder bewohnt war. Von Khujand wusste ich eigentlich gar nichts. Auf der Karte war nur vermerkt, dass es eine alte Seidenstra\u00dfen Stadt sei. Schlussendlich handelt es sich um die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt in Tajikistan. Es war allerdings schon 19 Uhr, als ich im Zentrum einrollte. Da ich keine Lust hatte, im Hotel den doppelten Preis im Vergleich zu Einheimischen zu zahlen, wurde ich zur Gasteniza Leninabad weitergeschickt. Ein Komplex aus den guten alten Sowjetzeiten. Hier bekam ich, wenn auch missmutig, ein Zimmer mit Balkon f\u00fcr leistbare 90 SOM. Den Rezeptionisten hatte ich offenbar gerade bei einer seiner Fernsehserien gest\u00f6rt. Mit seiner Ver\u00e4rgerung hielt er nicht sonderlich hinter dem Berg. Entgegen der bisher stets gro\u00dfen Hilfsbereitschaft in Tajikistan stand er nur teilnahmslos neben mir, als ich abek\u00e4mpft wie ich war, meine Packtaschen zusammenraffte und mich schwer bepackt in die dritte Etage schleppte.<br \/>\nTrotz alledem&#8230; die M\u00fche hatte sich gelohnt. Ein herrlich gem\u00fctliches Zimmer mit Balkon erwartete mich.<br \/>\nBeim abendlichen Stadtspaziergang wunderte ich mich schon, weshalb derart viele Leute unterwegs sind, doch dann fiel mir ein, dass ja Samstag Abend war&#8230; Eisessen scheint hier in Khujand gerade besonders in Mode zu sein. Praktisch an jeder Stra\u00dfenecke finden sich kleine Stra\u00dfenlokale, die Eis verkaufen. W\u00e4hrend ich mein Grillhuhn verspeiste, leistete mir der Sohn der Lokalbesitzerin Gesellschaft. Er lernt seit kurzem Englisch und m\u00f6chte bald nach Lettland zum Studieren. Immer wenn Touristen in der Stadt sind versucht er sein Englisch ein wenig zu verbessern.<br \/>\nViele englischsprechende Touristen gibt es aber nicht in Khujand, trotz alledem schl\u00e4gt er sich an sich ganz gut. Ich konnte so zumindest ein paar Basisinformationen \u00fcber die Stadt erhalten. Nachdem morgen Sonntag ist, werde ich wohl wenig Gl\u00fcck haben, meine Kamera reparieren zu lassen. Demnach denke ich, dass ich dann auch relativ z\u00fcgig in Richtung Osh weiterfahren werde. Vielleicht habe ich dort mehr Gl\u00fcck.<\/p>\n<h2>Tag 128 &#8211; 08.Juni<\/h2>\n<p>Khujand &#8211; kurz vor Konibodam: 75km; 3:57h im Sattel; 25 &#8211; 34 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Bei einem Zimmer mit Balkon und Ausblick auf den Fluss lohnt es sich direkt den Tag etwas gem\u00fctlicher zu starten. Nachdem ich mich vergeblich in der Stadt nach einer M\u00f6glichkeit zur Reparatur meiner Kamera umgesehen hatte, genoss ich noch die k\u00fchle Briese auf dem Balkon und sattelte kurz vor Mittag wieder das Rad. Die angenehme Briese vom Vormittag verwandelte sich dann in durchaus penetranten Gegenwind, der mich bis zum sp\u00e4ten Nachmittag verfolgte. F\u00fcr heute hatte ich mir aber nicht viel vorgenommen, daher kam ich mit dem Gegenwind auch ganz gut zurecht.<br \/>\nVom angek\u00fcndigten historischen Charakter der Stadt war nicht viel zu versp\u00fcren. Historisch vielleicht im Bezug auf die Sowjetzeit, aber auf keinen Fall in Bezug auf die Seidenstra\u00dfen-\u00c4ra.<br \/>\nAuf der Karte hatte ich einen recht gro\u00dfen See in der N\u00e4he von Khujand gesehen. Die Strecke in Richtung Grenze f\u00fchrt dort auch vorbei, also freute ich mich auf eine Nachmittagsrast am Seeufer&#8230; Als ich von der Ferne das Wasser schon leuchten sah, wunderte ich mich, dass es keinerlei Anzeichen f\u00fcr Badetourismus oder \u00e4hnliches gibt. Mit der Zeit wurde mir klar, dass der See offenbar zu 100 Prozent f\u00fcr die Landwirtschaft genutzt wird. Die Stra\u00dfe verl\u00e4uft mit gro\u00dfem Abstand zum Ufer und f\u00fchrt durch gewaltig gro\u00dfe Obstplantagen. Es hat den Anschein, als ob man hier durch die Obstkammer von Tajikistan f\u00e4hrt. Aprikosen, Pflaumen, Kirschen, Kiwis und Granat\u00e4pfel werden hier angebaut. Im Moment sind die ersten Aprikosen erntereif. Als ich gerade \u00fcberlege, an welchem Baum ich anhalten sollte, um ein paar Aprikosen zu kosten, f\u00e4hrt ein Auto an mich heran und aus dem Beifahrerfenster reicht mir der Lenker mit einem \u00fcber beide Ohren reichenden L\u00e4cheln ein paar Aprikosen. Selten habe ich so derart auf den Punkt perfekt gereifte Fr\u00fcchte gegessen. Der s\u00fc\u00dfe Geschmack h\u00e4lt sich noch viele Kilometer. Hier l\u00e4sst es sich leben&#8230;<br \/>\nDen Leuten in der Gegend scheint es auch relativ gut zu gehen. Die Autos werden immer gr\u00f6\u00dfer und neuer. Ladas sieht man nur noch sehr selten und auch die ansonsten so gro\u00dfe Dominanz des Opel Astra geht zur\u00fcck. Mercedes, VW und BMW brausen immer h\u00e4ufiger an mir vorbei.<br \/>\nEinigen D\u00f6rfern am See wurde offenbar vor einiger Zeit durch ein Hilfsprojekt aus Deutschland mit einer sicheren Trinkwasserversorgung zu mehr Lebensqualit\u00e4t verholfen. Hier ist die Hilfe auch wirklich angekommen. Als Deutscher Tourist steht man hier in Tajikistan ohnehin relativ gut da. Fast alle importierten Autos werden aus Deutschland bezogen und die deutschen Produkte haben hier auch einen sehr hohen Stellenwert. Da freut es aber umso mehr, wenn man dann von den Einheimischen f\u00fcr Hilfsprojekte unter deutscher Federf\u00fchrung gelobt wird. Obwohl Tajikistan aufgrund der Berge sehr wasserreich ist, stellt die sichere Trinkwasserversorgung offenbar doch noch ein gro\u00dfes Problem dar. Als ich damals auf dem Weg zur Grenze nach Kirgistan war, ist mir die rudiment\u00e4re Wasserversorgung schon aufgefallen. Nach Auskunft von Veronique str\u00e4uben sich gerade die Bewohner der Grenzregion zu Kirgistan noch vor Hilfsprojekten, sowohl nationaler, als auch internationaler Art.<br \/>\nDen heutigen Tag wollte ich diesmal etwas fr\u00fcher beenden. Bis zur Grenze sind es noch gut 35km. Am Ortsende kaufe ich noch die dringend ben\u00f6tigten Zuckergetr\u00e4nke ein. Ein altes Ehepaar f\u00fchrt den kleinen Laden. Wir kommen ein wenig ins Gespr\u00e4ch und ich werde umgehend in den r\u00fcckwertigen Garten eingeladen. Hier stehen unz\u00e4hlige Aprikosen- Pfirsich- und Granat\u00e4pfelb\u00e4ume. Die Granat\u00e4pfel sind noch recht klein. Im September steht deren Ernte an. Bei den Aprikosenb\u00e4umen wurden offenbar recht viele verschiedene Sorten gepflanzt, um \u00fcber mehrere Monate Fr\u00fcchte ernten zu k\u00f6nnen. Die Taschen voller frisch geernteter Aprikosen gehts aus dem Dorf hinaus. Kurz danach schlage ich dann auch schon das Zelt auf. Die Sonne verschwindet in einem Farbenmeer hinter den Bergen. Noch lange leuchtet der See, w\u00e4hrend die Umgebung bereits dunkel wird. Der Mond steht hoch und leuchtet die steppenartig anmutende Landschaft mit einem kr\u00e4ftigen Licht aus. Die Stirnlampe kann heute im Zelt bleiben. Der letzte Abend in Tajikistan ist angebrochen. Morgen gehts \u00fcber die Grenze und dann lasse ich mich mal \u00fcberraschen, was Kirgistan &#8211; oder Kirgisistan, wie es die Tajiken nennen &#8211; zu bieten hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 125 &#8211; 05.Juni Dushanbe &#8211; Iskanderk\u00fcl: 128km; 8:30h im Sattel; 21 &#8211; 32 Grad, Sonne Campingplatz Zu meiner eigenen \u00dcberraschung war ich heute Morgen erstaunlich fit. Die Magenverstimmung war zur G\u00e4nze verschwunden und ich f\u00fchlte mich endlich wieder gut. Kurz bevor ich aufbrechen wollte, kam ein neuer Gast bei Veronique an. 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