{"id":1560,"date":"2014-07-09T15:27:22","date_gmt":"2014-07-09T14:27:22","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1560"},"modified":"2014-07-09T15:27:22","modified_gmt":"2014-07-09T14:27:22","slug":"tag-156-159-strandurlaub-und-bergpanorama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1560","title":{"rendered":"Tag 156 &#8211; 159: Strandurlaub und Bergpanorama"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 156 &#8211; 06.Juli<\/h2>\n<p>Bishkek &#8211; 20km hinter Tokmok: 92km; 3:34h im Sattel; 25 &#8211; 30 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Heute ist der gro\u00dfe Tag. Nach \u00fcber einer Woche Auszeit in Bishkek geht es endlich wieder weiter. Der Muskelkater hat sich noch nicht ganz verzogen, soll aber beim Radeln nicht weiter st\u00f6ren. Bis alle sieben Sachen wieder in den Packtaschen verstaut waren verging einige Zeit, ich hatte aber keinen Druck besonders fr\u00fch starten zu m\u00fcssen. Die letzten Mails wurden geschrieben und noch eventuell relevante Informationen aus dem Internet aufgeschrieben. Enzo war gar nicht so gl\u00fccklich, dass der Gro\u00dfteil der Gruppe heute das Ferienlager bei Nathan und Angie verl\u00e4sst und versuchte immer wieder mich, oder Jona und Franzi davon zu \u00fcberzeugen, dass wir doch auch erst morgen fahren k\u00f6nnten. F\u00fcr mich stand die Entscheidung aber fest, Jona und Franzi beschlossen schlie\u00dflich doch erst morgen aufzubrechen.<br \/>\nMittags g\u00f6nnte ich mir noch einen frischen Obstsalat mit Vanilleeis, mein treues Rad bekam daf\u00fcr noch ein nagelneues Lenkerband. Nach 10.000km war das erste Lenkerband nun doch schon durchgescheuert und nachdem es im Fahrradladen ums Eck exakt ein einziges Lenkerband gab, musste ich da fast zuschlagen.<br \/>\nAbschiednehmen fiel heute besonders schwer. In den letzten Tagen waren wir ziemlich zusammengewachsen. Auch als Team auf der Stra\u00dfe hatten wir keine schlechte Figur gemacht. Aber irgendwann kommt auch der Moment, in dem jeder wieder seinen eigenen Weg einschl\u00e4gt. Jona und Franzi radeln wohl morgen guten Mutes in Richtung Almaty und werden dann \u00fcber China in die Mongolei einreisen von wo aus es dann weiter nach Canada geht. In Canada werden sie dann ein Jahr arbeiten und anschlie\u00dfend mit neuen R\u00e4dern in Richtung S\u00fcdamerika starten. Enzo wird erst mal noch sein Visum f\u00fcr Kasachstan beantragen und startet dann ebenfalls nach Almaty. In den letzten Wochen hat sich in der Visa-Politik von Kasachstan auch einiges getan. Ab dem 15.Juli, also in gut 10 Tagen d\u00fcrfen 10 Nationen, darunter auch Deutschland ohne Visum f\u00fcr 15 Tage nach Kasachstan einreisen. Tja, da h\u00e4tte ich mir ja fast das Geld f\u00fcr das Visum sparen k\u00f6nnen. Aber man sieht, die Visabeschr\u00e4nkungen fallen nach und nach. Vielleicht kann man ja in ein paar Jahren in alle Stan-L\u00e4nder ohne Visum einreisen.<br \/>\nWeit sp\u00e4ter als geplant, erst kurz vor 16 Uhr war ich dann endlich auf der Stra\u00dfe. Als Tagesziel hatte ich mir den Zeltplatz gesetzt, an dem wir beim Hinweg bereits \u00fcbernachtet hatten. Ambitioniertes Ziel, sollte aber machbar sein. Leichter R\u00fcckenwind trieb mich dann in Richtung Osten. Ich w\u00e4hlte eine andere Stra\u00dfe als jede, auf der wir gekommen waren, rollte von einem Ort in den n\u00e4chsten, passierte den Ort Luxenburg, einen der wenigen Orte hier, in denen noch eine Deutsche Minderheit wohnt, und kam schlie\u00dflich um halb acht am wohlbekannten Zeltplatz an.<br \/>\nIch h\u00e4tte nicht gedacht, dass dies so ein emotionaler Moment werden w\u00fcrde. Zum ersten Mal auf der gesamten Reise f\u00fchlte ich mich kurzzeitig alleine. Das Reisen in der Gruppe ver\u00e4ndert doch st\u00e4rker als gedacht. Die Melonenschalen von unserem Fruchtsalat lagen noch vertrocknet auf dem Boden, das Wasserloch war bereits ausgetrocknet, der Platz wirkte sehr vertraut. Ab jetzt geht es wieder solo weiter. So wie es aussieht wird es wohl ein paar Tage dauern, bis ich mich wieder auf die neue \/ altbew\u00e4hrte Reiseform eingestellt habe. Morgen werde ich bis zum Ysyk K\u00f6l See radeln und ab dann liegt wieder unbekanntes Terrain vor mir. Ich freu mich schon drauf!<\/p>\n<h2>Tag 157 &#8211; 07.Juli<\/h2>\n<p>20km hinter Tokmok &#8211; kurz hinter Kara Talaa: 134km; 6:30h im Sattel; 23 &#8211; 32 Grad, Sonne \/ Gewitter<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Strahlender Sonnenschein lockte mich heute bereits recht fr\u00fch aus dem Zelt. Der R\u00fcckenwind von gestern hatte sich leider in einen zwar nur leichten, doch sp\u00fcrbaren Gegenwind verwandelt. Trotzdem kam ich recht gut voran. Ich wusste nun ja bereits, dass gut 70km guter Asphalt vor mir lagen. Aufgrund der vielen Zwangspausen bei der Hinfahrt nach Bishkek hatten wir sowohl f\u00fcr die Strecke gestern, als auch f\u00fcr meine heutige Distanz weit mehr Zeit ben\u00f6tigt, als ich nun auf meiner R\u00fcckfahrt. Viele Streckenabschnitte kommen einem sehr bekannt vor, bereits in der Fr\u00fch wei\u00df ich schon, wo ich meine Saftvorr\u00e4te aufstocken, mein Wasser auff\u00fcllen, mein Brot kaufen werde. Das etwas verschlafene Cafe, in dem wir zum Mittagessen eingekauft hatten, hat sich in den vergangenen 10 Tagen ordentlich herausgeputzt. Der verstaubte Kiosk ist nun mit frischen Waren best\u00fcckt, am Stra\u00dfenrand stehen drei neue K\u00fchlschr\u00e4nke unter einem gro\u00dfen Sonnenschirm und Tische vor dem ausrangierten Eisenbahnwagen laden zum Essen ein. Es scheint, als ob die Tourismussaison nun startet. Zum Mittagessen hatte ich mir schon einen schattigen Platz neben der Stra\u00dfe auserkoren, doch hier steht nun eine frisch aufgestellt Jurte wo Fisch und Pferdemilprodukte verkauft werden. Wie zu erwarten war, werde ich gleich mal in ein Gespr\u00e4ch verwickelt und dann auf zwei Schalen Kimiz, das hochgepriesene Getr\u00e4nk aus vergorener Stutenmilch, eingeladen. Mein Leib- und Magengetr\u00e4nk wird das wohl nicht werden, aber ganz so schlimm wie Enzo es beschrieben hatte ist es auch nicht. Das Hungergef\u00fchl ist aber vor\u00fcber und ich g\u00f6nne mir noch eine halbe Stunde Schlaf im Schatten der B\u00e4ume. Dumpfes Donnergrollen l\u00e4sst mich dann aufschrecken. Hinter mir braut sich ein ordentliches Gewitter zusammen. Es wird Zeit, wieder aufs Rad zu steigen und wenn m\u00f6glich dem Regen zu entkommen. Die Szenerie gleicht zu 100% jener, als wir damals in Richtung Bishkek gestartet waren. Das gesamte Flusstal ist mit einer dunkelschwarzen Wolkenwand ausgef\u00fcllt, von Zeit zu Zeit erhellen Blitze den Himmel. Kurz bevor ich Balykchy erreiche ich schon von der Ferne jemanden, den ich hier wirklich nicht erwartet h\u00e4tte. Chris, den ich in Dushanbe kennengelernt hatte, kommt gerade vom Song K\u00f6l und will morgen in Bishkek sein. Er macht auf mich einen etwas ersch\u00f6pften, teilweise sogar resignierten Eindruck, nach Pamir und Song K\u00f6l hat sein Rad auch ordentlich Federn gelassen, die vordere Felge muss getauscht werden, weil sie schon fast durchgebremst ist, das einzig verbliebene Bremsseil wird nur noch durch einen Knoten zusammengehalten und das Schaltwerk musste er bereit in Kalai Khum gegen ein 4 Dollar China-Exemplar tauschen. Ich gebe ihm noch kurz ein paar Tips f\u00fcr Dushanbe, breche dann aber wieder auf, da nun bereits der Regen einsetzt und starker R\u00fcckenwind das Gewitter immer n\u00e4her treibt. Der See ist schon in Sichtweite und auf dem S\u00fcdufer sind keine Regenwolken zu sehen. Auch dieses Mal lasse ich Balykchy links liegen und radle auf direktem Weg zum S\u00fcdufer des Sees. Exakt 24 Stunden nachdem ich Bishkek verlassen hatte, betrete ich nun unbekanntes Terrain. Der noch immer anhaltende R\u00fcckenwind treibt mich entlang der etwas holprigen Stra\u00dfe, stets in Sichtdistanz zum See. Meine emotionale Phase habe ich nun offenbar \u00fcberwunden, die Freude \u00fcber den Anblick des riesengro\u00dfen Sees ist st\u00e4rker. Ausserdem k\u00fcndigt sich schon ein neues Treffen mit alten Bekannten an. Julian, der Franzose mit dem Wohnmobil, den ich in Tiflis getroffen hatte, ist gerade nur etwa 80km \u00f6stlich von mir. Wenn alles gut geht, werden wir uns morgen noch treffen. Im Iran und in Uzbekistan hatten wir uns leider verfehlt, morgen ist also die letzte Gelegenheit, bevor er nach China weiterreist.<br \/>\nDie Stra\u00dfe verl\u00e4uft anfangs noch relativ weit vom Seeufer entfernt. Ich decke mich noch mit Schokoriegeln, Limonade und frischen Tomaten ein und halte dann Ausschau nach einem guten Zugang zum See. Kurz bevor die Stra\u00dfe noch weiter vom See wegf\u00fchrt schlage ich mich dann durchs Geb\u00fcsch und finde einen traumhaften Zeltplatz direkt am Seeufer vor. Keine Menschenseele weit und breit, Sandstrand, das Rauschen der Wellen und der Blick \u00fcber den schier endlos wirkenden See erinnern stark ans Meer. Einziger Unterschied sind die schneebedeckten Berge im Hintergrund. Schon alleine f\u00fcr diesen Ausblick und den Platz am See hatte sich die &#8220;R\u00fcckfahrt&#8221; ausgezahlt.<br \/>\nDank meines fr\u00fchen Starts heute Morgen kann ich schon um kurz nach 18 Uhr das Zelt aufschlagen. Der Himmel verdunkelt sich bereits wieder und ich g\u00f6nne mir noch ein Bad im See, der zu meiner \u00dcberraschung weit w\u00e4rmer ist als gedacht. So k\u00f6nnte jeder Radeltag enden. Die Salzverkrusteten Klamotten wandern zur Handw\u00e4sche ebenfalls unter Wasser. \u00dcber Balykchy tobt sich noch das Gewitter aus, ich bleibe aber verschont und kann das Schauspiel von Ferne bewundern.<\/p>\n<h2>Tag 158 &#8211; 08.Juli<\/h2>\n<p>kurz hinter Kara Talaa &#8211; Kadzhi Say: 69km; 3:39h im Sattel; 25 &#8211; 32 Grad, Sonne \/ Gewitter<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Was gibt es sch\u00f6neres, als einen Sonnenaufgang mit Meeresrauschen zu bewundern? Ich wei\u00df nicht, ob es den Begriff Seerauschen gibt, aber der Wellengang kommt dem Meeresrauschen sehr nahe. Der Muskelkater vom Wandern ist noch nicht ganz abgeklungen, daher lie\u00df ich den Morgen recht gem\u00fctlich starten. Der See ist wirklich ein Traum. Kristallklares Wasser, Sandstrand und keine Menschenseele weit und breit. Nur ein Bauer kam kurz vorbei, stellte die \u00fcblichen Fragen und war dann aber auch gleich wieder verschwunden. Die Kuh, die er eigentlich gesucht hatte, war in meiner N\u00e4he zumindest nicht zu finden.<br \/>\nAls ich das Rad durchs Geb\u00fcsch wieder in Richtung Hauptstra\u00dfe schob, passierten gerade zwei Radler mit Leichtgep\u00e4ck. Wim und Cecilia verbringen ihren 4-w\u00f6chigen Sommerurlaub hier in Kirgistan. F\u00fcr diese 4 Wochen haben sie sich eine etwas ungew\u00f6hnliche Art des Reisens ausgesucht. Sie werden tagt\u00e4glich von einem Privatchauffeur begleitet, der den Gro\u00dfteil ihres Gep\u00e4cks transportiert. Ein bisschen musste ich mich schon wundern \u00fcber diesen Zugang zum Fahrradfahren, aber nun ja, Jedem das Seine. Ein paar Kilometer radelten wir gemeinsam, dann setzte ich mich wieder ab und nahm den f\u00fcr mich \u00fcberraschend auftauchenden Anstieg in Angriff. Ich hatte mich eigentlich auf eine gem\u00fctliche Fahrt entlang des Seeufers eingestellt und war dementsprechend \u00fcberrascht, dass ich mich noch einmal \u00fcber 2000m hinauf schleppen musste. Das Panorama war daf\u00fcr aber jedem H\u00f6henmeter wert. Die Landschaft wechselt alle paar Kilometer. Es ist alles dabei; Steppe, sanfte H\u00fcgel, gr\u00fcne Plateaus, dicht bewaldete Bergh\u00e4nge, stark erodiertes Gel\u00e4nde&#8230; die einzige Konstante ist das in ewiges Eis geh\u00fcllte Bergmassiv im Hintergrund.<br \/>\nAls die Stra\u00dfe langsam wieder zum See hinabf\u00fchrte passierte ich auch schon den ersten richtigen Badestrand, perfekt f\u00fcr ein kurzes Mittagessen. Am Strand toben sich die Kinder aus, w\u00e4lzen sich im sonnengew\u00e4rmten Sandstrand und springen in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden wieder ins Wasser. Viele Erwachsene tummeln sich mit Schwimmreifen im Wasser, meist ist die gesamte Familie am Strand versammelt. Endlich ist man selbst nicht mehr der einzige Tourist.<br \/>\nDie beiden Ufer des Ysyk K\u00f6l Sees sind offenbar deutlich unterschiedlich stark touristisch erschlossen. Angeblich ist das Nordufer der russische Ballermann, das S\u00fcdufer praktisch nicht erschlossen. Ich befinde mich am S\u00fcdufer und kann das &#8220;praktisch nicht erschlossen&#8221; nur best\u00e4tigen. Es gibt zahllose traumhafte Badestellen, fast jeden Kilometer sieht man einen paradiesischen Zeltplatz, aber praktisch kaum Leute&#8230;<br \/>\nGestern hatte ich mich noch mit Julien kurz hinter Kadzhi Say verabredet. Kadzhi Say scheint die Touristenhochburg des S\u00fcdufers zu sein. Seine Bl\u00fctezeit hat der Ort aber auch schon lange Zeit hinter sich. Verwitterte Schilder deuten auf ehemalige Sanatorien oder Hotels hin. Trotz alledem tummeln sich erstaunlich viele Touristen im Ort. Vor den Shops h\u00e4ngen Luftmatratzen, Schwimmreifen und allerlei Strandzubeh\u00f6r, gro\u00dfe Gruppen marschieren vom Strand in Richtung Hotelanlage, da gerade wieder einmal ein Gewitter aufzieht. Im Ort gibt es sogar einen Campingplatz, schwer vorstellbar, da doch praktisch \u00fcberall gezeltet werden kann.<br \/>\nJulien hat sich wirklich ein sch\u00f6nes Pl\u00e4tzchen ausgesucht. Am Ortsausgang, direkt am See, aber noch in Fu\u00dfdistanz zum n\u00e4chsten Shop steht sein Campingbus. Mit von der Partie ist auch Alexander, den Julien und Anais offenbar regelm\u00e4\u00dfig treffen. Er reist per Anhalter durch Zentralasien und ist in Bishkek mal wieder auf die Beiden gesto\u00dfen. Wie klein die Welt doch ist zeigt sich, als wir uns ein wenig \u00fcber den Iran unterhalten. Alexander ist n\u00e4mlich derjenige, dem Enzo in Tehran seine Kamera geschenkt hatte und Julien hatte Enzo bei der Durchquerung von Turkmenistan mit Wasser versorgt. So nach und nach gew\u00f6hnt man sich fast daran, dass man jeden \u00fcber ein paar Ecken kennt&#8230;<br \/>\nJulien und Anais sind nun seit exakt einem Jahr unterwegs. Zur Feier des Tages gibt es eine Auswahl an feinsten franz\u00f6sischen K\u00e4sesorten. Julien war n\u00e4mlich erst vor einer Woche von einem kurzen Zwischenstopp in Frankreich zur\u00fcckgekommen. Wir sitzen in seinem Campingbus, lassen die zweite Gewitterfront \u00fcber uns hinwegrollen und genie\u00dfen franz\u00f6sischen Wein, frisches Brot und sehr intensiven K\u00e4se. Es muss ja nicht jeden Tag Pasta mit Tomatensauce sein&#8230;<\/p>\n<h2>Tag 159 &#8211; 09.Juli<\/h2>\n<p>Kadzhi Say &#8211; Karakol: 120km; 4:56h im Sattel; 21 &#8211; 27 Grad, Sonne<br \/>\nGuesthouse \/ Camping<\/p>\n<p>Der See hat mich ein wenig in seinen Bann gezogen. Es f\u00e4llt mir schwer, zeitig meinen Zeltplatz zu r\u00e4umen und wieder aufs Rad zu steigen. Ich k\u00f6nnte stundenlang den Strand, die Wellen und die Berge in der Ferne bewundern. Der Globetrotter-Bus verl\u00e4sst aber ohnehin schon um 07:30 Uhr den Zeltplatz, weil Anais Nachmittags zum Zahnarzt in Bishkek muss, ich g\u00f6nne mir noch ein letztes ausgedehntes Fr\u00fchst\u00fcck am See und breche dann schweren Herzens auf. Nur wenige km hinter Kadzhi Say passiert man eine mir bis jetzt nicht ganz verst\u00e4ndliche Aneinanderreihung eigenartiger Bauwerke. Teilweise wirkt es wie eine gro\u00df angelegte Ferienanlage die nie in Betrieb genommen wurde, stellenweise hat man den Eindruck, es handelt sich um eine Art Kulturarena und dann scheint es fast, als ob es sich um eine Filmkulisse handelt. Ich tippe jetzt mal schwer auf eine zu gro\u00df angelegte Ferienanlage. Scheinbar waren zu Sowjetzeiten die Pl\u00e4ne f\u00fcr das S\u00fcdufer gewaltig.<br \/>\nBei bestem Radlerwetter gehts auf teilweise sehr holpriger Stra\u00dfe gem\u00fctlich am See entlang. Den Wind habe ich dieses Mal auf meiner Seite, das Tagesziel Karakol sollte also ohne Probleme zu erreichen sein. Ich hatte mich an sich auf eine sehr sp\u00e4rliche Besiedelung des S\u00fcdufers eingestellt, aber zu meiner \u00dcberraschung rollt man von einem Dorf ins n\u00e4chste. Obwohl hier sicherlich regelm\u00e4\u00dfig Touristen durchkommen wird immer noch sehr freundlich gegr\u00fc\u00dft. In vielen D\u00f6rfern sp\u00fcrt man noch sehr deutlich, dass vor einigen Jahrzehnten die goldenen Zeiten zu Ende gingen. Verfallene und heruntergekommene \u00dcberbleibsel aus Sowjetzeiten, die auf Wohlstand und gro\u00dfe Gesch\u00e4fte hindeuten findet man in praktisch jedem Dorf.<br \/>\nDie Stra\u00dfe verl\u00e4uft \u00fcber viele km direkt am Seeufer entlang. Eine traumhaft sch\u00f6ne Uferzone l\u00e4d zum Baden ein. Hie und da sieht man Wegweiser zu Sanatorien, offenbar eine gute Gesch\u00e4ftsquelle, den Urlaub mit etwas Gesundheit zu verbinden. Auffallend viele Russen mischen sich nun schon unter die Verkehrsteilnehmer.<br \/>\nWie zu erwarten war, trifft man nun am See immer wieder auf Radeltouristen. Praktisch alle, die ich heute oder in den letzten Tagen getroffen habe, sind nur f\u00fcr ein paar Wochen in der Gegend. Ganz verst\u00e4ndlich ist mir aber nicht, weshalb in den seltensten F\u00e4llen angehalten wird, um kurz zu plauschen. Manche radeln fast gru\u00dflos weiter und diejenigen die stehenbleiben m\u00fcssen auch fast dazu gezwungen werden. Ich bringe es aber immer noch nicht \u00fcbers Herz, einfach an Reiseradlern vorbeizurollen. Das Interesse ist aber offenbar bei den Kurzzeittouristen nicht so gro\u00df. Viele sind scheinbar in ihrer Blase unterwegs, die Kopfh\u00f6rer eingest\u00f6pselt und nicht wirklich aufnahmebereit f\u00fcr Einfl\u00fcsse von Aussen.<br \/>\nEine sehr nette Begegnung hatte ich heute aber mit zwei Schweizern, die mit ihrem Wohnmobil von der Schweiz aus gestartet sind und nun von Kasachstan aus kommend in Richtung Pamir unterwegs sind. Ich plaudere ausgiebig mit Lydia und Andr\u00e9, bekomme gek\u00fchlten Orangensaft vorgesetzt und zum Abschied sogar noch ein St\u00fcck Schweizer Schokolade aus dem K\u00fchlschrank. Traumhaft! Das ist genau das, was man sich immer vorstellt, wenn mal wieder ein Campingbus vorbeif\u00e4hrt. Bis jetzt ist aber noch niemand stehengeblieben. Stehenbleiben und kurz sich austauschen ist bis auf einen Gro\u00dfteil der Radler aber offenbar generell nicht \u00fcblich. Immer wieder \u00fcberholen, oder begegnen mir Motorradfahrer, aber auch von denen bleibt eigentlich keiner stehen. Ich wei\u00df nicht, ob ich mich daran wirklich gew\u00f6hnen werde. Danke auf alle F\u00e4lle an Lydia und And\u00e9, genauso w\u00fcnscht man sich eine Begegnung mit einem Camper. K\u00fchle Getr\u00e4nke, ein bisschen Infos \u00fcber die Stra\u00dfe und vielleicht noch ein paar Tips am Rande.<br \/>\nNach 220km am S\u00fcdufer des Sees erreiche ich schlie\u00dflich Karakol, f\u00fcr viele Reisende der Ausgangspunkt verschiedenster Treckingrouten in die umliegenden Berge. F\u00fcr mich vorerst nur mal ein Ort zum Ausschnaufen bevor es nach Kasachstan geht. Der Empfehlung von Angie folgend suche ich das Yak Guesthouse auf und schlage dort im Garten mein Zelt auf. \u00dcberall bl\u00fchen Rosen, die Kirschen leuchten rot in den B\u00e4umen und Stachelbeeren scheinen in ein paar Wochen erntereif zu sein. Kurz geduscht und die Radelklamotten gewaschen und schon f\u00fchlt man sich wieder wie ein K\u00f6nig.<br \/>\nDen Ysyk K\u00f6l See werde ich direkt ein wenig vermissen. Ein derart sch\u00f6nes Panorama hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Die Bergketten auf der Nordseite des Sees verschmelzen mit dem Wolkenband dar\u00fcber, stellenweise blitzt der Schnee ein wenig durch. Dunkelblau liegt der See vor einem und wohin man blickt sieht man nur Wasser. Schwer verst\u00e4ndlich, weshalb hier nicht mehr Leute zum urlauben kommen.<br \/>\nBin schon gespannt, was mich auf der anderen Seite der Bergkette erwartet. Bis nach Kasachstan ist es nicht mehr weit. ich denke, in einer Woche werde ich wohl in Almaty sein. Bis dahin liegt wieder viel unbekanntes Terrain vor mir.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 156 &#8211; 06.Juli Bishkek &#8211; 20km hinter Tokmok: 92km; 3:34h im Sattel; 25 &#8211; 30 Grad, Sonne Camping Heute ist der gro\u00dfe Tag. Nach \u00fcber einer Woche Auszeit in Bishkek geht es endlich wieder weiter. 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