{"id":1564,"date":"2014-07-13T17:39:55","date_gmt":"2014-07-13T16:39:55","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1564"},"modified":"2014-07-28T11:09:52","modified_gmt":"2014-07-28T10:09:52","slug":"tag-160-163-willkommen-in-kasachstan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1564","title":{"rendered":"Tag 160 &#8211; 163 : Willkommen in Kasachstan"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 160 &#8211; 10.Juli<\/h2>\n<p>Karakol &#8211; kurz vor Karkara: 94km; 5:10h im Sattel; 21 &#8211; 28 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Sp\u00fcrbar nimmt der Einfluss der Russisch-Orthodoxen Kirche nun zu. Erstes Anzeichen war die sehr imposante Holzkirche in Karakol und dann sieht man auf den Friedh\u00f6fen immer mehr Kreuze auftauchen. Stellenweise gibt es sogar zwei separate Friedh\u00f6fe. Im Gegensatz dazu sieht man nun immer weniger &#8220;Jurten&#8221; auf den Friedh\u00f6fen. Es scheint, als ob sich kulturell mal wieder ein leichter Wandel vollzieht. Ich radle auf einer Nebenstra\u00dfe in Richtung Grenze und bin erstaunt, wieviel Holzh\u00e4user man nun in den D\u00f6rfern findet. Architektonisch h\u00e4tte ich diese Bauart spontan in den Nordwesten Russlands eingeordnet, war also ein wenig \u00fcberrascht, hier in Kirgistan darauf zu treffen. Es ist recht wenig los auf der Stra\u00dfe, aber das hatte ich mir mit der Wahl der Strecke auch erhofft. Der See liegt schon weit hinter mir, ich pedaliere gem\u00fctlich durch recht flaches Terrain. Neben der Stra\u00dfe wird intensiv auf den Feldern gearbeitet, es werden Kartoffeln, Kohl und Getreide angebaut. Die Landwirtschaft ist hier ein gro\u00dfer Wirtschaftsfaktor.<br \/>\nEin wenig \u00fcberrascht war ich, als kurz hinter Boz-Uchuk die Asphaltstra\u00dfe abrupt endete und ich mich nun wieder \u00fcber viele Kilometer mit \u00fcbelster Schotterpiste auseinandersetzen musste. Es galt noch eine H\u00fcgelkette zu \u00fcberwinden und dann stie\u00df die Nebenstra\u00dfe wieder mit der Hauptstra\u00dfe in Richtung Grenze zusammen. In Ak-Chiy stockte ich noch einmal die Gem\u00fcsevorr\u00e4te auf, da laut Karte bis zur Grenze kein richtiges Dorf mehr passiert wird. Die Dorfstra\u00dfe breit wie ein Fu\u00dfballfeld, aber praktisch niemand zu sehen. Der Ort macht einen etwas gespenstigen Eindruck. So \u00fcberraschend wie sonst die Hunde aus den Hauseinfahrten sprinten, so \u00fcberraschend kommen jetzt aber von allen Seiten Kinder auf die Stra\u00dfe gelaufen. &#8220;Tourista, Tourista, hello, hello&#8221; so geht es pausenlos. Bleibt man stehen, verstummen die Rufe sofort und die Kinder schauen mich nur noch ratlos an. Sobald ich mich wieder aufs Rad setzte, geht der Gesang wieder los.<br \/>\nDie Stra\u00dfe hinauf aufs Hochplateau hat den Namen Stra\u00dfe eigentlich nicht wirklich verdient. Mehr eine Anh\u00e4ufung gr\u00f6\u00dferer Steine macht den Anschein, eine Stra\u00dfe zu sein. Mit weit \u00fcber 10% Steigung gehts m\u00fchsam bergauf, daf\u00fcr wird man mit einer traumhaften Landschaft belohnt. Man kommt sich vor, als ob man durch eine Almengegend in den \u00f6sterreichischen Alpen radelt. Immer wieder passiert man ein paar Jurten, K\u00fche und Pferde grasen neben der Schotterpiste und im Hintergrund ragen die Berge schroff in die H\u00f6he. Bei der Abfahrt muss ich diesmal einige Pausen einlegen, weil die Bremsen so hei\u00df werden, dass ihre Wirkung sp\u00fcrbar nachl\u00e4sst. Wieder auf der &#8220;Hauptstra\u00dfe&#8221; angelangt freute ich mich schon auf etwas Asphalt, aber der Wunsch wurde nicht erf\u00fcllt. Es ging holprig weiter.<br \/>\nEigentlich wollte ich heute ja noch nicht \u00fcber die Grenze, nachdem es aber nicht mehr allzu weit bis zur Grenze sein konnte, beschloss ich den \u00dcbertritt doch noch heute zu machen. Kilometerlang radle ich durch unbesiedeltes Gebiet. Ich wundere mich schon, wo hier eine Grenzstation sein soll, mitten im Nirgendwo&#8230; Laut Karte hatte ich die Grenze zu Kasachstan schon hinter mir, doch dann tauchte in der Ferne auch schon der Grenzposten auf. Viel lo\u00df war hier nicht. In den letzten Stunden sind mir vielleicht drei oder vier Autos begegnet. Mehr als eine handvoll Grenz\u00fcbertritte per Tag wird es hier wohl nicht geben. Die Beamten auf beiden Seiten der Grenze sind \u00e4u\u00dferst zuvorkommend, f\u00fcr mich einer der gem\u00fctlichsten Grenz\u00fcbertritte seit Langem. Es wird nach nichts gefragt, das Gep\u00e4ck interessiert auch niemanden, keine Formulare m\u00fcssen ausgef\u00fcllt werden, alles geht erstaunlich schnell. Ein bisschen M\u00fche hatte ich nur mit der Tatsache, dass mein Rad kein Nummernschild hat und der Beamte nun in die f\u00fcr das Nummernschild vorgesehene Spalte nichts eintragen konnte. Kurzerhand bat ich den Beamten, sich von Zustand des Rades selbst zu \u00fcberzeugen und so war das &#8220;Problem&#8221; auch gleich aus der Welt geschafft. F\u00fcr gro\u00dfe Aufregung sorgt es momentan, wenn ich sage, dass ich aus Deutschland komme. So wie es aussieht, hat das Fu\u00dfballinteresse nun doch zugenommen. Ich habe mir sagen lassen, dass Deutschland nun im Finale steht und fast jeder, den ich treffe sieht die Mannschaft auch schon als Sieger. Mal wieder w\u00e4re es nicht von Nachteil, sich im Fu\u00dfballgeschehen ein wenig besser auszukennen&#8230;<br \/>\nEs sind noch ca. 30km bis nach Kegen, dem ersten gr\u00f6\u00dferen Ort nach der Grenze. Geldwechsel an der Grenze? Fehlanzeige. Ich bin froh, zumindest f\u00fcr heute und morgen noch mit Essen ausgestattet zu sein. Gut 10km nach der Grenze beschloss ich dann, den Tag f\u00fcr heute zu beenden. Ein Fluss verl\u00e4uft parallel zur &#8220;Stra\u00dfe&#8221; und so nahm ich gleich die erstbeste Gelegenheit wahr und suchte mir wieder einen dieser traumhaften Zeltpl\u00e4tze, die ich in Kirgistan fast jeden Tag gefunden habe.<\/p>\n<h2>Tag 161 &#8211; 11.Juli<\/h2>\n<p>Kurz vor Karkara &#8211; Saryn Canyon: 98km; 4:42h im Sattel; 25 &#8211; 42 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Heute Nacht war es noch empfindlich kalt geworden. Entsprechend lange dauerte es dann auch, bis das Zelt vollst\u00e4ndig aufgetrocknet war. F\u00fcr die ersten paar Kilometer war wieder Schotterpiste angesagt, doch dann bog ich in die lange Gerade nach Kegen ein und hier erwartete mich feinster Asphalt, leichtes Gef\u00e4lle und dezenter R\u00fcckenwind. Gem\u00fctlich brauste ich durch das platte Land, in Sichtdistanz die Ausl\u00e4ufer der Bergkette, die den Ysyk K\u00f6l See im Norden begrenzen. In Kegen wollte ich eigentlich meine verbliebenen SOM eintauschen, bzw, Geld vom Automaten beheben. Ersteres ist offenbar nur in Almaty m\u00f6glich und f\u00fcr Zweiteres musste ich ganz sch\u00f6n lange anstehen. Wie es scheint hatte der ganze Ort eben erst Visa Karten bekommen und nun wollte jeder testen, wie das Geldbeheben funktioniert. Mit der Geheimhaltung des Pins wurde das aber nicht so eng gesehen. Die Einen hatten den Pin auf den Arm geschrieben, die Anderen hatten ihn auf einem Zettel stehen, im Kopf hatte ihn sicherlich keiner. Viele hatten noch Respekt vor dem Automaten und so kristallisierte sich heraus, dass meist eine Person das Geld f\u00fcr zehn weitere behob. Einfach Pin und gew\u00fcnschten Betrag nach vorne rufen und schon kam man zu seinem Geld. Als ich dann endlich an der Reihe war, wurden meine beiden Karten aus &#8220;technischen Gr\u00fcnden&#8221; nicht angenommen. Um dann doch noch zu Geld zu kommen, musste die Dollar-Reserve angegriffen werden. Bis nach Almaty gibts offenbar keine Gelegenheit zum Geldbeheben mehr. Nun ja, zumindest konnte ich jetzt meine Essensvorr\u00e4te wieder aufstocken, bei Wasser vertraute ich eigentlich auf die mir aus Kirgistan bekannten Brunnen in den D\u00f6rfern, aber da wurde ich zumindest heute entt\u00e4uscht. Die Wasserversorgung in den D\u00f6rfern scheint noch ein Problem zu sein.<br \/>\nMeter um Meter ging es den H\u00fcgel empor, oben angekommen blies mir ein warmes L\u00fcftchen entgegen. Man konnte bereits die Weite Kasachstans erblicken. Nicht nur landschaftlich, sondern auch klimatechnisch tauchte ich nun in eine v\u00f6llig neue Gegend ein. Mit jedem Meter den ich bergab rollte wurde es hei\u00dfer und trockener. Ich lie\u00df die H\u00fcgel hinter mir und fand mich schlie\u00dflich in Mitten einer gigantischen Steppe. In der Ferne konnte man oasenartig ein Dorf mit B\u00e4umen erkennen. Die Stra\u00dfe verlief ohne jedliche Kurve kilometerlang schnurgerade dahin. Dort wo B\u00e4ume wachsen sollte es ja auch Wasser geben. Die einzige Wasserquelle im Dorf war dann aber ein Kanalrohr, das unterhalb der Stra\u00dfe hervorragte. Scheinbar handelte es sich aber wirklich um akzeptables Trinkwasser, weil der Andrang zum Wasserholen doch recht gro\u00df war.<br \/>\nMittags lag die Temperatur im Schatten bei 37 Grad. Auf der Stra\u00dfe lag sie deutlich h\u00f6her und so war ich ganz froh, als sich am fr\u00fchen Nachmittag Regenwolken vor die Sonne schoben. Wie zu erwarten war, regnete es nur in der N\u00e4he der Bergkette n\u00f6rdlich des Ysyk K\u00f6l. Dort sieht man auch noch gr\u00fcne Wiesen und B\u00e4ume, doch nur wenige Kilometer weiter ist alles trocken.<br \/>\nLydia und Andr\u00e9, die zwei Schweizer mit ihrem Campingbus hatten mir ans Herz gelegt, den Saryn Canyon zu besichtigen. Nachdem die Zufahrt dorthin aus meiner Fahrtrichtung nicht angeschrieben ist, hatten sie mir relativ genau geschildert, wie ich dorthin komme. Der Saryn Canyon wird als der kleine Bruder des Grand Canyon gehandelt. Schon von der Hauptstra\u00dfe aus sieht man, wie sich der Fluss tief in die Landschaft eingegraben hat. Doch bevor man zum eigentlichen Canyon kommt, muss man erst noch einmal ordentlich klettern, erst dann kann man auf die 10km Sandpiste einbiegen. Der Saryn Canyon geh\u00f6rt zu den vielen Nationalparks in Kasachstan, daher ist auch Eintritt zu bezahlen. Knapp 700 Tenge, also etwas weniger als 3 EUR sind auf den Tisch zu legen, dann \u00f6ffnet sich der Schranken und der Weg ist frei. Was einem dann erwartet ist wirklich atemberaubend. Die eigentliche Attraktion ist nich der Canyon des Flusses, sondern ein ausgetrockneter Nebenarm, der zum Fluss Saryn hinabf\u00fchrt. Jetzt verstehe ich auch, weshalb die Assoziation mit dem Grand Canyon aufkommt. Das Beste an Allem ist nat\u00fcrlich, dass man mit dem Rad im ehemaligen Flussbett fahren kann und sich so Schritt f\u00fcr Schritt dem eigentlichen Fluss n\u00e4hert. Bizarre Felsformationen s\u00e4umen den Weg. Wind und Wasser haben die Felsw\u00e4nde in beachtlicher Weise bearbeitet. Alle paar Meter muss man stehenbleiben, um die Umgebung zu bewundern.<br \/>\nDer Weg f\u00fchrt direkt hinab zum jetzigen Flusslauf. Dort hatte ich dann auch vor, die Nacht zu verbringen. Die Nationalparkverwaltung r\u00fcstet sich auch hier bereits f\u00fcr anstehende Touristenstr\u00f6me. Es werden H\u00fctten zum \u00dcbernachten gezimmert und Jurten bieten Essensgelegenheiten. F\u00fcr mein Zelt finde ich aber dennoch einen feinen Platz direkt am Fluss. Einer der Arbeiter zeigt mir dann sogar noch den Weg zu einer Frischwasserquelle, sodass die Versorgung mit gutem Wasser ebenfalls gekl\u00e4rt ist. Kurz im Fluss gebadet, die Klamotten gewaschen und zum Trocknen aufgeh\u00e4ngt, der Feierabend kann kommen&#8230; Bei weit \u00fcber 30 Grad Abendtemperatur dauert es dann auch nicht lange, bis alles wieder trocken ist.<br \/>\nImmer wieder kommen kleinere Besuchergruppen zum Fluss und genie\u00dfen die idyllische Atmosph\u00e4re. Roman, ein Fu\u00dfballkommentator aus Moskau, ist von meinem Vorhaben so begeistert, dass er unbedingt davon auf Twitter berichten will. \u00dcber Deutschen Fu\u00dfball wei\u00df er so ziemlich alles. Mal wieder w\u00e4ren Fu\u00dfballkenntnisse nicht von Nachteil. Wir unterhalten uns aber auch so pr\u00e4chtig. Eine Melone wird gek\u00f6pft, wobei ich den Rest behalten darf. Wenn ich dann im Herbst in Moskau bin, habe ich zumindest schon mal eine Telefonnummer&#8230;<br \/>\nDie letzten Besucher verlassen langsam das Flusstal, es scheint, bis auf ein paar Arbeiter bin ich der Einzige, der hier \u00fcbernachtet. So richtig dunkel wird es heute aber nicht. Der Vollmond wirft lange Schatten und die Temperatur liegt immer noch bei knapp 30 Grad. Eine besonders hei\u00dfe Nacht steht bevor.<\/p>\n<h2>Tag 162 &#8211; 12.Juli<\/h2>\n<p>Saryn Canyon &#8211; kurz hinter Janaturmis: 130km; 5:54h im Sattel; 28 &#8211; 45 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>\u00dcber Nacht gab es kaum Abk\u00fchlung. Die Morgentemperaturen lagen auch schon wieder nahe bei 30 Grad. Na, das kann ja heiter werden unter Tags&#8230;<br \/>\nAm Fu\u00df des Canyons war es Fr\u00fchmorgens noch ruhig, der Wasserspiegel des Flusses war \u00fcber Nacht ein wenig gestiegen, offenbar merkt man die Verdunstung unter Tags doch st\u00e4rker als gedacht. Nachdem die Reste der Melone zum Fr\u00fchst\u00fcck verdr\u00fcckt waren, ging es wieder raus aus dem Canyon. Die knapp drei Kilometer hatten es durchaus in sich. Mir ist der Weg gestern gar nicht derart steil vorgekommen. Auf den letzten Metern musste ich dann kapitulieren. Selbst beim Schieben \/ Ziehen des Rades stie\u00df ich an meine Grenzen. Steigungen von 20% da geht einfach nichts mehr&#8230; V\u00f6llig ausser Atem konnte ich noch einmal den Blick \u00fcber den tief eingeschnittenen Canyon genie\u00dfen, ehe ich mich wieder auf die R\u00fcttelpiste in Richtung Hauptstra\u00dfe machte.<br \/>\nEin gutes Gef\u00fchl, wieder Asphalt unter den Reifen zu haben. Dennoch hat sich der Abstecher in den Canyon ausgezahlt. Ohne den freundlichen Hinweis der beiden Schweizer w\u00e4re mir dieses Naturschauspiel verborgen geblieben.<br \/>\nBereits in der Fr\u00fch hatte sich ein recht hei\u00dfer Tag angek\u00fcndigt. Ich nahm jede Gelegenheit wahr und f\u00fcllte meine Wasservorr\u00e4te auf. Zum Gl\u00fcck scheint die Dichte an Wasserquellen nun wieder zuzunehmen.Vorerst gehts noch durch trockenste Steppe, doch nach einem kleinen Anstieg ist der Blick frei auf einen gr\u00fcnen Teppich aus B\u00e4umen, Wiesen und Feldern. Endlich kommt etwas Farbe ins Spiel. Ich hoffe darauf, dass in der vegetationsreichen Ebene die Temperaturen wieder etwas zur\u00fcckgehen. Bei der Mittagspause hatte es bereits 37 Grad im Schatten. Die Temperatur klettert aber stetig nach oben. \u00dcber l\u00e4ngere Zeit zeigt der Bordcomputer 49 Grad an. Sonneneinstrahlung hin oder her, es ist kurz gesagt Schweinehei\u00df! Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem ich kapitulieren muss. Schatten muss her. Schon alleine beim Augenaufschlag hat man den Eindruck, die Augen trocknen aus&#8230; Unter einem gro\u00dfen Baum versuche ich die Zeit verstreichen zu lassen. Sonderlich erholsam ist es bei knapp 40 Grad im Schatten aber auch nicht. F\u00fcr mich ist das heute definitiv der hei\u00dfeste Tag der ganzen Tour. Da war Turkmenistan ja ein Klacks dagegen&#8230; Am sp\u00e4ten Nachmittag wird das Klima wieder etwas angenehmer. Das Trikot noch kurz unters Wasser gehalten und schon gehts wieder weiter. Wie angenehm doch 35 Grad sein k\u00f6nnen.<br \/>\nAls w\u00e4re die Hitze nicht schon wild genug, muss ich mich immer wieder \u00fcber \u00fcbelsten Asphalt \u00e4rgern. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden wird die Stra\u00dfe auf mir bisher unbekannte Weise &#8220;saniert&#8221;. Auf den bestehenden Asphaltbelag wird eine Schicht aus in Bitumen getr\u00e4nktem Splitt aufgetragen, der sich dann offenbar von alleine festfahren soll. Gerade bei den herrschenden Temperaturen eine ziemlich m\u00fchsame Angelegenheit. Erstens muss man sich st\u00e4ndig von umherfliegenden Steinen in Acht nehmen, Zweitens ist der Stra\u00dfenbelag ungeheuer laut und Drittens hat man durch das fast schmelzende Bitumen den Eindruck, regelrecht am Boden festzukleben.<br \/>\nDie Abst\u00e4nde zwischen den D\u00f6rfern werden jetzt immer k\u00fcrzer und der Verkehr nimmt deutlich an Intensit\u00e4t zu. Man sp\u00fcrt schon die N\u00e4he zu Almaty. Wenn nichts dazwischenkommt werde ich morgen am fr\u00fchen Nachmittag in Almaty einrollen. Vorerst gehts aber noch entlang der ziemlich breiten, mit mehrreihigen Baumalleen ges\u00e4umten Hauptstra\u00dfe nach Westen. Ein eigenartiges Gef\u00fchl, am Nachmittag die Sonne im Blickfeld zu haben. Mein Trikot ist am R\u00fccken bereits v\u00f6llig ausgebleicht, wobei die Farbe an der Vorderseite fast noch wie am ersten Tag ist. Ein klares Indiz, dass es eigentlich Richtung Osten geht. Nun ja, erst mal noch nach Almaty und dann ist es vorerst vorbei mit dem Zick-Zack-Kurs in Zentralasien.<br \/>\nIn einer seit l\u00e4ngerer Zeit nicht mehr bestellten Obstplantage direkt neben der Stra\u00dfe finde ich dann noch ein ruhiges Pl\u00e4tzchen f\u00fcr mein Zelt. Flie\u00dfendes Wasser hat der heutige Zeltplatz keines zu bieten, aber daf\u00fcr habe ich mir kurz zuvor noch meinen Wassersack gef\u00fcllt, sodass es zumindest noch eine kalte Dusche gibt. In Mitten von Schilf, kniehohem Gras und alten Obstb\u00e4umen genie\u00dfe ich die letzten Stunden des Tages. Lange h\u00e4lt man es ohne Oberteil nicht mehr aus, nach der hei\u00dfen Nacht gestern habe ich dagegen aber nichts einzuwenden.<\/p>\n<h2>Tag 163 &#8211; 13.Juli<\/h2>\n<p>Kurz hinter Janaturmis &#8211; Almaty: 80km; 3:38h im Sattel; 26 &#8211; 41 Grad, Sonne<br \/>\nWarmshowers<\/p>\n<p>Die gestrige Hitzeerfahrung hatte mir ein wenig zu Denken gegeben. Demnach versuchte ich heute mal einen recht fr\u00fchen Start. Meistens bin ich gegen halb neun, neun auf der Stra\u00dfe, aber heute konnte ich schon um kurz vor sieben die letzten Kilometer in Richtung Almaty in Angriff nehmen. Eine weise Entscheidung, da die Temperaturen zumindest bis um 10 Uhr Vormittags noch recht angenehm waren.<br \/>\nDer Verkehr wurde immer st\u00e4rker und obwohl ich recht gut vorankam, war es keine Freude. Der raue Asphalt lie\u00df den Verkehr noch schneller, weil lauter, erscheinen. Jeder Abschnitt mit glattem Asphalt glich einem Erholungsurlaub. F\u00fcr heute z\u00e4hlte nur noch so fr\u00fch als m\u00f6glich in Almaty ankommen.<br \/>\nVon der mich umgebenden Landschaft sah man ohnehin nicht sonderlich viel, da die Stra\u00dfe beidseitig von dichten Baumreihen ges\u00e4umt war, es hie\u00df also Blick gerade aus richten und fleissig strampeln.<br \/>\nSeit ich mich in Kasachstan befinde, ist mir aufgefallen, dass sich das Auftreten von Mann und Frau gravierend ge\u00e4ndert hat. Seit ein paar Tagen sieht man wieder P\u00e4rchen Hand in Hand gehen. Es werden wieder Zuneigungen ausgetauscht. Klingt vielleicht ein wenig verschroben, aber so etwas f\u00e4llt direkt ins Auge, nachdem Mann und Frau in den letzten Wochen sich sehr neutral gegen\u00fcbergestanden haben.<br \/>\nBereits von Bishkek aus hatte ich Tasman \u00fcber Warmshowers kontaktiert. Er arbeitet als Pilot in Almaty und ist neben Sergej, den ich in der N\u00e4he des Ysyk K\u00f6l Sees getroffen habe, der Einzige, der in Kasachstan \u00fcber Warmshowers Radfahrern Unterkunft bietet. Im Vorfeld war ich schon gewarnt worden, dass Tasman ein ziemliches Energieb\u00fcndel ist und die arbeitsfreien Tage meist auf dem Rad oder in den Bergen verbringt.<br \/>\nIch hatte Gl\u00fcck und Tasman war gerade in Almaty, als ich mich der Stadt n\u00e4herte. F\u00fcr Unterkunft ist also mal gesorgt.<br \/>\nKurz bevor ich die Stadt erreichte war es noch einmal Zeit f\u00fcr einen Energiebackup. Schokoriegel und Softdrinks mussten her. Im Schatten noch kurz ein Nickerchen gemacht und etwas unsanft von einem jungen Typen geweckt, der mir seine Import &#8211; Export Pl\u00e4ne erkl\u00e4rte. Offensichtlich l\u00e4sst sich in Kasachstan viel Geld mit Autoimport machen, deshalb will er nach Deutschland fahren und dort eine Luxuslimousine kaufen. Wie ich ihm dabei helfen kann, wei\u00df ich noch nicht, aber ich hab ihm mal meine Nummer gegeben&#8230; Luxus ist ein gutes Stichwort, den sieht man n\u00e4mlich jetzt immer h\u00e4ufiger. Die Autos werden immer gr\u00f6\u00dfer, neuer und teurer. Was sonst noch auff\u00e4llt wenn man sich der Stadt n\u00e4hert, sind Reklametafeln. In den letzten Wochen sind mir derartige Kaufempfehlungen kein einziges Mal untergekommen. Ich n\u00e4here mich offenbar einer, im Vergleich zu den bisher besuchten St\u00e4dten der &#8220;Stan-L\u00e4nder&#8221;, sehr weit entwickelten Stadt.<br \/>\nDrei Stunden vor meiner vereinbarten Ankunft stand ich dann vor Tasmans Apartmentblock.<br \/>\nViel Zeit zum Erholen blieb wirklich nicht. Gleich zu Beginn wurde gekl\u00e4rt, dass es morgen in die Berge geht. \u00dcbermorgen muss er dann wieder arbeiten, f\u00fcr mich also die Gelegenheit, ein wenig auszuspannen. Aber f\u00fcrs Erste freue ich mich eigentlich schon auf ein wenig Bergsteigen in den nahe gelegenen Bergen.<br \/>\nNachdem er einer der wenigen Warmshower Gastgeber ist, kommen bei ihm j\u00e4hrlich ziemlich viele Radler unter und er gibt f\u00fcr jeden seiner G\u00e4ste alles&#8230; Entweder er schleppt sie in die Berge, oder er geht mit ihnen Radfahren, oder er begleitet sie ein paar Tage aus der Stadt. Das indisch-franz\u00f6sische P\u00e4rchen, dass wir auf dem Weg zum Song K\u00f6l See getroffen hatten, war ebenfalls ein paar Tage bei ihm. Franzi und Jona konnten leider nicht bei ihm unterkommen, weil er vor ein paar Tagen noch in Europa war. Heike, deren Blog ich immer noch parallel verfolge wollte eigentlich auch bei ihm unterkommen, hat sich aber noch nicht bei ihm gemeldet.<br \/>\nDass die Welt wirklich klein ist, zeigt sich beim Gespr\u00e4ch \u00fcber Tajikistan. Veronique hatte mir ja erz\u00e4hlt, dass sie sich wegen eines Typen in Almaty nach Dushanbe hatte versetzen lassen. Nun stellt sich heraus, dass eben dieser Typ einer des besten Freunde von Tasman ist, nachdem Veronique die Beziehung mit ihm aber unsch\u00f6n beendet hat, ist Tasman nicht sonderlich gut auf sie zu sprechen. So, genug getratscht&#8230;<br \/>\nMeine Route zur\u00fcck zur Chinesischen Grenze haben wir dann auch gleich fixiert. Ich hatte eigentlich vor, der n\u00f6rdlich verlaufenden Hauptstra\u00dfe zu folgen, da auf meiner Karte keine alternative Strecke zu finden war, aber da hatte ich nicht mit Tasman gerechnet. Der zauberte gleich eine auf Google Maps markierte Strecke aus dem Hut, die \u00fcber ein landschaftlich sehr reizvolles Plateau f\u00fchren soll. Wird sicher nicht der einfachste Weg, aber gegen\u00fcber 400km &#8220;Autobahn&#8221; ziehe ich die landschaftlich reizvollere Strecke gerne vor.<br \/>\nMeine Weiterreise nach China werde ich wohl um einen Tag nach hinten verschieben. Almaty m\u00f6chte ich ja auch noch sehen. Jetzt gehts aber erst mal in die Berge, danach ist Sightseeing angesagt und dann wird sich zeigen, ob noch ein Ruhetag mehr notwendig ist, bevor es endlich wieder gen Osten geht. Es bleibt spannend&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 160 &#8211; 10.Juli Karakol &#8211; kurz vor Karkara: 94km; 5:10h im Sattel; 21 &#8211; 28 Grad, Sonne Camping Sp\u00fcrbar nimmt der Einfluss der Russisch-Orthodoxen Kirche nun zu. Erstes Anzeichen war die sehr imposante Holzkirche in Karakol und dann sieht man auf den Friedh\u00f6fen immer mehr Kreuze auftauchen. 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