{"id":1649,"date":"2014-07-22T11:38:51","date_gmt":"2014-07-22T10:38:51","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1649"},"modified":"2015-01-27T12:48:33","modified_gmt":"2015-01-27T10:48:33","slug":"tag-166-171-ein-steiniger-weg-nach-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1649","title":{"rendered":"Tag 166 &#8211; 171: Ein steiniger Weg nach China"},"content":{"rendered":"<h2>16.Juli &#8211; Tag 166<\/h2>\n<p>Almaty &#8211; 5km hinter der Nationalparkschranke zum Issyk Tal: 78km; 3:54h im Sattel; 25 &#8211; 32 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Mein Gastgeber musste gestern Abend nach Peking fliegen, doch gro\u00dfz\u00fcgigerweise durfte ich in seiner Wohnung bleiben. Es gab mal wieder einiges zu organisieren, bevor es wirklich losgehen konnte. Ein Kettenwechsel war mal wieder dringend notwendig und der Befestigungshaken meiner vorderen Packtasche musste auch ausgetauscht werden. Meine Behelfskonstruktion aus Alu-Draht h\u00e4lt dem intensiven Sch\u00fctteln nicht wirklich stand, weshalb ich es jetzt mal mit einem Stahl-Draht versuche.<br \/>\nIch bin ja in Wien mit insgesamt drei Ketten gestartet. Alle waren jetzt zweimal drauf und nun steht der dritte Durchgang an. Bin gespannt, wie weit mich Kette und Kassette noch tragen. Die Kettendehnung ist eigentlich schon an einem Punkt an dem man die Kette durch eine neue ersetzen sollte. Nachdem ich aber ohnehin noch eine Kassette im Gep\u00e4ck habe, fahre ich jetzt mal so lange, bis wirklich nichts mehr geht. Ein wenig Sorge bereitete mir ja meine Lichtanlage, die nun v\u00f6llig den Geist aufgegeben hat. Immerhin bekam ich vom Hersteller eine positive R\u00fcckmeldung. Nach einem Telefonat mit Busch und M\u00fcller darf ich mich auf ein Austauschger\u00e4t freuen. In Korea bekomme ich ja Besuch aus \u00d6sterreich und bei dieser Gelegenheit wird dann auch das Licht durch ein neues ersetzt. Zumindest f\u00fcr die Herbst- und Wintertage gibts dann wieder ordentliches Licht.<br \/>\nGegen 14 Uhr konnte ich dann endlich starten. Vorsorglich tauschte ich in Almaty noch ein wenig Geld in Chinesische Yen, sodass ich beim Grenz\u00fcbertritt nicht wieder ewig nach einem Automaten suchen muss. Ich m\u00f6chte n\u00e4mlich eigentlich den weniger frequentierten Grenz\u00fcbertritt etwas weiter im S\u00fcden ansteuern. So wie es aussieht, ist da im Umkreis von einigen Kilometern mit keinem Dorf zu rechnen.<br \/>\nNun gut, der Geldbeutel ist wieder gef\u00fcllt, es kann losgehen. Ich w\u00e4hle diesmal nicht die Hauptstra\u00dfe, sondern bleibe auf der Nebenstra\u00dfe, die relativ nahe an den, dem Bergmassiv vorgelagerten H\u00fcgeln verl\u00e4uft. Zu meiner gro\u00dfen \u00dcberraschung erwartete mich allerbester Asphalt und ziemlich wenig Verkehr. Nach gut einer Stunde Fahrt bekam ich dann Gesellschaft von einem 19 j\u00e4hrigen Kasachen, der mich die ganze Zeit mit Fragen l\u00f6cherte. Streckenweise kam ich dabei ziemlich ausser Puste, nachdem es immer wieder bergauf ging. Auf die Stra\u00dfe konzentrieren, das Rad den Berg hochhiefen und dabei sich noch darauf konzentrieren, was der Bursche neben mir meinen k\u00f6nnte, war diesmal schon direkt eine Herausforderung. Wir radelten gut 5km gemeinsam, dann drehte er wieder ab, allerdings nicht ohne zuvor noch gut 20 Fotos mit seinem IPhone geschossen zu haben.<br \/>\nDie Strecke auf der ich mich jetzt befand war um Grade sch\u00f6ner, als jene bei der Hinfahrt. Der Blick auf die Berge war frei, hin und wieder ging es durch ein Dorf und nur selten kam ein Auto vorbei. Meine Essensvorr\u00e4te stockte ich diesmal erst in Issyk auf. Nachdem von Almaty aus regelm\u00e4\u00dfig Busse dorthin fahren hatte ich mit einer einigerma\u00dfen gro\u00dfen Infrastruktur gerechnet. Ich wurde auch nicht entt\u00e4uscht. Die Packtaschen wurden wieder mal f\u00fcr ca. drei Tage mit Essen und Trinken gef\u00fcllt und weiter ging die lustige Fahrt. Die Temperaturen lagen heute in einem sehr angenehmen Bereich, vom Dauerschwitzen wie bei der Hinfahrt keine Spur mehr.<br \/>\nTasman hatte mir den Weg zum Issyk Plateau recht gut beschrieben, und so war es ein Leichtes, die richtige Abzweigung zu finden. Es ging immer noch auf Asphalt weiter, einem Bach folgend direkt hinein in die d\u00fcnn bewaldeten H\u00fcgel. Nach gut 5km mussten 400 Tenge &#8220;Eintrittsgeld&#8221; bezahlt werden. Scheinbar ist das Tal hier auch so etwas wie ein Nationalpark. Auf mich wirkte es aber eher so wie ein Freizeit- und Erholungsressort. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Picknickpl\u00e4tze neben der Stra\u00dfe, recht viele Jurten, die Kimiz und andere Pferdeprodukte verkauften, hie und da ein Restaurant. Landschaftlich hatte das Tal aber auch einiges zu bieten. Es war eine Freude, am Fluss entlangzuradeln, der sich stetig windenden Stra\u00dfe zu folgen und immer tiefer in die immer h\u00f6her werdenden H\u00fcgel einzutauchen.<br \/>\nEin netter Zeltplatz war schnell gefunden und ich hatte f\u00fcr morgen schon mal eine gute Ausgangsposition, um auf das Plateau zu kommen. Zelten in direkter N\u00e4he zu einem Bach hat immer ziemlich viele Vorteile. Man kann Trinkwasser sparen, muss sich keine Gedanken \u00fcber das Geschirrsp\u00fclen machen und hat gleichzeitig auch noch eine feine Waschgelegenheit.<\/p>\n<h2>17.Juli &#8211; Tag 167<\/h2>\n<p>5km hinter der Nationalparkschranke zum Issyk Tal &#8211; 3km hinter Gipfel Issyk Plateau \/ Turgen: 32km; 3:24h im Sattel; 14 &#8211; 22 Grad, wolkig<br \/>\nprivater Gastgeber<\/p>\n<p>Almaty liegt auf ca. 900m Seeh\u00f6he. Nachts war es die letzten Tage immer noch ziemlich hei\u00df. Jetzt befinde ich mich auf knapp 1200m und man braucht schon den Schlafsack, um Nachts nicht zu frieren. Schon erstaunlich was ein paar Kilometer Ortsver\u00e4nderung so ausmachen k\u00f6nnen. Die Sonne lie\u00df sich heute Morgen nur f\u00fcr ein paar Minuten blicken, doch f\u00fcr den bevorstehenden Aufstieg zum Plateau war ich ohnehin \u00fcber etwas mehr Schatten ganz froh. Ich durfte noch gut 15km eine frisch asphaltierte Stra\u00dfe genie\u00dfen, die sich parallel zum immer steiler abfallenden Fluss emporschl\u00e4ngelte. Es ging durch dichten Mischwald, bisher eine Seltenheit. Bis auf ein paar Bauarbeiter, die die vorhandenen Br\u00fccken f\u00fcr eine Verbreiterung vorbereiteten begegnete mir keine Menschenseele. Ich hatte die Ruhe gefunden, nach der ich gesucht hatte. Die Stra\u00dfe wurde immer schm\u00e4ler bis ich schlie\u00dflich eine Gabelung erreichte und nach links auf die Schotterstra\u00dfe abbog. Von nun an ging es einige Kilometer enorm steil bergauf. Tasman hatte mich bereits vorgewarnt und obwohl ich ihm nicht ganz Glauben geschenkt hatte, musste ich mehr als einmal vom Rad, um die Steigung zu bew\u00e4ltigen. Vor allem der lose Untergrund machte mir zu schaffen und ein paar Mal fiel ich wieder vom Rad. Zum Gl\u00fcck aber ohne nennenswerte Blessuren.<br \/>\nIm Nachbartal konnte man eine dichte Regenfront erkennen. Ich hoffte nur, dass die Regenwolken auch dort blieben. Nach einiger Zeit wurde die Steigung wieder etwas moderater und ich konnte die Fahrt hoch zum Gipfel richtig genie\u00dfen. Tasman hatte nicht zuviel versprochen. Landschaftlich war die Strecke wirklich ein Traum. Kurz bevor ich den Gipfel erreichte rissen die Regenwolken im Nachbartal auf und gaben den Blick frei auf die herrlich frisch eingeschneiten Berggipfel. Ein faszinierendes Bild. Frischer Schnee bedeutet aber auch recht tiefe Temperaturen und das konnte ich auch hier sp\u00fcren. Bei 14 Grad, bedecktem Himmel und leichtem Wind fr\u00f6stelt man schon mal, wenn man auf 2580m steht. Der Blick war frei auf das vor mir liegende Plateau. Mich erwartete ab jetzt nur noch Downhill. Zum Mittagessen war es mir auf dem Gipfelplateau doch zu kalt und somit startete ich gleich mal die Abfahrt.<br \/>\nNach gut 3km war dann aber Schluss. Ein furchtbares Krachen am Hinterrad brachte mich zum Stillstand. Vermutlich hatte sich ein Ast verfangen, auf alle F\u00e4lle wurde das Schaltwerk in die Speichen gezogen. Teile waren abgebrochen, Teile ziemlich verbogen, doch was am meisten Sorge bereitete war, dass das Schaltwerk selbst ebenfalls ordentlich verbogen war. Was tun, her im Nirgendwo? Gut eine Stunde werkte ich am Schaltwerk und schaffte es schlie\u00dflich zumindest wieder 7 G\u00e4nge von 9 zum Leben zu erwecken. Ideal war diese Behelfskonstruktion nicht wirklich, also beschloss ich wohl oder \u00fcbel, den R\u00fcckweg nach Almaty anzutreten, um dort Ersatz f\u00fcr das Schaltwerk zu bekommen. Mir war ziemlich schnell klar, dass dies wirklich ein ernsthaftes Problem darstellt und ich war mir sicher, dass ich mit diesem Schaltwerk nicht bis zur chinesischen Grenze kommen werde. Und ich sollte Recht behalten. Nach nur 500m riss das Schaltwerk dann ganz ab. Nun war es also soweit, das Rad war nicht mehr fahrbereit. Das,wovor ich immer Angst hatte, war nun eingetreten. Kein Schaltwerk abseits von jeglicher Zivilisation&#8230; H\u00e4tte ich nur mal ein Ersatzteil eingepackt.<br \/>\nIch \u00fcberlegte kurz, ob ich auf Eingang-Betrieb umstellen und dazu die Kette entsprechend k\u00fcrzen soll, doch nachdem es gut 100km bis Almaty waren, setzte ich eher auf eine Mitfahrgelegenheit. Ich war heilfroh, dass ich kein Gel\u00fcbde abgelegt hatte, motorisierten Verkehr zu vermeiden. Chris, den ich in Dushanbe kennengelernt hatte, hat sich ja auf die Fahnen geschrieben niemals in ein Auto, oder einen Bus einzusteigen. Ich bin bisher ja auch ohne fremde Hilfe ausgekommen, aber jetzt war es soweit. Um die Chance auf eine Mitfahrgelegenheit zu erh\u00f6hen, marschierte ich wieder zur\u00fcck zum Gipfel, da sich hier drei &#8220;Stra\u00dfen&#8221; trafen. Ich stellte mich auf eine l\u00e4ngere Wartezeit ein, da mir heute insgesamt vielleicht nur f\u00fcnf Autos begegnet waren. Der Hunger machte sich schon langsam bemerkbar, doch den Kocher wollte ich nicht anwerfen, da dies nur hinderlich sein w\u00fcrde, wenn jemand anh\u00e4lt. Wie durch ein Wunder tauchte nach nur f\u00fcnf Minuten ein Kleinbus auf. Nikolai war mit seinen drei Freunden f\u00fcr drei Tage beim Angeln gewesen und ist nun auf dem R\u00fcckweg nach Turgen. Im Bus war ausreichend Platz f\u00fcr meine Taschen und das Rad. Bevor es losging aber erst noch einen Schluck Wein. Hm, das auf n\u00fcchternen Magen&#8230; Na gut.<br \/>\nIm Bus wurde nur Russisch gesprochen und ich versuchte so gut es geht meine Geschichte zu erz\u00e4hlen. Es war schon sp\u00e4ter Nachmittag, also standen die Chancen nicht sonderlich gut, dass ich noch heute mein Ersatzteil in Almaty bekomme. Ich ging daher dankend auf Nikolais Angebot ein, heute bei ihm zu \u00fcbernachten, da er morgen ohnehin nach Almaty zur Arbeit muss. Der Tag nahm eine \u00e4u\u00dferst positive Wendung.<br \/>\nNikolai arbeitet als Sicherheitsbeamter in einer Bank, lebt aber mit seiner Gro\u00dfmutter im knapp 70km entfernten Turgen. Ein kleines H\u00e4uschen mit gro\u00dfem r\u00fcckseitigen Garten, eine Kuh und zahlreiche Obstb\u00e4ume versorgen sie mit dem Notwendigsten. Arbeit ist f\u00fcr ihn nur notwendiges \u00dcbel, am liebsten ist er so oft es geht in den Bergen. Als passionierter J\u00e4ger in vierter Generation zeigt er mir ganz stolz einige seiner Troph\u00e4en. Offenbar haben aber viel zu viele Freizeitj\u00e4ger die Best\u00e4nde in den nahegelegenen Bergen derart reduziert, dass praktisch kein Tier mehr zu sichten ist.<br \/>\nNach ein paar weiteren Gl\u00e4schen Wein &#8211; am Ortsrand von Turgen hat ein Franzose einen Weingarten &#8211; kam dann ein Teil der Beute der letzten drei Tage in die Pfanne. Frisch gebackener Fisch, was will man mehr? Vielleicht noch russische Sauna als Draufgabe? Ja, so ist es&#8230; Nikolai hatte direkt nach unserer Ankunft den Saunaofen angefeuert und jetzt hie\u00df es schwitzen. Russische Sauna war mir bisher nur vom H\u00f6hrensagen ein Begriff. Nikolai taucht einen Buschen getrocknetes Eichenlaub den Wasserbottich und bearbeitet mich damit auf Vorder- und R\u00fcckseite. Nach zwei Durchg\u00e4ngen ist f\u00fcr mich Schluss. Ich habe das Gef\u00fchl, am ganzen K\u00f6rper Verbrennungen zu haben und gleichzeitig f\u00fchle ich mich total entspannt. Die Sorgen \u00fcber das gerissene Schaltwerk sind erst einmal weit weg. Der morgige Tag wird schon eine L\u00f6sung bringen&#8230;<br \/>\nDie Herzlichkeit mit der mich Nikolai und seine Gro\u00dfmutter empfangen ist \u00fcberw\u00e4ltigend und ich wundere mich selbst dar\u00fcber, wie man praktisch ohne Russischkenntnisse trotzdem einen ganzen Abend \u00fcber Gott und die Welt diskutieren kann.<\/p>\n<h2>18.Juli &#8211; Tag 168<\/h2>\n<p>Almaty \/ Issyk &#8211; Gipfel Issyk Plateau: 50km; 4:31h im Sattel; 14 &#8211; 32 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Der fr\u00fche Vogel f\u00e4ngt den Wurm&#8230; ganz so fr\u00fch h\u00e4tte es meinetwegen aber nicht sein m\u00fcssen. Bereits um 4 Uhr waren Nikolai und seine Gro\u00dfmutter auf den Beinen und bereiteten sich f\u00fcr den Start in den Tag vor. Kurz vor 5 Uhr verlie\u00df ich dann gemeinsam mit Nikolai, noch etwas schlaftrunken das Haus. Der fr\u00fche Start ist f\u00fcr Nikolai notwendig, da er die 70km bis nach Almaty stets per Mitfahrgelegenheit zur\u00fccklegt und daher ein exaktes Zeitmanagement nicht so leicht m\u00f6glich ist. Heute scheint mein Gl\u00fcckstag zu sein. Gleich das erste Auto bleibt stehen und hat auch noch genug Platz, um Rad samt Gep\u00e4ck mit aufzunehmen. Die aufgehende Sonne im R\u00fccken brausen wir nun in Richtung Almaty. Einen gr\u00f6\u00dferen Zufall kann man sich wohl nicht vorstellen. Nikolais Arbeitsstelle ist nur gut 500m Luftlinie von Tasmans Appartement entfernt und ein Fahrradladen ist in Sichtdistanz von der Bank.<br \/>\nErst einmal hei\u00dft es aber WARTEN. Um kurz nach 6 Uhr waren wir in der Bank, Schichtbeginn f\u00fcr Nikolai um halb 8, der Radladen \u00f6ffnet aber erst um 10 Uhr&#8230; Nun gut, ich kann ja sonst eh nirgendwo hin, also warte ich vor dem Fahrradladen. Kurz vor 10 kommt der erste Mitarbeiter angeradelt. Gibts das passende Schaltwerk? Kasachstan ist ja angeblich das erste Land seit dem Iran, in dem man wieder qualitative Ersatzteile bekommt. Das Ger\u00fccht scheint sich zu bewahrheiten. Die Auswahl im Laden ist erstaunlich gro\u00df. Meine Gl\u00fccksstr\u00e4hne scheint anzuhalten. Es gibt zwar kein LX Schaltwerk, daf\u00fcr aber eines aus der XT Serie. Upgraden hat ja noch nie geschadet&#8230;<br \/>\nMan kann ja nicht dauernd Gl\u00fcck haben&#8230; auf dem Weg zum Bankautomaten st\u00fcrze ich ungl\u00fccklich von der Treppe und lande unsanft auf Knien und Handballen im Schotter. Eieiei, das wird mich wohl noch l\u00e4ngere Zeit besch\u00e4ftigen. Jetzt bin ich fast ein halbes Jahr sturzfrei durch die Welt geradelt und dann falle ich steif wie ein Stock von der Treppe&#8230; Keine Zeit, sich lange zu \u00e4rgern, das Schaltwerk muss eingebaut werden und dann solls auch schon wieder weitergehen. F\u00fcr ein wenig Verwirrung sorgt, dass die G\u00e4nge nun in umgekehrter Richtung geschalten werden. Daran muss ich mich wohl noch ein wenig gew\u00f6hnen, aber sonst schein alles zu passen.<br \/>\nNachdem ich praktisch ums Eck von Tasman bin, denke ich , dass ein kurzer Anruf nicht schaden kann. Vielleicht hat er ja Lust, mich aufs Plateau zu begleiten. Und wie es der Zufall so will, ist er gerade heimgekommen und hat nun zwei Tage frei. In nur 20min ist alles notwendige gepackt und wir radeln gemeinsam zum Busbahnhof. Die Strecke bis Issyk will ich jetzt wirklich nicht mehr mit dem Rad fahren.<br \/>\nIn einem ehemaligen franz\u00f6sischen Reisebus geht es zur\u00fcck nach Issyk. Eine willkommene Gelegenheit, ein wenig Schlaf nachzuholen. Der Rest des Tages wird anstrengend genug werden. Obwohl wir erst um kurz vor 15 Uhr in Issyk auf die R\u00e4der steigen, wollen wir noch versuchen, es bis zum Gipfel zu schaffen. Kein leichtes Unterfangen, aber es gilt, ein wenig Zeit gutzumachen. Tasman ist nur mit einem leichten Rucksack ausgestattet und f\u00e4hrt meist ausser Sichtweite vor mir her, ich hechle hinterher. Die Strecke kenne ich jetzt ja schon, bin sie ja erst einen Tag zuvor gefahren. Einziger Unterschied, heute scheint die Sonne und taucht das Tal noch einmal in ein sch\u00f6neres Licht. Der \u00c4rger \u00fcber das defekte Schaltwerk ist bereits verflogen und ich freue mich auf die vor mir liegende Strecke. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, dass ich die Strecke gefahren bin. Vermutlich, weil doch einiges passiert ist in den Stunden, die dazwischen liegen.<br \/>\nIssyk Plateau zum Zweiten&#8230; es kann losgehen. Die wirklich steilen St\u00fccke kenne ich jetzt ja schon und kann rechtzeitig vom Rad absteigen. Heute wird nicht mehr vorm Rad gefallen!<br \/>\nEs ist deutlich mehr Verkehr, was wohl am bevorstehende Wochenende liegt. Auf der unbefestigten Stra\u00dfe wird es jetzt stellenweise recht eng. Wir lassen uns davon aber nicht aus der Ruhe bringen und klettern weiterhin bergauf. Dem Luxus des Sonnenuntergangs entgehen wir leider um knapp 20 Minuten, aber auch so ist das Panorama auf dem Gipfel traumhaft. Die untergehende Sonne taucht die umliegenden Berge in ein feuriges Rot. Heute gibt es mal wieder einen Schlafplatz mit Traumpaorama&#8230; Schnell das Zelt aufstellen, weil es schon wieder recht frisch wird. Es dauert nicht lange und schon haben wir nur noch 4 Grad. Es ist schon dunkel und immer noch kommen Autos aufs Plateau gefahren. Wenn das so weitergeht, gibt es morgen noch Verkehrsstau auf dem Plateau.<br \/>\nIch freue mich jetzt schon auf die vor mir liegende Strecke. Ich hoffe, dass ich mich nicht grundlos ein zweites Mal auf knapp 2600m geschleppt habe.<\/p>\n<h2>19.Juli &#8211; Tag 169<\/h2>\n<p>Gipfel Issyk Plateau &#8211; kurz vor Kokpek: 68km; 5:56h im Sattel; 19 &#8211; 27 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Heute Nacht waren wir nicht die Einzigen, die direkt am Gipfel \u00fcbernachtet hatten. Fr\u00fchmorgens standen noch ein paar Autos in unserer N\u00e4he, nach Sonnenaufgang waren diese aber schon wieder verschwunden. Zeltpl\u00e4tze mit einem derart guten Blick wie den heutigen findet man wirklich nicht oft. Nur ein Fl\u00fcsschen in der N\u00e4he h\u00e4tte die Situation noch besser machen k\u00f6nnen. Die morgendlichen Wolken verzogen sich auch bald und schon wurde es wieder angenehm warm. Das Plateau lag vor uns und wir starteten erst einmal in eine leichte Abfahrt. Meist auf Erdpisten ging es parallel zum Flusslauf gem\u00fctlich dahin. Nach und nach kamen dann immer wieder kurze Gegenanstiege, die sich gewaschen hatten. Aber im Hinterkopf blieb stets, dass wir in Summe wieder auf knapp 1000m hinabradeln.<br \/>\nNur wenige verstreute Jurten finden sich auf dem Plateau. Manche finden weit oben in den zu beiden Seiten aufragenden Bergketten. Viele K\u00fche, Schafe und Pferde weiden am Plateau. Immer wieder vernimmt man das Pfeifger\u00e4usch der Murmeltiere, die so vor Gefahr warnen. Einige der Artgenossen sind aber nicht mehr so schreckhaft und bleiben recht lange vor ihrem Erdloch sitzen. N\u00e4her als bis auf zehn Meter kommt man aber nicht heran. Blitzschnell sind dann auch die furchtlosesten in ihrem Bau verschwunden.<br \/>\nEin bisschen f\u00e4hrt die Angst \u00fcber einen m\u00f6glichen technischen Defekt noch mit, aber das Vertrauen zum Rad steigt wieder. Tasman ist relativ oft hier in der Gegend, da er &#8211; solange es seine Arbeit zul\u00e4sst &#8211; seine G\u00e4ste h\u00e4ufig aufs Plateau begleitet. Bei seinem letzten Ausflug hatte er bei einer Nomadenfamilie in deren Jurte \u00fcbernachtet und wollte nun einige Fotos, die er damals gemacht hatte, vorbeibringen. Eigentlich h\u00e4tte ich seine Bilder abliefern sollen, aber wenn er jetzt schon mit dabei ist, kann er es ja selbst \u00fcbernehmen. Die Freude \u00fcber die Bilder war gro\u00df. Zum Gl\u00fcck hatte Tasman ziemlich viele Bilder entwickeln lassen, da nun jeder aus der recht gro\u00dfen Familie ein Bild in H\u00e4nden halten konnte. Nur wenige Kilometer weiter gab es noch einmal die Gelegenheit, Bilder abzuliefern. Diesmal war es eine Familie, bei der er vor drei Jahren war. Es dauerte ein wenig, bis sie sich an ihn erinnerten, aber dann wurden wir sehr herzlich zu Tee, Brot, Marmelade und Schlussendlich noch frisch gefangenen Fisch eingeladen. \u00dcber das Mittagessen brauchte man sich heute also keine Sorgen machen.<br \/>\nLandschaftlich geh\u00f6rt das Issyk Plateau mit zu den sch\u00f6nsten Gegenden der letzten Wochen. Man muss allerdings sagen, dass die Landschaftsformationen sehr \u00e4hnlich denen in Kirgistan sind. Wir verlassen langsam das Plateau und tauchen in ein neues Tal ein. Die Landschaft ver\u00e4ndert sich, wird rauer und wirkt anfangs sogar ein wenig alpin. Der Fluss, der uns die ganze Zeit am Plateau begleitet hat, flie\u00dft nun tief unter uns in einer eng eingeschnittenen Schlucht. In der Ferne erkennt man schon das zweite Plateau, auf das wir heute noch radeln m\u00fcssen. Erst einmal geht es aber noch steil bergab. Die Bremsen leisten Schwerstarbeit, stellenweise geht es mit bis zu 20% bergab. Im Tal angekommen, k\u00f6nnen wir die Wasservorr\u00e4te noch einmal auff\u00fcllen, dann steht der letzte Anstieg bevor. Die Felsformationen erinnern nun stellenweise an den Sharyn Canyon. Vom Wind stark erodiertes, rotes Gestein ragt steil empor.<br \/>\n400 H\u00f6henmeter m\u00fcssen noch \u00fcberwunden werden, dann geht es nur noch bergab. Die letzten 200 hatten es dann wirklich in sich. An radeln war nicht mehr zu denken, die Steigung war jenseits des Fahrbaren. Auch Tasman mit seinem leicht bepackten Rad musste kapitulieren und wohl oder \u00fcbel das Rad schieben. Ein Spaziergang ist die Fahrt \u00fcber das Issyk Plateau nicht, daf\u00fcr wird man aber mit faszinierenden Landschaftseindr\u00fccken belohnt. Die Szenerie ver\u00e4ndert sich st\u00fcndlich.<br \/>\nAuch der steilste Anstieg ist irgendwann erklommen und so werden auch wir nach viel Schwei\u00df und Flucherei mit einem Spitzenblick in Richtung Kasachischer Steppe belohnt. Hinter uns braut sich zur Abwechslung mal wieder ein Gewitter zusammen, doch wir hoffen darauf, dass sich die Wolken am Plateau festsetzen. Starker R\u00fcckenwind treibt uns in Richtung See. Ein faszinierender Blick von hier oben. Man kann in etwa sehen, wo der Saryn Canyon liegt, einen Gro\u00dfteil der Strecke, die ich auf dem Weg nach Almaty zur\u00fcckgelegt habe, erkennt man von hier oben. Nun hei\u00dft es langsam, sich von den Bergen zu verabschieden. Die schier endlos weite Steppe liegt unter uns und dorthin geht es jetzt.<br \/>\nDas, wor\u00fcber sich manch Mountainbiker sicher freuen w\u00fcrde, bereitet mir ordentliche Probleme. Die Abfahrt ist grenzwertig Steil und meine H\u00e4nde werden vom intensiven Bremsen schon fast taub. Immer wieder hei\u00dft es Pause einlegen, um wieder Gef\u00fchl in den H\u00e4nden zu bekommen. Bis auf ein paar Regentropfen entkommen wir gl\u00fccklicherweise dem Gewitter. Am See angekommen bietet sich ein erstaunliches Schauspiel. Es wirkt, als ob der See dampfen w\u00fcrde. Dunstschleier liegen \u00fcber der Wasseroberfl\u00e4che und der Wind treibt den Dunst weit empor. Von einem See zu sprechen ist vielleicht ein wenig \u00fcbertrieben. So wie es den Anschein hat, handelt es sich eher um ein Wasserreservoir, das aber nur noch sehr wenig Wasser h\u00e4lt.<br \/>\nObwohl uns der starke R\u00fcckenwind problemlos in Richtung Kokleg treiben w\u00fcrde, beschlie\u00dfe ich in Sichtweite zum See mein Zelt aufzuschlagen. Der heutige Tag war hart genug und ich sehne mich nur noch nach einem ruhigen Zeltplatz abseits der Hauptstra\u00dfe. Tasman muss heute noch zur\u00fcck nach Almaty, es ist also Zeit sich zu verabschieden. Ich habe es keine Sekunde bereut, den Weg zum Issyk Plateau zweimal angetreten zu haben. Ohne diesen Abstecher w\u00e4re mir Kasachstan wohl nur als ein Land mit viel Steppe in Erinnerung geblieben.<br \/>\nZum ersten Mal muss ich heute mein Zelt bei sturmartigen Verh\u00e4ltnissen aufbauen. Keine leichte Angelegenheit, wenn man alleine versucht, die Zeltstangen einzuf\u00e4deln und gleichzeitig das Zelt vor dem Davonfliegen bewahren will. Nach l\u00e4ngerem Kampf mit dem Wind steht das Zelt aber und ich kann mich im Inneren vor dem immer st\u00e4rker werdenden Wind verkriechen.<\/p>\n<h2>20.Juli &#8211; Tag 170<\/h2>\n<p>Kurz vor Kokpek &#8211; kurz vor Taskarasu: 113km; 5:34h im Sattel; 27 &#8211; 40 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Heute Morgen br\u00fctete ich lange \u00fcber der Stra\u00dfenkarte von China. Ich muss mich entscheiden, welchen Grenz\u00fcbergang ich nehmen werde. An sich wollte ich ja den weniger stark frequentierten \u00dcbergang w\u00e4hlen, aber nachdem doch einiges an Strecke vor mir liegt, entschlie\u00dfe ich mich, bei Khorgos \u00fcber die Grenze zu gehen und dann auf schnellstem Weg nach Urumqui zu radeln. Mein Ziel w\u00e4re, im ersten Monat so weit als m\u00f6glich zu kommen, damit ich nach der Visaverl\u00e4ngerung noch etwas Spielraum nach hinten habe. Die wohl etwas zeitintensivere Strecke \u00fcber die Berge nach Urumqui lasse ich nun doch bleiben. Ich werde mich also mal wieder auf die Seidenstra\u00dfe begeben und mich \u00fcberraschen lassen, was mich in China erwartet. Woher diese gro\u00dfe Unsicherheit bez\u00fcglich eines Landes r\u00fchrt ist mir auch nicht ganz klar. Von allen bisher bereisten L\u00e4ndern hatte ich zumindest eine grobe Vorstellung. China ist eine einzig gro\u00dfe Unbekannte. Mag sein, dass es auch an der Schrift liegt, allerdings war dies im Iran wohl vergleichbar. Nun ja, ich werde sehen. In zwei Tagen bin ich schlauer.<br \/>\nDie Berge liegen nun hinter mir, das hei\u00dft, es wird wieder w\u00e4rmer. Schon in der Fr\u00fch sp\u00fcrte man, dass es ein hei\u00dfer Tag werden w\u00fcrde. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war die Tatsache, dass ich bis zum sp\u00e4ten Nachmittag mit ordentlichem Gegenwind zu k\u00e4mpfen haben werde. Der Wind machte das Fortkommen nicht unbedingt einfacher. Zu sehen gab es nicht viel, ausser plattem Land. Kein Baum, kein Schatten&#8230; Einziges Mittel gegen den Wind: gegenhalten. Nun gut, ich stellte mich schon einmal auf einen langen und anstrengenden Tag ein. Nach gut 40km Fahrt kam mir dann ein etwas \u00e4lterer Mercedes LKW mit Regensburger Nummer entgegen. Nach all den Erfahrungen mit den Campern war ich ziemlich \u00fcberrascht, als der LKW anhielt. Berit, Andreas und Matthias sind im M\u00e4rz in Regensburg aufgebrochen und fahren eine sehr \u00e4hnliche Strecke wie ich, nur in entgegengesetzter Richtung, sie sind allerdings von Russland aus nach Kasachstan eingereist (www.la710.de\/wordpress). Ein wirklich sehr sympatisches Dreiergespann &#8211; obwohl es ja eigentlich vier sind, nachdem sie auch noch einen Hund dabei haben, der sitzt aber in feuchte T\u00fccher geh\u00fcllt im Fahrerhaus und versucht so, der Hitze zu entkommen.<br \/>\nAuf einer Strecke, auf der es \u00fcber zig Kilometer keine Wasserquelle gibt, freut man sich umso mehr \u00fcber Wassernachschub aus dem LKW. Einen Apfel und Pfefferminzschokolade (Ritter Sport, was sonst&#8230;) als Draufgabe machen das Treffen perfekt. So lob ich mir das. Der Wassernachschub kam gerade im rechten Moment. Aufgrund der Hitze und dem starken Gegenwind ist mein Wasservorrat schnell aufgebraucht. Zum Gl\u00fcck erreiche ich aber nach weiteren 20km den Sharyn Fluss, der auch hier tief eingegraben in Mitten der trostlosen Steppe verl\u00e4uft. Um den Fluss herum zahlreiche B\u00e4ume, ein gr\u00fcnes Band zieht sich durch die sonst vegetationslose Gegend. Endlich Schatten und endlich wieder Wasser. Die Temperatur liegt schon wieder bei knapp \u00fcber 40 Grad, Weiterfahren macht nicht viel Sinn, also gibts erst mal eine versp\u00e4tete Mittagspause. Im Fluss werden die Klamotten gewaschen, bei den vorherrschenden Temperaturen ist die W\u00e4sche schon wieder trocken, bevor ich mit dem Essen fertig bin.<br \/>\nIch bin schon gespannt, ob ich in China auch eine vergleichbare Landschaft erwarten kann. Ein wenig sehns\u00fcchtig denke ich an die so abwechslungsreiche Gegend am Issyk Plateau zur\u00fcck. Jetzt gibt es nur noch Steppe. Zum Gl\u00fcck l\u00e4sst der Wind am Nachmittag ein wenig nach und ich kann den Tagesschnitt noch ein wenig nach oben korrigieren.<br \/>\nErstaunlich, dass man in einer so trostlosen Gegend dann doch noch einen wirklich netten Zeltplatz finden kann. Nur wenige Meter abseits der Stra\u00dfe schlage ich unter einem Baum, direkt neben einem Wasserkanal mein Zelt auf. Gro\u00dfer Luxus, es gibt mal wieder eine Dusche am Abend!<\/p>\n<h2>21.Juli &#8211; Tag 171<\/h2>\n<p>Kurz vor Taskarasu &#8211; Khorgos, Kasachische Grenze: 107km; 4:53h im Sattel; 28 &#8211; 42 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Es scheint, als ob ich momentan jeden Tag in einer anderen Klimazone unterwegs bin. Noch vor zwei Tagen ben\u00f6tigte ich Daunenjacke und Schlafsack, um gem\u00fctlich kochen zu k\u00f6nnen, heute Nacht wusste ich nicht, wie ich Abk\u00fchlung bekommen k\u00f6nnte. Draussen schlafen war aufgrund der vielen Ameisen nicht meine favorisierte Variante. Noch dazu nachdem ich gestern Abend beobachtet hatte, wie die Ameisen eine daumengro\u00dfe Raupe gefangen und anschlie\u00dfend r\u00fcckstandslos verschwinden hatten lassen.<br \/>\nUm der gro\u00dfen Hitze zu entkommen, gab es heute mal wieder einen fr\u00fchen Start in den Tag. Die Landschaft \u00e4nderte sich \u00fcber weite Strecken nicht besonders stark. Steppe, ein paar vereinzelte B\u00e4ume, dann langsam gro\u00dfe Schilffelder und schlie\u00dflich auch ein wenig Maisanbau. Es scheint, als ob nach und nach das Gr\u00fcn wieder zur\u00fcckkommt.<br \/>\nMan sieht nicht mehr so viele protzige Autos. Audi 80 und 100 treten wieder in den Vordergrund. In den D\u00f6rfern ist meist nur noch die Hauptstra\u00dfe asphaltiert, der Rest<br \/>\nist Schotterpiste. Die Leute auf der Stra\u00dfe und in den wenigen D\u00f6rfern, durch die die Strecke f\u00fchrt, gr\u00fc\u00dfen eifrig. Es wird viel gewunken und oft h\u00f6rt man ein &#8220;gute Reise&#8221; beim Vorbeifahren. Esel werden wieder zum Haupttransportmittel. Neu ist nun aber, dass oft zwei, oder sogar drei Esel vor die Karren gespannt werden. Frisches Heu wird von den Feldern heimgefahren, meistens lenken Kinder oder Jugendliche die Eselkarren und winken mir, auf dem Heu sitzend zu.<br \/>\nDie Steppe scheint langsam ein Ende zu nehmen. Vor mir liegt nicht sonderlich weit entfernt eine gro\u00dfe Gebirgskette. Auf den Gipfeln liegt mal wieder Schnee. Ein eigenartiges Gef\u00fchl, wenn man bei knapp 40 Grad durch die Gegend radelt. Scheinbar haben die Berge aber einen positiven Effekt auf das Klima. Seit Koktal ist es wieder richtig gr\u00fcn. Die Strecke f\u00fchrt durch dichte Baumalleen, stellenweise ist nicht einmal mehr der Himmel zu erkennen. Immer wieder kommt man an kleineren<br \/>\nBachl\u00e4ufen vorbei. Endlich wieder Schatten und Wasser!<br \/>\nDie Gelegenheit muss man gleich beim Schopf packen und ich g\u00f6nne mir eine ausgedehnte Mittagspause. Bei den vorherrschenden Temperaturen ist an ein Radeln kurz nach Mittag nicht mehr zu denken. Ohne mein Trikot in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden in jede auch nur existente Wasserquelle zu tauchen, w\u00fcrde ich die Nachmittagsetappe wohl auch erst weit sp\u00e4ter wieder in Angriff nehmen.<br \/>\nChina ist schon zum Greifen nahe. Immer wieder \u00fcberlege ich hin und her, ob ich nun schon heute, oder erst morgen ins Reich der Mitte einreisen soll. Schlussendlich wird mir die Entscheidung abgenommen. Etwa 15km vor der Grenze begegnet mir Alessandro, ein italienischer Reiseradler, der von Shanghai kommend in Richtung Italien unterwegs ist (www.alegallo.com) Wir plaudern ausgiebig \u00fcber dies und das und tauschen Informationen \u00fcber die Strecken und Regionen, die vor einem liegen aus. F\u00fcr mich ist China immer noch eine Riesengro\u00dfe Unbekannte. Den Schilderungen von Alessandro folgend, kann ich mich aber durchaus auf eine gute Zeit freuen.<br \/>\nDirekt im Grenzbereich gebe ich noch meine letzten Tenge f\u00fcr Fanta, Eistee und Eier aus. Die Grenze ist nun bereits geschlossen und ich suche mir in einem der Maisfelder neben der Stra\u00dfe einen gem\u00fctlichen Platz f\u00fcr das Zelt. Weit fr\u00fcher als gewohnt geht das Rad f\u00fcr heute schlafen. F\u00fcr mich gerade die richtige Zeit, um ein paar N\u00e4harbeiten an der hinteren Packtasche durchzuf\u00fchren. Der t\u00e4gliche Einsatz fordert ein wenig Tribut, doch ich hoffe, mit ein paar gezielten Stichen sollte das Schlimmste vorerst abgewendet werden k\u00f6nnen. Erstaunlich, wof\u00fcr Zahnseide so alles gut sein kann&#8230;<br \/>\nWeshalb die Grenze am sp\u00e4ten Nachmittag schon geschlossen hatte, war mir allerdings ein R\u00e4tsel, entband mich aber der Entscheidung, wann nach China einzureisen. China ist nicht gerade ein kleines Land und dann gilt nur eine Zeitzone? Egal wo man ist, es gilt Peking Zeit. Die Provinz Xinjian will hier angeblich eine Ausnahme machen. Bin schon gespannt wie sich das so \u00e4u\u00dfert. Viele administrative Bereiche &#8211; und darunter f\u00e4llt einmal auch die Grenze &#8211; haben aber alle dieselben Arbeitszeiten, eben jene der Lokalzeit in Peking. Xinjian nimmt in China offenbar auch sonst eine Sonderstellung ein. Gerade kulturell soll sich diese Region noch sehr an den zentralasiatischen L\u00e4ndern interessieren. Ich lasse mich mal \u00fcberraschen.<br \/>\nZumindest auf kasachischer Seite ist vor der Grenze absolut gar nichts geboten. Einzig ein kleiner Laden und zwei, drei kleine Lokale s\u00e4umen die Stra\u00dfe. Zum Gl\u00fcck bin ich noch gut ausgestattet. Die Schlange an LKWs ist erwartungsgem\u00e4\u00df lange. Was mich ein wenig verwundert hat, ist die Tatsache, dass ich in den letzten Tagen keinen einzigen Chinesischen LKW gesehen habe. Ein paar PKWs und eine Handvoll Reisebusse sind mir schon begegnet, aber Warentransport findet offenbar woanders statt.<br \/>\nBin schon sehr gespannt, was mich auf der anderen Seite erwartet! Bis Peking sind es knapp 4500km. Ich hoffe mal, dass sich das in sieben Wochen erradeln l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.Juli &#8211; Tag 166 Almaty &#8211; 5km hinter der Nationalparkschranke zum Issyk Tal: 78km; 3:54h im Sattel; 25 &#8211; 32 Grad, Sonne Camping Mein Gastgeber musste gestern Abend nach Peking fliegen, doch gro\u00dfz\u00fcgigerweise durfte ich in seiner Wohnung bleiben. Es gab mal wieder einiges zu organisieren, bevor es wirklich losgehen konnte. 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