{"id":1720,"date":"2014-07-30T16:53:36","date_gmt":"2014-07-30T15:53:36","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1720"},"modified":"2015-01-16T18:18:05","modified_gmt":"2015-01-16T16:18:05","slug":"tag-177-180-unverhofft-kommt-oft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1720","title":{"rendered":"Tag 177 &#8211; 180: Unverhofft kommt oft"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 177 &#8211; 27.Juli<\/h2>\n<p>Urumqi, 1 Ruhetag; Zwischenstand: 12857km; 664:04h im Sattel; 25 &#8211; 30 Grad, wechselhaft<br \/>\nJugendherberge<\/p>\n<p>Urumqi, die Hauptstadt der Provinz Xinjiang und meine erste chinesische Gro\u00dfstadt auf dieser Reise. Meinem t\u00e4glichen Rhythmus folgend startete ich den Tag wohl viel zu fr\u00fch. Als ich um kurz vor acht auf der Stra\u00dfe war, war diese sprichw\u00f6rtlich wie ausgestorben. Das t\u00e4gliche Leben hier in Urumqi startet nicht vor 10 Uhr. Die meisten Gesch\u00e4fte sperren erst gegen halb 11 auf, haben daf\u00fcr nat\u00fcrlich l\u00e4nger ge\u00f6ffnet. F\u00fcr mich aber eine hervorragende Gelegenheit, den St\u00e4dtern beim Fr\u00fchsport im Park zuzusehen. R\u00fcckw\u00e4rtslaufen \/ -gehen ist offenbar gerade sehr modern. Und sonst sieht man nat\u00fcrlich viele bei der Morgengymnastik, beim F\u00e4cher- \/ Schwerttanz oder einfach nur beim schnellen Spazierengehen. Kollektive sportliche Bet\u00e4tigung, das ist etwas, was ich schon sehr lange nicht mehr gesehen habe.<br \/>\nDie ersten kleinen L\u00e4den \u00f6ffnen so langsam ihre Tore und ich kann zumindest unterwegs ein bisschen was fr\u00fchst\u00fccken. Sonst lasse ich mich ins Stadtzentrum treiben und bin viel am Schauen. Einfach nur sitzen und schauen, was so um mich herum passiert. Gerade hier l\u00e4sst sich das sehr gut anstellen. Ich k\u00f6nnte den Senioren stundenlang zusehen, wie sie ihre K\u00f6rperbewegungen beim F\u00e4chertanz perfektionieren wollen. Mir f\u00e4llt aber auch auf, dass vieles hier in China sehr &#8220;ich-bezogen&#8221; ist. Vermutlich gerade in der Gro\u00dfstadt leben viele einfach nur aneinander vorbei. Ein bisschen eigenartig wirkt es schon, wenn pl\u00f6tzlich ein Einzelner auf einem gro\u00dfen Platz auftaucht und in Mitten der ihn umgebenden Leute seinen Tennisschl\u00e4ger auspackt und einfach mit einem Ball an einer Gummischnur Tennisspielt. Kein Wort zu niemandem, allerdings auch keinerlei Reaktion von den Umstehenden. Die Verhaltensweisen ver\u00e4ndern sich&#8230;<br \/>\nDie Stadt erwacht recht langsam, dann aber ziemlich laut. Nachdem die Eingangst\u00fcren geputzt und die Gesch\u00e4fte ge\u00f6ffnet waren, steht vor fast jedem Laden eine Lautsprecherbox und beschallt den Gehsteig. Willkommen zur\u00fcck in der Konsumgesellschaft. Laut und schillernd geht es zu. Nach so vielen Tagen in der Natur sp\u00fcre ich, dass mir der ganze Trubel schon nach ein paar Stunden zu viel wird. Ich setze mich gem\u00fctlich auf eine Bank und beobachte f\u00fcr knapp zwei Stunden die Passanten. Auffallend, wie viele grimmig dreinblickende Chinesen es gibt. Der Umgangston untereinander ist oft sehr rau, es wird viel geschrien und so wie ich es einordne, auch geschimpft.<br \/>\nZum Schmunzeln bringen mich die kleinen Kinder, die keine Windeln tragen. Wenns dann mal schnell gehen muss, hilft die Hose, deren Schritt einfach nicht zugen\u00e4ht ist. Das kleine oder auch gro\u00dfe Gesch\u00e4ft wird dann auch ganz ungeniert an Ort und Stelle verrichtet.<br \/>\nBefremdlich f\u00fcr mich ist noch die starke Pr\u00e4senz der Polizei. Allzeit bereit stehen sie in kleinen Gruppen \u00fcberall in der Stadt verteilt. Helm, Brustschutz und Schild tr\u00e4gt fast jeder von ihnen, eigenartig wirken aber die Baseballschl\u00e4ger die viele von ihnen in H\u00e4nden halten. Das Volk wird im Zaum gehalten&#8230;<br \/>\nDen Nachmittag verbringe ich v\u00f6llig entspannt in der Jugendherberge und br\u00fcte noch ein wenig \u00fcber der bevorstehenden Strecke. Das Internet ist mir hier keine allzugro\u00dfe Hilfe, da die Verbindung wirklich g\u00e4hnend langsam ist und viele Seiten \u00fcberhaupt nicht ge\u00f6ffnet werden. Nun ja, der Fahrplan steht ja. Ich werde weiterhin auf der Seidenstra\u00dfe bleiben, bis in Xi\u00b4an das offizielle Ende eben jener erreicht ist.<br \/>\nIm Grunde k\u00f6nnte ich noch ein paar Tage in Urumqi bleiben und einfach nur die Leute beobachten. Anzusehen gibt es nicht sonderlich viel, da f\u00e4llt es leicht, den Schwerpunkt mehr auf die Leute zu lenken. Aber ich habe mich dazu entschlossen, morgen wieder aufzubrechen und wieder ein bisschen Strecke zu machen.<br \/>\nAuf dem gro\u00dfen Platz hinter der Jugendherberge spielt sich am Abend noch Gro\u00dfes ab. Ob es am Sonntagabend liegt, oder ob hier jeden Tag soviel los ist, das entzieht sich meiner Kenntnis. An allen Ecken und Enden wird kollektiv zu unterschiedlichsten Musikstilen getanzt. Kleinkinder auf Rollschuhen werden zu neuen Eisschnellaufk\u00f6nigen herangezogen und \u00fcber Allem das wachsame Auge der Polizei. Man erreicht keinen \u00f6ffentlichen Park ohne zuvor durch eine Sicherheitskontrolle gegangen zu sein, auch in den Kaufh\u00e4usern werden s\u00e4mtliche Ein- und Ausg\u00e4nge akribisch bewacht &#8211; der Staat ist sehr wachsam. Ob zurecht, man wei\u00df es nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Tag 178 &#8211; 28.Juli<\/h2>\n<p>Urumqi &#8211; kurz vor Turpan: 179km; 7:27h im Sattel; 25 &#8211; 44 Grad, bedeckt \/ Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Zumindest auf den Stra\u00dfen war heute Fr\u00fch weit mehr los, als gestern um dieselbe Zeit. Scheinbar sp\u00fcrt man dann doch das Wochenende. Als ich aus Urumqi rausradelte fiel mir wieder ein, dass es ja vor kurzem ziemliche Unruhen in Urumqi gegeben hatte. Zu Spannungsentladungen kommt es in Xinjiang offenbar \u00f6fters. Die chinesische Regierung siedelt immer mehr Chinesen hier an und somit werden die urspr\u00fcnglich hier sesshaften Uriguren nach und nach verdr\u00e4ngt. Vermutlich sind die zur\u00fcckliegenden Tumulte der Grund daf\u00fcr, dass noch derart viel Polizei pr\u00e4sent ist. In jedem Hotel, in jeder Tankstelle, in vielen Gesch\u00e4ften liegen zumindest Helme und Schilder der Polizei, jederzeit griffbereit, wenn es sein muss. Nun gut, ich war ja auch nur einen Tag in Urumqi aber von den Spannungen habe ich nichts mitbekommen.<br \/>\nZu meiner gro\u00dfen Freude lie\u00df der Verkehr ausserhalb des Stadtgebietes deutlich nach und es war im Vergleich zu Vorgestern richtig entspannend auf der Autobahn. Ich habe mich auch dieses Mal wieder f\u00fcr die Autobahn entschieden, weil die Landstra\u00dfe nur parallel verl\u00e4uft und man dort weitaus langsamer vorankommt. Bisher hatte auch noch niemand mich darauf hingewiesen, dass Radfahren auf der Autobahn eigentlich nicht gestattet ist. Weder bei den Maut- , noch bei den Polizeistationen gab es Anzeichen daf\u00fcr, dass ich die Stra\u00dfe wechseln sollte.<br \/>\nUrumqi liegt auf knapp 1000m Seeh\u00f6he. Bis nach Turpan sollte es also ordentlich bergab gehen, da Turpan unter Seeniveau liegt. Vorerst f\u00e4hrt man aber noch durch eine recht \u00f6de Ebene, die dann aber doch noch ganz reizvoll wird. Zwei Gebirgsausl\u00e4ufer kommen der Stra\u00dfe immer n\u00e4her und vereinen sich an einem Punkt, von wo aus dann auch noch ein Fluss hinab in Richtung Turpan flie\u00dft. Von nun an geht es gem\u00e4chlich dem Fluss folgend, flankiert von stark erodierten Felsw\u00e4nden bergab. Mit jedem Meter den man tiefer kommt, wird es hei\u00dfer. Turpan ist bekannt als einerseits der tiefste Punkt Chinas und andererseits auch als ein Hitzepol. Ich hoffe mal, dass ich etwas Gl\u00fcck habe&#8230;<br \/>\nDie Berge l\u00e4sst man nun hinter sich und taucht ein in eine ewig weite Ger\u00f6llw\u00fcste. Die Leitplanke ist nun endlich verschwunden und es kommt zum ersten Mal in China ein richtiges Gef\u00fchl f\u00fcr Weite auf. Die Stra\u00dfe f\u00fchrt durch gigantisch gro\u00dfe Windparks, an sich ein Zeichen daf\u00fcr, dass hier recht h\u00e4ufig und recht kr\u00e4ftig der Wind bl\u00e4st. Ich hoffe mal, nicht in den n\u00e4chsten Tagen. Die Hitze alleine reicht schon aus. Gegenwind brauche ich da nicht auch noch dazu.<br \/>\nDie Abst\u00e4nde der Raststationen sind f\u00fcrs Radeln eigentlich perfekt. Meistens sind die Wasserreserven gerade am Schwinden, wenn die n\u00e4chste Raststation auftaucht. Ich hoffe, dass das vor allem jetzt im Turpan-Tal auch so bleibt.<br \/>\nAn Zelten ist in dieser Hitze ohnehin nicht zu denken, ausserdem gibt es nirgendwo Schatten. Alle paar Kilometer gibt es aber unter der Stra\u00dfe kleinere und gr\u00f6\u00dferer Durchl\u00e4sse f\u00fcr Schmelz-, oder Regenwasser. F\u00fcr heute wird es also ein Schlafplatz im Freien, unter einer Br\u00fccke werden. Ein paar Kilometer vor Turpan taucht dann noch unerwartet eine Tankstelle auf. Hier gibts noch einmal kalte Getr\u00e4nke und Wassernachschub. Kurz danach finde ich dann auch schon einen Spitzenplatz zum N\u00e4chtigen. Die abendliche Dusche f\u00e4llt heute mal sehr hei\u00df aus. Um 22 Uhr wird es langsam finster, doch die Temperatur liegt immer noch bei 38 Grad. Vielleicht sollte ich morgen einfach mal vor Sonnenaufgang starten&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Tag 179 &#8211; 29.Juli<\/h2>\n<p>Kurz vor Turpan &#8211; kurz nach Shanshan \/ Hami: 141km; 6:53h im Satte.; 32 &#8211; 44 Grad, bedeckt<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Eigentlich dachte ich, dass es in der W\u00fcste unter Tags extrem hei\u00df, daf\u00fcr aber Nachts ziemlich k\u00fchl ist. Es muss sich hier also um irgendeine andere Landschaftsform handeln. Die Temperatur fiel Nachts praktisch um kein Grad ab. Man hatte das Gef\u00fchl, auf einer Herdplatte zu liegen. Um drei Uhr Morgens hatte es immer noch 37 Grad. Zum Gl\u00fcck frischte gegen vier der Wind auf und es wurde ein wenig k\u00fchler. Daf\u00fcr musste ich meinen Schlafplatz wechseln und Schutz hinter dem Br\u00fcckenpfeiler suchen. Der Wind wurde mit der Zeit immer st\u00e4rker, zu meiner Freude blies er aber aus der richtigen Richtung.<br \/>\nNach einem kurzen Fr\u00fchst\u00fcck im Windschatten des Br\u00fcckenpfeilers m\u00fchte ich mich ab, bei den Sturmb\u00f6en das Rad zu beladen und musste immer wieder darauf achten, dass mir die Packtaschen nicht aus der Hand gerissen werden. Der fr\u00fchmorgendliche Wind hatte sich nun zu einem beachtlichen Sturm \/ Sandsturm emporgearbeitet. Als ich dann aber erst einmal auf dem Rad sa\u00df, ging es ziemlich flott in Richtung Turpan. Man f\u00e4hrt \u00fcber viele Kilometer durch eine Gegend in der es keinen Busch, keinen Baum, kein gar nichts gibt und dann erreicht man Turpan und f\u00fchlt sich, als ob man eine Oase durchfahren w\u00fcrde. \u00dcberall stehen B\u00e4ume, es wird viel Wein angebaut und am Stra\u00dfenrand werden Melonen verkauft. Ich lie\u00df Turpan allerdings rechts liegen, weil ich sicher war, dass um sieben Uhr Morgens noch nicht wirklich was los sein wird. Die Autobahn f\u00fchrt n\u00e4mlich an Turpan vorbei, den geographischen Tiefpunkt Chinas erreichte ich also nicht ganz. Bis auf 60m unter dem Meer ging es aber trotzdem hinab. Ich schien Gl\u00fcck zu haben, die Temperaturen waren noch im ertr\u00e4glichen Bereich. Die Sonne kam nicht wirklich zum Vorschein, eine dichte Schicht aus Dunst und Sand verdunkelte den Himmel. Mir war das ganz recht, denn vor den Hitzerekorden in Turpan hatte ich schon ein wenig Respekt.<br \/>\nSeit ich auf der G30 unterwegs bin, begegnen mir immer wieder chinesische Motorradfahrer, die oft schwer bepackt an mir vorbeifahren. Heute blieb sogar einer mal stehen. Er f\u00e4hrt von Urumqi aus bis nach Shanghai, also mehr oder weniger durch ganz China von West nach Ost. Ins Ausland kommt er nicht so einfach, daher ist er eben in China mit dem Motorrad unterwegs. Nachdem er sich in Turpan gerade mit frischen Trauben eingedeckt hatte, gabs f\u00fcr mich auch eine T\u00fcte voll, die ich in weiterer Folge gen\u00fcsslich aus der Lenkertasche verzehren konnte.<br \/>\nIrgendwie kann man sich gut vorstellen, dass Turpan auf der Seidenstra\u00dfe wirklich so etwas wie eine Oase war. Jetzt findet hier intensiver Obstanbau statt. Aus der W\u00fcste kommend und wieder in die W\u00fcste fahrend wirkt es ein wenig ungewohnt, pl\u00f6tzlich mit so viel frischem Obst umgeben zu sein. Den ganzen Tag \u00fcber werde ich von schwer beladenen LKWs mit Melonen aller Art \u00fcberholt. Der Wassermelonentransport sieht auf den ersten Blick wie ein Strohtransporter aus, weil die Wassermelonen in mehreren Ebenen auf dem LKW dick mit Stroh gesch\u00fctzt werden. HIe und da sieht man aber das Gr\u00fcn der Melonen durch die Strohb\u00fcndel durchblitzen. Honig- und Zuckermelonen werden in Kisten verpackt transportiert. Am Stra\u00dfenrand immer wieder Mal verlorene Ladung. Leider war bisher noch keine einzige heile Melone dabei&#8230; Auf der Raststation gabs dann daf\u00fcr aber direkt aus dem F\u00fchrerhaus eines LKWs eine Zuckermelone zum Geschenk. Ich dachte mir, das Dessert f\u00fcr heute Abend ist gerettet, doch es sollte alles noch ganz anders kommen.<br \/>\nDer starke R\u00fcckenwind von heute Fr\u00fch flachte kurz hinter Turpan schon wieder ab. Jetzt ging es langsam wieder aus dem Tal hinaus. Meter um Meter ging es langsam bergauf, einem sehr idyllischen Flusslauf \/ Canyon folgend, bis man auf etwa 300 H\u00f6henmeter angekommen ist, von hier aus gehts dann wieder ewig lange eben dahin. Der Wind blies nun stellenweise kr\u00e4ftig von der Seite, aber ich war eigentlich immer noch recht happy, dass es zumindest nicht so hei\u00df war. Unterwegs traf ich noch zwei Radler aus Japan \/ Taiwan, die in Richtung Urumqi unterwegs waren. Gestern hatten sie z.B. vor Shanshan Temperaturen \u00fcber 45 Grad.<br \/>\nShanshan ist anscheinend ebenfalls eine Art Oase. Leider habe ich die Abzweigung zum Ort nicht rechtzeitig gesehen, bin dann also nur daran vorbeigefahren. Die Stadt ist auf der einen Seite begrenzt von einem dichten gr\u00fcnen Band aus B\u00e4umen und Feldern und auf der anderen Seite von gewaltig hohen Sandd\u00fcnen.<br \/>\nIch stemmte mich weiter gegen den Wind und lechzte schon nach der n\u00e4chsten Raststation. Die Abst\u00e4nde dazwischen werden nun sp\u00fcrbar weiter. Die Beschilderung war bereits zu erkennen, da gab es ein eigenartiges Ger\u00e4usch von der Hinterradnabe. Offenbar macht der Freilauf Probleme. Bereits in Kirgistan hatte ich den Freilauf ja schon einmal gereinigt, weil er nicht mehr ganz einwandfrei gelaufen ist. Als ich dann aber die Kassette vom Hinterrad zog, sah ich die ganze Bescherung. Ich hatte mich auf ein wenig S\u00e4ubern und neu schmieren eingestellt, aber statt dessen fiel mir der ganze Freilaufk\u00f6rper entgegen. Mir v\u00f6llig unerkl\u00e4rlich warum, aber der Freilaufk\u00f6rper ist in drei Teile zerbrochen. SUPER! An ein Weiterfahren ist nicht zu denken, zur\u00fcck nach Turpan will ich aber auch nicht, doch die n\u00e4chtgr\u00f6\u00dfere Stadt liegt 270km entfernt.<br \/>\nIch versuche dem Mechaniker vor Ort die Lage zu schildern und nach anf\u00e4nglichen Verst\u00e4ndigungsproblemen sieht er auch nur noch eine M\u00f6glichkeit, eine Mitfahrgelegenheit nach Hami zu finden und dort eventuell Ersatz zu bekommen.<br \/>\nJetzt hei\u00dft es also WARTEN. Nun gut, es gibt sicher schlechtere Pl\u00e4tze, als einen bestens ausgestatteten Rastplatz. Es ist aber schon kurz nach sechs und der Verkehr ist nicht mehr sonderlich stark. Auf den LKWs l\u00e4sst sich das Rad nicht transportieren, die meisten Autos sind voll besetzt und Busse sind schon ewig keine mehr hier vorbeigekommen.<br \/>\nSeit einiger Zeit steht aber ein Pick Up auf dem Parkplatz, dessen Fahrer sich offenbar ausruht. Das w\u00e4re ja perfekt, denke ich, und marschiere mit der Stra\u00dfenkarte in der Hand zum Wagen. Mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen erkl\u00e4re ich meine Situation und wie es der Zufall so will, f\u00e4hrt Yao wirklich nach Hami!<br \/>\nNun geht es also durch das St\u00fcck W\u00fcste, auf das ich mich eigentlich schon gefreut hatte. Es geht hinauf bis auf \u00fcber 15000m und von dort aus dann in einer 150km langen Abfahrt wieder in Richtung Hami. Nun gut, viel h\u00e4tte es nicht zu sehen gegeben in dieser Umgebung, aber irgendwie nagt die ganze Situation am Radlerstolz. Die Umst\u00e4nde w\u00e4ren wirklich perfekt gewesen, um auch noch dieses St\u00fcck W\u00fcste zu durchradeln, und jetzt DAS&#8230;<br \/>\nDie Kilometermarker, an denen ich mich sonst immer orientiert hatte, sausen an mir vorbei. Bis nach Hami w\u00e4re ich noch weitere zwei Tage unterwegs gewesen, jetzt wird die Strecke in nur drei Stunden absolviert. Das Ras fest verzurrt auf der Ladefl\u00e4che des Pick Ups, ich ziemlich geknickt auf dem Beifahrersitz und um mich herum nur Gesteinsw\u00fcste. So sieht also der Rand der W\u00fcste Gobi aus&#8230;<br \/>\nEs ist schon dunkel, als wir Hami erreichen. Yao liefert erst noch Waren ab, die er von Urumqi heute geholt hat. Danach gehts in seine Nachbarschaft zum Essen. Touristen kommen hier offenbar nicht sonderlich oft vorbei. Von den Nachbartischen kommen nach und nach die Leute zu uns her\u00fcber und wollen alle ein Foto mit mir machen. Das Essen war aber ein Traum. Yao bestellt einfach mal vier verschiedene Speisen und wir schlagen uns die B\u00e4uche voll. Zu gerne h\u00e4tte ich ihn zumindest zum Essen eingeladen, aber da war nichts zu machen. Auch meine Melone, die ich ihm eigentlich schenken wollte, lehnte er kategorisch ab. Wieder einmal bin ich mit einer Art von Gastfreundschaft konfrontiert, die man nicht sonderlich oft findet.<br \/>\nYao bringt mich dann noch mit seinem Wagen in die Stadt zu einem Hotel. Was h\u00e4tte ich nur ohne ihn gemacht. Ich h\u00e4tte mir nie gedacht, diese Art von Hilfsbereitschaft in China zu finden, da die Leute bisher eher sehr zur\u00fcckhaltend reagiert hatten, wenn man etwas von ihnen wollte. Ich bin auf alle F\u00e4lle mehr als froh, jetzt schon in Hami zu sein und hoffe mal, dass zeitnah Ersatz f\u00fcr das Hinterrad zu finden ist. Meine Fotokamera hat gestern Abend auch ihren Dienst quittiert. Nachdem ich sie schon zweimal beim Service hatte, ist es jetzt wohl an der Zeit, sich eine Neue zuzulegen. Eieiei, so langsam f\u00e4llt das Equipment auseinander&#8230;<br \/>\nMal sehen, was der morgige Tag so zu bieten hat. In Urumqi hatte ich bereits eine Freilaufnabe in der Hand und hatte kurz \u00fcberlegt, ob ich mir eine mitnehmen soll&#8230; Aber ich dachte, dass die Nabe, die ich eingebaut hatte eigentlich mindestens 15 &#8211; 20 Tausend Kilometer halten sollte. Wie man sich t\u00e4uschen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Tag 180 &#8211; 30.Juli<\/h2>\n<p>Hami: 1 Ruhetag &#8211; Austausch Freilaufnabe<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Aufwachen in einem Hotelzimmer ohne Fenster ist ein wenig ungewohnt. Bisher hatte ich mich stets nach der Sonne \/ der Hitze orientiert, aber heute lief die Klimaanlage und kein Sonnenstrahl drang ins Zimmer. Etwas nerv\u00f6s verlie\u00df ich das Hotel auf der Suche nach einem Fahrradladen. An der Rezeption konnte man mir auch nicht weiterhelfen, also hie\u00df es die Augen offen halten und einfach mal ein wenig durch die Gegend laufen. Der erste Radladen, den ich fand machte mir nicht viel Hoffnung. Die Chefin versuchte mir zu erkl\u00e4ren, dass es in Hami keinen anderen Fahrradladen gibt und ich eine Austauschnabe vermutlich im 300km zur\u00fcckliegenden Shanshan bekommen k\u00f6nnte&#8230; Etwas frustriert machte ich mich erneut auf die Suche. Dabei sprach ich einfach mal zwei junge Burschen an, die den Eindruck machten, dass sie ein wenig Englisch sprechen k\u00f6nnten. Ich hatte meine Gl\u00fccksstr\u00e4ne wieder gefunden. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken packten die beiden mein Rad in ihr Auto und fuhren mit mir ein paar Minuten zum n\u00e4chsten Fahrradladen. Dort angekommen versicherten sie sich, ob ich auch das gesuchte Ersatzteil bekomme. Leider hatte ich diesmal kein Gl\u00fcck, aber immerhin wurden wir zu einer anderen Adresse geschickt. Gleich drei Fahrradl\u00e4den nebeneinander, da sollte doch was f\u00fcr mich dabei sein. Es war nach langer Suche dann aber nur eine einzige Freilaufnabe aufzutreiben, die f\u00fcr 36 Loch und keine Disc-Aufnahme geeignet war. Immerhin besser als nichts. Qualitativ haut mich die Nabe jetzt nicht um, aber wenn sie mich zumindest noch zur\u00fcck bis Deutschland bringt, bin ich schon froh.<br \/>\nF\u00fcr innsgesamt 100 YEN, also ungef\u00e4hr 12 Euro bekam ich einen neue Nabe in mein Hinterrad eingespeicht. Arbeitszeit kostet hier offenbar auch \u00fcberhaupt nichts. Zum Schluss wurde noch die Schaltung kontrolliert, und die Bremsen nachgezogen, also mehr oder weniger ein Rundumservice. Meine Stimmung besserte sich zusehends. Der vor mir liegenden Strecke liegt nun nichts mehr im Weg. Ich hatte mich schon im Bus zur\u00fcck nach Urumqi gesehen, um dort eine Ersatznabe zu kaufen.<br \/>\n\u00dcbergl\u00fccklich radelte ich dann wieder in Richtung Hotel zur\u00fcck, als mir aus einem vorbeifahrenden Bus eine europ\u00e4isch aussehende Frau zuwinkte. Das Gesicht kam mir irgendwie bekannt vor, wusste aber anfangs nicht, wo ich sie einordnen sollte. Als der Bus stehenblieb war mir dann aber ziemlich schnell klar, dass es sich um Heike Pirngruber handeln muss. Ich hatte ihren Blog immer wieder mal verfolgt und war per Mail ab und an mit ihr in Verbindung gestanden. Sie ist eigentlich schon vor vier Wochen in China eingereist, musste aber nach Hami zur\u00fcckfahren, um hier ihr Visum zu verl\u00e4ngern. Wegen eines Computerausfalls der Beh\u00f6rden in Dunhuang musste sie mit dem Bus bis nach Hami zur\u00fcckfahren. Eigentlich war sie nun wieder auf dem Weg zur\u00fcck, doch dann verplapperten wir uns irgendwie am Stra\u00dfenrand.<br \/>\nDamit h\u00e4tte ich nun ja wirklich nicht gerechnet, dass ich in China noch einmal auf Heike treffen w\u00fcrde. Ich dachte stets, dass ich sie irgendwo in Zentralasien vielleicht noch einholen k\u00f6nnte, aber nachdem ich erfahren hatte, dass sie schon drei Wochen vor mir in China eingereist ist, hatte ich mich von dem Gedanken verabschiedet. Aber die Tage in China sind voller \u00dcberraschungen&#8230;<br \/>\nNachdem heute kein Bus mehr zur\u00fcck nach Dunhuang f\u00e4hrt, bot ich Heike an, einfach die Nacht in meinem Hotelzimmer zu verbringen, da ich ohnehin in einem Zweibettzimmer hofiere. Und so hatten wir noch ausreichend Zeit, uns \u00fcber die Erlebnisse der letzten Monate, die doch sehr unterschiedliche Wahrnehmung der einzelnen L\u00e4nder und grundlegende Einstellungen zu unterhalten. Es tat wirklich gut, einmal wieder ausgiebige tiefergehende Gespr\u00e4che zu f\u00fchren.<br \/>\nMorgen gehts dann endlich wieder zur\u00fcck auf die Stra\u00dfe. Ich freue mich jetzt schon wieder richtig aufs Fahren, hoffe nun aber, dass ich f\u00fcr die n\u00e4chsten Wochen von weiteren Defekten verschont bleibe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 177 &#8211; 27.Juli Urumqi, 1 Ruhetag; Zwischenstand: 12857km; 664:04h im Sattel; 25 &#8211; 30 Grad, wechselhaft Jugendherberge Urumqi, die Hauptstadt der Provinz Xinjiang und meine erste chinesische Gro\u00dfstadt auf dieser Reise. Meinem t\u00e4glichen Rhythmus folgend startete ich den Tag wohl viel zu fr\u00fch. 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