{"id":1870,"date":"2014-08-22T16:55:07","date_gmt":"2014-08-22T14:55:07","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1870"},"modified":"2015-01-16T18:52:32","modified_gmt":"2015-01-16T16:52:32","slug":"tag-202-203-auf-zu-runde-zwei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1870","title":{"rendered":"Tag 202 \/ 203: auf zu Runde Zwei!"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 202 \/ 203 &#8211; 21.\/22.August<\/h2>\n<p>Xi\u00b4an: 2 Ruhetage; bisher geradelt: 15.438km; 798:01h im Sattel;<br \/>\nHostel<\/p>\n<p>Nach ziemlich genau einem Monat bin ich nun am Ausgangspunkt der Seidenstra\u00dfe angekommen. Viel sp\u00fcrt man nicht mehr davon. Ab und an sieht man in der Stadt ein paar Statuen, oder mal ein Wandrelieff, das die Bedeutung von Xi\u00b4an f\u00fcr die Seidenstra\u00dfe in Erinnerung ruft. Zwar bin ich nun \u00fcber 3000km auf der Seidenstra\u00dfe in China unterwegs gewesen, aber um ehrlich zu sein, eine Vorstellung von der Seidenstra\u00dfe hatte ich eigentlich nur in Usbekistan bzw. in der W\u00fcste Westchinas bekommen.<br \/>\nEin Monat China liegt nun schon hinter mir. Es hat wirklich lange gedauert, bis ich mich mit Land und Leuten anfreunden konnte. Na gut, es gab auch ein paar Zwischenf\u00e4lle, die Stimmung generell ein wenig dr\u00fcckten, aber r\u00fcckblickend betrachtet l\u00e4sst sich schon sagen, dass die ersten Wochen im Westen des Landes ziemlich m\u00fchsam waren. Meine Sprachkenntnisse haben sich noch nicht wirklich verbessert. Ein paar Zeichen erkenne ich nun zumindest schon, wei\u00df aber nicht, was sie bedeuten. Ich f\u00fchle mich ein wenig wie ein Analphabet, der sich nur anhand von Symbolen und Zeichen im Alltag zurechtfindet. Doch zum Gl\u00fcck sp\u00fcrt man jetzt praktisch mit jedem Kilometer, den es weiter in Richtung Osten geht, eine Ver\u00e4nderung im Verhalten der Leute. Man wird etwas aufgeschlossener, interessierter, hilfsbereiter und generell freundlicher. Hier im Hostel bin ich umgeben von recht vielen Individualreisenden, die allerdings alle aus dem S\u00fcden, oder dem Osten nach Xi\u00b4an gekommen sind. Alle berichten aber von der \u00fcberaus gro\u00dfen Offenherzigkeit der Chinesen, ein Bild, das mit meinen Erfahrungen im Westen nicht unbedingt \u00fcbereinstimmt. Aber ich freue mich nat\u00fcrlich jetzt umso mehr, immer weiter in Richtung Osten vorzudringen.<br \/>\nXi\u00b4an ist f\u00fcr mich auch die erste Gro\u00dfstadt in China in der man einen klaren Trend zur Verwestlichung feststellen kann. Zwar ist die Altstadt mit einer historisch wirkenden Stadtmauer umgeben, doch im Inneren wird man schon fast \u00fcberschwemmt von L\u00e4den westlicher Marken. All das, was ich schon seit Monaten nicht mehr zu Gesicht bekommen habe, gibt es jetzt wieder. KFC, Burger King, Mc Dondalds, H&amp;M, Zara, Watsons, und so weiter. Dass man sich noch in China befindet erkennt man fast nur noch an den Unterschriften in chinesischer Schrift. Ist die Jahrtausende alte Kultur in Gefahr? Der Fortschritt ist \u00fcber China mit einer ziemlich hohen Geschwindigkeit gekommen. Gerade am Land konnte man das noch sehr deutlich sehen. Tradition und Moderne liegen hier sehr eng beisammen. Man hat allerdings den Eindruck, dass den Leuten gar nicht so viel an der Vergangenheit, der Tradition, der eigenen Kultur gelegen ist. Ganze Stadtteile werden plattgemacht, um neuen Hochh\u00e4usern Platz zu machen. Vor ein paar Tagen ist mir mal ein gro\u00dfes Plakat aufgefallen, darauf war zu lesen: &#8220;An industrial zone, the future of a city&#8221;. Alleine von dieser Einstellung l\u00e4sst sich einiges ableiten. Die Priorit\u00e4ten sind klar verteilt.<br \/>\nUm ehrlich zu sein hatte ich mir von der Altstadt Xi\u00b4ans etwas mehr erwartet. Altstadtflair kommt h\u00f6chstens noch im muslimischen Viertel auf. Dort kann man sich durch enge Gassen schieben lassen, sich vom Duft der unterschiedlichsten K\u00fcchen bet\u00f6ren lassen, den Leuten beim Arbeiten zuschauen und die Stadt mit ihren zig Hochh\u00e4usern einmal f\u00fcr einen Moment vergessen. Rinder und Schafe werden fast noch auf offener Stra\u00dfe zerteilt. Innereien t\u00fcrmen sich vor den teils recht kleinen Gesch\u00e4ften und so nach und nach bekommt man ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, was so alles in den Speisen verkocht wird, die man in den letzten Wochen zu sich genommen hat. Vieles davon w\u00fcrde ich vermutlich nicht bewusst bestellen, aber wenn man nicht wei\u00df was drin ist, schmeckt es oft umso besser.<br \/>\nEin Spaziergang durchs muslimische Viertel ist nat\u00fcrlich gerade dann perfekt, wenn man ohnedies ein wenig hungrig ist, so kann man sich erst mal mit den Augen sattsehen und dann bei verschiedensten St\u00e4nden immer wieder eine Kleinigkeit probieren.<br \/>\nXi\u00b4an ist definitiv ein Touristenmagnet. Mich hatte es aber ziemlich \u00fcberrascht, dass man auf derart wenige Touristen westlicher Herkunft trifft. Einzig bei den Hauptsehensw\u00fcrdigkeiten sieht man vereinzelt den einen oder anderen westlichen Touristen. Man ist hier immer noch ein Exot. Immer wieder mal werde ich gefragt, ob man sich mit mir fotografieren lassen kann. Ein wenig verwunderlich finde ich nur, dass sich niemand danach erkundigt, woher ich eigentlich komme.<br \/>\nNach Xi\u00b4an bin ich aber nicht nur als Tourist gekommen. Es gab auch durchaus wichtige Punkte zu erledigen. Nachdem in Tianshui die Visumsverl\u00e4ngerung nicht geklappt hatte, bin ich mehr oder weniger auf den letzten Dr\u00fccker nach Xi\u00b4an gekommen. Gleich am ersten freien Tag suchte ich das PSB (Public Security Bureau) auf. Han hatte mir ja auch Chinesisch einen Zettel geschrieben, der beschreibt, was ich in China mache und weshalb ich hier im PSB bin. Zum Gl\u00fcck sprach der Beamte dann aber doch recht gut Englisch, aber immerhin wusste er jetzt schon \u00fcber das meiste Bescheid. Nachdem Ausweis, Visum, Kreditkarte und Hotelregistrierung kopiert waren, ich das Antragsformular ausgef\u00fcllt hatte und 168 YUAN in der Zahlstelle eingezahlt hatte, dachte ich schon, dass alles viel zu glatt l\u00e4uft. Ich bekam einen Abholschein in die Hand gedr\u00fcckt und dann sollte ich in 8 Tagen wieder kommen&#8230; Puh, das waren mal wirklich keine guten Neuigkeiten. Es gab ja nichts zu verlieren, also versuchte ich den Beamten dazu zu bewegen, die Visumsverl\u00e4ngerung zu beschleunigen. Ich schilderte ihm den gesamten Hintergrund der Reise und das schien ihn irgendwie zu imponieren. Er bat mich, kurz zu warten und telefonierte mit seinem Vorgesetzten. Dem gefiel die Geschichte offenbar auch ganz gut, sodass ich schlussendlich die freudige Nachricht erhielt, bereits am n\u00e4chsten Tag das Visum abholen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nIm Hostel konnte man es gar nicht fassen, dass ich ohne Extrazahlung die Visumsverl\u00e4ngerung innerhalb von 1 Tag bekomme. Eine Woche warten, das h\u00e4tte meine Pl\u00e4ne ziemlich durcheinander gebracht.<br \/>\nZwei Tage Auszeit und jetzt kann es wieder weitergehen. Nachdem die Terracotta Armee ziemlich ausserhalb der Stadt situiert ist, werde ich Xi\u00b4an recht zeitig in der Fr\u00fch verlassen und hoffentlich noch vor dem gro\u00dfen Touristenansturm die Terracotta Armee besichtigen k\u00f6nnen. Im Grunde war das ja der Grund, weshalb ich meine Route \u00fcber Xi\u00b4an gelegt hatte.<br \/>\nWie schon in den letzten Gro\u00dfst\u00e4dten auch war das Bed\u00fcrfnis nach intensiver Stadterkundung recht schnell befriedigt. Ein paar Hauptsehensw\u00fcrdigkeiten hakte ich auf meiner gedanklichen Liste ab, doch dann lie\u00df ich mich einfach treiben, sa\u00df oft genug recht lang an irgendeiner Kreuzung und beobachtete einfach die Leute. Am Freitag Vormittag landete ich irgendwie in einem gem\u00fctlichen Park und war ganz hin und weg von den vielen Leuten die sich allesamt zum gemeinsamen Singen, Tanzen und Musizieren getroffen hatten. Vor allem spanische T\u00e4nze sind hier sehr beliebt. Der Altersschnitt ist recht hoch, viele Gro\u00dfeltern sind mit den Enkeln unterwegs, es sind ja Sommerferien und die Eltern sind in der Regel in der Arbeit. Die Lieder sind f\u00fcr meine Ohren noch recht gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, auch die musikalische Begleitung erinnert im ersten Moment eher an ein v\u00f6llig verstimmtes Musikschulorchester. In den Notenheften findet man interessanterweise gar keine Noten. Neben dem Text gibt es nur Zahlen und Linien, das reicht offenbar aus. Vielleicht klingt es aber auch gerade deshalb so schr\u00e4g?<br \/>\nDie tanzenden Senioren zauberten mir aber f\u00fcr lange Zeit ein L\u00e4cheln ins Gesicht. Beeindruckend der Elan, mit dem sie bei der Sache waren.<br \/>\nBis nach Peking sind es jetzt noch etwa 1200km. Eigentlich ein Katzensprung. Wenn ich zeitig genug in Peking ankomme, dann steht der Weiterfahrt bis zur Nordkoreanischen Grenze bei Donggang nichts mehr im Weg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 202 \/ 203 &#8211; 21.\/22.August Xi\u00b4an: 2 Ruhetage; bisher geradelt: 15.438km; 798:01h im Sattel; Hostel Nach ziemlich genau einem Monat bin ich nun am Ausgangspunkt der Seidenstra\u00dfe angekommen. Viel sp\u00fcrt man nicht mehr davon. 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