{"id":1899,"date":"2014-08-26T15:11:33","date_gmt":"2014-08-26T13:11:33","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1899"},"modified":"2015-01-16T19:08:36","modified_gmt":"2015-01-16T17:08:36","slug":"tag-204-207-kohlenstaub-liegt-in-der-luft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1899","title":{"rendered":"Tag 204 &#8211; 207: Kohlenstaub liegt in der Luft"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 204 &#8211; 23.August<\/h2>\n<p>Xi\u00b4an &#8211; ca.10km hinter Dali: 144km; 6:28h im Sattel; 24 &#8211; 33 Grad, bedeckt \/ Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Ganz nach dem Motto &#8211; das Beste kommt zum Schluss &#8211; hatte ich mir die Hauptattraktion von Xi\u00b4an f\u00fcr den Schluss aufgehoben. Um dem wegen Sommerferien und Wochenende voraussichtlich gewaltigen Touristenansturm auf die Terracotta Armee zu entgehen, begann der Tag f\u00fcr mich heute schon recht zeitig. Bis nach Lintong waren es knapp 40km und ich wollte gegen 8 Uhr vor Ort sein. Schlussendlich hatte es sich auch wirklich ausgezahlt, auf ein paar Stunden Schlaf zu verzichten. Ich war mit bei den Ersten, die das Gel\u00e4nde betraten und es dr\u00e4ngten schon von Beginn an unz\u00e4hlige Touristen nach.<br \/>\nDie Terracotta Armee wurde ja erst Ende der 70er Jahre durch Zufall entdeckt. Bei Brunnenbohrungen stie\u00df man auf Fragmente der Terracotta Armee. Zuvor wurde das Gel\u00e4nde immer wieder als Begr\u00e4bnisst\u00e4tte verwendet, nachdem sich die Terracotta Armee aber gut 4 Meter unter der Erdoberfl\u00e4che befindet, war man bis in die 70er Jahre diesem Geheimnis nicht auf die Spur gekommen.<br \/>\nIn drei unterschiedlich gro\u00dfen Hallen kann man einen Teil der bereits ausgegrabenen Armee begutachten. Ein Gro\u00dfteil befindet sich noch immer unter der Erde. Schon alleine die Vorstellung, eine ganze Armee aus Ton anzufertigen, um ein Grabmal zu bewachen ist beeindruckend. Noch viel beeindruckender ist aber die sagenhaft detailgetreue Darstellung der Soldaten und Pferde. Jeder Soldat und jedes Pferd ein Unikat. Sie unterscheiden sich alle sowohl in Haltung, als auch in Kleidung und Aussehen. Sogar das Profil der Schuhsohlen wurde bis ins kleinste Detail dargestellt. Man hat das Gef\u00fchl, einer leibhaftigen Person gegen\u00fcberzustehen. Leider sind durch die Lufteinwirkung die Farben verschwunden und somit kann man jetzt nicht mehr sehen, dass die Armee sogar bemalt war. Die lebensgro\u00dfen Figuren sind allesamt aus Ton gefertigt und wurden in gro\u00dfen \u00d6fen gebrannt. Teilweise sind die Figuren vollst\u00e4ndig erhalten, teilweise werden sie noch aus Einzelteilen zusammengesetzt und ein Gro\u00dfteil befindet sich generell noch unter der Erde. F\u00fcr die Arch\u00e4ologen vor Ort gibt es definitiv noch viel Arbeit.<br \/>\nMan geht davon aus, dass mehr als 30 Jahre an der Fertigung der Armee gearbeitet wurde. \u00c4hnlich wie bei den Grabanlagen der \u00c4gypter wurde auch hier die Anlage abschie\u00dfend versiegelt. Die Krieger, Streitw\u00e4gen und Pferde stehen in Reih und Glied nebeneinander, durch gestampfte Lehmw\u00e4nde sind sie in Gruppen voneinander getrennt. Mit Holzbalken, Gewebematten, Sand und Lehm wurde die Armee von oben her abgedeckt. Die Zug\u00e4nge wurden vermauert und \u00fcber Jahrhunderte blieb diese gewaltige Anlage vergessen.<br \/>\nJetzt kann man durchaus von einem Touristenmagneten sprechen. F\u00fcr gut eine Stunde konnte ich die Anlage in aller Ruhe besichtigen, dann wurde der L\u00e4rmpegel und das Gedr\u00e4nge schon relativ unangenehm. Scharenweise dr\u00e4ngen die Touristengruppen in die Ausgrabungshallen und kennen kein Pardon, wenn mal Andere im Weg stehen.<br \/>\nIch war froh, dann wieder auf dem Rad zu sitzen und meinen pers\u00f6nlichen Freiraum zu genie\u00dfen. Auf einer sehr schmalen und ruhigen Nebenstra\u00dfe ging die Fahrt nun weiter. Die Landschaft wird wieder flach wie ein Brett. Links und rechts der Stra\u00dfe gibt es nun wieder viele Obstb\u00e4ume. In der Gegend von Lintong wurden Granat\u00e4pfel angebaut, jetzt gehts vorbei an \u00c4pfeln, Pfirsichen und Trauben. Alle zum gr\u00f6\u00dften Teil am Baum in T\u00fcten verpackt. Die Rebst\u00f6cke unter einem dichten Netz vor den V\u00f6geln gesch\u00fctzt.<br \/>\nMittags gehts durch Weinan, einem an sich nicht allzugro\u00dfen Ort, allerdings entsteht hier aktuell eine gewaltig gro\u00dfe Industrie- und Gewerbezone. Die Ortsstruktur selbst deutet noch nicht auf die gro\u00dfe Weiterentwicklung hin, aber man sieht schon meterhohe Visualisierungen von leuchtenden Malls, breiten Alleen, vielen Bewohnern und vor allem Wohlstand. Die ersten gro\u00dfen Hotels stehen bereits, Hinweise auf die Mall und die gro\u00dfe Flaniermeile sucht man noch vergebens. In China, so habe ich den Eindruck, kann man den Fortschritt auch erzwingen. Fraglich bleibt aber, ob die Einwohner diese Art von Weiterentwicklung \u00fcberhaupt wollen. Wann werden all die leerstehenden Hochh\u00e4user bewohnt sein? Wer zieht in die St\u00e4dte, die bis auf Gewerbe und Industrie nicht viel zu bieten haben? Entstehen hier gerade zuk\u00fcnftige Geisterst\u00e4dte? Ich bin mal gespannt, wie sich die Lage weiter \u00f6stlich entwickelt. Mag sein, vielleicht befinde ich mich ja auch gerade in einer \u00dcbergangszone und der Zuzug ist bereits im Gange.<br \/>\nIn Weinan wurde ich auf jeden Fall trotz der etwas eigenartigen Stadtentwicklung sehr herzlich willkommen geheissen. Aus mehreren vorbeifahrenden Autos wurde mir freundlich zugewunken und der Wirt des Lokales meiner Wahl konnte seine Freude \u00fcber einen westlichen Gast auch nicht wirklich verbergen. Mit dem Rad von Deutschland aus bis nach China, da war er kurz mal sprachlos, kam dann aber kurz darauf mit einer Packung Taschent\u00fccher als Geschenk zur\u00fcck. Selbstverst\u00e4ndlich gab es dann abschlie\u00dfend noch diverse Erinnerungsfotos. So herzlich wurde ich schon lange nicht mehr verabschiedet.<\/p>\n<h2>Tag 205 &#8211; 24.August<\/h2>\n<p>Ca.10km hinter Dali &#8211; kurz hinter Hejin: 152km; 7:32h im Sattel; 20 &#8211; 33 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>In den vergangenen Tagen hatte ich mich ja schon direkt daran gew\u00f6hnt, dass ich bis gegen Mittag meist keine Sonne sehe, nachdem stets ein penetranter Dunstschleier die Sicht einschr\u00e4nkt. Was heute los war, kann ich mir auch nicht so recht erkl\u00e4ren. Auf einen Schlag gab es strahlend blauen Himmel und absolut klare Luft. Die Schw\u00fcle der letzten Tage &#8211; wie weggeblasen. Naja, ewig hielt das leider auch nicht an, aber zumindest f\u00fcr ein paar Stunden konnte ich den absolut klaren Himmel genie\u00dfen. Die Strecke wurde langsam wieder etwas h\u00fcgeliger. Der Boden wieder sehr lehmhaltig, daher auch wieder geh\u00e4uft Ziegeleien neben der Stra\u00dfe. Zum ersten Mal sah ich heute eine Ziegelei, die einfach nur aus dem bestehenden Boden herausgearbeitet wurde. Nachdem der Boden ohnehin schichtweise abgetragen und zu Ziegeln verarbeitet wird im Grunde gar keine so schlechte Idee.<br \/>\nDie Apfelernte setzt langsam ein. Vor einzelnen H\u00e4usern t\u00fcrmen sich bereits Berge von \u00c4pfeln, neben den Feldern werden die in T\u00fcten verpackten \u00c4pfel von den B\u00e4umen gepfl\u00fcckt, in Kisten verpackt und dann zur Sammelstelle gefahren. So ganz durchschaut habe ich noch nicht, worin der Zweck der T\u00fcten am Baum ist. Ein Gro\u00dfteil der \u00c4pfel schafft es nicht in die Kisten, weil sie zuvor aussortiert werden. Jetzt liegen die \u00c4pfel einzeln in Plastikt\u00fcten neben der Stra\u00dfe und faulen vor sich hin. Ein Schritt zur M\u00fcllvermeidung ist das auf alle F\u00e4lle keiner. Aber in Puncto M\u00fcllvermeidung, da braucht man in China ohnehin gar nicht erst anfangen zu diskutieren. Meine Vermutung, weshalb das Land noch nicht v\u00f6llig im M\u00fcll versinkt ist, dass es genug Menschen gibt, die ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln von recycelbarem M\u00fcll bestreiten. Selbst die Stra\u00dfenkehrer suchen stets nach Plastikflaschen, die sie in eigens mitgebrachten T\u00fcten horten und offenbar irgendwo dann gegen Entlohnung abliefern.<br \/>\nKurz nachdem ich aufgebrochen war f\u00fchrte mich meine Fahrt durch Weizhuang, mal wieder eine dieser St\u00e4dte, die sich dem Fortschritt verschrieben haben und das Wachstum durch kr\u00e4ftige Baut\u00e4tigkeit beschleunigen wollen. Offenbar liegt die Stadt aber in einem durch Erdbeben gef\u00e4hrdeten Gebiet. Im Norden der Stadt befindet sich ein H\u00fcgel, der offenbar erst k\u00fcrzlich als Sammelpunkt im Falle eines Erdbebens ausgebaut wurde. Eine ganze Batterie von Wegweisern zeigt die Richtung zur Notfallquelle, zum Notfallshop, zum Notfallzeltplatz, zur Notfallzentrale usw.<br \/>\nEs ist ein etwas eigenartiges Gef\u00fchl, wenn man am H\u00fcgel steht, die immense Baut\u00e4tigkeit am Fu\u00df des H\u00fcgels betrachtet und gleichzeitig im Hinterkopf hat, dass der Ort, von dem man einen so sch\u00f6nen Blick auf die Stadt hat, nur dazu geschaffen wurde, einen Gro\u00dfteil der Bewohner im Falle eines Erdbebens in Sicherheit zu bringen.<br \/>\nEin Highlight des heutigen Tages h\u00e4tte eigentlich die Besichtigung der Altstadt von Hancheng werden sollen. In Xi\u00b4an hatte ich noch gelesen, dass in Hancheng eine sehr reizvoller Altstadtkern zu finden sei. Entweder hatte ich nicht ausreichend gesucht, oder die Vorstellungen von einer reizvollen Altstadt gehen auseinander. Man sp\u00fcrte schon, dass man sich in einem traditionellen Gassensystem befindet, aber Stimmung kam nicht wirklich auf. Die engen Gassen waren vollgerammelt mit Touristenl\u00e4den, die H\u00e4user wirkten zwar ein wenig \u00e4lter, als man es sonst so in den D\u00f6rfern sieht, aber mit dem Bild einer alten chinesischen Stadt hatte das auch nicht viel gemeinsam.<br \/>\nNachdem ich keinen Reisef\u00fchrer zur Hand hatte, folgte ich meinem Bauchgef\u00fchl und lie\u00df Hancheng links liegen. Mag sein, dass es mehr zu sehen gegeben h\u00e4tte, aber irgendwie war mir heute nicht so sehr nach Suchen.<br \/>\nEs war br\u00fctend hei\u00df und mir war nur noch nach Schatten und einem k\u00fchlen Getr\u00e4nk. Auf der Gehsteigkante vor dem Laden sitzend wollte ich in Ruhe meinen Eistee genie\u00dfen, doch irgendwie roch es etwas eigenartig. Jetzt hat doch glatt gut einen Meter neben mir jemand einen ordentlichen Haufen hinterlassen. Das sehe ich jetzt nicht zum ersten Mal, dass mitten in der Stadt jemand sein Gesch\u00e4ft auf offener Stra\u00dfe erledigt. Wo f\u00fchrt das noch hin? Aber anderseits, es kommt ja auch nicht von irgendwo. Kurz davor hatte ich noch im Vorbeifahren beobachtet, wie ein vielleicht zehnj\u00e4hriger Junge mitten vor die Eingangst\u00fcre zum v\u00e4terlichen Laden pinkelt und Herr Vater steht einen Meter dahinter und streichelt sich nur den bis zur Brust entbl\u00f6\u00dften Bauch. Ich frage mich schon, ob es wirklich so normal ist, seine Notdurft auf offener Stra\u00dfe zu erledigen? Aber wenn man es von Kindesbeinen an so sieht&#8230; Naja, in Ermangelung eines alternativen Schattenplatzes blieb ich dann doch noch sitzen. Empfindlich darf man in China ohnehin nicht sein.<br \/>\nWomit ich nicht wirklich gerechnet hatte war, dass kurz hinter Hancheng die Landwirtschaft von Schwerindustrie verdr\u00e4ngt wird. Die Dichte an LKWs auf der Stra\u00dfe nahm deutlich zu und immer \u00f6fter ging es vorbei an qualmenden Schornsteinen, dr\u00f6hnenden Generatoren und Staub, Staub, Staub. Die Luftqualit\u00e4t sank drastisch. In den D\u00f6rfern und neben der Stra\u00dfe sammelte sich wieder der M\u00fcll. Radfahren wurde immer mehr zur Tortour. Ich wollte nur noch raus aus dieser Umgebung. Sehns\u00fcchtig blickte ich zur H\u00fcgelkette im Norden. So wie es aussieht zieht sich die Industriezone jetzt noch ein gutes St\u00fcck der Ebene entlang. Ich hatte mir gestern schon auf der Karte eine optionale Strecke durch die Berge angeschaut, die Entscheidung fiel demnach nicht schwer, wohin es nach \u00dcberquerung des nun wieder aufgetauchten Gelben Flusses gehen sollte. Ich hoffe mal, in der recht h\u00fcgelig wirkenden Nebenstrecke wieder etwas Ruhe finden zu k\u00f6nnen. Ein eigenartiges Gef\u00fchl ist es schon, durch eine Gegend zu radeln, die praktisch nur von Industrie beherrscht wird.<br \/>\nAm Ufer des Gelben Flusses haben sich unz\u00e4hlige kohleverarbeitenden Betriebe angesiedelt. Zum Staub der ohnehin schon auf der Stra\u00dfe liegt kommt jetzt auch noch der Kohlenstaub der LKWs hinzu. Das ganze Gemisch setzt sich herrlich auf der schwei\u00dffeuchten Haut fest.<br \/>\nDer Gelbe Fluss stellt die Provinzgrene zwischen Shaanxi (Provinzhauptstadt Xi\u00b4an) und Shanxi (Provinzhauptstadt Taiyuan) dar. Die r\u00f6tliche F\u00e4rbung die er noch in Lanzhou hatte ist nun verschwunden und hat sich in einen gelbbr\u00e4unichem Farbton gewandelt. Obwohl die Sonne noch immer vom Himmel brannte, war mir nicht so sehr nach Baden. Die Einheimischen f\u00fchlen sich hingegen im Wasser scheinbar recht wohl. Wenn ich aber bedenke, wie in den an einem Fluss gelegenen D\u00f6rfern die M\u00fcllentsorgung funktioniert, dann meide ich das Wasser des Gelben Flusses lieber.<\/p>\n<h2>Tag 206 &#8211; 25.August<\/h2>\n<p>Kurz hinter Heji &#8211; Linfen: 138km; 7:07h im Sattel; 18 &#8211; 34 Grad, Sonne<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Schon nach den ersten Metern war klar, dass heute einige H\u00f6henmeter absolviert werden m\u00fcssen, aber die Strecke schien vielversprechend. Der zu Beginn noch recht intensive Verkehr d\u00fcnnte nach und nach aus und kurz bevor der erste Gipfel erreicht war, konnte man schon die Stille und die klare Luft genie\u00dfen. Von den vorbeidonnenden LKWs mit ihren dicken Staubwolken brauchte ich unbedingt mal einen Tag Pause.<br \/>\nMein Kartenmaterial f\u00fcr China ist ja nicht unbedingt sonderlich detailliert. Die \u00dcbersichtskarte eignet sich prim\u00e4r zum groben Orientieren und die offline Karte ist auch nicht immer auf dem aktuellsten Stand. Ein wenig \u00fcberrascht war ich aber, als ich nach Xiangning kam. Auf meiner Karte war der Ort zwar verzeichnet, doch die Bundesstra\u00dfe in diesem Bereich nur durch einen Feldweg verbunden. In den letzten Jahrzehnten muss Xiangning einen gewaltigen Entwicklungsschub bekommen haben. Die wenigsten Geb\u00e4ude sind \u00e4lter als 20 Jahre, im Stadtzentrum ein gewaltiges Veranstaltungsgeb\u00e4ude und auf den Stra\u00dfen reges Treiben. Typisch f\u00fcr die Gegend sind offenbar etwa handtellergro\u00dfe K\u00fcchlein, die mit s\u00fc\u00dfer Sojabohnenpaste und N\u00fcssen gef\u00fcllt sind. Man b\u00e4ckt sie frisch am Stra\u00dfenrand, wo sie dann verkaufsfertig in Kartons gestapelt werden. Bisher hatte ich nur bei Moslems s\u00fc\u00dfes Geb\u00e4ck gesehen, jetzt also zum ersten Mal was S\u00fc\u00dfes von Nicht Moslems.<br \/>\nIch gehe mal davon aus, dass das rapide Stadtwachstum auf die Kohlenindustrie zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Auch hier in der Gegend spielt Kohle eine bedeutende Rolle. In Guanlouzhen machte ich vor dem letzten gro\u00dfen Anstieg dann meine verdiente Mittagspause. Die Stra\u00dfe glitzerte regelrecht vom Kohlenstaub. Was mir noch nicht so ganz klar ist, wo die Kohle eigentlich genau herkommt. Man sieht eigentlich nur Lagerfl\u00e4chen und Aufbereitungsanlagen, der Abbau muss irgendwo anders stattfinden. Ob hier im L\u00f6ssboden irgendwo Kohle versteckt ist?<br \/>\nLandschaftlich hatte sich der Ausflug durch die h\u00fcgelige Landschaft auf alle F\u00e4lle ausgezahlt. Wenn auch recht schwei\u00dftreibend, so war die doch sehr abwechslungsreiche Strecke genau das Richtige. Fast schon ein bisschen schade, dass ich jetzt wieder in die Ebene zur\u00fcckkehre. Die doch noch recht kr\u00e4ftige Sonne entlockt den Pinien am Stra\u00dfenrand einen schon lange nicht mehr genossenen Duft. In engen Serpentinen gehts bergab, stellenweise hat man das Gef\u00fchl, man radelt in Italien.<br \/>\nNach einer herrlich langen Abfahrt wurde ich in Linfen wieder von hupenden LKWs und knatternden Lastendreir\u00e4dern empfangen. Von Linfen aus m\u00f6chte ich in einem Tag bis nach Pingyao kommen, offenbar einer der letzten St\u00e4dte Chinas die noch \u00fcber einen intakten, historischen Stadtkern verf\u00fcgt. Irgendwie landete ich dann zu meiner gro\u00dfen \u00dcberraschung in einer Art Erholungspark. Direkt am Fluss wurde offenbar erst vor kurzem eine langgezogene Parkanlage errichtet, die mich unmittelbar an die Wiener Donauinsel erinnerte. Leider eignet sich das Wasser aber definitiv nicht zum Baden. Ein paar Kilometer radelte ich noch entlang des Flusses, die Bundesstra\u00dfe zwar in Sicht-, jedoch nicht in H\u00f6rweite und fand dann sogar noch mitten im Pappelhain einen ruhigen Platz f\u00fcr mein Zelt. Jetzt hei\u00dft es noch einmal Kr\u00e4fte sammeln, f\u00fcr morgen steht eine lange Etappe auf dem Plan, doch daf\u00fcr gibts danach aber auch einen Tag Pause.<\/p>\n<h2>Tag 207 &#8211; 26.August<\/h2>\n<p>Linfen &#8211; Pingyao: 169km; 7:27h im Sattel; 18 &#8211; 27 Grad, wechselhaft<br \/>\nHostel<\/p>\n<p>Nach den vergangenen Tagen mit viel Schwei\u00df und noch mehr Staub in der Luft freute ich mich schon heute Morgen ganz besonders auf die Ankunft in Pingyao. Bis dahin hie\u00df es aber noch recht kr\u00e4ftig strampeln. Ich genoss die Morgenstimmung am Fenhe River, in dessen Seitenarmen fleissig Sand abgebaut wurde. Leider konnte ich dem Fluss nur noch ein paar Kilometer folgen, dann endete die Uferstra\u00dfe. Zur\u00fcck auf der Bundesstra\u00dfe ging das Gehupe wieder los. Viele Pappeln spendeten Schatten und bremsten auch den Gegenwind ein wenig ein. In vielen kleinen Betrieben wird neben der Stra\u00dfe Sch\u00e4lfurnier produziert. Die einzelnen Furniere werden in speziellen Vorrichtungen luftgetrocknet. Holzverarbeitende Betriebe und es riecht kein bisschen nach Holz&#8230; das ist ein wenig ungew\u00f6hnlich. Die getrockneten Furniere werden zu B\u00fcndeln verschn\u00fcrt und auf kleine LKWs geladen die in der Flut von Kohlenlastern fast untergehen.<br \/>\nKohle wird hier in fast jeder Form transportiert. Manche Laster transportieren mehr oder weniger Kohlenstaub, andere faustgro\u00dfe St\u00fccke, wieder andere Kohlenst\u00fccke, die schon eher an Felsbrocken erinnern. Nat\u00fcrlich verliert jeder der Laster immer ein bisschen von der Ladung. Abseits der Stra\u00dfe ist alles in einen tiefschwarzen Schleier geh\u00fcllt. Schon Mittags bin ich von Kopf bis Fu\u00df mit Kohlenstaub \u00fcberzogen. Die Sonnencreme h\u00e4tte ich mir heute durchaus sparen k\u00f6nnen.<br \/>\nZumindest beim Essen gab es heute wieder etwas neues. Eine Mischung aus Omelett und Pfannkuchen hatte mein Interesse geweckt. Offenbar werden hier unz\u00e4hlige Eier mit Mehl, ein paar Fr\u00fchlingszwiebeln und Salz vermischt und auf d\u00fcnn ausgebacken. Bisher hatte ich dieses Gericht bei noch keinem Stra\u00dfenlokal gesehen. Sollte es mir wieder mal begegnen werde ich aber definitiv noch einmal zuschlagen.<br \/>\nF\u00fcr die restliche Etappe hatte ich aber genau die richtige Unterlage, um mehr oder weniger ohne Pause bis nach Pingyao durchzuradeln. Bis auf h\u00f6llisch viel Verkehr und immer wieder Kohlebetriebe gab es nicht sonderlich viel zu sehen. Die Bundesstra\u00dfe 108 auf der ich seit Xi\u00b4an unterwegs bin, f\u00fchrt bis nach Peking. Die ersten Wegweiser zur Hauptstadt wurden schon gesichtet. Wenn ich den direkten Weg w\u00e4hle, sind es nur noch gut 700km. Die Kilometer schmelzen dahin. Wenn es die Zeit zul\u00e4sst, w\u00fcrde ich aber ganz gerne noch einen kleinen Umweg in Kauf nehmen und meine Route \u00fcber Datong legen, um dann von Nordwesten nach Peking einzurollen. N\u00e4heres wird sich sicher in den kommenden Tagen kl\u00e4ren.<br \/>\nNachdem das Hostel meiner Wahl bereits ausgebucht war, wurde ich zum eben erst er\u00f6ffneten Schwesterbetrieb gef\u00fchrt, was definitiv kein Schaden f\u00fcr mich war. Im schattigen Innenhof eines stilvoll restaurierten chinesischen Stadthauses fand ich den perfekten Ort zum Erholen.<br \/>\nEin herrliches Gef\u00fchl, die vor Schwei\u00df und Staub schon ganz steifen Klamotten mal wieder in die Waschmaschine zu geben. Die Stadtbesichtigung verschiebe ich ganz entspannt mal auf den morgigen Tag. F\u00fcr heute hei\u00dft es erst einmal die Beine hochlegen und ERHOLEN.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 204 &#8211; 23.August Xi\u00b4an &#8211; ca.10km hinter Dali: 144km; 6:28h im Sattel; 24 &#8211; 33 Grad, bedeckt \/ Sonne Camping Ganz nach dem Motto &#8211; das Beste kommt zum Schluss &#8211; hatte ich mir die Hauptattraktion von Xi\u00b4an f\u00fcr den Schluss aufgehoben. 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