{"id":1939,"date":"2014-08-31T03:31:59","date_gmt":"2014-08-31T01:31:59","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=1939"},"modified":"2015-01-16T19:16:45","modified_gmt":"2015-01-16T17:16:45","slug":"tag-209-211-warum-china-eigentlich-buddhistisch-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=1939","title":{"rendered":"Tag 209 &#8211; 211: Warum China eigentlich buddhistisch ist"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 209 &#8211; 28.August<\/h2>\n<p>Pingyao &#8211; 15km hinter Xinzhou: 188km; 7:58h im Sattel; 20 &#8211; 26 Grad, bedeckt<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Vermutlich durch das viele \u00dcbernachten in der freien Natur hat sich mein Schlafrhythmus ziemlich an den Lauf der Sonne angepasst. Fast auf die Minute genau wache ich nun jeden Tag eine gute viertel Stunde vor Sonnenaufgang auf. Manchmal \u00fcberlegt man schon, ob man sich vielleicht noch einmal umdrehen sollte, aber andererseits schadet ein fr\u00fcher Start nicht, da es im Moment schon um halb acht dunkel wird. Die langen Fahrradtage sind vorbei, jetzt hei\u00dft es das Tageslicht so gut als m\u00f6glich ausnutzen.<br \/>\nVom gestrigen infernalen Gewitter war heute Morgen praktisch nichts mehr zu sehen. Entlang der Stadtmauer hatte es ein paar B\u00e4ume umgeknick, aber sonst deutete nichts mehr auf das gestrige Chaos hin.<br \/>\nDer Tag Pause in Pingyao hatte gut getan, ich f\u00fchlte mich wie neu geboren. Die Etappe bis Peking wird jetzt doch noch einmal mit einem Zwischenstopp ausfallen. In Datong werde ich bei einem Warmshowers Kontakt einen Tag unterkommen, somit stehen erst einmal nur gute drei Tage Radeln vor mir.<br \/>\nDer Schwerlastverkehr mit dem ich mich bei der Anfahrt auf Pingyao herum\u00e4rgern musste, war heute wie weggezaubert. Es machte fast den Eindruck, als ob s\u00e4mtliche Kohlenlaster nur bis Pingyao unterwegs waren. Und wenn das noch nicht schon gut genug gewesen w\u00e4re &#8211; zu meiner gro\u00dfen Freude gab es seit einer gef\u00fchlten Ewigkeit endlich wieder einmal ein wenig R\u00fcckenwind. Bis nach Taiyuan, der Provinzhauptstadt, ging es praktisch keinen Meter bergauf, oder bergab. Mit leichtem R\u00fcckenwind im Gep\u00e4ck kam ich erstaunlich flott voran und war bereits gegen Mittag in der Stadt. Von der Ferne machte Taiyuan keinen besonders sympathischen Eindruck. Hochh\u00e4user \u00fcber Hochh\u00e4user und eine dicke Dunstwolke \u00fcber der Stadt. Als ich mich dann aber dem eigentlichen Stadtkern n\u00e4herte zeigte sich Taiyuan von einer ganz anderen Seite. Ich m\u00f6chte fast sagen, Taiyuan ist die erste chinesische Stadt die ich als sauber und gepflegt beschreiben w\u00fcrde. Scheinbar hatte man es geschafft, den Schwerlastverkehr und auch die nervt\u00f6tenden Knatterdreir\u00e4der aus dem Stadtkern zu verbannen. Es gibt breite Fahrradstreifen und \u00fcberraschend viele Fahrradfahrer. Sehr viele sind mit den gr\u00fcnen Leihr\u00e4dern unterwegs. Fast an jeder gr\u00f6\u00dferen Stra\u00dfenkreuzung gibt es Verleihstationen. So wie es scheint ist die Benutzung der Leihr\u00e4der kostenlos, nur eine Registrierung ist erforderlich, um die R\u00e4der am Terminal entsperren zu k\u00f6nnen. Die Stadt hat hier auf R\u00e4der mit Kardanantrieb und 3-Gang Schaltung gesetzt. In technischer Hinsicht sind die R\u00e4der denen der meisten Chinesen weit \u00fcberlegen, vielleicht ist das auch mit ein Grund, weshalb so viele Leute die R\u00e4der benutzen.<br \/>\nDie vielen B\u00e4ume und das Fehlen der LKWs sorgen f\u00fcr eine sehr angenehme Luftqualit\u00e4t in der Stadt. Diese \u00e4ndert sich dann aber wieder schlagartig, wenn man an den Stadtrand gelangt, wenn die LKWs wieder zur\u00fcckkommen und man an unz\u00e4hligen Fabrikanlagen vorbeiradelt. Sogar die Arbeiter, die auf dem Weg zur Fabrik sind, nutzen die Leihr\u00e4der der Stadt. Eine R\u00fcckgabestation direkt vor dem Fabrikseingang ist hier nat\u00fcrlich eine feine Sache.<br \/>\nNachdem ich mich jetzt ja schon relativ nahe an Peking befinde hatte ich eigentlich mit einer immer dichter werdenden Besiedelung gerechnet, doch \u00fcberraschenderweise f\u00fchrt mich die heutige Strecke durch recht gro\u00dfe Abschnitte unbesiedelten Gebietes. Fast den ganzen Tag bin ich nun durch eine vollkommen flache Landschaft geradelt. An Fernsicht war aufgrund des Dunstschleiers der \u00fcber der gesamten Gegend hing, nicht zu denken. Pl\u00f6tzlich taucht dann eine Art Berg vor mir auf. Die Landschaft macht jetzt eine rasend schnelle Ver\u00e4nderung mit. L\u00f6ssboden und offenliegendes Gestein wechseln sich ab. Die Maisfelder werden auf einen Schlag unsagbar gro\u00df. Anscheinend \u00e4ndern sich jetzt auch die Anbau- und Erntemethoden. Mit der Hand kann man in diesen extrem gro\u00dfen Feldern nicht mehr viel ausrichten. Bis nach Xinzhou, der n\u00e4chstgr\u00f6\u00dfere Stadt nach Taiyuan gehts eine lange Abfahrt hinab. Der R\u00fcckenwind ist immer noch sp\u00fcrbar und die Tageskilometer purzeln nur so vor sich hin. Die Bundesstra\u00dfe macht um Xinzhou einen gewaltig gro\u00dfen Bogen. Nachdem es eigentlich Zeit f\u00fcr die Zeltplatzsuche ist, fahre ich diesen Bogen mit aus und versuche irgendwo in Mitten der kilometerlangen Maisfelder einen Platz f\u00fcr mein Zelt zu finden. Kein leichtes Unterfangen, aber schlussendlich doch nicht unm\u00f6glich. Es ist immer wieder erstaunlich, was so ein bisschen R\u00fcckenwind &#8211; und wenn es auch nur ganz wenig ist &#8211; f\u00fcr Auswirkungen hat. Wenn das so weitergeht, dann kann ich mir ja direkt noch einen zus\u00e4tzlichen Tag in Peking freinehmen&#8230;<\/p>\n<h2>Tag 210 &#8211; 29.August<\/h2>\n<p>15km hinter Xinzhou &#8211; Auxiangsi: 138km; 6:22h im Sattel; 17 &#8211; 34 Grad, wechselhaft<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Die Morgentemperaturen und das taufeuchte Gras stimmten schon mal ein wenig auf den Herbst ein. Die Gegend in der ich momentan unterwegs bin hat offenbar eine ziemlich hohe Luftfeuchtigkeit. Vielleicht ist das ja auch der Grund f\u00fcr die intensive Landwirtschaft, weil angeblich regnet hier es nicht besonders viel. Die Sonne war jedenfalls hinter dem dicken Dunstschleier nur sehr schwer auszumachen. Der Wind blies immer noch dezent aus S\u00fcden und lie\u00df mich recht gut vorankommen. Am sp\u00e4ten Vormittag dann die erste gro\u00dfe \u00dcberraschung des Tages&#8230; Seit fast 4000km kommen mir nun endlich wieder mal zwei Tourenradler entgegen. Iwona und Krzysiek (auf Facebook unter &#8220;road to nowhere&#8221; zu finden) sind im April aus Polen losgefahren, haben Russland und die Mongolei durchquert und radeln jetzt in den S\u00fcden, wo sie vermutlich in Bali die Reise beenden wollen. In Ulan Bator hatten sie gl\u00fccklicherweise ein 60 Tage Visum f\u00fcr China erhalten, m\u00fcssen also keine Verl\u00e4ngerung einplanen. Nachdem es aktuell scheinbar immer schwieriger wird Indien mit dem Rad zu durchqueren, werden die beiden vermutlich von Bali aus wieder nach Polen zur\u00fcckfliegen. Ich hatte ja schon fast die Bef\u00fcrchtung, dass mir gar kein Radler mehr begegnet, hatte dabei aber nicht bedacht, dass die Route von der Mongolei kommend nach China in der Regel \u00fcber Datong verl\u00e4uft. Vielleicht trifft man ja doch noch ein paar mehr Gleichgesinnte auf dem Weg nach Peking. Die Freude meinerseits war jedenfalls recht gro\u00df, nach so langer Zeit endlich einmal wieder mit anderen Radlern zu plaudern.<br \/>\nEs werden Informationen \u00fcber die vor einem liegenden Strecken ausgetauscht und ein wenig \u00fcber die Erfahrungen der letzten Monate gequatscht. Es sieht so aus, als ob mir noch ein paar ganz nette Etappen bevorstehen. Landschaftlich soll die Gegend zwischen Datong und Peking sehr reizvoll sein. Liebend gerne h\u00e4tte ich den Zweien \u00e4hnliches \u00fcber die vor ihnen liegende Strecke berichtet, aber da f\u00fchrt nun mal kein Weg vorbei &#8211; sie bewegen sich jetzt direkt in die Hochburg des Kohlenstaubs hinein. Streckenabschnitten ohne Autoverkehr f\u00fcr eine Dreiviertelstunde wie sie es auf dem Weg von Peking hierher erlebt haben sind auf den vor ihnen liegendem St\u00fcck eher selten zu finden. Ich bin auf alle F\u00e4lle schon sehr gespannt, was die n\u00e4chsten Tage so bringen werden.<br \/>\nIch verlasse nun die Bundesstra\u00dfe 108 und biege auf die 208 in Richtung Datong ein. Von nun an gehts bergauf. Wie auf Bestellung rei\u00dft jetzt auch die Dunstglocke auf und schlagartig wird es br\u00fctend hei\u00df. Na super! Jetzt hei\u00dft es eh schon klettern und dann wird es auch noch hei\u00df&#8230; Mein Zelt muss eh irgendwo zum Trocknen aufgestellt werden dann hat die Hitze zumindest irgendeinen Sinn.<br \/>\nEs geht bis auf 1700m hinauf, die Steigung f\u00fcr chinesische Verh\u00e4ltnisse relativ stark, daf\u00fcr ist aber die Szenerie sehenswert. Der Verkehr hat sich auch praktisch in Luft aufgel\u00f6st. Passstrecken scheinen bei den Chinesen nicht sehr beliebt zu sein. Nur ein paar wenige LKWs schnaufen den Berg hinauf. Der L\u00f6ssboden war schlagartig verschwunden, jetzt gibt es wieder richtiges Gestein. Nadelb\u00e4ume und langes, bereits vertrocknetes Gras erinnern ein wenig an die Bergstrecken in Europa. Auch wenn der Schwei\u00df in Str\u00f6men flie\u00dft, ist es eine Freude, den H\u00fcgel hinaufzuklettern. Immer wieder mal werde ich von den LKW Fahrern grinsend begr\u00fc\u00dft, einer will mich sogar unbedingt mitnehmen, nur f\u00e4hrt er in die falsche Richtung. Damit er zumindest irgendetwas f\u00fcr mich tun kann, gibts Nachschub f\u00fcr die Trinkflasche. Die Wasserspende nehme ich dankend an, da es in letzter Zeit ohnehin immer etwas schwierig ist an Wasser zu gelangen. Bisher hatte ich mich ja stets an den WCs der Tankstellen mit Wasser eingedeckt, aber seit ich Pingyao verlassen habe, sind auch die Waschbecken an den Tankstellen verschwunden.<br \/>\nDie Passh\u00f6he ist erreicht und nun geht es z\u00fcgig ins Nachbartal hinab. Fast w\u00e4re ich daran vorbeigesaust, aber gerade noch rechtzeitig erblickte ich etwas abseits der Stra\u00dfe \u00dcberreste der Chinesischen Mauer. Auch hier beseht die Mauer nur aus Lehmziegeln, ist stellenweise schon arg zerfallen, doch man sieht gut, wie sie in der Ferne \u00fcber viele Kilometer sich die H\u00e4nge hinaufzieht. Generell wirkt die Mauer in diesem Abschnitt aber um vieles st\u00e4rker, als der Streckenabschnitt, den ich noch in der Gegend um Jiayuguan bereits gesehen habe. Der Anblick hier ist schon ziemlich imposant. Ich stelle mir den Kraftaufwand immens vor, eine derart gro\u00dfe Mauer durch die Berge zu bauen. Aber zumindest verl\u00e4uft sich genau dort, wo der L\u00f6ssboden wieder zur\u00fcckkommt, also musste man immerhin das Baumaterial nicht extra transportieren.<br \/>\nAnfangs dachte ich ja stets, dass die Chinesische Mauer einfach in einen gro\u00dfen Bogen um das damalige Reich verl\u00e4uft. In Wirklichkeit windet sie sich in einem wilden, kaum \u00fcberschaubaren Zick-Zack durchs Land.<br \/>\nSchon w\u00e4hrend der langen Abfahrt von der Passh\u00f6he war deutlich zu sp\u00fcren, dass das Klima auf der anderen Bergseite deutlich angenehmer ist. Die hohe Luftfeuchtigkeit ist verschwunden und man sieht stellenweise sogar ein wenig blauen Himmel. Neuerdings bin ich schon dazu \u00fcbergegangen, kurz bevor ich das Zelt aufstelle an einer Tankstelle noch etwas Wasser zu erbetteln, weil man dort in der Regel hei\u00dfes Wasser bekommt. Mit einem Liter Wasser zu duschen ist nicht unbedingt Luxus, aber eine warme Dusche am Abend ist einfach nicht zu \u00fcberbieten.<\/p>\n<h2>Tag 211 &#8211; 30.August<\/h2>\n<p>Auxiangsi &#8211; Datong: 134km; 5:48h im Sattel; 16 &#8211; 28 Grad, bedeckt \/ Regen<br \/>\nWarmshowers<\/p>\n<p>Seit einer gef\u00fchlten Ewigkeit gab es heute Morgen mal wieder Besuch vom Nachbarbauern. In China hatte ich bisher die Erfahrung gemacht, dass die Leute, obwohl ich ihnen mit dem Zelt definitiv aufgefallen bin, ehr so getan hatten, als ob sie mich nicht gesehen h\u00e4tten. Der gespr\u00e4chige Zeitgenosse von heute Morgen war da ganz anders. Minutenlang erz\u00e4hlte er mir irgendwas, demonstrierte mir, wie gut die Bl\u00fctenk\u00f6pfe einer bestimmten Blume schmecken und beobachtete ganz interessiert, wie ich das Zelt zusammenpacke und mein M\u00fcsli zubereite. Irgendwann war er dann aber wortlos verschwunden, doch nur um kurz darauf wieder mit drei dicken Tomaten anzutanzen, die ich unbedingt mitnehmen sollte. Ich wei\u00df gar nicht einmal, ob es ihm klar war, dass ich kein einziges Wort seiner ausschweifenden Erz\u00e4hlungen verstanden habe, aber es war irgendwie trotzdem ein netter Start in den Tag.<br \/>\nVom Verkehr her war es heute eher ein relativ m\u00fchsamer Start. Die Flut an LKWs riss nicht ab und auch auf der &#8220;Nebenstrecke&#8221;, die ich mir gestern noch rausgesucht hatte, herrschte ziemlich dichter Verkehr. Auch hier wird praktisch \u00fcberall Kohle gelagert, oder abgebaut. Die Stra\u00dfe ist von einer feinen Schicht Kohlenstaub \u00fcberzogen. Die meisten LKWs transportieren ihre Ladung hier sogar ohne Abdeckung. Es brummt ein LKW nach dem n\u00e4chsten neben mir vorbei. Die D\u00f6rfer durch die es heute geht machen einen sehr trostlosen Eindruck. Alles ist schwarz, es liegen haufenweise defekte LKW Reifen vor den H\u00e4usern und irgendwie ist eine leicht depressive Stimmung in der Luft. Der M\u00fcll wird mal wieder \u00fcberall entsorgt, wo gerade Platz ist. Streckenweise wird einem regelrecht \u00fcbel von all dem Dreck, der Verwahrlosung und der R\u00fccksichtslosigkeit mit der Umwelt umgegangen wird.<br \/>\nEs dauerte ziemlich lange, bis ich endlich das gefunden hatte, wonach ich gesucht hatte&#8230; frische Luft und Ruhe auf der Stra\u00dfe. Nach gut einer Stunde Aufstieg ging es jetzt wieder gem\u00fctlich bergab. In Zuoyung gabs die wohlverdiente erste Pause. Der Ort um vieles sauberer als alle Orte zuvor und die Leute auch erstaunlich freundlich und gespr\u00e4chig. Hier im Ort sieht man wieder mal \u00dcberreste der Chinesischen Mauer. Auch in den folgenden Orten sieht man immer wieder lange Mauerst\u00fccke, die in die Siedlungsstruktur mit eingearbeitet wurden. Viele H\u00e4user wurden direkt an die Mauer angebaut, oder es wurden Felder im Schutz der Mauerreste angelegt.<br \/>\nBevor es heute nach Datong ging war noch ein wenig Besichtigung angesagt. Die Yungang Grotten befinden sich nur knapp 15km vom Datong entfernt und lagen genau auf meiner Strecke. Das doch recht hohe Eintrittsgeld wurde hier aber zweckgebunden eingesetzt. Es gibt ein \u00fcberaus modern wirkendes Museum und einen sehr luxuri\u00f6s angelegten Eingangsbereich. Hier haben sich die Planer mal richtig Gedanken gemacht, bevor zu Bauen begonnen wurde.<br \/>\n\u00dcber die Yungang Grotten hatte ich mich im Vorfeld schon etwas informiert, konnte also mit einem gewissen Basiswissen zur Tat schreiten. Man wandert entlang an einer etwa einen Kilometer langen Felswand in die unz\u00e4hlige Grotten gehauen wurden. Einige von ihnen sind gigantisch gro\u00df, andere wirken eher wie ein Heimaltar. Dem Sandstein setzt die Witterung ziemlich zu, daher sind einige der Statuen schon praktisch nicht mehr zu erkennen, andere, die weit besser gesch\u00fctzt liegen zeugen aber noch von der ausserordentlich handfertigen Steinmetzkunst. Schon vor hunderten Jahren wurden erste Bestrebungen unternommen, die Grotten vor der Witterung zu sch\u00fctzen und so entstanden immer wieder h\u00f6lzerne Vorbauten, die Wind und Regen abhalten sollten.<br \/>\nAnhand der Yungang Grotten l\u00e4sst sich sehr gut erkl\u00e4ren, warum eigentlich in China der Buddhismus vorherrschend ist. Die Kaiser der Wei-Dynastie hatten im 5. Jahrhundert den Buddhismus zur Staatsreligion erkl\u00e4rt. Der Buddhismus war damals eigentlich noch recht unbekannt, doch die Herrscher glaubten, mit einer friedfertigen Staatsreligion ihr Volk leichter zu beherrschen zu k\u00f6nnen und so hielt der Buddhismus Einzug nach China. M\u00f6nche und K\u00fcnstler entlang der Seidenstra\u00dfe wurden nach Pingchen, dem heutigen Datong geholt um in der N\u00e4he der damaligen Hauptstadt die monumentalen Buddhastatuen in den Fels zu hauen. Die ersten Statuen stellen in Wirklichkeit noch Portraits der Kaiser dar, demnach verehrte das Volk Herrscher und Gottheit zugleich. Nach etwa 60 Jahren wurden die Arbeiten aber eingestellt, da die Herrscher ihre Hauptstadt nach Luoyang verlegten. Dort entstanden dann die Longmen Grotten.<br \/>\nDer Strom an Touristen hielt sich eigentlich in Grenzen und so konnte man relativ entspannt in den teilweise \u00fcber 15m hohen Grotten stehen und die unz\u00e4hligen Statuen im Fels bewundern.<br \/>\nLeider setzte am sp\u00e4ten Nachmittag ziemlich kr\u00e4ftiger Regen ein, sodass ich wohl oder \u00fcbel mal wieder in die Regenklamotten schl\u00fcpfen und das letzte St\u00fcck in Richtung Datong bei str\u00f6mendem Regen absolvieren musste. Zum Gl\u00fcck passte mich aber Kevin &#8211; mein Warmshowers Gastgeber &#8211; bereits bei der Stadteinfahrt mit dem Firmenbus seines Fahrradladens ab. Tropfnass wie ich war ging es erst einmal in seinen Laden. Vor einem Jahr hatte er in Datong diesen doch recht stattlichen Fahrradladen er\u00f6ffnet und das Gesch\u00e4ft l\u00e4uft anscheinend recht gut. Im oberen Stock gibt es ein Lokal, das nur f\u00fcr Freunde und Gesch\u00e4ftspartner aufkocht. Insgesamt arbeiten im Laden und im Lokal 20 Personen.<br \/>\nKevin sah mir offenbar an, dass ich ein wenig durchgefroren war und so ging es anschlie\u00dfend zum Hot-Pot Essen. F\u00fcr mich gab es dieses stark an ein Fondue erinnernde Essen zum ersten Mal. In das kochende Wasser des mit Kohle beheizten Topfes in der Mitte des Tisches gibt man allerlei Fleisch und Gem\u00fcse, w\u00e4hrend still und heimlich eine Flasche Schnaps geleert wird&#8230; Zum ersten Mal gab es heute auch Tofu der sehr stark an Schimmelk\u00e4se erinnerte. Trotz des bestialischen Geruches hatte der Tofu einen recht interessanten Geschmack.<br \/>\nDer Schnaps, die Kohlenheizung am Tisch und das viele Essen hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Aufgew\u00e4rmt, v\u00f6llig entspannt und ein wenig ersch\u00f6pft gings durch das verregnete Datong zur\u00fcck zu Kevins Zweitwohnung, wo ich erst mal alleine zur\u00fcckgelassen wurde, doch dar\u00fcber wollte ich mir jetzt mal nicht den Kopf zerbrechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 209 &#8211; 28.August Pingyao &#8211; 15km hinter Xinzhou: 188km; 7:58h im Sattel; 20 &#8211; 26 Grad, bedeckt Camping Vermutlich durch das viele \u00dcbernachten in der freien Natur hat sich mein Schlafrhythmus ziemlich an den Lauf der Sonne angepasst. 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