{"id":2135,"date":"2014-09-23T12:17:26","date_gmt":"2014-09-23T10:17:26","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2135"},"modified":"2014-09-23T12:17:26","modified_gmt":"2014-09-23T10:17:26","slug":"tag-231-235-der-westen-im-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2135","title":{"rendered":"Tag 231 &#8211; 235: Der Westen im Osten"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 231 &#8211; 235 | 19. &#8211; 23.September<\/h2>\n<p>Jeongdongjin \/ Andong \/ Gyeongju \/ Busan \/ Daegu \/ Mokpo: 5 Tage ohne Fahrrad<br \/>\n5 x Hotel<\/p>\n<p>Willkommen in S\u00fcdkorea, oder auch &#8211; Willkommen zur\u00fcck in der westlichen Welt. Der Kontrast zu China k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer nicht sein. Schon als ich vor gut zwei Monaten von Kasachstan aus nach China eingereist war, erlebte ich einen regelrechten Kulturschock, und auch jetzt in Korea f\u00fchlt es sich \u00e4hnlich an. In China sp\u00fcrte man \u00fcberall den Drang zur Modernisierung zum Anschluss an den Westen, doch war meist noch ein weiter Weg zu gehen, hier in Korea findet man sich in einem hochentwickeltem und stark westlich orientierten Land wieder. Schon nach den ersten Tagen wird klar, dass ich mich wirklich in einer anderen Welt befinde. Abgeschottet durch Nordkorea, demnach mehr oder weniger eine Insel muss sich S\u00fcdkorea der restlichen Welt \u00f6ffnen, um auf dem globalen Markt wettbewerbsf\u00e4hig zu sein. Man muss sagen, in diesem Wettbewerb kann das Land durchaus mithalten. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen pl\u00f6tzlich wieder Englisch sprechen, und wieviel wieder auf Englisch angeschrieben ist. F\u00fcr westliche Touristen schon fast ein Traumland. Die \u00c4hnlichkeiten zu Japan sind um vieles gr\u00f6\u00dfer als zu China. Selbstverst\u00e4ndlich l\u00e4sst sich der starke westliche Einfluss auch im Preisniveau ablesen. Vorbei sind die Zeiten des g\u00fcnstigen Essens und der relativ g\u00fcnstigen Schlafgelegenheiten. Preislich liegt S\u00fcdkorea mit Europa nahezu gleichauf.<br \/>\nEs sticht ins Auge, dass sich die Gesellschaftsstruktur deutlich von China unterscheidet. Recht h\u00e4ufig sieht man Familien mit zwei oder drei Kindern, das Einzelkindmodell scheint hier nicht sonderlich weit verbreitet zu sein. Im Stra\u00dfenverkehr bewegt man sich endlich wieder r\u00fccksichtsvoll und vorausschauen. F\u00fcr Fu\u00dfgeher oder Radfahrer wird wieder gebremst und die Vorrangregel gewinnt wieder an Bedeutung. Nur selten wird noch von der Hupe Gebrauch gemacht. Elektrofahrr\u00e4der, wie sie in China das ganze Land \u00fcberschwemmt hatten, sieht man in S\u00fcdkorea gar nicht. Auch die L\u00e4rm und Qualm verbreitenden Lastenmotorr\u00e4der gibt es nicht mehr. Der Stra\u00dfenverkehr ist um Welten leiser geworden.<br \/>\nNeben dicht besiedelten Gebieten gibt es immer noch sehr l\u00e4ndlich gepr\u00e4gte Regionen mit wenigen H\u00e4usern und gro\u00dfen Feldern. Die Landschaft \u00e4hnelt stark dem Nordosten Chinas -sanfte, kegelf\u00f6rmige H\u00fcgel, dicht bewaldet und in den Niederungen viele Reisfelder.<br \/>\nDie S\u00fcdkoreaner sind entweder weit besser an westliche Touristen gew\u00f6hnt, oder sie unterscheiden sich einfach kulturell so stark von den Chinesen, auf alle F\u00e4lle wird man nun nirgendwo mehr angestarrt. Einzig der nun schon deutlich sichtbare Bartwuchs im Gesicht ist immer wieder einmal Anlass f\u00fcr interessierte Blicke und Gespr\u00e4che hinter vorgehaltener Hand, doch generell treten mir die S\u00fcdkoreaner sehr h\u00f6flich und \u00fcberaus freundlich entgegen.<br \/>\nSchon in Dandong habe ich \u00fcberaus viele Koreaner mit Funktionskleidung gesehen, nun in S\u00fcdkorea wird mir auch klar weshalb. Es scheint, als ob sich die Outdoor- und Funktionskleidung zur allgemeinen Mode etabliert hat. Stra\u00dfenarbeiter, Restaurantbesitzer, Studenten, Touristen, Alte, Junge, praktisch jeder tr\u00e4gt in irgendeiner Form Outdoor- oder Funktionskleidung. Ich dachte ja schon, in Europa ist der Outdoortrend in der aktuellen Mode stark ausgepr\u00e4gt, aber S\u00fcdkorea setzt hier einen komplett anderen Ma\u00dfstab. Manchmal hat man den Eindruck eine Gruppe Extrembergsteiger kommt einem entgegen, doch in Wirklichkeit sind es nur ein paar Touristen auf dem Weg zum Busbahnhof&#8230;<br \/>\nEin Punkt in dem sich die S\u00fcdkoreaner kein bisschen von den Chinesen unterscheiden ist der intensive Gebrauch von Smartphones. Scheinbar pausenlos werden Nachrichten geschrieben, Mails gelesen oder Filme im Internet geschaut. Die Handyvertr\u00e4ge sind in Korea relativ teuer, daf\u00fcr gibt es meistens Internetflatrates. Das Internet in S\u00fcdkorea ist pl\u00f6tzlich wieder sagenhaft schnell. Es gibt keine Einschr\u00e4nkung auf den Zugriff f\u00fcr gewisse Seiten mehr, alles ist wieder offen. Das Land scheint mit Hotspots \u00fcbers\u00e4ht zu sein. Selbst auf dem Land gibt es immer wieder gratis WLAN.<br \/>\nUntrennbar verbunden mit dem intensiven Gebrauch von Smartphones ist auch das Fotografieren mit dem Telefon. Selbstaufnahmen sind stark in Mode wobei die S\u00fcdkoreaner sehr h\u00e4ufig auf sogenannte Selfi-sticks zur\u00fcckgreifen. Das Smartphone wird dazu am Ende eines Teleskopstabes fixiert und mit Bluetooth der Ausl\u00f6ser gedr\u00fcckt. Jung und Alt sieht man mit dem Selfi-stick hantieren. Passanten um ein Foto zu bitten wird nun v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig. Ob diese Entwicklung so erfolgreich ist, weil die S\u00fcdkoreaner recht sch\u00fcchtern sind?<\/p>\n<p>An meinem ersten Tag in S\u00fcdkorea habe ih ja gleich einmal das ganze Land von West nach Ost mit dem Bus durchquert, dabei wurde mir klar, dass S\u00fcdkorea kein allzugro\u00dfes Land ist. In den letzten Wochen hatte ich mich an den Ma\u00dfstab Chinas gew\u00f6hnt, mit dem vermutlich nur Russland mithalten kann. Ein wenig bedauere ich es jetzt schon, dass mir nur gut eine Woche bleiben wird, um das Land mit dem Rad zu erkunden, denn im Grunde w\u00fcrde es sich direkt anbieten, S\u00fcdkorea einmal zu umrunden.<br \/>\nDas Fortbewegungsmittel ist nun ein neues, eigentlich kein unbekanntes, aber f\u00fcr die ersten Tage doch noch ein ungewohntes.<br \/>\nNachdem wir uns zwei N\u00e4chte in Jeongdongjin aufgehalten hatten lie\u00dfen wir uns in der Morgend\u00e4mmerung zum Bahnhof fahren. Der Bahnhof liegt direkt am Meer und so konnten wir um kurz nach 6 Uhr dem Schauspiel beiwohnen, als die Sonne langsam aus dem Wasser auftauchte, eine kleine Entsch\u00e4digung f\u00fcr den fr\u00fchen Start in den Tag. Der Zug brachte uns nach Andong von wo aus wir zu einem traditionellen koreanischen Dorf weiterfuhren. Das gut 20km ausserhalb liegende Andong Hahoe Folk Village wurde 2010 zum UNESCO Weltkulturerbe erkl\u00e4rt. Das Dorf ist liegt sehr idyllisch eingebettet in eine gro\u00dfe Flussschleife. F\u00fcr koreanische D\u00f6rfer eher ungew\u00f6hnlich sind die H\u00e4user zu einem Zentrum hin orientiert und nicht wie sonst \u00fcblich nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Sehr behutsam wurde die historische Substanz bewahrt und ebenso behutsam wird Neues mit traditioneller Technik erg\u00e4nzt. Das gesamte Dorf hinterl\u00e4sst einen sehr stimmigen Gesamteindruck. Die strohgedeckten D\u00e4cher sind am First kunstvoll verflochten, mit Seilen wird die Dachdeckung in Position gehalten. Gleichzeitig findet man aber auch Ziegeld\u00e4cher. Die moderne Welt hat nat\u00fcrlich auch nicht vor Hahoe Halt gemacht, aber die Telefonantennen und die WLAN Router werden hier in k\u00fcnstliche B\u00e4ume integriert, sodass zumindest aus der Ferne nichts auf die moderne Welt hindeutet. Ein paar wenige Koreaner leben noch in Hahoe und bieten haupts\u00e4chlich Guesthouses f\u00fcr Touristen an. Ein zumindest teilweise noch bewohntes Freiluftmuseum in dem man sich ein sehr gutes Bild vom traditionellen Korea machen kann.<br \/>\nVon Hanoe aus gehts mit dem Bus zur\u00fcck nach Andong und dann per Zug weiter nach Gyeongju, einer historisch durchaus bedeutsamen Stadt. Nach einem etwas l\u00e4ngeren Fu\u00dfmarsch finden wir auch ein recht nettes Hostel. Die Besitzerin ist scheinbar mit einigen Motorradfahrern befreundet, die regelm\u00e4\u00dfig den Asiatischen Kontinent bereisen. die W\u00e4nde des Hostels sind mit Landkarten und Fotos tapeziert. So manchen Ort erkenne ich von meiner eigenen Reise wieder, manche Orte liegen noch vor mir. Ein bisschen packt mich jetzt auch schon wieder die Reiselust.<br \/>\nKorea war urspr\u00fcnglich in drei K\u00f6nigreiche aufgeteilt, bevor es das Silla K\u00f6nigshaus zu einem Einzigen zusammenf\u00fchrte. Gyeongju, der Familiensitz des Silla K\u00f6nigshauses war anschlie\u00dfend f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit die Hauptstadt Koreas. Bis auf die vielen H\u00fcgelgr\u00e4ber gibt es nicht mehr viele Verweise auf die glorreiche Zeit der Silla Familie. Bereits in China sind mir die H\u00fcgelgr\u00e4ber am Stra\u00dfenrand aufgefallen, auch in Korea habe ich schon \u00f6fters \u00e4hnliche Gr\u00e4ber gesehen, jedoch nie in derart gewaltiger Gr\u00f6\u00dfe. Bis zu 15m hoch sind die H\u00fcgelgr\u00e4ber. Der \/ die Verstorbene wurde in einer Holzkammer bestattet \u00fcber die Steine geschlichtet werden und abschlie\u00dfend mit gut einem Meter Erdreich bedeckt werden. Ziemlich gro\u00dfer Aufwand f\u00fcr eine Bestattung, ein wenig erinnert mich das ganze an die Pyramiden in \u00c4gypten.<br \/>\nDer Tourismus in Gyeongju brummt. Busweise kommen Koreaner und haupts\u00e4chlich Chinesen in die Stadt und ziehen durch die gro\u00dfen Parkanlagen und die vielen Gr\u00fcnfl\u00e4chen. F\u00fcr uns geht es am Nachmittag aber schon wieder weiter in Richtung Busan.<\/p>\n<p>Busan ist die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt S\u00fcdkoreas, liegt direkt am Meer und wird aufgrund der vielen Str\u00e4nde auch das Miami Koreas genannt. Mit der U-Bahn kann man direkt an den Strand fahren. Unsere Wahl f\u00e4llt auf den Gwangalli Beach. Die abendliche Suche nach einer Unterkunft entpuppt sich als schwieriger als gedacht. Die Zimmerpreise passen sich dem Wochenendtourismus an und es dauert eine ganze Weile, bis wir in zweiter Reihe in leistbares Hotel finden.<br \/>\nVon Seoul aus kann man in gut zwei Stunden mit dem Schnellzug nach Busan reisen, was viele Bewohner Seouls dazu einl\u00e4dt, das Wochenende am Strand zu verbringen. Die Hotellerie hat sich ziemlich gut auf die Kurzurlauber eingestellt. Eine Unsumme an sog. Love-Motels findet sich am Strand. Hier k\u00f6nnen die Koreanischen P\u00e4rchen ungest\u00f6rt Zeit miteinander verbringen. Sehr viele Koreaner wohnen n\u00e4mlich auch noch nach der Hochzeit bei den Eltern, da Wohnraum sehr teuer ist. Die Love-Motels sind sauberer als Hostels und billiger als Hotels, bieten daf\u00fcr einiges an Komfort. Viele Zimmer verf\u00fcgen \u00fcber einen eigenen Whirlpool und sind thematisch gestaltet. F\u00fcr uns wird es dieses mal aber nur eine recht einfache Unterkunft, ganz im koreanischen Stil &#8211; das hei\u00dft, dass es keine Betten gibt, sondern nur d\u00fcnne Matratzen am Boden.<br \/>\nDie Hochh\u00e4user in erster Front leuchten und blinken um die Wette. Bei meiner bisherigen Reise musste ich mich stets wundern, dass es eigentlich in keiner Stadt ein ausgepr\u00e4gtes Nachtleben gab. Zum ersten Mal ist nun Abends noch richtig was los. Bars, Caf\u00e9s und unz\u00e4hlige Fischlokale reihen sich aneinander. Zahlreiche Expeds und westliche Touristen mischen sich unter das generell recht junge Publikum.<br \/>\nIn der Raw Fish Town kann man im Erdgescho\u00df Fische und Meeresfr\u00fcchte von einem der unz\u00e4hligen kleinen Fischh\u00e4ndlern ausw\u00e4hlen und anschlie\u00dfend im dazugeh\u00f6rigen Lokal frisch zubereiten lassen. Angeblich befindet sich hier die weltweit gr\u00f6\u00dfte Dichte an Sashimi (roher Fisch) Lokalen. Einen k\u00fcrzeren Weg vom Wasser bis aufs Teller gibt es wohl nur selten.<br \/>\nMan sp\u00fcrt deutlich, dass hier in Busan die Uhren ein wenig anders ticken. Die Lokale haben bis sp\u00e4t in die Nacht ge\u00f6ffnet, am fr\u00fchen Vormittag ist trotz Wochenende noch recht wenig los. Im Wasser sammeln sich ein paar Surfer, die ihr Gl\u00fcck in den recht schwachen Wellen versuchen. Muskelbepackte M\u00e4nner und spindeld\u00fcrre Frauen pr\u00e4sentieren ihre K\u00f6rper bei sportlicher Bet\u00e4tigung auf der Strandpromenade. Erstaunlich viele Koreaner sind mit dem Rad unterwegs, doch auch eine Handvoll Jogger ziehen ihre Runden am Strand. Der Vergleich mit Miami kommt nicht von ungef\u00e4hr.<br \/>\nDer dramatisch starke Einfluss der westlichen Kultur ist gerade hier am Strand deutlich zu sp\u00fcren. Cafes, wie man sie auch jederzeit in Paris, New York oder Berlin finden k\u00f6nnte buhlen mit Fastfoodketten um Kundschaft. Stefan, Reinhard, Gregor und Rhea sind \u00fcbergl\u00fccklich, nach ein paar Tagen koreanischer K\u00fcche wieder Pizza, Donuts, Sandwiche und Kaffee genie\u00dfen zu d\u00fcrfen. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich kommt der \u00dcbergang noch viel zu schnell. Einerseits fasziniert mich die F\u00fclle an Lokalen, andererseits f\u00fchlt es sich befremdlich an. Immer wieder staune ich dar\u00fcber, wie stark westlich gepr\u00e4gt das Land ist. Ich bin schon sehr gespannt, ob sich dieser Eindruck dann auch bei meiner finalen Woche mit dem Fahrrad wiederholen wird.<br \/>\nBusan zu besuchen, ohne die lokale Seafood K\u00fcche nicht gekostet zu haben w\u00e4re schon fast ein Frevel und so g\u00f6nnen wir uns eine riesige Seafood Platte mit Krabben, Tintenfisch, Scampi und diversen Muscheln. F\u00fcnf Leute k\u00f6nnen sich an dieser Platte mit den feinsten Meeresfr\u00fcchten f\u00fcr umgerechnet 35 EUR sattessen, In Europa w\u00e4re eine derartige Portion wohl unleistbar.<br \/>\nEines der gro\u00dfen Highlights im Eventkalender von Busan ist das Internationale Film Festival, welches in gut zwei Wochen startet. Vor drei Jahren wurde eine repr\u00e4sentative B\u00fchne hierf\u00fcr fertiggestellt. Das \u00f6sterreichische Architektenb\u00fcro Coop Himmelb(l)au ging als Sieger des internationalen Architektenwettbewerbs f\u00fcr das Busan Cinema Center hervor. Eine Besichtigung des Geb\u00e4udes war f\u00fcr mich schon fast Pflicht. Beeindruckend, das gewaltig gro\u00dfe Flugdach, welches scheinbar nur von zwei Spannseilen gehalten wird. Zwei gro\u00dfe D\u00e4cher spannen einen riesigen \u00f6ffentlichen Raum auf, der im Moment vor allem von Kindern und Jugendlichen zum Skaten, oder Radeln verwendet wird. Abseits vom Geb\u00e4ude f\u00fcr sich, ist die Lichtinszenierung am Abend definitiv eine Besichtigung wert.<br \/>\nDie Rekorde in Busan reissen nicht ab. Neben der weltgr\u00f6\u00dften Dichte an Sashimi-Lokalen verf\u00fcgt das Busan Cinema Center \u00fcber das weltgr\u00f6\u00dfte Cantilever Dach und in direkter Nachbarschaft befindet sich das weltgr\u00f6\u00dfte Kaufhaus. Hier in S\u00fcdkorea wird in gro\u00dfen Ma\u00dfst\u00e4ben gedacht und auch gehandelt. Wenig gro\u00dfe Firmen beherrschen das Land. Der Konzern Lotte zum Beispiel ist im Immobilienbereich t\u00e4tig, betreibt Kaufh\u00e4user und Superm\u00e4rkte, besitzt eine Busflotte und noch vieles mehr. Egal wo man sich aufh\u00e4lt, fast \u00fcberall leuchtet einem das Logo des Konzerns entgegen.<\/p>\n<p>Nach zwei N\u00e4chten in Busan geht die Reise nun weiter. N\u00e4chster Stop &#8211; Daegu&#8230; Nachdem wir uns direkt neben dem Bahnhof in einem \u00fcberraschend luxuri\u00f6sen Hotel niedergelassen hatten, vertrieben wir uns die Zeit im Daegu Tower und erfreuten uns an dem Blick \u00fcber das Lichtermeer der Stadt. Gregor hatte sich in Daegu mit einem alten Bekannten aus Studienzeiten verabredet. Collin, geb\u00fcrtiger Schotte, arbeitet seit einem Jahr als Englischlehrer in Daegu und wird in wenigen Wochen S\u00fcdkorea wieder verlassen. Ebenso wie die meisten Englischlehrer, die ich auf meiner Reise durch Asien getroffen hatte, arbeitet Collin eigentlich in einem v\u00f6llig anderen Bereich, doch die Tatsache, dass er aus einem englischsprachigen Land kommt qualifiziert ihn bereits als potentiellen Englischlehrer. Als Maschinenbauer hat er eigentlich nicht viel mit der Lehre zu tun, doch die M\u00f6glichkeit, ein Jahr in S\u00fcdkorea f\u00fcr relativ gutes Geld leben und arbeiten zu k\u00f6nnen reizte ihn sehr und so bewarb er sich f\u00fcr eine Lehrerstelle. Haupts\u00e4chlich bietet er Nachhilfe und Aussprachetraining in den Abendstunden an. Neben Sch\u00fclern und Studenten unterrichtet er auch Erwachsene in der Lernakademie. Der Tag f\u00fcr S\u00fcdkoreanische Sch\u00fcler ist lange. Die meisten besuchen nach der Schule noch private Abendakademien und kommen erst gegen 23 Uhr nach Hause, dann m\u00fcssen noch die Aufgaben f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag gel\u00f6st werden und um acht Uhr geht der Unterricht schon wieder weiter. Freizeit hat man als Sch\u00fcler, oder Student nur sehr wenig. Auch im Arbeitsleben geht es nicht viel besser weiter. Sehr viele S\u00fcdkoreaner haben nur zwei Urlaubstage im Jahr und k\u00f6nnen sich diese nicht einmal selbst w\u00e4hlen. Die Sechstagewoche wurde erst vor wenigen Jahren abgeschafft. Aber wohl nur mit diesem immens hohen Arbeitsaufwand war es m\u00f6glich, dass sich S\u00fcdkorea wirtschaftlich derart stark entwickeln konnte.<br \/>\nIm Club Republik gab uns Collin einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber seine Erfahrungen nach einem Jahr S\u00fcdkorea. Es war Montag und der Club war recht sp\u00e4rlich besucht, was f\u00fcr uns aber keinen Grund darstellte, das Feld fr\u00fcher zu r\u00e4umen. Nach Collins Aussage schlie\u00dft der Club erst, wenn der letzte Gast den Heimweg angetreten hat. Der Kellner w\u00fcrde niemals seine G\u00e4ste zum Aufbruch dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Nach dem doch recht ausschweifenden Montagabend lie\u00df jeder von uns das Fr\u00fchst\u00fcck im Hotel verfallen. Die meisten hatten sogar zu k\u00e4mpfen, das Zimmer bis um 12 Uhr zu r\u00e4umen. V\u00f6llig ohne Plan standen wir nun vor dem Hotel und versuchten im n\u00e4chstbesten Lokal ein Ziel f\u00fcr den Tag zu finden. Eigentlich w\u00e4ren wir gerne auf eine Insel an der S\u00fcdk\u00fcste gefahren, doch Collin informierte uns noch \u00fcber einen sich n\u00e4hernden Taifun, der in der Regel viel Regen mit sich bringt. Somit fiel die Wahl auf Jeonju. Die Zugfahrt war f\u00fcr die meisten eine willkommene Gelegenheit, den fehlenden Schlaf nachzuholen und sich generell wieder ein wenig zu erholen.<br \/>\nDie Art des Reisens wie ich sie im Moment praktiziere unterscheidet sich wirklich gravierend von dem, was ich in den letzten Monaten gewohnt war. Das, was meiner Meinung nach das Reisen mit dem Fahrrad so speziell macht, fehlt nun vollkommen. Man erlebt kaum noch etwas vom &#8220;Dazwischen&#8221;. Mit dem Rad ereignen sich oft die besten Dinge zwischendurch, jetzt steigt man in den Zug, blickt vielleicht ein paar Mal aus dem Fenster und kommt dann nach ein paar Stunden ganz woanders wieder an. Es geht von A nach B und alles was dazwischenliegt saust vor der Fensterscheibe vorbei.<br \/>\nIn Daejeon hei\u00dft es umsteigen und sich nach einer Zugverbindung nach Jeonju umzusehen. Es stellt sich heraus, dass Jeonju heute nur sehr schwer zu erreichen ist und so disponieren wir spontan um und entscheiden uns trotz angek\u00fcndigtem Regen in Richtung S\u00fcden zu fahren. Es geht mit dem KTX, dem schnellsten Zug, den die Korail zu bieten hat, nach Mokpo. Das Wetter schl\u00e4gt nun nach f\u00fcnf Tagen durchgehendem Sonnenschein um und es beginnt bereits am fr\u00fchen Abend zu regnen. Mit etwas Gl\u00fcck k\u00f6nnen wir aber trotzdem noch ein wenig Strandatmosph\u00e4re schnuppern. Die Wetterprognose verspricht zumindest f\u00fcr den kommenden Tag wieder ein wenig Sonnenschein. Mokpo liegt am Gelben Meer, am \u00e4u\u00dfersten S\u00fcdwestlichen Rand S\u00fcdkoreas. Mit etwas mehr als 200.000 Einwohner eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleine Stadt. Die Verlockung ist gro\u00df, in Mokpo eine F\u00e4hre in Richtung Japan zu nehmen, doch es gibt ja ohnehin noch viel in S\u00fcdkorea zu sehen. Wir haben nun schon fast die H\u00e4lfte unserer Korea-Rundreise hinter uns. Zum Gl\u00fcck bleiben noch ein paar Tage, bis wir am 27.September wieder in Seoul einfahren. So nach und nach gew\u00f6hne ich mich an die neue Fortbewegungsart. Auch wenn ich immer wieder mal das Fahrrad vermisse, kann ich dem Zugreisen durchaus einiges abgewinnen. Trotzdem freue ich mich schon auf die Fahrradetappe in Richtung Donghae bevor es auf die F\u00e4hre nach Russland geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 231 &#8211; 235 | 19. &#8211; 23.September Jeongdongjin \/ Andong \/ Gyeongju \/ Busan \/ Daegu \/ Mokpo: 5 Tage ohne Fahrrad 5 x Hotel Willkommen in S\u00fcdkorea, oder auch &#8211; Willkommen zur\u00fcck in der westlichen Welt. Der Kontrast zu China k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer nicht sein. Schon als ich vor gut zwei Monaten von Kasachstan&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[19],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2135"}],"collection":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2135"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2137,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2135\/revisions\/2137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}