{"id":2178,"date":"2014-09-30T17:00:30","date_gmt":"2014-09-30T15:00:30","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2178"},"modified":"2014-09-30T17:00:30","modified_gmt":"2014-09-30T15:00:30","slug":"tag-240-242-melone-zum-nachtisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2178","title":{"rendered":"Tag 240 &#8211; 242: Melone zum Nachtisch?"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 240 &#8211; 242 | 28. &#8211; 30. September<\/h2>\n<p>Seoul: 3 Tage ohne Rad<br \/>\nWarmshowers<\/p>\n<p>In den vergangenen 10 Tagen konnte ich hautnah erleben, wie stark die Art des Reisens und damit auch die Wahrnehmung von Land und Leuten vom Transportmittel abh\u00e4ngt. Hatte ich in den vergangen Monaten stets die grenzenlose Freiheit auf dem Rad genossen, war man in den vergangenen Tagen stets auf fremde Transportmittel angewiesen. Damit verbunden leidergottes auch immer wieder lange und zerm\u00fcrbende Wartezeiten. Manche Ziele mussten wir auch aufgeben, weil die Erreichbarkeit mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel unvorstellbar komplex wurde. Das Land saust vor dem Zug- \/ Busfenster vorbei, man hangelt sich von Destination zu Destination, ein &#8220;Dazwischen&#8221; gibt es kaum noch. Oft scheint es so, als ob man nur an der Schale einer riesengro\u00dfen Melone leckt und einfach nicht ins Innere vordringt. Oft genug hatte ich vom Zugfenster aus wehm\u00fctig der Landstra\u00dfe hinterhergeblickt wenn diese in Richtung Berge verschwunden ist. Zur Ehrenrettung des Zuges muss man aber auch sagen, dass man mit dem Zug in relativ kurzer Zeit wirklich viele Orte besuchen kann. Wie w\u00e4re es sonst m\u00f6glich, in etwas mehr als einer Woche Norden, Osten, Westen und S\u00fcden von S\u00fcdkorea erkunden zu k\u00f6nnen, aber irgendwie fehlt stets ein bisschen was.<br \/>\nTrotz alledem m\u00f6chte ich die letzten Tage nicht missen. Endlich einmal wieder ausgiebig plaudern, alte Geschichten auszugraben, gemeinsam Dinge zu erleben und in die Zukunft zu blicken. Das ist es, was wohl nur Freunde oder Familie bieten k\u00f6nnen, eine gemeinsame Vergangenheit und eine Aussicht auf das, was noch kommen kann. Die meisten Bekanntschaften auf der Reise bestehen nur aus dem Hier und Jetzt, geben auch viel Energie, doch die tiefere Verbundenheit fehlt einfach. In vollkommen entspannter Stimmung einige Tage mit guten Freunden zu verbringen ist ein wirklich sch\u00f6ner Abschluss f\u00fcr den ersten Teil der gro\u00dfen Reise. Auch wenn ich Wladiwostok noch nicht erreicht habe, beginnt f\u00fcr mich mental bereits jetzt die R\u00fcckreise. Immer wieder blitzen Erinnerungen der vergangenen Monate auf und zaubern mir umgehend ein L\u00e4cheln ins Gesicht. Es f\u00fchlt sich so an, als ob jetzt ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. Monatelang ging es Richtung Osten, getrieben nur vom Gedanken irgendwann in Wladiwostok anzukommen. Nachdem ich nun gut zwei Wochen fahrradfrei verbracht habe freue ich mich aber schon riesig auf die Weiter- \/ R\u00fcckreise. Der Sommer scheint sich nun auch dem Ende zu neigen, jetzt werden wohl schon bald die langen Fahrradklamotten ausgepackt werden. Knapp vier Tage werde ich mit dem Rad noch gen Osten radeln um dann in Donghae auf die F\u00e4hre in Richtung Wladiwostok zu steigen. Die Ostk\u00fcste kenne ich ja schon bereits, freue mich aber schon sehr auf die Fahrt durch die Berge.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in Seoul wird die Ausr\u00fcstung noch einmal \u00fcberholt. Bereits in Tajikistan hatte aufgrund der lange anhaltenden Regenfahrten mein Vorderlicht das Geistige gesegnet. Nach einem kurzen Telefonat mit der Firma Busch&amp;M\u00fcller wurde mir damals umgehend ein Ersatzger\u00e4t zugesichert, welches mir Reinhard dankenswerterweise aus Wien mitbrachte. Nach langer Wartezeit, aber gerade rechtzeitig f\u00fcr die Herbst- \/ Winterperiode kann ich jetzt wieder auf den zu Beginn der Reise bereits liebgewonnenen Scheinwerfer zur\u00fcckgreifen. Das neue Modell scheint nun gegen Starkregen besser gesch\u00fctzt zu sein.<br \/>\nMeinen zweiten Reisepass samt Russischem Visum halte ich nun auch in H\u00e4nden, das F\u00e4hrticket nach Wladiwostok ist reserviert, es kann also losgehen&#8230; Doch vorerst g\u00f6nne ich mir noch drei Tage Ruhe in Seoul. Zu sehen g\u00e4be es ja einiges, aber irgendwie bin ich nach den letzten Tagen ein wenig \u00fcbers\u00e4ttigt. Tempelanlagen und historische Viertel habe ich in den vergangenen Tagen genug gesehen, doch ein bisschen moderne Architektur reizt mich dann doch. Eine kurze Recherche im Internet und schon sind ein paar Bauten gefunden, die es lohnt anzusehen. Vom Leeum Museum of Art war ich dann aber ein wenig entt\u00e4uscht. Ich hatte mir etwas mehr von der Zusammenarbeit der drei renommierten B\u00fcros OMA \/ Mario Botta \/ Jean Novell erwartet, daf\u00fcr hat mich die Dongdaemun Design Plaza von Zaha Hadid richtig \u00fcberrascht. Ein gewaltiger Geb\u00e4udekomplex der als Museum, Gallerie und Gesch\u00e4ftsfl\u00e4che dient. Die \u00f6ffentlichen Zonen die das futuristisch anmutende Geb\u00e4ude aufspannt sind gut besucht und trotz der Monumentalit\u00e4t des ganzen Komplexes f\u00fchlt man sich nicht eingeengt. Die Architektin wird hier mit ihrem Geb\u00e4ude regelrecht gefeiert. Auf gro\u00dfen Flachbildschirmen flackern kurze Filmsequenzen auf denen immer wieder die Architektin zu sehen ist. Selten habe ich eine derart enge Verkn\u00fcpfung eines Bauwerks mit dem \/ der Architekten\/in gesehen.<br \/>\nIn direkter N\u00e4he zu Lees Apartment befindet sich die EWHA Womans University, die vor einigen Jahren einen gro\u00dfen Neubau erhielt. Der Entwurf des Franz\u00f6sischen B\u00fcros von Dominique Perrault sah hierzu einen zweigeteilten Bauk\u00f6rper vor, der sich tief ins Bestandsgel\u00e4nde hineingr\u00e4bt und damit eine Art Canyon aufspannt. Der Neubau tritt auf den ersten Blick kaum in Erscheinung und der urspr\u00fcngliche Campuscharkter bleibt weiterhin erhalten.<br \/>\nIm Gangnamviertel, dem eigentlichen Gesch\u00e4ftsviertel von Seoul, gibt es noch zwei Hochhausbauten zu bewundern, einerseits den geschwungenen &#8220;GT Tower East&#8221; vom holl\u00e4ndischen B\u00fcro Architecten Consort und andererseits den Apartmentkomlex &#8220;Boutique Monaco Residental Appartment&#8221; von Mass Studies. Die Stadtstruktur erinnert hier schon sehr an amerikanische Gro\u00dfst\u00e4dte mit ihren gl\u00e4nzenden, hochaufragenden B\u00fcrogeb\u00e4uden. So faszinierend diese schon seit langem nicht mehr gesehene Geb\u00e4udeformation auch ist, merke ich schlussendlich, dass ich nicht mehr wirklich aufnahmef\u00e4hig bin und die Stadt mehr oder weniger nur noch an mir vorbeirauscht. Der innere Drang endlich wieder aufs Rad zu steigen und auch die l\u00e4ndlichen Regionen Koreas zu erkunden wird immer gr\u00f6\u00dfer. Auch nach fast zwei Wochen in Korea konnte ich mich noch nicht richtig an dieses hoch entwickelte Land gew\u00f6hnen. Die Umstellung geht f\u00fcr mich einfach zu schnell von Statten. Ich bin froh, mich von Wladiwostok aus relativ langsam in Richtung Europa zu radeln und mich damit schrittweise wieder an den neuen Lebensstil gew\u00f6hnen zu k\u00f6nnen. Jetzt ins Flugzeug zu steigen und binnen weniger Stunden zuhause zu sein k\u00f6nnte ich mir im Moment \u00fcberhaupt nicht vorstellen. Es wird Zeit, diese lange Pause in Korea zu beenden und mich wieder meinem eigentlichen Ziel, der R\u00fcckreise zu widmen. Vielleicht bekomme ich in den kommenden Tagen ja noch ein paar Bissen ab von der Melone an der ich bis jetzt nur geleckt habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 240 &#8211; 242 | 28. &#8211; 30. September Seoul: 3 Tage ohne Rad Warmshowers In den vergangenen 10 Tagen konnte ich hautnah erleben, wie stark die Art des Reisens und damit auch die Wahrnehmung von Land und Leuten vom Transportmittel abh\u00e4ngt. 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