{"id":2193,"date":"2014-10-06T10:09:27","date_gmt":"2014-10-06T08:09:27","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2193"},"modified":"2014-10-06T10:09:27","modified_gmt":"2014-10-06T08:09:27","slug":"tag-243-248-es-geht-wieder-los-die-heimreise-kann-beginnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2193","title":{"rendered":"Tag 243 &#8211; 248: Es geht wieder los &#8211; die Heimreise kann beginnen!"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 243 &#8211; 01.Oktober<\/h2>\n<p>Seoul &#8211; Chuncheon: 125km; 6:07h im Sattel; 19 &#8211; 23 Grad, wechselhaft<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Auf den Tag genau vor acht Monaten bin ich ohne wirklich zu wissen, was mich erwartet in Wien aufgebrochen und Tag f\u00fcr Tag ein kleines St\u00fcck weiter ostw\u00e4rts geradelt, um irgendwann in ferner Zukunft in Wladiwostok anzukommen. Nun ist das urspr\u00fcngliche Ziel schon zum Greifen nahe, nur noch ein paar Tage bis die F\u00e4hre nach Russland ablegt. Die Heimreise kann beginnen. Fast auf den Tag genau hat sich nun auch der Sommer verabschiedet. Der kr\u00e4ftige Wind heute Nacht sorgte f\u00fcr eine recht k\u00fchle Luft am Morgen. So wirklich war scheint es jetzt nicht mehr zu werden. Das Laub raschelt und die Eicheln knacken unter den Reifen &#8211; der Herbst ist da.<br \/>\nEin gutes Gef\u00fchl nach zwei Wochen Stillstand jetzt endlich wieder auf dem Rad zu sitzen. Auf den ersten Kilometern f\u00fchle ich mich noch ein wenig eingerostet, doch mit der Zeit kommt der gewohnte Rhythmus wieder zur\u00fcck &#8211; erstaunlich, dass 13 Tage ohne Rad sich gleich derart bemerkbar machen. Lee begleitet mich noch ein St\u00fcck des Weges. Nach ein paar Minuten sind wir schon am Hanggang River angekommen, an dessen beiden Ufern ein spitzenm\u00e4\u00dfig ausgebauter Radweg verl\u00e4uft. Obwohl es heute mitten unter der Woche ist herrscht stellenweise Sto\u00dfverkehr am Fahrradweg. In S\u00fcdkorea scheint Fahrradfahren Volkssport zu sein. Von der Regierung wird das Radfahren auch stark unterst\u00fctzt. Es gibt beispielsweise eigene Zertifikate f\u00fcr das erfolgreiche Absolvieren eines der vier Fluss-Radwege. Dazu gibt es einen speziellen Fahrradpass der bei Kontrollstellen abgestempelt wird und nachdem alle Stempel im Pass sind kann man diesen einschicken und erh\u00e4lt eine Medaille samt Urkunde zur\u00fcck. Offenbar hinterl\u00e4sst das Zertifikat auch bei Bewerbungsgespr\u00e4chen einen recht guten Eindruck. Neuerdings gibt es sogar schon einen Schwarzmarkt f\u00fcr die Fahrradp\u00e4sse, damit man das Zertifikat auch ohne k\u00f6rperlichen Einsatz bekommt&#8230;<br \/>\nDer Hanggang River Fahrradweg f\u00fchrt von Seoul bis nach Busan und geh\u00f6rt sicher zu den beliebtesten Strecken. Die ersten vierzig Kilometer folge ich auch noch diesem Radweg, biege dann aber auf den Bukhangang River Radweg ein der mich ein wenig weiter in den Norden f\u00fchrt. Die heutige Strecke verl\u00e4uft erwartungsgem\u00e4\u00df haupts\u00e4chlich flach neben dem Fluss doch zu meiner gro\u00dfen \u00dcberraschung auch relativ weit entfernt von der Stra\u00dfe. Vom Autoverkehr bekomme ich den ganzen Tag \u00fcber fast gar nichts mit. Der Radweg verl\u00e4uft meist entlang eines Flusslaufes, oder auf einer stillgelegten Bahnstrecke, ist vorbildlich ausgeschildert und bestens an die Infrastruktur angeschlossen. Die alten Eisenbahntunnels sind wei\u00df gestrichen, hell beleuchtet und in manchen wird man sogar mit klassischer Musik beschallt. Alle paar Kilometer kommt man an einer Toilette vorbei, es gibt Fahrradll\u00e4den entlang der Strecke und mehr als genug Einkehrm\u00f6glichkeiten. Bei derart perfekten Bedingungen kein Wunder, dass so viele Radler unterwegs sind.<br \/>\nNach etwa dreissig Kilometern ist die Stadtgrenze von Seoul erreicht und so langsam taucht man ein in die bis zum Horizont reichenden, dicht bewaldeten H\u00fcgelketten. Mit meinem vollbepackten Rad erwecke ich bei einigen Radlern besondere Aufmerksamkeit und werde immer wieder \u00fcberschw\u00e4nglich gegr\u00fc\u00dft. Fast alle Radler, die mir begegnen sind maximal mit einem Rucksack ausgestattet. F\u00fcr Tagesausfl\u00fcge eignet sich die Strecke aber auch sehr gut, nachdem sie praktisch parallel zur Regionalbahn verl\u00e4uft.<br \/>\nEin paar Mal komme ich heute an patrolierenden Soldaten vorbei und am Stra\u00dfenrand sieht man immer wieder auch Gefechtsstellungen, die scheinbar noch regelm\u00e4\u00dfig gepflegt werden. So ganz traut man dem momentanen Frieden mit Nordkorea offenbar doch nicht.<br \/>\nOberschenkel und Sitzmuskulatur befinden sich heute offenbar noch in Ferienstimmung, sind etwas \u00fcberfordert von der heutigen Beanspruchung und melden sich schon am fr\u00fchen Nachmittag zu Wort. Trotzdem komme ich recht gut voran, genie\u00dfe die ungewohnte Ruhe und die traumhaft sch\u00f6ne Landschaft. Seit einer gef\u00fchlten Ewigkeit gibt es endlich wieder klares Wasser zu sehen. Von den Br\u00fccken aus kann man sogar die Fische im Wasser erkennen. Die Natur scheint hier noch relativ in Ordnung zu sein. Seit ich Seoul verlassen habe ist mir auch noch keine einzige Industrieanlage aufgefallen.<br \/>\nDen ganzen Tag \u00fcber hoffte ich irgendwo Obst, oder Gem\u00fcse kaufen zu k\u00f6nnen, aber bis auf die zahlreichen Mini-M\u00e4rkte, die leider nichts dergleichen f\u00fchren, gibt es scheinbar keine Einkaufsm\u00f6glichkeit. Das Abendessen f\u00e4llt dementsprechend minimalistisch aus. Zuerst muss allerdings ein geeigneter Zeltplatz gefunden werden, was heute mal wieder keine sonderlich leicht Aufgabenstellung ist. Rechts der Fluss, entweder mit Steilufer, oder Schilfg\u00fcrtel, links Felsw\u00e4nde oder Siedlungen&#8230; In den offenbar erst k\u00fcrzlich angelegten Parkanlagen ist Zelten ausdr\u00fccklich verboten, also hei\u00dft es Augen auf f\u00fcr ein Schlupfloch. Nach einiger Zeit sticht mir dann auch ein steil aufragender Trampelpfad ins Auge der augenscheinlich zu einigen H\u00fcgelgr\u00e4bern hinauff\u00fchrt. Der Friedhof geh\u00f6rt jetzt nicht unbedingt zu meinen Top-Destinationen, aber daf\u00fcr ist man hier ungest\u00f6rt und kann sich \u00fcber eine absolut ebene Fl\u00e4che freuen, also nichts wie los. Ich schleppe mein Rad die steile B\u00f6schung empor und werde daf\u00fcr mit einem Traumplatz, \u00fcber dem Radweg thronend, mit Blick auf den angestauten See belohnt.<br \/>\nDie F\u00e4hre nach Wladiwostok legt in vier Tagen ab, laut Streckenplanung werde ich aber schon in zwei Tagen in Donghae sein, weshalb ich den ganzen Nachmittag schon dar\u00fcber nachgedacht habe, meine Strecke vielleicht noch ein wenig zu adaptieren. Wenn m\u00f6glich fahre ich vielleicht noch durch einen zweiten Nationalpark und streiche die K\u00fcstenstra\u00dfe, immerhin habe ich die Strecke dort ja schon aus dem Zugfenster bewundern k\u00f6nnen. Bis morgen Abend habe ich noch Zeit, dann muss die Entscheidung gef\u00e4llt werden &#8211; Berge, oder Meer&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Tag 245 &#8211; 02.Oktober<\/h2>\n<p>Chuncheon &#8211; Wontong: 86km; 4:26h im Sattel; 16 &#8211; 19 Grad, bedeckt \/ Regen<br \/>\nMotel<\/p>\n<p>Heute Morgen wurde ich gleich einmal unsanft von einem kr\u00e4ftigen Windsto\u00df geweckt und Sekunden sp\u00e4ter folgte ein wolkenbruchartiger Regen. Das Spektakel hielt nicht lange an, aber die Motivation f\u00fcr einen fr\u00fchen Start in den Tag war erst einmal dahin. Bei wolkenverhangenem Himmel gings dann aber trotzdem weiter. Von den gestrigen Radlermassen war heute ganz und gar nichts mehr zu sp\u00fcren. Ich war v\u00f6llig alleine unterwegs und nahm die erste Bergetappe in Angriff. Im Gegensatz zu den Stra\u00dfen in China geht man hier in S\u00fcdkorea bei den Steigungen gleich aufs Ganze. Selten fiel die Steigung unter 6% und ich schleppte mich Kurve um Kurve nach oben. Die Strecke wird seit der Er\u00f6ffnung der parallel verlaufenden Schnellstra\u00dfe scheinbar f\u00fcr Bergrennen verwendet, zumindest sprechen die Bremsspuren vor und in den Kurven eine ziemlich eindeutige Sprache. Dank der neuen Schnellstra\u00dfe begegnete mir w\u00e4hrend des gesamten Anstieges kein einziges Auto. In v\u00f6lliger Ruhe schraubte ich mich langsam in die H\u00f6he. Ein wenig f\u00fchlte ich mich erinnert an die letzte Tagesetappe vor Peking, denn auch heute ging es durch eine beeindruckende H\u00fcgellandschaft, aber die Sicht war ziemlich eingeschr\u00e4nkt.<br \/>\nAls die Schnellstra\u00dfe wieder auf die Bundesstra\u00dfe traf war es vorbei mit der Ruhe. Durch den relativ schmalen Seitenstreifen war man wieder voll im Verkehrsfluss integriert. Gerade in den zahlreichen Tunnels wurde es ab und an dann aber schon fast ein wenig zu eng.<br \/>\nDie Pr\u00e4senz von Milit\u00e4rfahrzeugen nahm heute im Laufe des Tages konstant zu. F\u00fcr meinen Geschmack ist schon ein wenig zu viel Milit\u00e4r unterwegs. Gegen Mittag setzte dann erstmals wieder leicht zu regnen. Unter der Markise eines 7Eleven wartete ich den ersten Regenschauer ab und nutzte das vorhandene WLAN Netz gleich einmal um nachzulesen, ob sich eventuell Schwierigkeiten mit Nordkorea anbahnen. Es war aber nichts zu finden und so nahm ich dann beruhigt die zweite Bergetappe in Angriff. Das feuchtkalte Wetter zerrte ein wenig an meiner Motivation und auch konditionell war ich heute nicht gerade in Top-Form. Vom geplanten Etappenziel war ich noch weit entfernt, doch nachdem ich ohnehin einen Tag Luft in der Planung habe st\u00f6rte das nicht gro\u00df. Am Gipfel angekommen setzte dann der Regen auch wieder ein und dieses Mal blieb es nicht bei einem kurzen Schauer. Die Entscheidung war schnell getroffen, dass ich heute Abend ein Motel aufsuchen werde. Ein leichtes Kratzen im Hals und v\u00f6llig durchn\u00e4sste Klamotten waren nicht gerade die besten Vorraussetzungen f\u00fcr eine Nacht im nassen Zelt.<br \/>\nWontong ist zwar nur ein kleiner Ort, doch die Zimmerpreise hier sind gesalzen. Ich klapperte einige Motels ab, bis ich schlussendlich ein Zimmer in meiner Preisvorstellung fand. Gl\u00fccklicherweise gab es genug Motels zur Auswahl. Preisverhandlungen sind im Gegensatz zu China \u00fcberraschenderweise bei den wenigsten Motels m\u00f6glich, doch zu guter Letzt konnte ich all meine feuchte Ausr\u00fcstung im Zimmer ausbreiten und mich selbst bei einer hei\u00dfen Dusche wieder aufw\u00e4rmen. Im Fernsehen reist Tom Cruise mit Cameron Diaz im Zug durch das verschneite \u00d6sterreich und macht Salzburg unsicher &#8211; da kommen ja fast schon heimatliche Gef\u00fchle auf&#8230; Gar nicht so \u00fcbel, einen verregneten Fahrradtag nach einer hei\u00dfen Dusche auf der Heizdecke vor dem Fernseher zu beenden.<\/p>\n<h2>Tag 246 &#8211; 03.Oktober<\/h2>\n<p>Wontong &#8211; 8km vor Myeonggaeri: 76km; 4:40h im Sattel; 18 &#8211; 22 Grad, Sonnig<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Um die regennassen Klamotten \u00fcber Nacht in dem recht k\u00fchlen Zimmer trocken zu bekommen erinnerte ich mich an die Erz\u00e4hlung eines Radlerfreundes aus Wien. Wenn auch mit etwas Widerwillen schl\u00fcpfte ich wieder in die feuchten Klamotten und trocknete sie \u00fcber Nacht am eigenen K\u00f6rper. Der Trick funktionierte recht gut und so konnte ich die neue Tagesetappe immerhin mit trockenen Klamotten in Angriff nehmen. Von der Motelbesitzerin bekam ich am Morgen noch eine Dose Limonade in die Hand gedr\u00fcckt und wurde \u00fcberschw\u00e4nglich verabschiedet. Ein bilderbuchartiger Herbsttag empfing mich heute. Die mich umgebenden dicht bewaldeten H\u00fcgelketten boten ein faszinierendes Szenario. Der Wald beginnt gerade sich zu verf\u00e4rben, vor allem der Ahorn sticht mit seiner dunkelroten F\u00e4rbung aus dem dichten Laubwald hervor. Anfangs gem\u00e4chlich, dann wieder mit kr\u00e4fteraubender Steigung ging es in Richtung Passh\u00f6he des Seoraksan Nationalparks. Schon fr\u00fch sah man die ersten steil aufragenden Felsformationen die aus dem dichten Wald emporragten. Immer wieder begegnete ich kleineren Gruppen, die sich gerade zum Klettern aufmachten und am Stra\u00dfenrand noch einmal die Ausr\u00fcstung \u00fcberpr\u00fcften. Auch eine Handvoll Radfahrer begegnete mir heute. Die Bundesstra\u00dfe die mitten durch den Nationalpark f\u00fchrt ist aber auch wirklich traumhaft zu befahren. Sie folgt konstant einem Flusslauf, der bei Wontong fast 100m und jetzt im Anstieg nur noch wenige Meter breit ist. Nach den Erlebnissen in China eine regelrechte Wohltat kristallklares Wasser zu sehen und weit und breit kein M\u00fcll. Eines muss man den S\u00fcdkoreanern lassen, auch wenn es kaum Abfalleimer in diesem Land gibt sind die St\u00e4dte, die D\u00f6rfer und auch die Stra\u00dfenr\u00e4nder v\u00f6llig frei von Abfall.<br \/>\nZiemlich durchgeschwitzt, aber noch gut in Form komme ich kurz vor Mittag auf der Passh\u00f6he an. Hier herrscht Hochbetrieb. Busweise werden die Wandertouristen angeliefert und sie str\u00f6men in Scharen in den Nationalpark. Auf der Infotafel kann man sich ein Bild \u00fcber das Wegenetz des Seoraksan Nationalparks machen. Zweifelsohne k\u00f6nnte man hier wohl Tage beim Wandern und Klettern verbringen. Ich begn\u00fcge mich mit einem kurzen Aufstieg um auch ins Tal hinuntersehen zu k\u00f6nnen von dem ich gerade gekommen bin und erfreue mich ansonsten am grandiosen Ausblick. Zinnenartig ragen gewaltige Sandsteinformationen in die H\u00f6he und bis zum Horizont sieht man nichts als dichten Wald.<br \/>\nRasant und ewig lange gehts dann wieder hinab. Von knapp 950m hinunter auf 70m. Das Meer kann man in der Ferne bereits erkennen, ich biege allerdings Richtung S\u00fcden ab um dem Odaesan Nationalpark noch einen Besuch abzustatten. Dazu gehts zwar noch einmal auf 1000m hinauf, aber die faszinierende H\u00fcgellandschaft hat mich in ihren Bann gezogen.<br \/>\nNach zwei Tagen auf dem Rad muss ich mein Bild von Korea bereits ein wenig revidieren. Vom Zug aus hatte ich den Eindruck, die l\u00e4ndlichen Regionen w\u00fcrden nur aus Reisfeldern bestehen. Auch die D\u00f6rfer schienen vom Zug aus stets recht gro\u00df. In der Gegend in der ich die letzten Tage unterwegs war wird nur sehr wenig Reis angebaut, haupts\u00e4chlich findet man Peperoni auf den Feldern. Bis auf ein paar wenige gr\u00f6\u00dfere Siedlungen ist die Gegend allerdings \u00e4usserst sp\u00e4rlich besiedelt. Die wenigen D\u00f6rfer durch die ich heute komme z\u00e4hlen nur ein paar H\u00e4user und von den ansonsten omnipr\u00e4senten Mini-M\u00e4rkten ist hier in der Gegend nichts zu sehen. Zum Mittagessen stolpere ich in ein Lokal, das seine Glanzzeiten schon lange hinter sich hat und nun offenbar als eine Art Mensa f\u00fcr die Dorfbewohner funktioniert. Die Wirtin freut sich sehr \u00fcber meinen Besuch und f\u00fcllt reichlich Seetang nach, spendiert ein paar Apfelspalten und Kaffee, der interessanterweise von einem M\u00fcnzapparat kommt, aber stets mit derselben M\u00fcnze bedient wird&#8230;<br \/>\nEs herrscht kaum Verkehr auf der B56 demnach verwundert es auch ein wenig, dass hier gerade eine neue Schnellstra\u00dfe errichtet wird. F\u00fcr mich gehts aber in himmlischer Ruhe immer tiefer hinein in die dichten W\u00e4lder. Als der eigentliche Anstieg vor mir steht, kann man den Stra\u00dfenverlauf beim besten Willen nicht erkennen. Irgendwo weit oben am Berg kann man ein St\u00fcck Stra\u00dfe ausmachen, aber wie man dorthin gelangen soll ist mir anfangs noch schleierhaft. Erst mal noch eine kurze Schokoladenpause und dann kr\u00e4ftig in die Pedale getreten. Wieder einmal geht es steil hinauf und das Ziel ist nicht wirklich auszumachen. Einzig der H\u00f6henmesser l\u00e4sst mich erahnen, wo in etwa ich bin. Nachdem hinter dem Bergr\u00fccken bereits verd\u00e4chtig dunkle Regenwolken h\u00e4ngen, beschlie\u00dfe ich entgegen meinem urspr\u00fcnglichen Plan die Gipfelankunft auf morgen zu verschieben. Neben einem Baucontainer der zu einer Art Kontrollstelle ausgebaut wurde finde ich auch einen perfekten Platz f\u00fcr mein Zelt. Einige Male hatte ich den Container umkreist, um vielleicht doch irgendwo den versteckten Schl\u00fcssel zu finden, aber leider ohne Erfolg. Die Entscheidung, das Zelt weit fr\u00fcher als sonst aufzuschlagen stellte sich als goldrichtig heraus. Schon nach kurzem zog dichter Nebel auf und die Temperatur fiel betr\u00e4chtlich ab. Jaja, der Herbst ist da&#8230; Jetzt bleibt mir nur zu hoffen, dass es f\u00fcr heute Nacht beim dichten Nebel bleibt und ich vom Regen noch verschont bleibe.<\/p>\n<h2>Tag 247 &#8211; 04.Oktober<\/h2>\n<p>10km vor Myeonggaeri &#8211; Jeongdongjin: 133km; 6:27h im Sattel; 9 &#8211; 16 Grad, bedeckt \/ Nieselregen<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Der Wettergott meinte es heute nicht wirklich gut mit mir. Nachdem es Nachts bereits mehrfach geregnet hatte, begann es Punkt 7 Uhr erneut zu regnen. Mit ein bisschen Geduld konnte ich zumindest diesen Schauer noch abwarten. Die Sicht zur\u00fcck ins Tal war frei, einzig am Gipfel hingen die dunklen Wolken fest. Nachdem es f\u00fcr mich heute fast den ganzen Tag durch die dem Meer vorgelagerte Gebirgskette geht, rechnete ich bereits am Morgen mit einem eher ungem\u00fctlichen Tag.<br \/>\nDie Passh\u00f6he war schnell erreicht und die paar Kilometer bis zum Nationalparkhaus lie\u00df ich es gem\u00fctlich rollen. Bei den recht k\u00fchlen Temperaturen heute wurde es direkt ein wenig k\u00fchl an den Ohren. Leider blieb die Schranke zum Odaesan Nationalpark f\u00fcr mich verschlossen. Vor ein paar Jahren hatte die Nationalparkverwaltung beschlossen, den Park nur noch f\u00fcr Fu\u00dfg\u00e4nger zug\u00e4nglich zu machen. Offenbar hatte sich eine Gruppe Russen mit ihren Motorr\u00e4dern danebenbenommen, sodass nun streng darauf geachtet wird, dass nur noch Wanderer in den Park kommen. Zum Gl\u00fcck hatte ich schon einen Plan B in der Hinterhand und setzte meinen Weg auf der B56 fort. Die Strecke \u00fcber die Bundesstra\u00dfe ist zwar mehr als doppelt so lange, doch zeitlich sollte es keinen gro\u00dfen Unterschied machen. Etwas demotiviert ging es jetzt also erst einmal wieder bergab, aber die anf\u00e4ngliche Ver\u00e4rgerung war schnell verflogen und ich genoss die W\u00e4lder um mich herum. Die bunten Laubb\u00e4ume wurden nach und nach immer weniger da der Wald nun von Nadelb\u00e4umen dominiert wird. Der bedeckte Himmel lie\u00df aber auch die verbliebenen Laubb\u00e4ume kaum noch leuchten. \u00dcber der gesamten Landschaft lag ein gr\u00e4ulicher Schleier. Ich rechnete eigentlich jeden Moment damit, dass es gleich wieder zu regnen beginnen w\u00fcrde, doch zum Gl\u00fcck blieb es vorerst trocken.<br \/>\nAuf den Feldern herrschte heute Hochbetrieb. F\u00fcr Kraut, Kohl, Rettich, Zwiebel, Kartoffel, Salat und Peperoni ist jetzt Erntezeit. Meist wird das Gem\u00fcse gleich vor Ort fein s\u00e4uberlich in Kisten gepackt und anschlie\u00dfend auf die am Stra\u00dfenrand geparkten LKWs geladen. Der Boden scheint hier in der Gegend sehr sandig zu sein, offenbar ideal f\u00fcr vielerlei Gem\u00fcse. Reisfelder begegneten mir heute den ganzen Tag \u00fcber keine.<br \/>\nKurz vor Mittag musste ich den gr\u00f6\u00dften Anstieg f\u00fcr heute bezwingen. Schon die vielen Kehren auf der Karte lie\u00dfen mich erahnen, dass es ziemlich steil werden w\u00fcrde und ich sollte recht behalten. P\u00fcnktlich zum Gipfelsturm lie\u00df sich dann auch noch die Sonne kurz blicken, doch das sollte ihr einziger Auftritt f\u00fcr diesen Tag gewesen sein. Bei der Abfahrt blies mir ein frostiger Wind um die Nase und ich war froh, wieder im Tal angekommen zu sein. F\u00fcr die kurze Hose sind Temperaturen um 12 Grad doch ein wenig frisch&#8230;<br \/>\nIn einem immer wiederkehrenden Auf und Ab ging es den ganzen Tag \u00fcber in Richtung Meer. Der immer sporadisch immer wiederkehrende Nieselregen schlug sich schon ein wenig auf die Stimmung, aber damit muss ich mich wohl auf der Heimreise \u00f6fter arrangieren. Als der letzte Anstieg bew\u00e4ltigt war, er\u00f6ffnete sich mir ein grandioser Blick \u00fcber Gangneung und das angrenzende Meer. Von hier aus ging es nur noch bergab. Eine herrliche Abfahrt stand bevor und mit jedem Meter den es bergab ging, wurde es auch wieder w\u00e4rmer. Ab jetzt betrete ich mehr oder weniger bekanntes Terrain. Die Rundreise mit Rhea, Gregor, Stefan und Reinhard hatte auch in Gangneung begonnen und um die Geschichte sich wirklich wiederholen zu lassen steuerte ich gleich noch Jeongdongjin an. Um Punkt 16:30 Uhr gab es dann direkten Sichtkontakt mit dem Meer. Aber schon einige Meter vorher konnte ich das Salzwasser bereits in der Luft schmecken. Durch das schlechte Wetter war das Meer alles andere als ruhig und die Gischt der Brandung erreichte beinahe die Uferstra\u00dfe.<br \/>\nZielstrebig steuerte ich den Strand zu F\u00fc\u00dfen der MS Suncruise, unseres damaligen Hotels an und fand auch gleich einen perfekten Platz f\u00fcr mein v\u00f6llig durchn\u00e4sstes Zelt. Es war noch Zeit genug im \u00f6rtlichen Mini-Markt einzukaufen und das Zelt auftrocknen zu lassen bevor es langsam dunkel wurde. Am Horizont konnte man wieder den hellen Lichtschein der Fischkutter erkennen, die mit ihren Hochleistungsscheinwerfern Fische anlocken.<br \/>\nEinen besseren Abschluss f\u00fcr meine Koreadurchquerung h\u00e4tte ich wohl nicht finden k\u00f6nnen. Beim Rauschen der Wellen waren die G\u00e4nsehaut, der Nieselregen und die kalten Ohren schnell vergessen, der Daunenschlafsack sorgte f\u00fcrs Wohnzimmerklima und mit dem Blick aufs Meer kann kein Fernseher der Welt mithalten.<\/p>\n<h2>Tag 248 &#8211; 05.Oktober<\/h2>\n<p>Jeondongjin &#8211; Donghae Hafen: 34km; 1:37h im Sattel; 19 &#8211; 23 Grad, sonnig<br \/>\nF\u00e4hre<\/p>\n<p>Das Meer hatte sich \u00fcber Nacht ein wenig beruhigt und als ich aus dem Zelt blickte war keine Wolke am Himmel zu erkennen. Das Zelt war aufgetrocknet und ich hatte alle Zeit der Welt um mir noch ein ausgedehntes Fr\u00fchst\u00fcck am Strand zu g\u00f6nnen. Man glaubt es nicht, aber selbst hier am Strand, weit abseits vom eigentlichen Ort, gab es noch ein WLAN Signal. Die Netzabdeckung f\u00fcr freies Internet ist hier in S\u00fcdkorea wirklich unglaublich.<br \/>\nGut 30km waren noch zu absolvieren. Meistens ging es direkt am Meer entlang, stets begleitet von Stacheldrahtzaun und Wacht\u00fcrmen, die ab und an auch nur mit verkleideten Puppen besetzt waren. Ganz so ernst nimmt man die Grenzsicherung offenbar doch nicht mehr. Auf mich wirkt die Mischung aber immer noch ein wenig befremdlich, wenn einerseits eine idyllische Strandatmosph\u00e4re beworben wird und andererseits im Hintergrund die Soldaten patrouillieren. Aufgrund der doch schon etwas k\u00fchleren Temperaturen war am Strand aber generell wenig los. Bis auf ein paar unerschrockene Surfer, die ihr Gl\u00fcck in den Wellen versuchten sah man niemanden im Wasser.<br \/>\nAuf dem Weg nach Donghae \u00fcberholte ich noch drei heimische Reiseradler, die schwer bepackt in Richtung Busan unterwegs waren. Deutschland war allen dreien ein Begriff, nachdem sie fast ihre gesamte Radausr\u00fcstung von deutschen Herstellern bezogen haben. Die S\u00fcdkoreanische Reiseradlerkommunity schw\u00f6rt auf Ortlieb und nat\u00fcrlich ist es auch ein bisschen eine Prestige-Frage, dass man sich deutsche Ausr\u00fcstung leisten kann. Lee hatte mich diesbez\u00fcglich in Seoul schon aufgekl\u00e4rt, dass die S\u00fcdkoreaner generell sehr darauf bedacht sind zu zeigen, was sie sich leisten k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus folgen sie gerne geschlossen den neuesten Trends. Demnach erkl\u00e4rt sich auch das \u00fcberall im Land anzutreffende Ph\u00e4nomen der Outdoorbekleidung. Der Gro\u00dfteil der Klamotten ist n\u00e4mlich erstaunlich kostspielig, wird aber offenbar auch gerade deshalb gerne getragen.<br \/>\nBevor ich kurz vor Mittag in Donghae ankomme geht es noch durch ein paar kleine Fischerd\u00f6rfer. Gespenstisch anmutenden Tiefseefische werden auf der Stra\u00dfe ausgenommen und verschiedene kleinere Fische, Rochen oder Tintenfische zum Trocknen in der Sonne aufgespannt. Getrockneter Fisch scheint hier eine lokale Spezialit\u00e4t zu sein. Je n\u00e4her man Donghae kommt, desto mehr Fische sieht man in der Sonne baumeln. Gerade die gro\u00dfen Rochen erinnern im getrockneten Zustand schon sehr an Wesen von Science Fiction Filmen.<br \/>\nBis ich den richtigen Hafen gefunden habe muss ich mich noch ein wenig durchfragen, doch dann l\u00e4uft alles reibungslos. Die Eastern Dream liegt schon vor Anker und nachdem ich mein vorreserviertes Ticket gekauft habe geht es auch schon kurz danach an Board. Ein paar Koreaner und Russen sind ebenfalls mit dem Rad in Richtung Wladiwostok unterwegs. Die F\u00e4hre Eastern Dream verkehrt von Japan aus \u00fcber Korea nach Russland. Auf Fahrradreisende ist man schon eingestellt und verrechnet auch gleich eine zus\u00e4tzliche Geb\u00fchr f\u00fcr das Rad. Daf\u00fcr ist das Bordpersonal im Gegensatz zu China aber auch beim Transport von Rad und Gep\u00e4ck ins Schiff behilflich. Generell hat man hier mehr den Eindruck auf einem Schiff, als auf einer F\u00e4hre zu sein. Es gibt Duschen und sogar ein japanisches Bad an Bord. Letzteres ist aber leider f\u00fcr die \u00dcberfahrt nach Russland ausser Betrieb.<br \/>\nEs ist schon erstaunlich, pl\u00f6tzlich ist man wieder von v\u00f6llig anderen Gesichtern umgeben. Ich habe den Eindruck nun endg\u00fcltig Abschied von Asien zu nehmen. Haupts\u00e4chlich Russen sind auf dem Schiff, aber auch ein paar Franzosen und Engl\u00e4nder die von Japan aus auf dem Landweg in die Heimat reisen wollen. Noch herrscht sp\u00fcrbarer Wellengang und ich bin schon etwas besorgt ob der langen \u00dcberfahrt.<br \/>\nP\u00fcnktlich um 14 Uhr hei\u00dft es Leinen los f\u00fcr die Eastern Dream und wir nehmen Kurs Richtung Wladiwostok. Dort wollte ich ja die ganze Zeit \u00fcber schon hin&#8230; Langsam verschwinden die hoch aufragenden Berge der S\u00fcdkoreanischen Ostk\u00fcste im Dunst und nach einiger Zeit sind wir nur noch von Wasser umgeben. Ein bisschen macht mir der Wellengang dann doch zu schaffen und ich beschlie\u00dfe den Rest des Tages und auch die Nacht auf Deck zu verbringen. Immerhin habe ich ja Matratze und Schlafsack ohnehin dabei. N\u00e4chster Stop &#8211; Wladiwostok. Dem Titel meines Blogs ist ja zu entnehmen, das dies der eigentliche Endpunkt der Reise ist. Aber wo ist schon ein Ende, wenn die Erde doch rund ist? Der urspr\u00fcngliche Endpunkt wird nun zur Zwischenstation der Heimreise. Einige Kilometer hiervon werden mit der Eisenbahn zur\u00fcckgelegt werden, aber von Moskau aus gehts dann wieder mit dem Rad weiter. Noch ist das Abenteuer nicht vor\u00fcber. Ich freue mich schon auf Russland, auf die lange Zugfahrt und vor allem auf den Heimweg durch Russland, das Baltikum, Polen und Deutschland &#8211; es gibt noch viel zu erleben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 243 &#8211; 01.Oktober Seoul &#8211; Chuncheon: 125km; 6:07h im Sattel; 19 &#8211; 23 Grad, wechselhaft Camping Auf den Tag genau vor acht Monaten bin ich ohne wirklich zu wissen, was mich erwartet in Wien aufgebrochen und Tag f\u00fcr Tag ein kleines St\u00fcck weiter ostw\u00e4rts geradelt, um irgendwann in ferner Zukunft in Wladiwostok anzukommen. 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