{"id":2259,"date":"2014-10-11T17:18:17","date_gmt":"2014-10-11T15:18:17","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2259"},"modified":"2014-10-11T17:18:17","modified_gmt":"2014-10-11T15:18:17","slug":"tag-251-254-transsibirische-eisenbahn-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2259","title":{"rendered":"Tag 251 &#8211; 254: Transsibirische Eisenbahn Teil 1"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 251 &#8211; 254 | 08. -11.Oktober<\/h2>\n<p>Transsib Tag 1 &#8211; 08.Oktober<br \/>\n\u0412\u043b\u0430\u0434\u0438\u0432\u043e\u0441\u0442\u043e\u043a: 9259km bis Moskau<\/p>\n<p>Nun geht es also los&#8230; \u00fcber 9000km Bahnfahrt liegen vor uns und keiner wei\u00df so recht, was uns erwartet. Wie denn auch &#8211; wer f\u00e4hrt schon mal 9000km mit dem Zug. Doch bevor es losgeht treffen wir uns noch einmal mit Egor, meinem Kontaktmann in Wladiwostok, den ich \u00fcber Warmshowers kennengelernt hatte. Egor ist im Mai von seiner Asienrundfahrt mit dem Rad zur\u00fcckgekehrt und versucht nun einen Teil der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die ihm und seiner Frau widerfahren sind, an andere Reisende zur\u00fcckzugeben. Bereits im Vorfeld hatte er mich mit allerlei Informationen zur Transsib versorgt. Nun f\u00fchrt er uns durch die Stadt und nimmt uns mit auf Rusky Island, wo sich seine Fahrradwerkst\u00e4tte befindet. Es geht \u00fcber die vor kurzem er\u00f6ffnete 3km lange Schr\u00e4gseilbr\u00fccke mit fantastischem Blick auf den unter uns liegenden Hafen. Kriegsschiffe, U-Boote, F\u00e4hren und Frachter liegen hier vor Anker. Gut kann ich die Hafeneinfahrt erkennen, die ich erst vor wenigen Tagen mit der Eastern Dream genommen habe.<br \/>\nVor ein paar Jahren wurden fast alle Fakult\u00e4ten der Universit\u00e4t von Wladiwostok auf Ruski Island verlegt. Architektonisch ist der gewaltige Neubau mit Wohnanlagen, Institutsgeb\u00e4uden, Vortragss\u00e4len und Sportanlagen leider ein ziemlicher Fehlgriff. Interessanterweise geh\u00f6rt Sport zu den Pflichtf\u00e4chern jedes Studienganges in Wladiwostok.<br \/>\nWir schlendern am Meer entlang, umgeben von dichtem Wald der in den allersch\u00f6nsten Farben leuchtet. Der Indian Summer erlebt hier gerade seinen H\u00f6hepunkt. Mit etwas Gl\u00fcck gibts in unserer ersten Station, in Irkutsk auch noch bunt leuchtendes Laub zu bewundern. Zur\u00fcck in der Stadt gibt uns Egor noch hilfreiche Tips f\u00fcr den Gro\u00dfeinkauf an Lebensmittel und Getr\u00e4nken f\u00fcr die kommenden drei Tage. Brot, K\u00e4se, Wurst, Kekse, S\u00fc\u00dfes, Wein, S\u00e4fte, Obst und Gem\u00fcse&#8230; Genug, oder zu wenig? Ich bin froh, erst einmal nur drei Tage unterwegs zu sein und nicht f\u00fcr die gesamte Strecke bis nach Moskau Vorr\u00e4te mitschleppen zu m\u00fcssen.<br \/>\nAm Bahnhof zerlege ich dann noch mein Fahrrad und packe es in die zuvor erstandene Bauplane und schleppe das geschn\u00fcrte Paket zum Wagon Nr.8 &#8211; eigentlich erste Klasse, aber offenbar wegen mangelnder Auslastung teilweise als Gep\u00e4ckwagon verwendet. Unser Wagon &#8211; die Nr.20 befindet sich fast am Ende des Zuges. Die zwei S\u00fcdkoreanischen Radreisenden die ich auf der F\u00e4hre getroffen hatte sausen panisch an mir vorbei weil sie offenbar meinen Hinweis nicht ernst genommen hatten, dass das Rad vor Antritt der Reise verpackt werden sollte, doch schlussendlich finden sie einen gutm\u00fctigen Schaffner, der ihr Rad mit in den Wagon nimmt.<br \/>\nUm 12:10 Uhr Moskauer Zeit, also 19:10 Uhr Lokalzeit ist Abfahrt. Das Eisenbahnwesen in Moskau orientiert sich einzig nach der Moskauer Zeit. F\u00fcr mich anfangs etwas befremdlich, doch wenn man bedenkt, dass der Zug bis Moskau durch sieben Zeitzonen f\u00e4hrt ist es verst\u00e4ndlich, dass man eine einheitliche Zeitgebung ben\u00f6tigt.<br \/>\nEndlich geht es los. Im Viererabteil sind wir vorerst noch alleine. Das Abteil ist ger\u00e4umiger als gedacht und wirkt schon auf Anhieb recht gem\u00fctlich. In der Regel gibt es drei Klassen in den Z\u00fcgen der Transsibirischen Eisenbahn. Erste Klasse ist ein Zweierabteil, zweite Klasse ein Viererabteil und dritte Klasse ein offener Gro\u00dfraumwagen, in dem die Schlafpl\u00e4tze nur durch eine Mittelwand voneinander getrennt sind und die Liegen deutlich kleiner sind. Es gibt eine Reihe Liegen parallel zum Gang und daneben im rechten Winkel weitere Liegen, Stets zwei \u00fcbereinander. F\u00fcr Reisende mit viel Gep\u00e4ck ist die dritte Klasse also nicht unbedingt empfehlenswert. Jeder Wagon verf\u00fcgt \u00fcber zwei Toiletten mit Waschbecken und zus\u00e4tzlich einen Hei\u00dfwasserbereiter. Jedem Wagon ist auch ein Schaffner zugeteilt, der in seinem Abteil Snacks verkauft und die Kohlen f\u00fcrs Hei\u00dfwasser nachlegt. Der Wagon ist nicht unbedingt der Neueste, aber erstaunlich gut gepflegt. Einer angenehmen Zugfahrt steht nichts im Wege.<br \/>\nIm Schein der untergehenden Sonne verabschieden wir uns von Wladiwostok und rollen erst einmal in Richtung Norden. Die Zugstrecke verl\u00e4uft parallel zur nur wenige Kilometer entfernten Chinesischen Grenze. Eine herrliche Ruhe liegt \u00fcber der Landschaft, die B\u00e4ume leuchten im Abendrot und wir genie\u00dfen die Snacks aus der K\u00fchltheke des Supermarktes. Viel Fisch, Gem\u00fcse, \u00d6l und K\u00e4se &#8211; und alles zum ersten Mal nicht scharf! Den asiatischen Einflussbereich habe ich nun auch kulinarisch verlassen, ab jetzt kann sich der Gaumen wieder an neue, aber altbekannte Gew\u00fcrze gew\u00f6hnen.<br \/>\nIch rolle die d\u00fcnne Matratze auf meiner Liege aus und lasse mich sanft in den Schlaf ruckeln.<\/p>\n<p>Transsib Tag 2 &#8211; 09.Oktober<br \/>\n\u0425\u0430\u0431\u0430\u0440\u043e\u0432\u0441\u043a: 8534km bis Moskau<\/p>\n<p>Nach einer traumhaft angenehmen Nacht empfing mich am Morgen dasselbe Bild wie am Abend &#8211; Wald wohin man blickt. Die B\u00e4ume tragen nun aber kaum noch Bl\u00e4tter, man sp\u00fcrt schon, dass man weiter in Richtung Norden unterwegs ist. Erst einmal kr\u00e4ftig fr\u00fchst\u00fccken und danach aus dem Fenster kucken. So, oder so \u00e4hnlich wird es wohl die kommenden Tage auch weitergehen. Die B\u00e4ume ziehen am Fenster vorbei und verlieren immer mehr an Farbe. Es geht immer weiter in Richtung Norden. Zeichen von Zivilisation sieht man nur \u00e4u\u00dferst selten. Ab und an kommt die Stra\u00dfe den Eisenbahngleisen nahe und hin und wieder sieht man ein kleines Dorf. Bauarbeiter halten die Eisenbahntrasse in Schuss. Die M\u00fctzen und dicken Jacken lassen erahnen, dass es draussen relativ k\u00fchl sein muss. Ansonsten tut sich nicht viel abseits der Gleise. Im gut geheizten Abteil l\u00e4sst es sich hervorragend plaudern und die Zeit vergeht wie im Flug, doch die meiste Zeit h\u00e4nge ich am Fenster und beobachte die an mir vor\u00fcberziehende Landschaft. Bis nach Irkutsk sind es von Wladiwostok aus in etwa 55 Stationen. An den meisten Stationen bleibt der Zug zwei bis drei Minuten stehen, doch immer wieder einmal bietet sich auch die M\u00f6glichkeit, sich auf dem Bahnsteig ein wenig die Beine zu vertreten. Der Fahrplan an der Wagont\u00fcr erleichtert die Orientierung, wo man sich gerade befindet und ob ein l\u00e4ngerer Stop bevorsteht. Auf den Bahnsteigen sieht man vereinzelt Leute, die Lebensmittel verkaufen. Entgegen meiner Vorstellung l\u00e4uft dies sehr zur\u00fcckhaltend, fast schon im Geheimen ab. Sehr leise nur werden Eier, Geb\u00e4ck, R\u00e4ucherforellen, Fischeier oder \u00e4hnliches angeboten. Unsere Vorratstasche ist noch prall gef\u00fcllt, demnach gibt es keinen Bedarf, auf dem Bahnsteig einzukaufen, doch es kann ja nicht schaden, sich schon einmal ein Bild vom \u00fcblichen Prozedere zu machen. Beeindruckend wie diszipliniert die Fahrg\u00e4ste sich an den Haltezeiten des Zuges orientieren. Schon ein paar Minuten bevor der Zug wieder Fahrt aufnimmt sind alle Fahrg\u00e4ste wieder in ihren Wagons. Seit Abfahrt in Wladiwostok hatten wir auch noch keine einzige Minute Versp\u00e4tung.<br \/>\nEhe man sich versieht ist es schon Mittag und die Nudelsuppen werden ausgepackt. Ein wenig \u00fcbers Reisen philosophiert und immer wieder mal aus dem Fenster gekuckt und schon ist es Zeit f\u00fcr einen Nachmittagssnack. Bei Kaffe \/ Tee und Keksen macht das Landschaftschauen gleich noch einmal mehr Spa\u00df. Immer noch ziehen Birken an uns vorbei. Die W\u00e4lder lichten sich allerdings schon ein wenig und mehr und mehr Steppengras schiebt sich ins Bild.<br \/>\nEndlich wird das Schachbrett ausgepackt. Schon in Wien hatte ich mir mit Silke abendf\u00fcllende Schachpartien geliefert, jetzt in der Transsib ist Schachspielen ja fast schon Pflicht. Nach z\u00e4hem Kampf muss ich mich leider geschlagen geben. Es steht 1:0 f\u00fcr Silke.<br \/>\nSchon verschwindet die Sonne wieder hinter dem Horizont. Der erste volle Tag im Zug neigt sich dem Ende. Mit einem Glas Rotwein und vorz\u00fcglichstem Couscous k\u00f6nnen wir auf einen gelungenen Start ins Abenteuer Transsib ansto\u00dfen. Schon jetzt habe ich den Verdacht, dass die Zeit viel zu schnell vergeht.<\/p>\n<p>Transsib Tag 3 &#8211; 10.Oktober<br \/>\n\u0415\u0440\u043e\u0444\u0435\u0439 \u041f\u0430\u0432\u043b\u043e\u0432\u0438\u0447: 7081km bis Moskau<\/p>\n<p>\u00dcber Nacht sind wir immer weiter in Richtung Norden gefahren. Die B\u00e4ume haben nun schon alle ihre Bl\u00e4tter verloren und draussen sieht es ziemlich kalt aus. Gestern konnte man bereits vereinzelt Eis auf den Pf\u00fctzen erkennen, jetzt treiben bereits Eisschollen auf dem Fluss. Im fr\u00fchen Morgenlicht glitzert die Landschaft wie eine Diskokugel. Alles ist mit dickem Reif \u00fcberzogen. Beim ersten l\u00e4ngeren Aufenthalt bl\u00e4st uns ein eiskalter Wind entgegen. Die Wagons dampfen beim Auff\u00fcllen der Trinkwassertanks und dicke Eiszapfen h\u00e4ngen bereits vom Fahrgestell. Die Temperatur liegt sp\u00fcrbar unter Null, die Arbeiter am Bahnsteig sind in dicke Jacken geh\u00fcllt. Das Klischeebild von Sibirien beginnt sich schon zu bewahrheiten. Die wenigen D\u00f6rfer hier in der Gegend machen allesamt einen recht \u00e4rmlichen Eindruck. Viele H\u00e4user sind verfallen, oder verlassen. Die hohen Bretterz\u00e4une, sind schon vor langer Zeit umgedr\u00fcckt worden und werden bereits vom hohen Gras \u00fcberwuchert. Man fragt sich, womit die Leute hier in der Gegend ihren Lebensunterhalt verdienen. Fischen, Jagen und ein wenig Landwirtschaft scheinen die einzigen Erwerbst\u00e4tigkeiten hier in dieser kargen Gegend zu sein. Anna, eine junge Russin die mit ihrem Mann und ihrer zweij\u00e4hrigen Tochter auf dem Weg zu den Gro\u00dfeltern ist erz\u00e4hlt uns, dass noch vor zwei Wochen hier schon eine geschlossene Schneedecke lag. Die Eisschollen auf dem Fluss zeugen noch vom ersten K\u00e4lteeinbruch dieses Jahres. Im Winter kann es hier bis zu -50 Grad kalt werden. Nach gut 10 Minuten auf dem Bahnsteig wird es mir an den Zehen aber auch schon kalt und ich ziehe mich wieder ins leicht \u00fcberheizte Abteil zur\u00fcck. An den Wagont\u00fcren hatten sich bereits Eisblumen gebildet. Immer noch haben wir das Viererabteil f\u00fcr uns alleine und das obwohl in fast jeder Station Leute zusteigen.<br \/>\nF\u00fcrs Erste haben wir den n\u00f6rdlichsten Punkt der Reise bis Irkutsk erreicht. Die Strecke verl\u00e4uft noch ein St\u00fcck westw\u00e4rts und nimmt dann Kurs in Richtung S\u00fcdwest. Das Eis auf den Fl\u00fcssen wird immer weniger und auch die B\u00e4ume verschwinden nach und nach. Wir tauchen langsam ein in eine steppenartige Umgebung. Ein kleiner Fluss windet sich durch das breite Tal und zwischen den vereinzelten B\u00e4umen kann man ganz selten ein paar Autospuren im hellbraunen Gras erkennen &#8211; zumindest ein kleines Zeichen f\u00fcr Zivilisation. Die Zugstrecke verl\u00e4uft nun stets parallel zum Fluss, der nach und nach an Breite gewinnt. Von einem nur wenige Meter breitem Rinnsal hat er sich nach ein paar Stunden Fahrt zu einem gut hundert Meter breiten Fluss entwickelt. Immer mehr kleine Siedlungen tauchen nun auf und man sieht bereits die ersten Motorboote auf dem Fluss. Der eisige Wind ist nun wieder verschwunden, aber so wirklich warm ist es trotzdem nicht.<br \/>\nNach der zweiten Schachpartie steht es Dank Doppeldame 1:1, doch die Revanche folgt sogleich und Silke erh\u00f6ht wieder einmal auf 2:1. Wir sind nun schon \u00fcber 48 Stunden im Zug und wundern uns nur, wie schnell die Zeit vergeht. Relativ schnell verliert man das Gesp\u00fcr f\u00fcr Zeit und Ort, man hat das Gef\u00fchl sich in einer Blase zu befinden, abgekapselt von der realen Welt. Zu meinem gro\u00dfen Erstaunen fasziniert mich die vor\u00fcberziehende Landschaft immer noch so sehr, wie zu Beginn. Schon \u00fcber 3000km liegen hinter uns &#8211; eine schier unvorstellbare Zahl, wenn man bedenkt, dass man erst zwei Tage unterwegs ist. Die erste Zeitzone haben wir bereits \u00fcberfahren, die n\u00e4chste steht kurz bevor. Es geht flott voran &#8211; fast schon ein wenig zu flott&#8230;<br \/>\nIch bin verwundert, wie sehr im Zug auf die Sauberkeit geachtet wird. Bei jedem gr\u00f6\u00dferen Stop werden die Abfallt\u00fcten geleert, das Zugpersonal schrubbt den Gang und kehrt die Abteile sauber, die WCs werde regelm\u00e4\u00dfig geputzt und mit frischen Papierhandt\u00fcchern versorgt &#8211; ein Service, den man bei europ\u00e4ischen Zuglinien nur selten findet.<br \/>\nGegen Abend setzt leichter Regen ein und die Nacht wirkt dunkler als sonst. Bis Irkutsk sind es aber noch fast 24 Stunden, also Zeit genug f\u00fcr eine Wetterbesserung. In Karimskaia wird noch einmal kurz Halt gemacht. Hier st\u00f6\u00dft die Transmangurische Eisenbahnlinie auf die Hauptstrecke der Transsibirischen Eisenbahn. Morgen wird sich der Steckenverlauf der Transmongolischen Eisenbahn mit unserer Strecke kreuzen.<br \/>\nWie gro\u00df Russland eigentlich wirklich ist, wird einem erst bewusst, wenn man sich ein wenig mit den unterschiedlichen Zeitzonen auseinandersetzt. Eine beeindruckende Vorstellung, wenn man bedenkt, dass wenn es hier schon nach Mitternacht ist, es in Moskau gerade erst dunkel wird.<\/p>\n<p>Transsib Tag 4 &#8211; 11.Oktober<br \/>\n\u041f\u0435\u0442\u0440\u043e\u0432\u0441\u043a\u0438\u0439 \u0417\u0430\u0432\u043e\u0434: 5752km bis Moskau<\/p>\n<p>Heute Nacht hatte sich noch relativ schnell der Regen in Schnee verwandelt und binnen k\u00fcrzester Zeit war die Landschaft in m\u00e4rchenhaftes Wei\u00df geh\u00fcllt. Im Schein des Maschinistenwagens am Ende des Zuges konnte man die ganze Pracht trotz stockdunkler Nacht bewundern. Ungl\u00e4ubig dr\u00fcckte ich mir die Nase am Fenster platt. Ist der Winter jetzt schon da? F\u00fcr den Moment kann ich eigentlich noch darauf verzichten. Am fr\u00fchen Morgen war vom Schnee aber nichts mehr zu sehen und blauer Himmel k\u00fcndigte einen traumhaften Tag an. Der fr\u00fchmorgendliche Stop in Petrowski Sabalkalski kam gerade zur rechten Zeit, um sich ein wenig die F\u00fc\u00dfe zu vertreten. Ein eiskalter Wind blies uns um die Ohren und sobald die Sonne hinter den Wolken verschwand wurde es sp\u00fcrbar unangenehm kalt. Ein paar Socken h\u00e4tte sicher geholfen, aber offenbar ist es in der Transsibirischen \u00fcblich, entweder im T-shirt, oder mit kurzer Hose auf dem Bahnsteig zu stehen, ganz egal welche Temperaturen herrschen. Die Russen reisen sehr gerne im Trainingsanzug und mit Pantoffeln. Gerade bei den j\u00fcngeren Herren &#8211; wie auch bei unserem Schaffner &#8211; sind aber gerade knallbunte Bermudashorts im Trend, wahlweise mit nacktem Oberk\u00f6rper, oder mit kurzem Unterhemd.<br \/>\nDie Uhr wird nun schon wieder eine Stunde zur\u00fcckgedreht. Es sind noch gut 5700km bis nach Moskau und weitere vier Zeitzonen liegen vor uns. Im Zug ist die Stimmung weiterhin sehr gut. Die Mitreisenden sind immer noch so freundlich und zuvorkommend wie am ersten Tag. Man gew\u00f6hnt sich schnell an die Katzenw\u00e4sche im Miniaturbad, doch so langsam zeigt die Kleidung schon Spuren der zur\u00fcckliegenden Tage. So ganz ohne Kleckern gehts irgendwie nicht und mit der Zeit beginnt man auch schon ein wenig zu riechen. Trotz alledem finde ich es schon jetzt irgendwie schade, dass der erste Teil des Abenteuers Transsibirische Eisenbahn heute schon wieder zu Ende gehen soll.<br \/>\nDie W\u00e4lder werden nun von immer mehr Kiefern dominiert, es kommen uns auch regelm\u00e4\u00dfig unglaublich lange G\u00fcterz\u00fcge entgegen, vollbeladen mit Kiefern- und Birkenholz. Bei Kilometer 5622 st\u00f6\u00dft die Transmongolische Eisenbahnlinie zu uns und die Agglomerationen von Holzh\u00e4usern werden zunehmend gr\u00f6\u00dfer. Die Details der Holzh\u00e4user werden ausgefallener und es kommt immer mehr Farbe ins Spiel.<br \/>\nFasziniert von der Landschaft h\u00e4ngen wir gebannt am Fenster und lassen das sch\u00f6ne Bild an uns vor\u00fcberziehen. Originalton Silke: &#8220;Das h\u00f6rt ja gar nicht mehr auf sch\u00f6n zu sein!&#8221;<br \/>\nKurz vor Mittag erreichen wir Ulan Ude, die erste wirklich gro\u00dfe Stadt, die wir in den vergangenen Tagen gesehen haben. Zum Baikalsee ist es jetzt nicht mehr weit. Die Landschaft wird wieder etwas h\u00fcgeliger und in der Ferne kann man noch Schnee auf den Berggipfeln erkennen. Seit kurzem werden nun auch im Zug N\u00fcsse, Geb\u00e4ck und ger\u00e4ucherter Fisch aus dem Baikalsee verkauft. Und wie aus dem Nichts taucht dieser dann pl\u00f6tzlich auch am Gangfenster auf. Einem Meer gleich liegt der unvorstellbar gro\u00dfe See nun vor uns. Man sagt, es ist der gr\u00f6\u00dfte S\u00fc\u00dfwasserbeh\u00e4lter der Welt mit kristallklarem Wasser in Trinkwasserqualit\u00e4t. Die Sicht betr\u00e4gt stellenweise bis zu 40m. 336 Fl\u00fcsse m\u00fcnden in den 31500km2 gro\u00dfen und unglaubliche 1700m tiefen See, so zumindest beschreibt Brigitte Reimann in ihrem Tagebuch einer Sibirienreise (Das gr\u00fcne Licht der Steppen) den Baikalsee.<br \/>\nDie Bahngleise verlaufen stellenweise direkt am Seeufer. Rechts der blau schimmernde See, links hoch aufragend und Schneebedeckt eine langgezogene Gebirgskette und dazwischen immer wieder ein paar kleinere D\u00f6rfer. Die Sonne brennt vom Himmel und heizt das ohnehin schon \u00fcberhitzte Abteil noch weiter auf. An ein Schlie\u00dfen der Jalousien ist bei dieser grandiosen Aussicht nicht zu denken, da hilft nur noch ein Griff in die Werkzeugkiste, um die Verriegelung des kleinen Klappfensters zu entfernen. Ein Dreikantschl\u00fcssel w\u00e4re hier sehr hilfreich, aber mit meiner Kombizange kommt man auch schnell zum Ziel.<br \/>\nWir lassen uns einen ger\u00e4ucherten Fisch mit frischem Couscous, Gurken und Tomaten schmecken, w\u00e4hrend der See langsam an uns vorbeigleitet. Einige Stunden folgt der Zug dem Seeufer, bevor er in Richtung Norden abzweigt und sich Irkutsk n\u00e4hert. Der Zug schl\u00e4ngelt sich noch einmal hoch hinauf und gibt einen fantastischen Blick auf den tief unter uns liegenden See frei. Den ganzen Tag \u00fcber hatten uns heute vor allem Kiefern und L\u00e4rchen begleitet, doch nun kommen die Birken wieder zur\u00fcck. Vom &#8220;Indian Summer&#8221; ist nur noch ein kleiner Rest zu sp\u00fcren, der H\u00f6hepunkt liegt wohl gerade ein paar Tage zur\u00fcck.<br \/>\nIrkutsk &#8211; manche sagen auch Mittelerde, oder Mittelpunkt der Welt &#8211; ist erreicht. Wir haben jetzt schon \u00fcber 4000km zur\u00fcckgelegt, eine faszinierende Vorstellung, wenn man bedenkt, dass die Ost-West-Ausdehnung Europas nicht einmal an der 4000km Marke kratzt.<br \/>\nSibirisch kalte Luft schl\u00e4gt mir mal wieder entgegen, als ich mein Gep\u00e4ck auf den Bahnsteig hieve. Noch schnell das Rad aus der Gep\u00e4ckaufbewahrung in der ersten Klasse geholt und dann auf schnellstem Weg zu unserem Hostel. Die Sonne verschwindet schon langsam hinterm Horizont und eine kalte Nacht zeichnet sich ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 251 &#8211; 254 | 08. -11.Oktober Transsib Tag 1 &#8211; 08.Oktober \u0412\u043b\u0430\u0434\u0438\u0432\u043e\u0441\u0442\u043e\u043a: 9259km bis Moskau Nun geht es also los&#8230; \u00fcber 9000km Bahnfahrt liegen vor uns und keiner wei\u00df so recht, was uns erwartet. Wie denn auch &#8211; wer f\u00e4hrt schon mal 9000km mit dem Zug. 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