{"id":2281,"date":"2014-10-15T04:30:20","date_gmt":"2014-10-15T02:30:20","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2281"},"modified":"2014-10-15T04:30:20","modified_gmt":"2014-10-15T02:30:20","slug":"tag-255-257-mittelerde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2281","title":{"rendered":"Tag 255 &#8211; 257: Mittelerde"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 255 &#8211; 257 | 09. &#8211; 14.Oktober<\/h2>\n<p>Irkutsk: 3 Ruhetage; Zugkilometer bisher: 4124km Hostel Nach drei Tagen im Zug freut man sich erst einmal \u00fcber eine gem\u00fctliche Dusche. In unserer Unterkunft wurden wir sehr herzlich willkommen geheissen. Galina, die Besitzerin des kleinen Hostels spricht sehr gut Deutsch und so kommen wir schnell ins Gespr\u00e4ch. Zum Fr\u00fchst\u00fcck unz\u00e4hlige Plinis \/ Pfannkuchen und dann aber los in die Stadt. Die Stadtgeschichte von Irkutsk ist nicht sonderlich alt, erst vor 350 Jahren wurde die Stadt gegr\u00fcndet. Generell ist die moderne Siedlungsgeschichte in Sibirien noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig jung. Die Holzh\u00e4user, die man hier in Irkutsk findet, stehen stellvertretend f\u00fcr Russische Holzarchitektur, nachdem das handwerkliche Wissen und auch die Handwerkers selbst allesamt aus Westrussland stammten. \u00dcber die Stadt verteilt trifft man noch auf eine Vielzahl der historischen Massivholzbauten mit teilweise recht aufw\u00e4ndigen Verzierungen in der Fassade. Der Gro\u00dfteil der Holzh\u00e4user befindet sich allerdings in einem recht desolaten Zustand. Oftmals wurden die H\u00e4user ohne ausreichende Fundamentierung gebaut und so begannen viele Geb\u00e4ude sich mit der Zeit abzusenken. Man trifft aber auch auf einen speziellen Bautyp, der aufgrund eines Erlasses des Zaren entstanden ist. Demnach waren die Geb\u00e4ude h\u00f6henlimitiert, woraufhin einig Baumeister die H\u00e4user ein halbes Gescho\u00df unter Erdniveau errichteten. Man findet auch eine betr\u00e4chtliche Zahl von Brandruinen in der Stadt. Auf einigen abgebrannten H\u00e4usern wachsen bereits kleine B\u00fcsche, bei anderen liegt der Brand noch nicht weit zur\u00fcck. Beeindruckend finde ich die Vielfalt an unterschiedlichen Holzh\u00e4usern, die man hier noch findet. Auffallend aber auch die vielen Wasserpumpen am Stra\u00dfenrand. Viele der Holzh\u00e4user verf\u00fcgen weder \u00fcber einen Anschluss an die Kanalisation, noch \u00fcber fliesend Wasser. Bei traumhaftem Sonnenschein flanieren wir durch die Stadt. Die Temperaturen am ersten Tag in Irkutsk liegen noch bei knapp 10 Grad, doch es k\u00fcndigt sich schon der Winter an. Viele Kleinigkeiten erinnern mich an die zur\u00fcckliegende Zeit in Zentralasien. Wir stolpern zuf\u00e4llig in ein Stra\u00dfenlokal, dessen Speisenangebot dem Zentralasiens entspricht. Schaschlik, Salat, Brot und Tee &#8211; lange nicht mehr gegessen, aber superlecker. Das Stadtzentrum von Irkutsk kann man sehr leicht zu Fu\u00df erkunden. Den ganzen Tag \u00fcber lassen wir uns durch die Stadt treiben, beschlie\u00dfen dann aber am Nachmittag unser Zugticket nach Moskau zu kaufen. Am Bahnhof spricht erwartungsgem\u00e4\u00df niemand Englisch, doch zum Gl\u00fcck hatten wir uns bereits im Vorfeld ein paar Z\u00fcge herausgesucht. Es sind nicht mehr sonderlich viele Tickets verf\u00fcgbar und wir entschlie\u00dfen uns, einen Tag l\u00e4nger in Irkutsk zu bleiben, um daf\u00fcr einen Liegeplatz im Abteil zu bekommen. Offenbar verf\u00fcgt der Zug aber \u00fcber kein Gep\u00e4ckabteil &#8211; bin gespannt, ob das Rad problemlos mitgenommen werden kann. Wie auch schon in Wladiwostok sind die Ticketpreise am Schalter um 20% g\u00fcnstiger, als wenn man das Ticket online erwerben w\u00fcrde. Nun geht es zwar einen Tag sp\u00e4ter weiter, daf\u00fcr kommen wir aber am selben Tag an, wie geplant. Unser jetziger Zug kommt aus der Mongolei und ben\u00f6tigt f\u00fcr die Strecke Irkutsk &#8211; Moskau gut 10 Stunden weniger. Auch der zweite Tag in Irkutsk beginnt mit einem herzhaften Plini &#8211; Fr\u00fchst\u00fcck. In Irkutsk geht die Sonne momentan erst gegen 8:30 Uhr auf, was den Schlafrhythmus ein wenig durcheinander bringt. Der strahlendblaue Himmel verspricht f\u00fcr heute aber einen traumhaften Tag und so beschlie\u00dfen wir, trotz fortgeschrittener Stunde einen Ausflug ins Freilichtmuseum Talzy zu unternehmen. Vom Vormplatz des Zentralmarktes aus verkehren regelm\u00e4\u00dfig Marschrutkas &#8211; Minibusse &#8211; zum Baikalsee. Nach nur wenigen Minuten Wartezeit ist die Marschrutka auch schon voll und es geht los. In einem Affenzahn brausen wir in Richtung Baikalsee. Die Stra\u00dfe verl\u00e4uft zwar schnurgerade, doch es geht wellenartig rauf und runter. Stellenweise f\u00fchlt es sich so an, als ob ein Flugzeug in ein Luftloch fallen w\u00fcrde, doch daf\u00fcr sind wir schon nach knapp einer halben Stunde am Ziel angelangt. Das Freiluftmuseum Talzy wurde in den 1980er Jahren er\u00f6ffnet und besteht aus einer Vielzahl von Holzbauten aus der Region. Ein Gro\u00dfteil wurde beispielsweise aufgrund der Errichtung eines Staudammes abgebaut und in Talzy originalgetreu wieder aufgebaut. Man bekommt ein bisschen eine Vorstellung von traditioneller Architektur in Sibirien, auch wenn das Ensemble mehr an eine Westernstadt erinnert. Aber vielleicht unterscheiden sich die Siedlungen zu Zeiten der Besiedelung Amerikas gar nicht so sehr von den Sibirischen Bauten. In beiden F\u00e4llen war Holz der dominierende Baustil und das Wissen wurde auch aus der &#8220;alten Heimat&#8221; transportiert. Spontan beschlie\u00dfen wir noch, einen Ausflug an den Baikalsee zu machen. Bis nach Listwjanka sind es nur 30km und schon nach nur ein paar Minuten h\u00e4lt eine Marschrutka und wir brausen zum See. Einen besseren Tag h\u00e4tte man sich wohl nicht aussuchen k\u00f6nnen. Strahlend blauer Himmel, eine noch kr\u00e4ftige Sonne, kein Wind und fast keine Leute&#8230; man kommt richtig in Urlaubsstimmung. Auf der anderen Uferseite die schneebedeckten Berge des Chamar-Dahan-Gebirges. Das kristallklare Wasser l\u00e4dt eigentlich zum Baden ein, doch die Wassertemperatur spricht klar dagegen. An der Uferstra\u00dfe wird fleissig R\u00e4ucherfisch verkauft. Aus den Hauseinfahrten steigt dichter Rauch aus den R\u00e4ucherk\u00e4sten auf, die Fische h\u00e4ngen aufgef\u00e4delt an Schn\u00fcren in der Sonne und warten auf hungrige Besucher wie mich. Ein paar Kilometer kann man recht gem\u00fctlich am Seeufer entlangspazieren. Die Stimmung am See ist atemberaubend. Sonne, Wasser, Schnee&#8230; Mit einem breiten Grinsen im Gesicht sitzen wir nur am Ufer und genie\u00dfen den Ausblick \u00fcber des See. Schon erstaunlich, wenn man sich vorstellt, dass der Baikalsee 1\/5 des S\u00fc\u00dfwasservorrates der gesamten Welt beinhaltet. Im Winter friert der See zu und kann auch mit Autos befahren werden. Eine Besonderheit dieser Region ist wohl die Tatsache, dass der See in der Regel Schneefrei ist und man so problemlos sich am meterdicken Eis bewegen kann. Die Winter hier in Sibirien sind zwar recht kalt, daf\u00fcr scheint aber fast immer die Sonne. Nach Aussage von Galina hat Irkutsk beispielsweise 250 Sonnentage im Jahr. Einen davon d\u00fcrfen wir zumindest heute in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen. Zur\u00fcck in Listwjanka gibts frischen R\u00e4ucherfisch, eine Portion Plov und frisch abgef\u00fclltes Bier, das wir uns kurz vor Sonnenuntergang am Seeufer schmecken lassen. Die untergehende Sonne taucht den See und das angrenzende Gebirge in ein sanftes, schon fast lilafarbenes Licht. Im selben Moment in dem die Sonne hinter den H\u00fcgeln verschwindet, wird es auch wieder empfindlich kalt. Heute scheint unser Gl\u00fcckstag zu sein, denn nach nur 10 Minuten taucht auch schon ein Marschrutka auf und nicht einmal eine Stunde sp\u00e4ter sind wir schon zur\u00fcck in Irkutsk. Lake Baikal! The Lake of beauty, the lake of silence, the lake of greatness. Lake Baikal! The world\u00b4s deepest lake, Russia\u00b4s deepest pride. Lake Baikal! All fulfilling within, all inspiring without. Baikal! With tears of joy We dedicate you to the golden goal of a oneness-world. With tears of hope We pray that the sea of peace you eternally are Will sleeplessly enter into every human heart. Baikal! Outwardly you bless us with abundance In measureless measure. Inwardly you are our Inner Pilot\u00b4s Own choicest treasure. (\u00dcbersetzung der Baikalhymne &#8211; man ist durchaus stolz auf diesen gro\u00dfen See&#8230;) Wie angek\u00fcndigt hatte es in unserer zweiten Nacht zu schneien begonnen. Am Morgen war die Stadt in ein wei\u00dfes Kleid geh\u00fcllt. Mir geht das alles im Moment noch ein wenig zu schnell. Schnee brauche ich jetzt wirklich noch nicht. Ich hoffe nur, dass mir das Klima in Moskau noch ein paar warme Tage schenkt, obwohl ich dahingehend immer weniger zuversichtlich werde. Nun ja, der Sommer ist definitiv vor\u00fcber und der Winter zeigt schon seine ersten Vorzeichen. Der erste Schneemann des Jahres wird gebaut und trotz ungem\u00fctlichem Wetter starten wir erneut einen Spaziergang durch die Stadt. Dieses Mal gehts hinaus in die Stadtr\u00e4nder, um die Wohnquartiere zu besuchen. Ein Gro\u00dfteil der Plattenbauten im Bezirk Karl Marx Stadt ist in sehr desolatem Zustand, doch man kann noch gut erkennen, dass die Neubauten hier mit gro\u00dfer Ambition errichtet wurden. Man trifft auf unterschiedlichste Bauformen und sp\u00fcrt den Gestaltungswillen f\u00fcr die Freir\u00e4ume, doch leider nagt der Zahn der Zeit am Viertel. F\u00fcr dringend erforderliche Erhaltungsma\u00dfnahmen ist kein Geld vorhanden und so verkommen die Symbole einer glorreichen Zukunft nach und nach. Am Stadtrand von Irkutsk wird die Angara, der Ausfluss des Baikalsees in einem Stausee aufgefangen. Eisiger Wind treibt uns die Schneeflocken ins Gesicht und so suchen wir uns vom Ufer des Stausees aus wieder den Weg zur\u00fcck zur gut beheizten Stra\u00dfenbahn. Die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel sind in Irkutsk erstaunlich g\u00fcnstig. F\u00fcr nur 12 Rubel, also etwa 23 Cent ist man dabei. Auch die Preise f\u00fcr die Marschrutkas sind sehr niedrig, dementsprechend gro\u00df ist auch der Andrang. Zu dieser Jahreszeit trifft man in Irkutsk auf erstaunlich wenige westliche Touristen. Schwer einzusch\u00e4tzen, ob im Sommer wirklich mehr los ist, oder ob die Region generell nicht zu den Touristenmagneten z\u00e4hlt. F\u00fcr Naturliebhaber z\u00e4hlt die Baikalregion aber sicher zu den Top Destinationen. Im Moment befindet sich alles gerade im Umbruch. Der Sommer ist vorbei, der Winter ist noch nicht wirklich da&#8230; Trotzdem eine fantastische Zeit, die Region zu besuchen. Von Irkutsk und der Baikalregion hatte ich im Vorfeld nicht sonderlich viel gewusst. Dementsprechend gro\u00df ist die \u00dcberraschung ob der faszinierenden Umgebung und der sympatischen Stadt. Wer wei\u00df, vielleicht verschl\u00e4gt es mich ja wieder einmal in diese Gegend&#8230; Morgen gehts also wieder weiter. Die letzte Etappe in Richtung Moskau steht an. Ein Blick auf die Karte verr\u00e4t, dass es noch ein weiter Weg ist. Russland ist wirklich ein unglaublich gro\u00dfes Land. Wenn alles nach Plan verl\u00e4uft werden wir am 18.Oktober in Moskau ankommen, dann kann ich endlich mein Rad wieder zusammenbauen und ein paar Tage sp\u00e4ter meine Heimreise antreten. F\u00fcr Silke sind es nur zwei Stunden Flug, f\u00fcr mich werden es fast zwei Monate werden&#8230; Aber ich freue mich schon sehr darauf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 255 &#8211; 257 | 09. &#8211; 14.Oktober Irkutsk: 3 Ruhetage; Zugkilometer bisher: 4124km Hostel Nach drei Tagen im Zug freut man sich erst einmal \u00fcber eine gem\u00fctliche Dusche. In unserer Unterkunft wurden wir sehr herzlich willkommen geheissen. Galina, die Besitzerin des kleinen Hostels spricht sehr gut Deutsch und so kommen wir schnell ins Gespr\u00e4ch&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2281"}],"collection":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2281"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2281\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2284,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2281\/revisions\/2284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}