{"id":2305,"date":"2014-10-18T20:36:08","date_gmt":"2014-10-18T18:36:08","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2305"},"modified":"2014-10-18T20:36:08","modified_gmt":"2014-10-18T18:36:08","slug":"tag-258-261-transsibirische-eisenbahn-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2305","title":{"rendered":"Tag 258 &#8211; 261: Transsibirische Eisenbahn Teil 2"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 258 &#8211; 261 | 15. &#8211; 18.Oktober<\/h2>\n<p>Transsib Tag 1: 15.Oktober<br \/>\n\u0418\u0440\u043a\u0443\u0442\u0441\u043a: 5153km bis Moskau<\/p>\n<p>Heute wird die zweite Runde der gro\u00dfen Russlanddurchquerung in Angriff genommen. Bis zur Abfahrt des Zuges haben wir noch ausreichend Zeit und g\u00f6nnen uns einen letzten Spaziergang durch das sonnendurchflutete Irkutsk. Galina verw\u00f6hnt uns am Morgen noch einmal mit einem ausgedehnten Plini-Fr\u00fchst\u00fcck und bestellt uns Sicherheitshalber schon einmal ein Taxi zum Bahnhof. Das Rad steckt immer noch in seiner Reiseverpackung und kann momentan nicht als Transportesel verwendet werden. Beim Reisen mit viel Gep\u00e4ck ohne Fahrrad muss zwangsweise auf ein alternatives Transportmittel zur\u00fcckgegriffen werden. Irkutsk werde ich auf alle F\u00e4lle in sehr guter Erinnerung behalten. Die sympathische Stadt hat mich jeden Tag aufs neue \u00fcberrascht und l\u00e4dt f\u00f6rmlich zu einem Wiedersehen ein. Vielleicht einmal im Winter, oder im Hochsommer?<br \/>\nNachdem die gro\u00dfe Packtasche wieder mit Essensvorr\u00e4ten gef\u00fcllt wurde gehts in Richtung Bahnhof, dort wuchten wir unser Gep\u00e4ck in zwei Anl\u00e4ufen auf Bahnsteig 7, w\u00e4hrend unser Zug Nr.05 einf\u00e4hrt. Dieses Mal geh\u00f6rt uns Wagon Nr. 15, der letzte Wagon des im Vergleich zum letzten Mal viel k\u00fcrzeren Zuges. Zug Nr.05 kommt aus Ulan Bartur (Mongolei) und f\u00e4hrt durch bis Moskau. Die Fahrzeit betr\u00e4gt nur 75 Stunden, 10 Stunden weniger als mit den meisten Z\u00fcgen auf der Transsibirischen. Die Tatsache, dass es in unseren Zug kein Gep\u00e4ckabteil gibt habe ich erfolgreich ignoriert und kann zum Gl\u00fcck das Rad im hinteren T\u00fcrraum unseres Wagons abstellen. Es hat ja scheinbar einen guten Grund, dass wir im letzten Wagon sitzen&#8230; Um 16:14 Ortszeit gehts dann los. \u00dcber 5000km und viel unbekannte Landschaft liegen vor uns. Dieses Mal ist der Zug vollbesetzt. Pawel und Konsta, zwei quirlige Russen aus Irkutsk teilen sich mit uns das Abteil bis nach Krasnojarsk. Die beiden stammen aus Irkutsk und besitzen dort eine Firma die Epoxibeschichtungen ausf\u00fchrt. In Krasnojarsk wollen sie Kontakte kn\u00fcpfen, um m\u00f6glicherweise ihren Betrieb zu expandieren. Das Gesch\u00e4ft scheint gut zu laufen, obwohl es nicht einfach ist, von den lokalen Baufirmen den notwendigen Qualit\u00e4tsstandard zu bekommen. Russische Baustellen sind nicht immer f\u00fcr spiegelglatte Oberfl\u00e4chenbeschichtungen geeignet. Stolz erkl\u00e4ren uns die beiden ihr Land und zeigen uns Urlaubsfotos aus der Baikalregion. So wie es aussieht ist die Region um den Baikalsee im Winter ein traumhaftes Skigebiet. Die Temperaturen sind Dank eines speziellen Mikroklimas verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig warm und \u00fcber Schneemangel muss man sich auch nicht beklagen.<br \/>\nPawel und Konsta sprechen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut Englisch und so plaudern wir bis sp\u00e4t in die Nacht \u00fcber Sibirien, Russland und das Reisen im allgemeinen. F\u00fcr f\u00fcr viele Leute in Irkutsk, oder generell in Sibirien, z\u00e4hlen China, Thailand, Malaysia oder Vietnam zu den beliebtesten Urlaubsdestinationen. Das Flugticket von Irkutsk nach Bangkok kostet beispielsweise ebensoviel wie nach Moskau. Gro\u00dfer Vorteil neben den Lebenshaltungskosten und dem guten Essen ist die Tatsache, dass man sich mehr oder weniger in derselben Zeitzone befindet. Der Flug nach Moskau dauert etwa f\u00fcnf Stunden, was aufgrund der Zeitverschiebung (5 Sunden) zur Folge hat, dass man zur selben Zeit in Moskau ankommt, zu der man in Irkutsk gestartet ist. Klingt eigentlich recht fein, gilt aber nur in eine Richtung. Gesch\u00e4ftsbeziehungen mit Moskau sind von Sibirien aus ein wenig m\u00fchsam, da die Zeitdifferenz zur Folge hat, dass man dringende telefonische Ausk\u00fcnfte oft nicht bekommt, weil es in Moskau noch alles schl\u00e4ft&#8230; Russland, ein Land in dem die Zeitverschiebung von West nach Ost praktisch einen gesamten Arbeitstag ausmacht.<br \/>\nWir plaudern ein wenig \u00fcber die &#8220;freundschaftlichen Beziehungen&#8221; zwischen Russland und Nordkorea. In Sibirien trifft man offenbar h\u00e4ufig auf Arbeitsbrigarden aus Nordkorea, die ohne Entlohnung f\u00fcr das nordkoreanische Regime in Russland schuften. Russland stellt Kost und Logie, der Rest flie\u00dft direkt an die nordkoreanische Regierung. Es scheint, als ob Russland fleissig daran arbeitet die Wirtschaftsbeziehungen zum nahe gelegenen Nordkorea auszubauen.<br \/>\nIn Irkutsk hatte ich schon das Bed\u00fcrfnis nach einer neuen Zeitzone, da es erst gegen neun Uhr richtig hell wurde. Morgen fr\u00fch ist es endlich soweit und die Uhr wird eine Stunde zur\u00fcckgedreht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Transsib Tag 2 &#8211; 16.Oktober<br \/>\n\u041a\u0440\u0430\u0441\u043d\u043e\u044f\u0440\u0441\u043a: 4065km bis Moskau<\/p>\n<p>Seit wir Irkutsk hinter uns gelassen hatten, nahm die Siedlungsdichte konstant zu. Anfangs ging es noch vorbei an einzelnen D\u00f6rfern, die fast ausnahmslos aus Holzh\u00e4usern bestanden, doch nun nehmen die Ziegelbauten immer mehr zu. Auffallend, dass es In Irkutsk besonders viele Kirchen gab und nun in den D\u00f6rfern kein einziger Hinweis auf eine Kirche zu finden ist. Wohl ein \u00dcberbleibsel der Sowjetzeit. Die Friedh\u00f6fe befinden sich oft weit ausserhalb der D\u00f6rfer, meist irgendwo zwischen den B\u00e4umen, die jetzt immer h\u00e4ufiger werden. Vorbei ist es mit der weiten Steppe, ab heute sieht man fast nur noch Wald, wenn man aus dem Fenster schaut.<br \/>\nSeit heute sind wir nur noch vier Stunden von der Moskauzeit entfernt, man merkt schon, dass wir ein beachtliches St\u00fcck Weg hinter uns gebracht haben.<br \/>\nPawel und Konsta sind in Krasnojarsk ausgestiegen, daf\u00fcr teilen wir nun das Abteil mit Alexei, einem eher schweigsamen Russen mit dem ich erst am Nachmittag ins Gespr\u00e4ch komme. Erst einmal beginnt es wieder zu schneien und die Sicht verschlechtert sich drastisch. Ein grauer Schleier liegt \u00fcber den W\u00e4ldern. Neuerdings verl\u00e4uft nun auch die Bundesstra\u00dfe parallel zur Eisenbahnlinie, Schluss mit einsamer Zugstrecke im Nirgendwo&#8230;<br \/>\nIm Speisewagen wird die erste Schachpartie ausgetragen, bei der ich mit wehenden Fahnen untergehe, aber kein Grund zur Trauer, die Fahrt dauert noch an und Gelegenheiten zur Revanche gibt es noch genug. Vorerst steht es 3:1 f\u00fcr Silke.<br \/>\nDraussen beginnt es immer mehr zu schneien. Ein dicker wei\u00dfer Teppich \u00fcberzieht das Land und die vielen Birken l\u00f6sen sich optisch nun im Schneegest\u00f6ber und dem leichten Nebel auf. Man verpasst heute aber ohnehin nicht viel, da sich landschaftlich nicht sonderlich viel tut.<br \/>\nZur\u00fcck im Abteil fordert mich Alexei zu einer Partie Schach heraus. Die Umstellung auf den neuen Spielstil erfordert ein wenig Zeit, aber schlussendlich zwinge ich Alexei doch noch mit einer sch\u00f6nen Aufstellung in die Knie. Auch die Revanche kann ich f\u00fcr mich entscheiden.<br \/>\nAlexei ist Bautechniker und kommt gerade von einem zweimonatigem Arbeitseinsatz irgendwo in den Tiefen Sibiriens zur\u00fcck. Seine Firma verlegt gerade eine 700km lange \u00d6lpipeline mitten durch den Sibirischen Nadelwald. Er zeigt uns Fotos von der Baustelle, die recht schnell erahnen lassen, dass die Arbeit weitab von jeglicher Zivilisation kein Zuckerschlecken ist. Aber immerhin bekommt er nach zwei Monaten Arbeit auch ein Monat Heimaturlaub.<br \/>\nLangsam bricht die Sonne durch und taucht die Schneelandschaft in ein traumhaftes Licht. Der pulvrige Schnee glitzert in der Sonne und es macht wieder Spa\u00df, sich die Nase an der Fensterscheibe plattzudr\u00fccken. Silke und ich verdr\u00fccken uns mal wieder in den benachbarten Speisewagen und ich verk\u00fcrze das Ergebnis beim Duell Silke gegen mich auf 3:2, doch das h\u00e4lt nicht lange und ich muss mich mal wieder einer Niederlage hingeben. Aus dem Laptop des Kellners scheppern russische Schlager und vor unseren Fenstern saust ein immer wiederkehrende Bild vor\u00fcber. Birkenw\u00e4lder, kleine Streusiedlungen, Birkenw\u00e4lder, Streusiedlungen im Birkenwald, schneebedeckte Wiesen, Birkenw\u00e4lder, Streusiedlungen&#8230;<br \/>\nKurz bevor wir in Novosibirsk einrollen wird noch einmal die Uhr um eine Stunde zur\u00fcckgestellt. Heute gleich zwei Zeitzonen auf einmal&#8230; Schon lange bevor wir den Bahnhof Novosibirsk erreichen geht es vorbei an unz\u00e4hligen Plattenbauten in bester sowjetischer Manier. Leider haben wir nur 20 Minuten Aufenthalt und k\u00f6nnen uns nur vom Bahnsteig aus ein Bild von der Stadt machen. Wenn man eine Stadt in Sibirien nennen muss, f\u00e4llt vielen auf Anhieb Novosibirsk ein, wobei die Stadt vermutlich recht wenig mit Sibirien zu tun hat, gewaltige Industrieanlagen pr\u00e4gen das Stadtbild und unz\u00e4hlige Plattenbauten reihen sich nebeneinander.<br \/>\nUnser Abteil f\u00fcllt sich wieder zur G\u00e4nze und ein weiterer Pawel leistet uns von nun an bis nach Yekatarinenburg Gesellschaft. Pawel 2 ist Arzt und arbeitet in einer Augenklinik. Er spricht ausgezeichnet Deutsch, was er sich angeblich nur mit Hilfe des Internets und zwei Lehrb\u00fcchern selbst beigebracht hatte.<br \/>\nAls wir Barabinsk erreichen liegen schon zwei Drittel der gesamten Reise hinter uns. Von hier aus sind es noch 3000km bis nach Moskau. Ich hoffe, dass der Schnee bis dahin wieder verschwindet und die Temperaturen wieder in den positiven Bereich wandern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Transsib Tag 3 &#8211; 17.Oktober<br \/>\n\u0422\u044e\u043c\u0435\u043d\u044c: 2104km bis Moskau<\/p>\n<p>Trotz der doppelten Zeitumstellung am gestrigen Tag wird es immer noch nicht fr\u00fcher hell. Erst gegen neun Uhr kommt die Sonne raus. Bin gespannt, ob das in Moskau \u00e4hnlich ist. Der Schnee ist zum Gl\u00fcck wieder verschwunden, aber die Sonne tut sich schwer, hinter den Wolken hervorzukommen. Das Gef\u00fchl der einsamen Weite Sibirien, wie wir sie vor Irkutsk gesehen haben, verschwindet langsam. Die Siedlungen werden immer gr\u00f6\u00dfer und auch deren Struktur \u00e4ndert sich. Bisher waren die Ansammlungen von H\u00e4usern meist sehr konzentriert, jetzt reihen sich die H\u00e4user entlang von Stra\u00dfen auf und erzeugen den Eindruck einer recht zersiedelten Landschaft. Die Holzh\u00e4user verschwinden nun immer mehr und gemauerte H\u00e4user dominieren das Siedlungsbild. Die Region, die wir gerade durchfahren macht aber dennoch einen recht \u00e4rmlichen Eindruck. Nur die Hauptstra\u00dfen sind asphaltiert, die Nebenstra\u00dfen sind in der Regel unbefestigt. Auffallend ist das immer st\u00e4rker werdende Verkehrsaufkommen. An den Bahn\u00fcberg\u00e4ngen sieht man nun regelm\u00e4\u00dfig Autos vor den Schranken warten, was bisher eigentlich nur sehr selten vorgekommen war.<br \/>\nIn fast jedem Dorf, das an unseren Fenstern vor\u00fcberzieht sieht man nun eine, oder mehrere Kirchen, die meisten davon auf Hochglanz renoviert, oder erst frisch erbaut. Alles Geld wird offenbar in die Kirchen gesteckt.<br \/>\nDraussen liegt schon wieder Schnee. Es hat den Anschein, als ob wir die wei\u00dfe Pracht nicht mehr wirklich loswerden&#8230;<br \/>\nBis nach Yekatarinenburg plaudern wir noch mit Pawel, der sich sichtlich dar\u00fcber freut, seine Deutschkenntnisse an den Mann zu bringen. In Novosibirsk musste er einen Vortrag bei einem \u00c4rztekongress halten und ist nun wieder auf dem Heimweg in die, seiner Auffassung nach, sch\u00f6nste Stadt Russlands. Neben seinem Job in der Augenklinik f\u00fchrt er noch eine kleine Firma, die sich auf den Import medizinischer Ger\u00e4te aus China oder Europa spezialisiert hat. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine scheint die Menschen in Russland durchaus zu besch\u00e4ftigen. Sowohl Pawel und Konsta, als auch Pawel 2 sind sehr daran interessiert, wie Europa \u00fcber den Konflikt denkt. Vielen Menschen in Russland ist bewusst, dass die inl\u00e4ndische Medienberichterstattung nicht unbedingt der Wahrheit entspricht, doch keiner wei\u00df so recht, was er glauben darf \/ soll. Alle hoffen aber auf eine baldige Stabilisierung der Situation.<br \/>\nGegen Mittag rollen wir in Yekatarinenburg ein, der symbolischen Grenze zwischen Asien und Europa, sozusagen das Istanbul Russlands&#8230; Willkommen in Europa! Auf der europ\u00e4ischen Seite Russlands sieht es aber nicht viel anders aus, als auf der asiatischen. Wir lassen nun Sibirien hinter uns. Es geht durch den Ural, ein Gebirgszug, der sich mir seit Schultagen als geographische Grenze von Europa ins Ged\u00e4chtnis gebrannt hat. Jetzt kann ich mir das Ganze einmal pers\u00f6nlich aus direkter N\u00e4he anschauen&#8230; Aber um ehrlich zu sein &#8211; vom Ural hatte ich mir aber mehr erwartet. Wir sehen nur ein paar H\u00fcgel vor\u00fcberziehen und das wars. Die wei\u00dfen Birken verschwinden und F\u00f6hrenw\u00e4lder ziehen am Fenster vorbei. Die Ingenieure der Transsibirischen Eisenbahn hatten offenbar nach einer sehr flachen Passage durch den Ural gesucht und diese auch gefunden. Vom Zugfenster aus aber nicht besonders spektakul\u00e4r &#8211; Originalton Silke: Der Ural &#8211; eine Entt\u00e4uschung&#8230;<br \/>\nDie Durchquerung des Urals verbrachten wir dann schachspielend im Speisewagen, wobei ich mich zweimal \u00e4u\u00dferst knapp dem wohl doch noch besser trainierten Gehirn von Silke geschlagen geben musste. Sie baut ihren Vorsprung auf ein fast schon bedenkliches 6:2 aus.<br \/>\nArmut und Verfall dominieren das Bild seit wir den Ural hinter uns gelassen haben. Die dunklen W\u00e4lder verstr\u00f6men ein leicht depressives Bild, das Leuchten der Birken ist verschwunden. Die gro\u00dfen G\u00e4rten hinter \/ vor den H\u00e4usern lassen auf Selbstversorger schlie\u00dfen, was die Frage nach der Erwerbst\u00e4tigkeit in dieser trostlosen Gegend zu beantworten scheint.<br \/>\nIn Perm verl\u00e4sst uns nun auch Alexei, der sich sichtlich darauf freut, nach zwei Monaten Arbeitseinsatz im tiefsten sibirischen Wald, wieder heim zu seiner Familie zu kommen.<br \/>\nImmer mehr G\u00fcterwagons mit Kohle oder \u00d6ltanks brausen an unserem Wagon vor\u00fcber, ein nebelgrauer Schleier legt sich \u00fcbers Land und selbst die vereinzelten dunkelgelben L\u00e4rchen leuchten nicht mehr so kr\u00e4ftig, wie wir es gewohnt waren.<br \/>\nEs wird Abend und ich werde von einer l\u00e4hmenden M\u00fcdigkeit \u00fcberfallen, wie ich es schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesp\u00fcrt hatte. Vielleicht machen mir die vielen Zeitzonen doch ein wenig zu schaffen. Im Moment trennen uns noch zwei Stunden von der Lokalzeit Moskau.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Transsib Tag 4: 18.Oktober<br \/>\n\u041d\u0438\u0436\u043d\u0438\u0439 \u041d\u043e\u0432\u0433\u043e\u0440\u043e\u0434 : 461km bis Moskau<\/p>\n<p>\u00dcber Nacht hatte es mal wieder ordentlich geschneit. Der Winter h\u00e4lt auch den europ\u00e4ischen Teil Russlands fest in seiner Hand. W\u00e4hrend der n\u00e4chtlichen Fahrt haben wir nun die letzten zwei Zeitzonen ebenfalls hinter uns gebracht und befinden uns nun endlich in der selben Zeitzone wie sie uns schon seit Wladiwostok im Zug begleitet. Es ist kurz vor sieben Uhr als wir uns Nischni Nowgorod n\u00e4hern. Erstaunlicherweise sind fast alle H\u00e4user noch unbeleuchtet. Es hat den Anschein, als ob man in Russland verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sp\u00e4t den Tag beginnt, eine Beobachtung, die uns schon seit ein paar Tagen immer wieder aufgefallen ist, jetzt hier kurz vor Nischni Nowogrod besonders ins Auge sticht. Von der Morgend\u00e4mmerung sind wir noch weit entfernt, aber die dicke Schneedecke macht alles ein wenig heller, als es eigentlich ist.<br \/>\nDer Zug beginnt sich nun langsam zu leeren. Auf dem Bahnsteig werden die Ansagen nun auch schon in Englisch ausgerufen. Kein Zweifel, wir n\u00e4hern uns Moskau.<br \/>\nSchade eigentlich, ich h\u00e4tte gut und gerne noch ein paar Tage draufschlagen k\u00f6nnen. Vielleicht mit dem Zug noch hoch nach St. Petersburg, so wie die Reisegruppe, die wir gestern in Yekatarinenburg verabschiedet haben? Es stimmt schon, man entwickelt ein regelrechte Zuneigung zum Zugfahren, aber andererseits freue ich mich auch schon wieder auf ein paar Tage auf dem Rad. Der viele Schnee stimmt mich zwar ein wenig nachdenklich, aber ich bin zuversichtlich, dass ich noch gen\u00fcgend schneefreie Tage auf meinen finalen Kilometern haben werde.<br \/>\nMan sieht viel von Russland in den sechs Tagen Zugfahrt und der Wunsch keimt immer mehr auf, an manche Orte noch einmal zur\u00fcckzukehren und dort mehr Zeit zu verbringen. Ob der unvorstellbaren Gr\u00f6\u00dfe des Landes erscheint mir der Zug aber immer noch das beste Fortbewegungsmittel, solange der Faktor Zeit keine limitierende Rolle spielt. Ich bin immer noch begeistert von der Freundlichkeit der Menschen, der faszinierenden Landschaft und der sagenhaften P\u00fcnktlichkeit der Russischen Bahn. An keinem einzigen Halt hatten wir auch nur eine einzige Minute Versp\u00e4tung, schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass bei der deutschen Bahn oft das gesamte regionale Zugnetz zusammenbricht, sobald es \u00fcber Nacht ein wenig schneit&#8230;<br \/>\nSieben Stunden Zeitdifferenz nach Wladiwostok &#8211; hat man jetzt einen Tag gewonnen? In Wladiwostok wird es schon dunkel, w\u00e4hrend wir gerade unser Mittagessen vorbereiten.<br \/>\nIch versuche noch ein letztes Mal, meinen R\u00fcckstand beim Schach aufzuholen, scheitere aber erneut. Dieses Mal h\u00e4tte alles recht gut ausgesehen, aber v\u00f6llig \u00fcberraschend wurde ich dann doch noch in die Enge getrieben. Endstand Schach in der Transsibirischen Eisenbahn 7:2 f\u00fcr Silke.<br \/>\nIm Zug sind nur noch eine Handvoll Reisende. Das Personal bereitet sich schon seit l\u00e4ngerem auf die Ankunft vor. Frisch gewaschene W\u00e4sche h\u00e4ngt nun im Gang vom Speisewagen zum Trocknen bereit. Die Temperaturen direkt neben der K\u00fcche sind n\u00e4mlich um einiges h\u00f6her, als im Rest des Zuges.<br \/>\nP\u00fcnktlich auf die Minute fahren wir dann um 13:58 Uhr im Bahnhof Moskau Jaroslaw ein. Auch in Moskau ist es kalt. Das Thermometer zeigt minus 0 Grad und der Himmel ist grau. In zwei Etappen schleppe ich Gep\u00e4ck und Fahrrad in die Bahnhofshalle und beginne damit, das Rad wieder zusammenzubauen. Nach gut einer Stunde steht mein treuer Wegbegleiter dann wieder neben mir, als ob nichts gewesen w\u00e4re. Schnell sind die Packtaschen montiert und es kann losgehen. Moskau &#8211; ich komme!<br \/>\nSilke wirft sich in die U-Bahn und ich f\u00e4dle mich in den Moskauer Wochenendverkehr ein. Zu meinem gro\u00dfen Erstaunen herrscht auf den breiten Stra\u00dfen kaum Verkehr. Den Roten Platz lasse ich vorerst noch rechts liegen, dazu gibt es noch Zeit genug in den kommenden Tagen&#8230; Den Weg zu Stanislavs Apartment ist recht leicht zu finden. Es geht immer an der Moskwa entlang. Der eisige Wind kommt zum Gl\u00fcck von hinten und ich bin nach gut 50 Minuten Fahrt sogar noch vor Silke am Ziel.<br \/>\nIn den vergangenen Tagen haben wir nun \u00fcber 9000 Kilometer durch Russland zur\u00fcckgelegt, eine f\u00fcr mich noch immer unvorstellbare Zahl. Auf dem Rad w\u00e4re ich hierf\u00fcr mindestens vier Monate unterwegs gewesen, mit dem Zug war das Ganze in nur einer Woche zu bew\u00e4ltigen. Nun liegen ein paar Tage Stadtbesichtigung in Moskau vor uns. Silke wird am 22. Oktober wieder zur\u00fcck nach Wien fliegen und nach etwa drei Stunden Flug dort ankommen. F\u00fcr mich geht es aller Voraussicht nach auch am 22. wieder weiter, doch bis ich in Wien einrolle werden wohl noch einige Wochen vergehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 258 &#8211; 261 | 15. &#8211; 18.Oktober Transsib Tag 1: 15.Oktober \u0418\u0440\u043a\u0443\u0442\u0441\u043a: 5153km bis Moskau Heute wird die zweite Runde der gro\u00dfen Russlanddurchquerung in Angriff genommen. Bis zur Abfahrt des Zuges haben wir noch ausreichend Zeit und g\u00f6nnen uns einen letzten Spaziergang durch das sonnendurchflutete Irkutsk. 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