{"id":2409,"date":"2014-10-31T23:08:11","date_gmt":"2014-10-31T21:08:11","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2409"},"modified":"2014-10-31T23:08:11","modified_gmt":"2014-10-31T21:08:11","slug":"tag-273-274-st-petersburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2409","title":{"rendered":"Tag 273 \/ 274: St. Petersburg"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 273 \/ 274 &#8211; 30. \/ 31.Oktober<\/h2>\n<p>St. Petersburg: 2 Ruhetage; bisher geradelt: 19.263km; 967:26h im Sattel<br \/>\nHostel<\/p>\n<p>St. Petersburg, die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt Russlands, wurde erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts gegr\u00fcndet. Wie nicht anders zu erwarten &#8211; im Sumpfgebiet. Warum sollte es hier in direkter Meern\u00e4he auch anders sein, als auf den hunderten Kilometern nach Moskau&#8230;<br \/>\nPeter der Gro\u00dfe sicherte sich hiermit den Meerzugang zur Ostsee. Die Burganlage, die er zur Verteidigung erbauen lie\u00df wurde aber nie angegriffen, zu gut war die Grenze im Norden gesichert. Bis ins 20. Jahrhundert war St. Petersburg die Hauptstadt Russlands gewesen. Der starke Europ\u00e4ische Einfluss l\u00e4sst sich bei einem ersten Spaziergang durch die Stadt keinesfalls verleugnen. Das Gef\u00fchl, sich in einer russichen Metropole aufzuhalten kommt eigentlich nur in den Randbezirken auf. Ansonsten erinnert die Stadt weit mehr an die Metropolen Europas, gepaart mit ein wenig Kanalflair aus Venedig. Barock, Klassizismus, Jugendstil und Gr\u00fcnderzeit vereinen sich im historischen Stadtzentrum von St. Petersburg. Moderne Bauten muss man schon fast mit der Lupe suchen. Angeblich untersagen die Bauvorschriften moderne Geb\u00e4ude im Stadtzentrum. Ich hatte schon damit gerechnet, dass St. Petersburg ein wenig mehr europ\u00e4isch gepr\u00e4gt sein wird, als es Moskau ist, aber dass der Einfluss gleich derart stark war h\u00e4tte ich mir nicht gedacht. An Russland erinnern fast nur noch die kyrillischen Schriftzeichen. Ich frage mich schon jetzt, wie es wohl im Baltikum weitergehen wird.<br \/>\nZwei Tage Auszeit in St. Petersburg und dann &#8211; zumindest gef\u00fchlterma\u00dfen &#8211; nur noch bergab in Richtung Heimat. &#8220;Bergab&#8221;, weil Richtung S\u00fcden&#8230; in Wirklichkeit gehts nat\u00fcrlich bergauf, aber die Vorstellung vom Bergabfahren gef\u00e4llt mir im Moment ganz gut. Nachdem ich ja gestern schon recht fr\u00fchzeitig in der Stadt angekommen war, konnte ich mir bereits ein erstes Bild machen. Vom strahlend blauen Himmel war an denn zwei folgenden Ruhetagen leider nichts mehr zu sehen, aber auch bei \u00fcberwiegend grauem Himmel konnte St. Petersburg \u00fcberzeugen.<br \/>\n\u00dcber Warmshowers hatte ich mich mit Natalya verabredet, die leider nur noch f\u00fcr ein paar Stunden in der Stadt war und anschlie\u00dfend zu ihrer Gro\u00dfmutter aufs Land unterwegs war. Natalya hatte diesen Sommer mit einer Freundin f\u00fcr f\u00fcnf Wochen England per Fahrrad (Klapprad) erkundet (http:\/\/2girls2bikes.com). Zu plaudern gabs demnach entsprechend viel. Nebenbei besichtigten wir dann noch die Peter und Paul Festung und lie\u00dfen uns die raren Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell man beim Erz\u00e4hlen \u00fcbers Radreisen auf gleicher Wellenl\u00e4nge landet. Die Zeit verfliegt wie im Flug und der Gespr\u00e4chsstoff schient nicht auszugehen. Nachdem Natalya selbst in Russland noch nicht viel unterwegs war, wollte sie nat\u00fcrlich alles m\u00f6gliche \u00fcbers Reisen in Russland wissen. Selbst in Russland scheinen sich bestimmte Vorurteile gegen\u00fcber speziellen Regionen festgesetzt zu haben und nat\u00fcrlich h\u00e4lt sich das Ger\u00fccht hartn\u00e4ckig, dass Radfahren auf den russischen Landstra\u00dfen lebensgef\u00e4hrlich sei. Dass ich ohne Schramme von Moskau nach St. Petersburg gekommen bin scheint also einem Wunder zu gleichen. Meiner Meinung nach ist eine Strecke immer nur so gef\u00e4hrlich, wie man glaubt, dass sie ist. Wenn man nun aber schon im Vorfeld davon ausgeht, dass die Fahrt lebensgef\u00e4hrlich ist, wird man sich wohl nie vom Gegenteil \u00fcberzeugen k\u00f6nnen&#8230;<br \/>\nNatalya engagiert sich in St. Petersburg intensiv daf\u00fcr, dass den Fahrradfahrern mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Obwohl die Stadt eigentlich vollkommen flach ist und \u00fcber relativ breite Stra\u00dfen verf\u00fcgt, sucht man Fahrradstreifen vergebens. Nur ein paar Einheimische sind auf zwei R\u00e4dern unterwegs und solange sich in der Verkehrspolitik nicht viel \u00e4ndert, wird das wohl auch weiterhin so bleiben.<br \/>\nPositiv im Vergleich zu Moskau f\u00e4llt auf, dass hier den Fu\u00dfg\u00e4ngern definitiv mehr Bedeutung zugemessen wird. Es bleibt zu hoffen, dass sich das auch in Zukunft auf die Radfahrer \u00fcbertragen l\u00e4sst. Protestveranstaltungen wie beispielsweise &#8220;Critical Mass&#8221; sind aufgrund der komplexen Rechtsvorschriften nur sehr beschr\u00e4nkt durchf\u00fchrbar, doch offenbar gibt es langsam Bewegung in der Radfahrgemeinde.<br \/>\nNachdem ich Natalya mit dem Rad getroffen hatte, wollte ich den angebrochenen Nachmittag auch nicht unt\u00e4tig verstreichen lassen und machte mich noch auf, einen Blick auf das Meer zu werfen. In St. Petersburg ist man an vielen Stellen von Wasser umgeben, doch im Unterschied zu Venedig flie\u00dft hier eben ein Fluss mit vielen Seitenkan\u00e4len ins Meer&#8230; Natalya hatte mir freundlicherweise einen Tip gegeben, wo man besonders gut aufs Meer schauen k\u00f6nnte und so radelte ich also der tief stehenden Sonne entgegen, vorbei am Hafen direkt auf eine Insel die spitz zulaufend schlussendlich im Meer endete. Ruhig und spiegelglatt lag das Meer vor mir und die Sonne begann schon langsam darin zu verschwinden. F\u00fcr einen derartigen Anblick hatte sich der kurze Ausflug definitiv ausgezahlt, doch kaum war die Sonne am Horizont verschwunden begann es auch schon dunkel zu werden. Der Winter naht und Dunkelheit zieht schnell ins Land.<br \/>\nBei mir machte sich rasch eine gewisse Ersch\u00f6pfung breit die ich prim\u00e4r auf die kraftzehrenden vergangenen Tage zur\u00fcckf\u00fchrte und ich sehnte mich nur noch nach ein paar ruhigen Stunden im Hostel. Noch schnell bei meinem finnischen Lieblingssupermarkt eingekauft und schon l\u00e4sst sich auch in der K\u00fcche des Hostels ein k\u00f6stliches Abendmal zubereiten. Herrlich, mal wieder eine richtige K\u00fcche verwenden zu k\u00f6nnen&#8230;<\/p>\n<p>Ach der zweite Ruhetag war von grauem Himmel dominiert. Auf den breiten Gehsteigen schlenderte ich gem\u00fctlich durch den kontinentalen Teil von St. Petersburg, bevor es \u00fcber eine der vielen Br\u00fccken ging. Immer wieder kommt mir der Vergleich mit Venedig in den Kopf, wobei schon alleine der Ma\u00dfstab die beiden St\u00e4dte eigentlich klar voneinander unterscheidet. In Venedig l\u00e4uft der gesamte Verkehr \u00fcbers Wasser, hier l\u00e4uft alles \u00fcber die Stra\u00dfe, bzw. mit der Metro. Aufgrund des schlechten Untergrunds musste die Metro verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig tief unter die Erde verlegt werden. Wer glaubt, dass die Rolltreppen der Moskauer Metro lang sind, der sollte einmal in St. Petersburg mit der Rolltreppe zur Metro fahren. Fast zwei Minuten dauert die Fahrt hinab in die Tiefe. Mitte der 1950er Jahre wurde die Metro in St. Petersburg er\u00f6ffnet. Die Stationen sind \u00e4hnlich wie in Moskau individuell gestaltet, auch wenn man generell sagen kann, dass die Gestaltung weit zur\u00fcckhaltender ausf\u00e4llt. War in der Moskauer Metro der Krieg vielerorts dominierendes Gestaltungsmerkmal, so liegt der Schwerpunkt in der Gestaltung hier mehr bei Szenen aus dem Alltags- \/ Arbeitsleben. Auch die Materialwahl ist etwas reduzierter als in Moskau. Aber selbstverst\u00e4ndlich gibt es keine Regel ohne eine Ausnahme&#8230; Die Station Avtovo besticht zum Beispiel mit ausgefallenem Dekor. Transparente Glasrelieffe schm\u00fccken gut die H\u00e4lfte der S\u00e4ulen der Station. Am Kopfende befindet sich ein farbenpr\u00e4chtiges Mosaik, das an das siegreiche Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert.<br \/>\nDie Metroz\u00fcge \u00e4hneln sehr jenen der Moskauer Metro. Auch der Zugintervall ist sehr \u00e4hnlich. Daf\u00fcr gibt es in St. Petersburg kein Internet in der Metro&#8230;<br \/>\nW\u00e4hrend meiner Zeit in Samarkand (Uzbekistan) war ich mit ein paar Motorradfahrern aus Russland \/ Belarus zusammengetroffen. Einer davon &#8211; Anton &#8211; hatte mich bereits in Samarkand dazu eingeladen, ihn bei Gelegenheit einmal in St. Petersburg zu besuchen. Nun also eine perfekte Gelegenheit, alte Bekanntschaften wieder aufzufrischen. Anton, der ebenfalls als Architekt arbeitet, hatte mich zu sich ins B\u00fcro eingeladen. F\u00fcr mich v\u00f6llig \u00fcberraschend war die Tatsache, dass fast alle seine B\u00fcrokollegen \u00fcber meine Tour informiert waren. Anton war mir offenbar recht aufmerksam gefolgt und hatte die Bilder mit seinen Kollegen geteilt. Irgendwie sch\u00f6n zu sehen, dass der Blog auch ohne Sprachverst\u00e4ndnis gut funktioniert. Nat\u00fcrlich gab es viel Fragen zu beantworten. Nach und nach sank auch die Hemmschwelle seiner Kollegen, das ihrer Ansicht nach unperfekte Englisch auszupacken und so kamen wir abends gemeinsam bei ein paar Drinks recht ausgiebig ins Gespr\u00e4ch. Englisch als fl\u00fcssig gesprochene Sprache ist auch in St. Petersburg nicht unbedingt weit verbreitet. Viele Russen haben aber auch einfach nur Hemmungen, ihr Englisch auszupacken. Gelegenheiten zum Englischsprechen gibt es einfach nicht allzuviele, aber nachdem sich mein Ohr nun schon langsam an die russische Sprache gew\u00f6hnt hat, klappt es mit dem Verst\u00e4ndnis der russischen Passagen nun auch schon verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut. Fast schon ein bisschen schade, dass ich morgen schon wieder aus Russland ausreise&#8230;<br \/>\nAber um ehrlich zu sein ist die Vorfreude auf die vor mir liegenden L\u00e4nder weit gr\u00f6\u00dfer. Noch etwa sechs Wochen auf der Stra\u00dfe liegen vor mir und sechs L\u00e4nder werden in dieser Zeit durchfahren werden. Wenn ich daran zur\u00fcckdenke, dass ich mich alleine in China zwei Monate aufgehalten habe, werden die sechs Wochen fast wie im Flug vergehen. Ich hoffe mal, dass es mir nicht zu schnell geht&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 273 \/ 274 &#8211; 30. \/ 31.Oktober St. Petersburg: 2 Ruhetage; bisher geradelt: 19.263km; 967:26h im Sattel Hostel St. Petersburg, die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt Russlands, wurde erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts gegr\u00fcndet. Wie nicht anders zu erwarten &#8211; im Sumpfgebiet. 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