{"id":2525,"date":"2014-11-13T21:38:52","date_gmt":"2014-11-13T19:38:52","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2525"},"modified":"2014-11-13T21:38:52","modified_gmt":"2014-11-13T19:38:52","slug":"tag-285-287-gefallene-helden-und-gesprengte-wolfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2525","title":{"rendered":"Tag 285 &#8211; 287: Gefallene Helden und gesprengte W\u00f6lfe"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 285 &#8211; 11.November<\/h2>\n<p>Vilnius &#8211; Druskininkai: 135km; 5:45h im Sattel; 6 &#8211; 11 Grad, sonnig<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Was kann es sch\u00f6neres geben, als einen wolkenlosen Himmel am Morgen? Gerade nach all den grauen Tagen, die jetzt hinter mir liegen macht man fast schon einen inneren Freudensprung, wenn sich ein sonniger Tag ank\u00fcndigt.<br \/>\nZu fr\u00fcher Stunde war in Vilinus bereits erstaunlich viel los auf den Stra\u00dfen. Scheinbar beginnt hier der Tag f\u00fcr die Mehrzahl doch ein wenig fr\u00fcher, als zum Beispiel in Estland, oder Lettland. Dort \u00f6ffneten die meisten Superm\u00e4rkte erst gegen neun&#8230;<br \/>\nIch f\u00e4delte mich aber recht erfolgreich in den fr\u00fchmorgendlichen Berufsverkehr ein und suchte mir den Weg aus der Stadt. Es galt noch einen l\u00e4ngeren Anstieg zu bew\u00e4ltigen, bis nach knapp einer Stunde Fahrt die Ortstafel von Vilnius auftauchte und zu meiner \u00dcberraschung der Verkehr nun deutlich zur\u00fcckging. Ich hatte mich am Morgen noch spontan dazu entschieden, doch auf der A4 zu bleiben und die kleinen Nebenstra\u00dfen, von denen in Litauen noch viele unbefestigt sind, auszulassen. Offenbar sollte ich diese Entscheidung nicht bereuen, denn es ging wirklich \u00e4usserst gem\u00fctlich mit kaum Verkehr dahin. Die Sonne tat sich zwar noch ein wenig schwer, ihre ganze Kraft zu entfalten, aber schon alleine der Helligkeitsunterschied hob meine Stimmung um Grade an. Alles schien gleich viel leichter von der Hand zu gehen. Nachdem ich die z\u00e4hen Anstiege mit der Stadtgrenze hinter mir gelassen hatte, ging es vorrangig eben dahin. Felder, Wiesen und W\u00e4lder wechselten sich regelm\u00e4\u00dfig ab. Im dichten Wald zauberte die tiefstehende Sonne wundersch\u00f6ne Lichtspiele auf den mit dichtem Moos bewachsenen Waldboden. Immer h\u00e4ufiger tauchten am Stra\u00dfenrand kunstvoll geschnitzte Holzs\u00e4ulen auf, die mit Heiligenfiguren, oder Darstellungen aus dem Alltagsleben geschm\u00fcckt waren. Manchmal erinnern die Schnitzereien fast schon an Totem-Pf\u00e4hle der Indianer&#8230; Ich gehe mal davon aus, dass es sich hierbei um eine recht regionale Erscheinung handelt, nachdem diese Holzschnitzereien jetzt ganz offensichtlich geh\u00e4uft auftreten. Abseits der Stra\u00dfe blitzen immer wieder kleinere oder gr\u00f6\u00dfere Seen hervor. Viele Autos sind mit Schlauchbooten, entweder auf dem Dach, oder am Anh\u00e4nger unterwegs. Es wird scheinbar viel gefischt in dieser Gegend.<br \/>\nDas traumhafte Wetter verleitet mich dann auch, am fr\u00fchen Nachmittag eine kurze Pause am Seeufer einzulegen. Das Wasser ist kristallklar, bis auf ein paar Schw\u00e4ne im Wasser tut sich aber nicht viel an diesem See. Dem gro\u00df ausgebauten Picknickplatz neben der Stra\u00dfe nach zu urteilen ist hier im Sommer deutlich mehr los.<br \/>\nF\u00fcr heute hatte ich mir keine allzu gro\u00dfe Distanz vorgenommen, doch trotzdem musste ich mich ein wenig sputen, weil ich mir den Gr\u00fctas-Park noch vor der D\u00e4mmerung ansehen wollte. Kurz vor der Grenze zu Wei\u00dfrussland wurde 2001 der Gr\u00fctas-Park, oder auch Lenin-Park er\u00f6ffnet. Hier werden zahlreiche Statuen, B\u00fcsten und andere Relikte der Sowjetzeit in Litauen &#8220;abgestellt&#8221;. Nach dem Ende der Sowjet-\u00c4ra hatte man in Litauen, \u00e4hnlich wie in vielen anderen L\u00e4ndern, eifrig begonnen, die offensichtlichen Zeichen der Sowjetunion zu beseitigen. Ein Gro\u00dfteil der Denkm\u00e4ler und Statuen wurde g\u00e4nzlich zerst\u00f6rt, doch einen Teil schaffte man im Laufe der Zeit nach Gr\u00fctas. Im dichten Wald stehen sie nun an einer Art Leerpfad aufgereiht, die gefallenen Helden der Sowjetunion. Leider gibt es nur bei ein paar wenigen Exemplaren einen direkten Verweis zum fr\u00fcheren Standort, der mit ein paar Zeilen Text und einem historischen Foto erkl\u00e4rt wird. Bei den meisten B\u00fcsten, Statuen oder Gedenksteinen wird nur der Ort, der Architekt und der Bildhauer genannt. An der Pr\u00e4sentation k\u00f6nnte man hier wirklich noch ein wenig arbeiten. Ein bisschen abstrus wirkt die ganze Anlage dann doch, gerade in Kombination mit dem Miniaturzoo und dem Kinderspielplatz in Mitten ausgemusterter Kriegsger\u00e4te. Aber vielleicht passt es so auch ganz gut&#8230; die Sowjetzeit &#8211; entsorgt, abgestellt, aber doch irgendwie vor dem Vergessen bewahrt. Aus dem urspr\u00fcnglichen Kontext entfernt w\u00e4chst nun sprichw\u00f6rtlich langsam Gras \u00fcber die Geschichte.<br \/>\nKurz bevor es zu d\u00e4mmern beginnt habe ich meinen Rundgang durch den Park dann auch beendet und ich mache mich auf den Weg in Richtung Druskininkai. Von hier aus ist es nun nicht mehr weit bis zur Grenze nach Polen, dort wird dann zum letzten Mal f\u00fcr diese Reise die Uhr umgestellt &#8211; fast schon zuhause&#8230;<\/p>\n<h2>Tag 286 &#8211; 12.November<\/h2>\n<p>Druskininka &#8211; Wydminy: 163km; 7:04h im Sattel; 4 &#8211; 5 Grad, bedeckt \/ Nebel<br \/>\nPension<\/p>\n<p>Gestern Abend wurde mir noch von von der netten Wirtin ein Fr\u00fchst\u00fcck versprochen, doch heute Morgen war das Gasthaus dunkel und niemand war zu sehen. Es dauerte ein wenig, bis ich den Hausherrn aus dem Bett gel\u00e4utet hatte, um zumindest mein Rad aus der Garage holen zu k\u00f6nnen. Leicht verschlafen, nur mit einem Bademantel bekleidet und etwas wackelig auf den Beinen schloss er mir die Garage auf, kam dann aber kurz darauf noch mit einer Hand voll \u00c4pfeln und einem Joghurt vorbei und w\u00fcnschte mir eine gute Reise.<br \/>\nLos gehts &#8211; diesmal wieder ohne Sonne, mit leichtem Nebel und feuchtk\u00fchlen vier Grad plus&#8230; Druskininka scheint ein sehr beliebter Ort f\u00fcr Wellness-Urlaube zu sein. An fast jeder Stra\u00dfenecke wird SPA beworben und die Dichte an gehobenen Hotels ist beachtlich. Das gr\u00f6\u00dfte Hotel aber, ein 9-st\u00f6ckiger Bau aus den sp\u00e4ten 1950er Jahren steht aber schon seit ein paar Jahren leer, die Fenster sind vernagelt und Gras w\u00e4chst schon auf der Auffahrt. Direkt daneben sind aber schon zwei neue, zeitgem\u00e4\u00dfere Hotels er\u00f6ffnet worden. An G\u00e4sten scheint es dem Ort nicht zu mangeln. Am Ortsende gibts dann auch noch eine Ski-Arena, die das ganze Jahr \u00fcber ge\u00f6ffnet hat und Winterspa\u00df auch im Sommer verspricht. Alles in allem ein gewaltiger Kontrast zu all dem, was ich bisher in Litauen gesehen habe. Vom schlichten und \u00e4rmlichen Leben auf dem Land ist hier nichts mehr zu sp\u00fcren, doch das \u00e4ndert sich dann auch wieder schlagartig, als ich die Ski-Arena hinter mir lasse und wieder in die W\u00e4lder eintauche. Bis zur Polnischen Grenze ist es nicht mehr weit und ich habe mir einen etwas versteckten Grenz\u00fcbergang irgendwo im Wald ausgesucht. Es geht also weg von der Hauptstra\u00dfe, anfangs noch ein wenig Asphalt, doch dann &#8211; wie erwartet &#8211; Sandstra\u00dfe f\u00fcr gut 10km, dann noch ein paar Meter Asphalt und dann taucht auch schon das Grenzschild von Polen auf. Mitten im Wald kann man noch eine Schneise erkennen, in der fr\u00fcher vermutlich der Grenzzaun verlief, jetzt in Zeiten der Europ\u00e4ischen Union gehts ohne Schranke, ohne Grenzh\u00e4uschen einfach &#8220;r\u00fcber&#8221;. Schlagartig wird die Stra\u00dfe gleich um grade schlechter, doch das bessert sich, als ich wieder aus dem Wald draussen bin.<br \/>\nPolen &#8211; das letzte Land, das mich noch von Deutschland trennt&#8230; Die Uhr wird jetzt zum letzten Mal zur\u00fcckgestellt, jetzt bin ich wieder in der Mitteleurop\u00e4ischen Zeitzone angelangt. Schon die ersten Kilometer in Polen versprechen eine recht abwechslungsreiche Fahrt bis nach Danzig. Es gibt viel zu sehen. Immer wieder mal gehts durch kleinere D\u00f6rfer, an den Hausfassaden weht stolz die Polnische Fahne im Wind, der dieses Mal gut f\u00fcr mich steht. Auch hier wird noch eifrig das verbliebene Laub von den Wiesen entfernt und alles f\u00fcr den Winter vorbereitet.<br \/>\nIn Sejny, dem ersten gr\u00f6\u00dferen Ort, gibts erst mal Landesw\u00e4hrung vom Geldautomaten, der mich gleich mal mit einer deutschen Men\u00fcf\u00fchrung begr\u00fc\u00dft. Jetzt kanns also losgehen! Als Mittagsdestination hatte ich mir Suwalki ausgesucht. Hier f\u00fchrt die A8, die Hautverkehrsachse von Litauen nach Polen durch. Vom Ort sieht man aber aufgrund des dichten Nebels nur sehr wenig. Das feuchtkalte Wetter hatte meine Glieder schon ein wenig eingefroren und ich war froh, endlich mal wieder im Warmen sitzen zu k\u00f6nnen. Interessantes Detail am Rande&#8230; Suwalki ist offenbar der Ort mit der niedrigsten Durchschnittstemperatur in ganz Polen. Da \u00fcberrascht es auch nicht, dass das Thermometer selbst Mittags nicht \u00fcber f\u00fcnf Grad hinauskommt.<br \/>\nBis auf ein paar Ausreisser bewege ich mich heute fast nur westw\u00e4rts vorw\u00e4rts. Im Gegensatz zu den Baltischen L\u00e4ndern gehts jetzt auf kleineren Stra\u00dfen voran, der Verkehr h\u00e4lt sich erfreulich in Grenzen und die Strecke ist \u00fcberraschend abwechslungsreich. Mal gibts ein paar fiese Kletterpassagen, dann wieder viel flaches Land und zur Wiedergutmachung auch nette Abfahrten. Gro\u00dfe und kr\u00e4ftige Alleeb\u00e4ume s\u00e4umen die Stra\u00dfe, links und rechts tauchen immer \u00f6fter kleinere und gr\u00f6\u00dfere Seen auf. Die Zeit der langen Geraden ist nun zum Gl\u00fcck vor\u00fcber. In den W\u00e4ldern bringen die L\u00e4rchen mit ihrer intensiven orange-F\u00e4rbung noch ein wenig Farbe in den sonst so grauen Tag. Auf den Feldern wird hier in Polen noch eifrig gearbeitet. Es wird Mist und G\u00fclle ausgefahren und manche \u00c4cker werden gerade umgepfl\u00fcgt. Dem Geruch nach zu urteilen muss es hier einige Schweinez\u00fcchter geben, ansonsten sieht man \u00e4hnlich wie in Litauen auch viele K\u00fche einzeln angekettet auf den Wiesen grasen. Immer wieder begegnen mir ein paar Einheimische auf Fahrr\u00e4dern, die meistens Eink\u00e4ufe nach Hause bringen. Die Blicke sind erst mal ein wenig skeptisch, aber wenn ich freundlich gr\u00fc\u00dfe, schnellt auch gleich eine Hand zum Gru\u00df empor und ein breites L\u00e4cheln zieht \u00fcbers Gesicht.<br \/>\nBis ich schlie\u00dflich in Wydminy ankomme muss ich noch einige Kilometer abspulen, aber mit ein wenig R\u00fcckenwind und der abwechslungsreichen Umgebung vergeht die Zeit wie im Flug und die Kilometer schmelzen rasch vor sich hin. Konditionell stehe ich momentan wirklich gut im Saft. Tagesetappen von \u00fcber 130km werden jetzt langsam schon zur Gewohnheit und machen nicht einmal mehr m\u00fcde. Praktisch zeitgleich mit Einbruch der Dunkelheit komme ich in Wydminy an und suche erst mal eine Herberge. Die Pension Skorpion ist meine erste Wahl, doch hier stehe ich vor verschlossenen T\u00fcren. Alles ist dunkel, doch bis ich die Schilder im Fenster versucht habe zu entziffern f\u00e4hrt auch schon die Besitzerin vor. Welch ein Gl\u00fcck &#8211; die Pension \u00f6ffnet erst um 16 Uhr Ortszeit und ich bin gerade mal um 15:55 Uhr angekommen. Besser h\u00e4tte man es nun wirklich nicht planen k\u00f6nnen. Das Preisniveau hier in Polen entspricht wieder mehr meinem Reisebudget und so ich g\u00f6nne mir um sagenhafte 1,10 EUR gleich mal ein lokales Bier, bevor es unter die Dusche geht. Der Elektrolyt-Haushalt muss wieder ins Gleichgewicht gebracht werden!<\/p>\n<h2>Tag 287 &#8211; 13.November<\/h2>\n<p>Wydminy &#8211; Olsztyn: 150km; 6:27h im Sattel; 4 &#8211; 7 Grad, bedeckt<br \/>\nJugendherberge<\/p>\n<p>Als ich gestern Abend meine Polnische Stra\u00dfenkarte zum ersten Mal vor mir ausgebreitet hatte, \u00e4nderte ich spontan meine zuvor angedachte Route. Nicht weit von Wydminiy befindet sich n\u00e4mlich das ehemalige F\u00fchrerhauptquartier, die ber\u00fcchtigte Wolfsschanze. Nicht wenig hatte man davon in den Geschichtsb\u00fcchern und diversen Dokumentationen dar\u00fcber gelesen \/ gesehen, sodass ich mir nun auch pers\u00f6nlich ein Bild machen wollte. In der Gegend in der ich momentan unterwegs bin, das ehemalige Ostpreussen, sp\u00fcrt man grunds\u00e4tzlich relativ wenig vom fr\u00fcheren deutschen Einfluss. Ab und zu kann man an der einen oder anderen Hausfassade noch Hinweise auf deutsche Gesch\u00e4fte entziffern, von den zweisprachigen Ortsnamen, wie sie in jeder Karte verzeichnet sind, ist auf der Stra\u00dfe aber nichts zu sp\u00fcren. Von Wydminy gehts nun also in Richtung Ketrzyn (Rastenburg), von wo aus es nur noch ein paar Kilometer bis nach G\u00f6rlitz, dem Sitz der Wolfsschanze sind. Ich w\u00e4hle eine &#8220;Abk\u00fcrzung&#8221; durch den Wald und holpere gut f\u00fcnf Kilometer \u00fcber grobes Kopfsteinplaster bis die ersten moos\u00fcberwucherten Betonbauten im Wald auftauchen. Bis auf den nackten Beton ist nichts mehr \u00fcbrig. Die Wehrmacht hatte kurz vor Aufgabe des F\u00fchrerhauptquartiers noch versuch, s\u00e4mtliche Bauk\u00f6rper zu sprengen, doch bei derart viel Beton war dies nur bedingt erfolgreich. S\u00e4mtliche noch verwertbaren Gegenst\u00e4nde wurden offenbar im Laufe der Zeit von den Einheimischen, oder der Sowjetischen Armee demontiert. An der Schranke zum Hauptgel\u00e4nde werde ich in perfektem Deutsch willkommen geheissen. \u00dcber 30 Prozent der angeblich 200.000 j\u00e4hrlichen Besucher stammen offenbar aus Deutschland, sodass auch das Personal dementsprechend geschult ist. Heute ist der Parkplatz aber verwaist und ich mache mich auf, das Gel\u00e4nde kurz zu erkunden. Ausgestattet mit einem Lageplan stolpere ich nun durch das Waldgel\u00e4nde und mache mir mal ein Bild vom einstigen Stolz Nazideutschlands. Bis auf ziemlich viel zerborstenen Beton bekommt man aber nichts zu Gesicht. Von einer historischen Aufarbeitung, oder einer n\u00e4hergehenden Erkl\u00e4rung ist man hier noch weit entfernt und so gehts vorbei an unz\u00e4hligen Bunkerbauten, die bei n\u00e4herer Betrachtung ziemlich wenig Raum im Inneren geboten hatten. Das Verh\u00e4ltnis von Volumen zur nutzbaren Fl\u00e4che steht irgendwie in keinem Verh\u00e4ltnis. Meterdicke Aussenw\u00e4nde, dann noch ein innerer Betonkern und dann bleibt fast nichts mehr \u00fcbrig f\u00fcr die Aufenthaltsr\u00e4ume. Da verwundert es auch nicht mehr sonderlich, dass die Bunker meist nur f\u00fcr wenige Personen gedacht waren.<br \/>\nDen wichtigste Ort der ganzen Anlage allerdings muss man unter all dem Herbstlaub erst einmal finden&#8230; die ehemalige Baracke in welcher der Anschlag auf Adolf Hitler nur knapp gescheitert war. Eine Inschrift am Boden erinnert noch daran, von der Baracke selbst ist nur noch das Betondach \u00fcbrig.<br \/>\nDas Restaurant und das Hotel der SS-Offiziere ist scheinbar noch erhalten geblieben und wird nun ebenfalls wieder als Restaurant und Hotel weiterverwendet&#8230;<br \/>\nEin wenig nachdenklich schwinge ich mich wieder aufs Rad und rolle weiter in Richtung Westen. Ein bisschen eigenartig finde ich es schon, dass man auch hier die \u00dcberreste der Geschichte buchst\u00e4blich im Wald begr\u00e4bt und scheinbar darauf wartet, dass die Natur in wenigen Jahren die letzten Zeugnisse \u00fcberwuchert hat.<br \/>\nF\u00fcr meine heutige Etappe bis nach Olsztyn (Allenstein) hatte ich mich wieder f\u00fcr ein paar untergeordnete Landstra\u00dfen entschieden. Zum Radfahren ist die Gegend hier einfach traumhaft. Abgesehen vom etwas tristen Wetter ist es eine wahre Freude durch die unz\u00e4hligen Baumalleen zu radeln. Eichen, Ahorn, oder Buchen s\u00e4umen die Stra\u00dfe. Manchmal stehen die B\u00e4ume derart dicht, dass kaum ein Blick zur Seite m\u00f6glich ist. Es geht munter rauf und runter und die Stra\u00dfe schl\u00e4ngelt sich vorbei an zahlreichen Seen. Autoverkehr ist praktisch nicht vorhanden, nur alle paar Minuten kommt mal ein einzelner Wagen vorbei. Der Wind steht immer noch gut und so gehts zielstrebig in Richtung Olsztyn. Hier hatte ich mir im Vorfeld eine g\u00fcnstige Unterkunft ausgekundschaftet und scheinbar soll es im Ort auch einiges zu sehen geben. Die letzten 20 Kilometer muss ich dann aber doch noch auf die kr\u00e4ftig befahrene Bundesstra\u00dfe, doch daf\u00fcr kommt der Wind jetzt sch\u00f6n von hinten. Zeitgleich wie gestern komme ich im Zentrum an. Die Unterkunft meiner Wahl hat leider keine Pl\u00e4tze mehr, da die Schlafs\u00e4le momentan renoviert werden und nur noch teure Doppelzimmer zu haben sind. Der Rezeptionist schickt mich aber dann weiter zur nahegelegenen Jugendherberge wo ich umgehend ein \u00fcberaus g\u00fcnstiges Bett bekomme. Beim abendlichen Spaziergang durch die Altstadt macht der Ort einen recht sympathischen Eindruck auf mich. Die erste polnische &#8220;Gro\u00dfstadt&#8221;, die ich zu Gesicht bekomme. Stattliche H\u00e4user und hoch aufragende Kirchen pr\u00e4gen den Altstadtkern. Schlussendlich treibt mich dann aber doch der Hunger in eines der umliegenden Lokale und der Drang nach Stadtbesichtigung im Dunkeln schwindet umgehend.<br \/>\nBis nach Gdansk (Danzig) ist es jetzt nicht mehr weit. Wenn es morgen gut l\u00e4uft, werde ich sogar binnen einer Tagesetappe dort ankommen, doch das wird sich wohl erst im Laufe des morgigen Tages zeigen. F\u00fcrs Erste bin ich aber schon einmal sehr begeistert vom Radeln in Polen. Im Gegensatz zu Russland und den Baltischen L\u00e4ndern tut sich jetzt wirklich viel unterwegs. Ein bisschen Sonne k\u00f6nnte nicht schaden, aber auch so macht es richtig Spa\u00df, durch die malerischen Alleen zu pedalieren und sich von den vielen kleinen D\u00f6rfern \u00fcberraschen zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 285 &#8211; 11.November Vilnius &#8211; Druskininkai: 135km; 5:45h im Sattel; 6 &#8211; 11 Grad, sonnig Hotel Was kann es sch\u00f6neres geben, als einen wolkenlosen Himmel am Morgen? 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