{"id":2646,"date":"2014-11-23T14:09:15","date_gmt":"2014-11-23T12:09:15","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2646"},"modified":"2014-11-23T14:09:15","modified_gmt":"2014-11-23T12:09:15","slug":"tag-294-297-anker-setzen-fur-ein-paar-tage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2646","title":{"rendered":"Tag 294 &#8211; 297: Anker setzen f\u00fcr ein paar Tage"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 294 &#8211; 297 | 20. &#8211; 23. November<\/h2>\n<p>Berlin, 4 Ruhetage; bisher geradelt: 21.528km; 1065:05h im Sattel<br \/>\nPrivatunterkunft<\/p>\n<p>Ein Blick auf die gro\u00dfe Weltkarte zeigt schon, dass sich der Kreis langsam zu schlie\u00dfen beginnt. Am 23. Oktober bin ich in Moskau wieder aufs Rad gestiegen und habe mich in Richtung Heimat aufgemacht. Nach nicht einmal vier Wochen auf der Stra\u00dfe kam ich dann gl\u00fccklich und wohlbehalten in Berlin an. Zum ersten Mal f\u00fchlt es sich bereits so an wie ein kleines Heimkommen. Berlin, eine Stadt mit der ich sehr viele Erinnerungen verbinde, nachdem ich hier vor Jahren bereits einmal gelebt hatte und es noch immer zahlreiche Freunde in der Stadt gibt. Zum ersten Mal komme ich in einer Gro\u00dfstadt an und es geht pl\u00f6tzlich nicht mehr darum, die Stadt zu erkunden, sondern eigentlich nur noch darum die alten Freunde anzurufen und der Reihe nach zu besuchen. Manfred, ein fr\u00fcherer Studienkollege nimmt mich auch dieses Mal wieder herzlichst bei sich in der neuen Wohnung auf. Hier schlage ich f\u00fcr drei Tage mein Lager auf. Manfred muss am Sonntag allerdings nach S\u00fcdtirol reisen, daher ziehe ich am vierten Tag noch zu Julian um. In der Vorbereitung meiner Reise hatte mir Julian tatkr\u00e4ftig zur Seite gestanden und nun gibt es endlos viel zu berichten.<br \/>\nMein letzter Besuch in Berlin liegt nun doch schon einige Zeit zur\u00fcck, doch sehr vieles ist beim Alten geblieben. Immer noch sieht man unz\u00e4hlige Fahrradfahrer auf der Stra\u00dfe, auch wenn die Temperaturen schon langsam unangenehm werden. Es ist sch\u00f6n, nun wieder mit derart vielen Radfahrern umgeben zu sein, sich in einer Stadt zu bewegen, die von Fu\u00dfg\u00e4ngern und Radfahrern gepr\u00e4gt ist und der Autoverkehr zum gr\u00f6\u00dften Teil zur R\u00fccksichtnahme verpflichtet ist. Wenn ich da zur\u00fcckdenke an die Verh\u00e4ltnisse in Moskau, wo man als Fu\u00dfg\u00e4nger zu immens langen Umwegen gezwungen wird, um nur die Stra\u00dfe sicher \u00fcberqueren zu k\u00f6nnen, befinde ich mich momentan ja direkt im Paradies.<br \/>\nDie Berliner U-Bahn wirkt im ersten Moment direkt ein wenig mickrig, die Z\u00fcge verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kurz, die Wegstrecken zwischen den Stationen nicht sonderlich lange. Jetzt gelten wieder andere Ma\u00dfst\u00e4be. Drei Millionen Einwohner und damit die gr\u00f6\u00dfte Stadt Deutschlands, aber im Vergleich zu den Metropolen in China, oder Russland eben doch nur eine Kleinstadt. Allerdings schadet es nicht, den Ma\u00dfstab nun langsam wieder zu verkleinern.<br \/>\nDie emotionalen Verwirrungen der ersten Tage in Deutschland sind nun wieder verschwunden, doch trotzdem freue ich mich sehr, wieder zur\u00fcck in der Heimat zu sein. Ankommen in Berlin f\u00fchlt sich so an, als ob ich nie weg gewesen w\u00e4re. Zielsicher bewege ich mich mit dem Rad durch die Stadt und freue mich \u00fcber das breite Netz an Radwegen. Mit Philipp, einem alten Schulfreund erkunde ich in Neuk\u00f6lln die verbliebenen Berliner Eckkneipen, die nun ihre Bezeichnungen von Bier- und Speisegastst\u00e4tten auf Biergastst\u00e4tten ge\u00e4ndert haben, nachdem in Raucherlokalen keine Speisen mehr angeboten werden d\u00fcrfen. Vom fr\u00fcher so dichten Netz an Eckkneipen ist nicht mehr allzuviel \u00fcbrig. Selbst vor dem tiefsten Neuk\u00f6lln macht die Gentrifizierung nicht Halt und die alteingesessenen Lokale werden von schicken L\u00e4den verdr\u00e4ngt. In Gassen, die vor Jahren Nachts noch stockdunkel waren tobt nun das Leben. Eine Entwicklung die grunds\u00e4tzlich zu begr\u00fc\u00dfen w\u00e4re, wenn nicht parallel dazu die Mietpreise explodieren w\u00fcrden. Die Miete, vor allem die gestiegene Miete, ist immer wieder ein dr\u00e4ngendes Thema bei vielen Unterhaltungen. Doch solange zahlungskr\u00e4ftige Mieter in die Stadt ziehen, wird sich diese Entwicklung auch fortsetzen. Auf den Stra\u00dfen vernimmt man ein intensives Sprachengewirr. Spanisch, Franz\u00f6sisch, Italienisch, Englisch, Russisch etc. mischt sich mit dem bereits zum Alltag gewordenen T\u00fcrkisch. Berlin, die Multikulti Stadt, die ein Nebeneinander unterschiedlichster Kulturen fast \u00fcberall zul\u00e4sst und auch f\u00f6rdert. Die Speisekarten der neuen Kneipen sind h\u00e4ufig bereits nicht mehr in Deutsch, sondern in Englisch geschrieben, um jedem Gast dieselbe Chancen zu geben&#8230; Stellenweise f\u00fchle ich mich fast schon wieder zur\u00fcckversetzt in die zur\u00fcckliegenden L\u00e4nder, als ich beim Essen kein einziges Wort von den Nebentischen verstanden habe. Es f\u00fchlt sich auch \u00fcberraschend vertraut und gewohnt an, wieder das Kopftuch auf den Stra\u00dfen zu sehen. Viele Monate war ich nun in L\u00e4ndern unterwegs, in denen das Kopftuchtragen Alltag war, seit ich nach China eingereist war, hatte sich das wieder ver\u00e4ndert, doch nun kommen wieder Erinnerungen auf.<br \/>\nSch\u00f6n ist es, das Zur\u00fcckkommen gleichzeitig mit vielen Erinnerungen aus der Reise verbinden zu k\u00f6nnen. Sch\u00f6n ist es auch zu sehen, dass die Freunde meine Reise immer wieder mit gro\u00dfem Interesse verfolgt hatten und sich nun richtig dar\u00fcber freuen, mich pers\u00f6nlich begr\u00fc\u00dfen zu k\u00f6nnen. So hat das viele Schreiben und die Pflege des Blogs doch auch seien Sinn erf\u00fcllt. Obwohl ich alleine gereist bin, war ich nie wirklich alleine.<br \/>\nEin bisschen f\u00fchlt es sich nun ja schon so an, als ob ich zuhause w\u00e4re, doch die letzte Etappe liegt noch vor mir. F\u00fcr mich f\u00fchlt es sich noch v\u00f6llig unreal an, nur noch ein paar Tage von zuhause entfernt zu sein. Berlin &#8211; Wien bin ich schon so oft mit dem Flugzeug, dem Bus, dem Zug, oder dem Auto gefahren. Mit dem Rad wird es nun eine Premiere werden. Doch ich freue mich schon tierisch darauf. Bis Prag sind es nur doch drei Tage Fahrt, dann nur noch zwei Tage bis zu meinen Eltern und dann nur noch drei Tage bis nach Wien. Wenn ich es mit einem einzigen Wort beschreiben m\u00fcsste, dann w\u00fcrde ich einfach sagen: UNGLAUBLICH<br \/>\nUnglaublich, obwohl ich alles selbst erlebt habe und auch noch erleben werden, doch selbst bei beinen Erz\u00e4hlungen wirkt vieles so unreal. Die Strecken so weit, die Zeitr\u00e4ume so lange und die Vorstellungskraft irgendwie beschr\u00e4nkt. Ich bin gespannt, wie lange es dauern wird, bis ich meine eigene Reise zur G\u00e4nze verstanden habe. Gerade jetzt, da ich vieles aus den vergangenen Monaten wieder erz\u00e4hle und mir Leute unz\u00e4hlige Fragen stellen, beginne ich damit, das Erlebte langsam zu verstehen. Ich gehe mal davon aus, dass dies durchaus noch ein l\u00e4ngerer Prozess werden wird.<br \/>\nIn Leipzig treffe ich nun auch wieder mit Natascha und Friedemann zusammen, dem Deutschen Tandempaar, das ich in der T\u00fcrkei und auch in Georgien getroffen hatte. Wie gesagt, der Kreis beginnt sich zu schlie\u00dfen. Beim Gedanken an die noch vor mir liegenden Etappen werde ich schon ganz unruhig, die Vorfreude w\u00e4chst immer noch Tag f\u00fcr Tag und ein klein wenig aufgeregter werde ich auch schon jeden Tag.<br \/>\nManche Radreisenden hatten mir erz\u00e4hlt, dass der schwierigste Teil der gesamten Reise wohl das Heimkommen werden w\u00fcrde. F\u00fcr mich war der schwierigste Teil wohl eher das Losfahren und das Heimkommen entpuppt sich als ein \u00fcberaus sch\u00f6ner Teil. Noch immer bin ich froh dar\u00fcber, nicht mit Zug, oder Flugzeug den direkten Weg nach Hause gew\u00e4hlt zu haben. Die langsame Ann\u00e4herung hat durchaus ihren Reiz.<br \/>\nNoch knapp 1000 Kilometer liegen vor mir &#8211; h\u00f6rt sich viel an, ist es aber nicht&#8230; Im Vergleich zu dem, was schon hinter mir liegt, ein Katzensprung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 294 &#8211; 297 | 20. &#8211; 23. 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