{"id":2652,"date":"2014-11-27T20:10:04","date_gmt":"2014-11-27T18:10:04","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2652"},"modified":"2014-11-27T20:10:04","modified_gmt":"2014-11-27T18:10:04","slug":"tag-298-301-auf-nach-prag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2652","title":{"rendered":"Tag 298 &#8211; 301: Auf nach Prag!"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 298 &#8211; 24.November<\/h2>\n<p>Berlin &#8211; Leipzig: 176km; 8:08h im Sattel; 6 &#8211; 9 Grad, wechselhaft \/ Regen<br \/>\nHostel<\/p>\n<p>Juche! es geht wieder los&#8230; Nach vier Tagen in der Bundeshauptstadt ist es wieder an der Zeit, sich auf den Sattel zu schwingen. F\u00fcr heute hatte ich mir eine etwas l\u00e4ngere Etappe vorgenommen, wollte aber binnen eines Tages Leipzig erreichen, um dort Natascha und Friedemann zu treffen. Die zwei Tandemfahrer hatte ich in der T\u00fcrkei und in Georgien getroffen und nun wollte ich ihnen einen kurzen Besuch abstatten.<br \/>\nEigentlich hatte sich Julian schon darauf gefreut, mir bis Lutherstadt Wittenberg Gesellschaft zu leisten, doch leider qu\u00e4lten ihn die ganze Nacht \u00fcble Bauchkr\u00e4mpfe, sodass ich mich alleine auf den Weg machen musste. Die Strecke f\u00fchrte mich vorbei am fr\u00fcheren Flugfeld Tempelhof, die Sonne bem\u00fchte sich kr\u00e4ftig, durch die Wolken durchzubrechen, doch bis auf eine intensive Rotf\u00e4rbung war nichts zu sehen. Nach gut einer Stunde Fahrt hatte ich dann die Stadtbebauung hinter mir gelassen und befand mich wieder in Mitten von gro\u00dfen Feldern. Die Stra\u00dfen wurden immer kleiner und schlussendlich landete ich auf einer unbefestigten Forststra\u00dfe, die mich durch immer noch dicht belaubten Buchenwald f\u00fchrte. Es wurde richtig idyllisch, doch leider fing es nun an zu regnen. Schnell zeichnete sich ab, dass der Regen wohl etwas kr\u00e4ftiger werden w\u00fcrde und so schl\u00fcpfte ich seit langem mal wieder in die Regenklamotten. Nach und nach lie\u00df ich den Wald hinter mir, der Stra\u00dfenbelag wechselte wieder auf Asphalt und schlie\u00dflich kam ich zur B2, der ich von nun an bis nach Leipzig folgen w\u00fcrde. Rund um Beelitz sieht man zahlreiche Spargelfelder neben der Stra\u00dfe. Feins\u00e4uberlich sind die Reihen mit schwarzer Folie abgedeckt und warten auf den Winter. Die Gegend in der ich mich heute bewegte war erstaunlich d\u00fcnn besiedelt. Haupts\u00e4chlich war ich umgeben von Buchenw\u00e4ldern und riesengro\u00dfen Feldern. Auf der B2 auch \u00fcberraschend wenig Verkehr. \u00dcber weite Strecken konnte man auf einem eigenen Fahrradstreifen parallel zur Bundesstra\u00dfe radeln. Die Dichte an Radwegen in Deutschland ist wirklich erstaunlich. Leider lie\u00df der Regen nicht so schnell nach. Wie so oft war ich nach gut einer Stunde Fahrt im Regen unter meinen Regenklamotten bis auf die Haut nassgeschwitzt. Der deutlich sp\u00fcrbare Gegenwind hob die Stimmung auch nicht unbedingt an. Aber ich war zuversichtlich, dass sich das Wetter noch bessern w\u00fcrde. Und siehe da, zeitgleich mit meiner Ankunft in Lutherstadt Wittenberg riss der Himmel auf und es gab sogar ein wenig Sonne zu bestaunen. Ich drehte erst einmal eine Runde in der durchaus sympathischen Altstadt, suchte dann aber ein Lokal, um mich irgendwie wieder aufzuw\u00e4rmen. Bei Gulaschsuppe und Tee kam ich wieder zu Kr\u00e4ften und nahm somit die zweite Runde in Angriff. Wie in vielen anderen St\u00e4dten auch wird in Wittenberg gerade der Adventsmarkt aufgebaut. In Berlin war mir das schon aufgefallen und auch hier in Wittenberg war dasselbe Ph\u00e4nomen zu beobachten. Die Weihnachtsm\u00e4rkte \u00e4hneln nun schon mehr einem Jahrmarkt und haben eigentlich nicht viel mit Weihnachten zu tun. Riesenrad, Schie\u00dfbuden etc. dominieren das Bild. Die meisten Historischen St\u00e4tten in Lutherstadt Wittenberg sind momentan leider einger\u00fcstet, da man sich auf das 2017 stattfindende Lutherjubil\u00e4um (500 Jahre Reformation) vorbereitet.<br \/>\nNachdem ich meinen Weg um die f\u00fcr Radfahrer gesperrte Bundesstra\u00dfe herum gefunden hatte, ging es wie ausgewechselt weiter. Von nun an konnte ich mich an einem dramatisch ausgeleuchtetem wolkenverhangenen Himmel erfreuen. Erstmalig trag ich nun auf die Elbe, die ich mir eigentlich viel breiter vorgestellt hatte. In den kommenden Tagen werde ich wohl noch des \u00d6fteren auf die Elbe sto\u00dfen&#8230; Nachdem ich die Bogenbr\u00fccke \u00fcber die Elbe hinter mir gelassen hatte ging es weiter \u00fcber Felder, Felder, Felder. Der h\u00fcgelige Streckenverlauf in den W\u00e4ldern vom Vormittag war nun auch verschwunden und ich musste mich kr\u00e4ftig gegen den Wind stemmen. Leipzig r\u00fcckte aber immer n\u00e4her und die Nachmittagssonne lie\u00df die Unannehmlichkeiten des Vormittags schnell vergessen.<br \/>\nSchon 15km vor dem Stadtzentrum wurde ich von der B2 auf einen Radweg umgeleitet, der mich bis ins Stadtzentrum f\u00fchrte. Zum ersten Mal ging es also nicht auf der Hauptverkehrsstra\u00dfe in die Stadt, sondern auf einem gem\u00fctlichen Fahrradweg. Man tut etwas f\u00fcr das Wohl der Radler&#8230; Auch in Leipzig sind die Stra\u00dfen voll mit Radfahrern, wenn auch deutlich weniger als in Berlin. Als ich das Stadtzentrum erreichte, lag bereits Dunkelheit \u00fcber der Stadt. Eine filigranen Mondsichel schwebte \u00fcber der Altstadt, doch ich musste noch ein paar Meter zur\u00fccklegen, um mein Hostel in der S\u00fcdvorstadt zu finden.<br \/>\nBei einer k\u00f6stlichen Rindsrollade und bayerischem Wei\u00dfbier konnte ich dann gemeinsam mit Natascha und Friedemann den langen Radeltag ausklingen lassen. Man hat das Gef\u00fchl, dass sich der Kreis nun langsam wieder schlie\u00dft. Ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl, jetzt auf dem Heimweg Leute besuchen zu k\u00f6nnen, die man w\u00e4hrend der Reise getroffen hatte. Von Leizpig selber werde ich dieses Mal nicht sonderlich viel zu Gesicht bekommen, da es am Morgen bereits weiter in Richtung Dresden geht. Ich sp\u00fcre schon, dass der Wunsch bald heimzukommen nun schon st\u00e4rker wird, als die Motivation, sich noch viel unterwegs anzusehen. Es ist nun aber wirklich nicht mehr weit. Noch ein paar Tage Fahrt und Bayern hat mich wieder!<\/p>\n<h2>Tag 299 &#8211; 25.November<\/h2>\n<p>Leipzig &#8211; Dresden: 124km; 5:25h im Sattel; 5 &#8211; 9 Grad, wechselhaft \/ sonnig<br \/>\nWarmshowers<\/p>\n<p>Erstmalig stand heute ein etwas verz\u00f6gerter Start auf dem Programm. Am Morgen dachte ich noch, dass es ja nur 100km bis nach Dresden sind und ich mir demnach durchaus Zeit lassen k\u00f6nne. Ich h\u00e4tte allerdings besser in die Karte schauen sollen, denn die Strecke bis Dresden war dann doch etwas l\u00e4nger als gedacht, aber im Nachhinein ist man immer schlauer als zuvor&#8230;<br \/>\nDen besten Weg aus der Stadt heraus in Richtung Dresden zu finden war heute gar nicht mal so einfach, immer wieder musste ich meine Position auf dem Tablet nachpr\u00fcfen, doch nach und nach kristallisierte sich dann doch eine Marschroute heraus. \u00dcberraschend tauchte dann zu meiner Rechten das monumentale V\u00f6lkerschlachtsdenkmal auf. Gut 90m hoch erinnert es an die V\u00f6lkerschlacht in Leipzig in der Russen, \u00d6sterreicher und Preussen Napoleon besiegten, diesen Sieg aber mit \u00fcber 100.000 Menschenleben bezahlen mussten.<br \/>\nEin paar falsche Abzweigungen sp\u00e4ter habe ich dann auch schon die Stadt hinter mir gelassen. Auf die B6 in Richtung Dresden darf ich aber nicht einbiegen, da diese hier f\u00fcr Radfahrer gesperrt ist. Also wieder zur\u00fcck und eine Nebenstra\u00dfe suchen, auf der man parallel zur B6 radeln kann. Wolken und Sonne halten sich heute die Waage, doch wenn man schon seit Ewigkeiten keine Sonne mehr gesehen hat, dann reicht auch schon ein kurzes Aufblitzen und man ist vollauf zufrieden. Der Morgentau h\u00e4lt sich noch bis sp\u00e4t in den Vormittag und die Sonnenstrahlen lassen die Wassertropfen auf dem Gras der Felder fast wie Eis erscheinen. Sonderlich dicht besiedelt ist die Gegend hier nicht, daf\u00fcr sind die wenigen Orte durch die man kommt recht stattlich. In Oschatz kehre ich Mittags kurz ein und drehe davor noch eine kleine Runde um den historischen Ortskern. Um einen zentralen Platz herum gruppieren sich die historischen B\u00fcrgerh\u00e4user und das imposante Rathaus, bei dessen Wiederaufbau Dresdens Stadtbaumeister Gottried Semper seine H\u00e4nde im Spiel hatte. Nach Monaten in der &#8220;Fremde&#8221; gibts nun wieder deutsche Stadtbaukunst zu bewundern&#8230; Auch wenn ich noch nie in Oschatz war, so wirkt alles doch irgendwie vertraut. Das mystisch unbekannte weicht nun dem gewohnten Sprachkanon.<br \/>\nEin wenig gehts noch auf und ab, dann beginnt eine l\u00e4ngere Abfahrt in Richtung Elbtal. Von nun an gehts gem\u00fctlich an der Elbe entlang bis nach Dresden. Martin, mein heutiger Gastgeber informiert mich per SMS kurz dar\u00fcber, dass heute Nachmittag ein Saunabesuch ansteht und ich \u00fcberschlage kurz die noch vor mir stehende Wegstrecke um festzustellen, dass ich doch noch ein wenig Gas geben muss, um auch in den Genuss einer w\u00e4rmenden Sauna zu kommen. Trotzdem bleibt noch genug Zeit, die im Sonnenlicht leuchtenden Weinberge in den H\u00e4ngen des Elbflusses zu bewundern. Vieles erinnert nun schon an die Donauauen zwischen Passau und Wien. Ein Radweg verl\u00e4uft direkt neben der Elbe und man ist nun bis nach Dresden v\u00f6llig verkehrsberuhigt unterwegs. Vor mir taucht schlussendlich die durch die Porzellanmanufaktur bekannte Stadt Mei\u00dfen auf. Imposant ragen Burgberg, Dom und Albrechtsburg empor. Ich beschlie\u00dfe aber am Elbufer zu bleiben und ziehe demnach die Sauna einem Rundgang durch den historischen Stadtkern vor. Dresden r\u00fcckt schon in greifbare N\u00e4he und ich komme fast auf die Minute p\u00fcnktlich bei Martin und Claudia an. Schnell aus den Radlklamotten raus und schon gehts in Richtung Universit\u00e4t und dort in die Eltern &#8211; Kind &#8211; Sauna. Mit ihrem einj\u00e4hrigen Sohn gehen die beiden dort regelm\u00e4\u00dfig in die Sauna, f\u00fcr mich ein herrlicher Abschluss des heutigen Tages. Zu plaudern gibts viel. Martin und Claudia waren ebenfalls mit dem Rad schon in Tajikistan, sind dort durch den Pamir geradelt und haben auch schon den Himalaya von Indian aus befahren. Der Himalaya &#8211; das w\u00e4r auch noch mal eine Destination&#8230; Aber alles nach der Reihe. Jetzt gehts erst mal in Richtung Heimat und dann kann man ja weiterschauen.<\/p>\n<h2>Tag 300 &#8211; 26.November<\/h2>\n<p>Dresden &#8211; Prag: 164km; 8:21h im Sattel; 0 &#8211; 5 Grad, sonnig \/ bedeckt<br \/>\nHostel<\/p>\n<p>Tag 300 bricht an. Eine eigenartige Vorstellung&#8230; dreihundert Tage schon unterwegs, eine Zeitspanne, die so unreal klingt, aber irgendwie muss es ja stimmen. Das Zeitgef\u00fchl habe ich auf dieser Reise ohnehin schon vor langer Zeit verloren. Manchmal f\u00fchlt es sich schon an wie eine Ewigkeit, dass ich Wien verlassen habe und manchmal kommt es mir vor, als ob ich erst vor ein paar Tagen aufgebrochen bin. Ein paar Tage sind es jetzt definitiv nur noch, bis ich wieder in Bayern bin. Erst mal gehts aber noch nach Tschechien. Ein Besuch der Hauptstadt steht noch auf dem Programm. Dresden &#8211; Prag, nicht unbedingt ein Katzensprung, doch f\u00fcr heute sollte es machbar sein.<br \/>\nSonnenschein empf\u00e4ngt mich am Morgen, ein \u00e4usserst seltenes Vergn\u00fcgen. \u00dcber Nacht hatte es empfindlich abgek\u00fchlt, Raureif bedeckt die Wiesen und B\u00fcsche. Ich folge wieder der Elbe und bin erstaunt, wieviele Leute am fr\u00fchen Morgen mit dem Rad in Richtung Dresden unterwegs sind. Das Rad scheint auch hier erfreulicherweise ein ernstzunehmendes Verkehrsmittel zu sein. Wenn man das Verkehrsaufkommen in Deutschland so betrachtet, wohl auch die einzige Option f\u00fcr die Zukunft.<br \/>\nHoch auf den H\u00e4ngen des Elbtals thronen beeindruckende Landsitze mit angrenzenden Weinbergen. Der Begriff Weingut bekommt hier gleich eine ganz andere Bedeutung. Bis Pirna folge ich noch dem Elbradweg, m\u00fche mich mit dem doch recht kr\u00e4ftigen Gegenwind ab und versuche ob der tiefstehenden Sonne nicht den \u00dcberblick zu verlieren. Noch heute Morgen hatte ich beschlossen, meine Route \u00fcber die Berge zu legen. Man k\u00f6nnte auch dem Flusstal bis nach Prag folgen, doch ich entscheide mich f\u00fcr die deutlich k\u00fcrzere Strecke \u00fcber die S\u00e4chsische Schweiz. Was mir nicht ganz bewusst war ist die Tatsache, dass es jetzt erstmals wieder richtig in die H\u00f6he geht. Vo Pirna aus war es nicht mehr sonderlich weit bis zur Grenze nach Tschechien. In Petrovic, dem Grenzort, ist noch alles auf deutsche Grenztouristen ausgelegt. Am Stra\u00dfenrand reihen sich L\u00e4den auf, die haupts\u00e4chlich Alkohol und Zigaretten anbieten. Saisonal werden im Moment gerade Vogelh\u00e4uschen angeboten und sonst auch noch viel vom altbekannten Ramsch. Plastikspielzeug, billige Schuhe, Klamotten etc.<br \/>\nZahn\u00e4rzte, Optiker und Friseure warten auf deutsche Kunden.<br \/>\nEine alte Wegmarkierung aus dem 19. Jahrhundert gibt von hier aus bis Dresden eine Strecke von 8 1\/2 Stunden an. Zum Gl\u00fcck war ich heute ein wenig schneller. Doch von nun an gehts h\u00f6her und h\u00f6her hinauf. Anfangs freute ich mich noch auf den wohl anstehenden Panoramablick, doch mit der Zeit verdunkelte sich der Himmel. Dicke Wolken schoben sich vor die Sonne und es hatte den Anschein, als ob es gleich zu schneien beginnen w\u00fcrde. Je h\u00f6her ich kam, desto k\u00fchler wurde es. Die Temperatur fiel kurz vor dem &#8220;Gipfel&#8221; auf Null Grad. Schwarze knorrige B\u00e4ume konnte man schematisch im Nebel erkennen, von der erhofften Aussicht war ich weit entfernt. Ein eisiger Wind blies mir entgegen und so sah ich zu, dass ich m\u00f6glichst schnell wieder in w\u00e4rmere Gefilde kam. Eine rasante Abfahrt f\u00fchrte mich nach Usti nab Ladem. Ich konnte mich kaum noch auf dem Rad halten, so kalt war mir schon geworden. Zitternd hielt ich nach einem beheizten Lokal Ausschau und landete schlie\u00dflich in einem t\u00fcrkischen Imbiss. Es dauerte ein wenig, bis meine F\u00fc\u00dfe wieder aufgetaut waren und ich ann\u00e4hernd wieder warm war. Wohl wegen der dichten Woken kletterte das Thermometer nun auch nicht mehr h\u00f6her als auf zwei Grad und der kr\u00e4ftige Gegenwind hatte auch nicht nachgelassen. Anfangs gings noch am Fluss entlang, doch in Litomerice bog ich in Richtung S\u00fcden ab, um den k\u00fcrzeren Weg nach Prag einzuschlagen. Kurz danach ging es durch Terezin, einer Kleinstadt mit beeindruckender Befestigungsanlage. Die Stra\u00dfe verl\u00e4uft mitten durch die historischen Mauern. Ein Wappen an der Wand verweist auf ein K&amp;K Regiment, also m\u00fcssen hier die \u00d6sterreicher stationiert gewesen sein. Eine zweite, kleinere Anlage befindet sich innerhalb der gro\u00dfen Festungsanlage. Im Vorhof prangt ein gro\u00dfes Kreuz und ein gro\u00dfer Davidstern \u00fcber unz\u00e4hligen im Boden versenkten Grabsteinen. Im Nachhinein fand ich heraus, dass es sich bei Terezin um Theresienstadt handelt. \u00d6sterreichs Kaiser Josef II hatte Ende des 18. Jahrhunderts eine der modernsten Festungsanlagen nach franz\u00f6sischen Vorbild erbauen lassen. Zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage von den Nazis als Ghetto und schlie\u00dflich als Konzentrationslager umfunktioniert. Die \u00f6rtliche Bev\u00f6lkerung wurde abgesiedelt und konnte erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder zur\u00fcckkehren. Unwissend bin ich also mal wieder an einer durchaus bedeutsamen historischen St\u00e4tte vorbeigeradelt. Vielleicht war ich aber auch schon zu sehr damit besch\u00e4ftigt, einen guten Rhythmus zu finden, um die letzten 60 Kilometer bis Prag zu schaffen. Die vielen H\u00f6henmeter sp\u00fcrte ich bereits in den Beinen und der immer noch vorherrschende Gegenwind lie\u00df mir selbst die Gerade wie kleine Anstiege erscheinen. Als es langsam zu d\u00e4mmern begann kam auch endlich der lange ersehnte Rhythmus. Von nun an lief es&#8230; Wind und Anstiege machten mir nicht mehr zu schaffen, ich hatte die innere Balance wieder gefunden. Auf der Bundesstra\u00dfe war fast nichts los, da parallel dazu die Autobahn in Richtung Prag verlief. Ich freute mich \u00fcber die gute Ausleuchtung meines Frontscheinwerfers und radelte gut eine Stunde in der Dunkelheit, bis endlich in der Ferne der Lichtschein von Prag auftauchte. Nun war es also nicht mehr weit und ich war heilfroh, endlich die Stadtgrenze erreicht zu haben. Zwei Tafeln Schokolade waren bereits vernichtet und die Wasservorr\u00e4te neigten sich auch schon dem Ende. Ins Stadtzentrum gings dann aber noch gem\u00fctlich bergab, dann noch am Fluss entlang, bis ich endlich gegen 18:30 Uhr mein Hostel erreicht hatte. Nach einer kr\u00e4ftigen Nudelsuppe fiel ich dann aber wie tot ins Bett. 1500 H\u00f6henmeter bei 165km und konstanter Gegenwind hatten mich ziemlich gefordert. Zum Gl\u00fcck kann ich morgen noch einmal ausspannen, bevor es in Richtung Bayern geht.<\/p>\n<h2>Tag 301 &#8211; 27.November<\/h2>\n<p>Prag, 1 Ruhetag: bisher geradelt: 21.994km; 1087:02h im Sattel<br \/>\nHostel<\/p>\n<p>So, nun habe ich es also wirklich geschafft und bin innerhalb von drei Tagen von Berlin nach Prag gestrampelt. Auch wenn mir der wolkenverhangene Himmel und die abendlichen Stunden sicherlich einen landschaftlich reizvollen Teil der Strecke vorenthalten haben, war es eine recht ansprechende Etappe. So viel Abwechslung hatte ich schon lange nicht mehr. Jetzt hei\u00dft es regenerieren f\u00fcr den gro\u00dfen Satz bis kurz hinter die Deutsche Grenze. Wenn die Beine mitmachen m\u00f6chte ich n\u00e4mlich von Prag aus direkt bis in den bayerischen Wald radeln. Mal schauen, ob sich das dann auch wirklich so realisieren l\u00e4sst.<br \/>\nErst mal lasse ich mich aber noch durch die Prager Innenstadt treiben. Prag, eine Stadt der ich auch schon \u00f6fters einen Besuch abgestattet habe und somit wirkt vieles schon recht vertraut. W\u00e4hrend ich durch die Gassen schlendere \u00fcberkommt mich immer wieder ein wohliges Gef\u00fchl der Vorfreude auf die kommenden Tage. Jetzt ist die Ankunft zuhause schon wirklich in greifbare N\u00e4he ger\u00fcckt. Szenen aus den vergangenen Monaten blitzen auf und lassen mich mit einem breiten L\u00e4cheln durch die Stadt wandeln. Irgendwie ist das schon eine eigenartige Situation, man ist nur noch ein paar Stunden Autofahrt von zuhause entfernt, aber mit dem Rad sind es dann doch noch ein paar Tage&#8230;<br \/>\nIm Prager Hauptbahnhof sind schon Z\u00fcge nach Linz angeschrieben. Jetzt kurz in den Zug gesprungen und ein paar Stunden sp\u00e4ter w\u00e4re ich schon in Linz. Aber eigentlicher Grund meines Besuches des Hauptbahnhofes ist die frisch restaurierte ehemalige Kassenhalle, die in sch\u00f6nstem Jugendstil \u00fcber dem jetzigen Bahnhofstreiben thront. Nur wenige Leute verirren sich in die helle Kuppelhalle, die Meisten eilen ohne den Blick zu heben ein Stockwert tiefer zu den Bahnsteigen.<br \/>\nIn den vergangenen Jahren hat Prag kr\u00e4ftig investiert und viele H\u00e4user in der Altstadt renoviert. Der Prunk der Jahrhundertwende kommt jetzt wieder zum Vorschein. Die Altstadt quillt f\u00f6rmlich \u00fcber von Touristen und das obwohl die Weihnachtsm\u00e4rkte noch nicht einmal er\u00f6ffnet sind. Die winterlichen Temperaturen halten die wenigsten davon ab, der Stadt einen Besuch abzustatten. Man h\u00f6rt viel Deutsch und Polnisch im Vor\u00fcbergehen. Es hat den Anschein, als ob die Erdgescho\u00dfzonen fast nur von Geldwechslern und Souvenierl\u00e4den belagert sind. Der Tourismus bl\u00fcht&#8230;<br \/>\nGem\u00fctlich spaziere ich durch das Gassengewirr der Altstadt, lasse mich \u00fcber die Karlsbr\u00fccke sp\u00fclen und erklimme den Burgh\u00fcgel um von dort aus den sch\u00f6nen Blick \u00fcber die Stadt zu genie\u00dfen. Zu meinen F\u00fc\u00dfen die Labe, die ich noch vorgestern als Elbe kennengelernt hatte. Sonne l\u00e4sst sich auch heute mal wieder keine blicken und der Wind bl\u00e4st einem stellenweise recht eisig ins Gesicht. Auf der morgigen Etappe werde ich wohl wieder mit Gegenwind zu k\u00e4mpfen haben, aber das Wissen, schon so nahe an der Heimat zu sein l\u00e4sst mich die Tatsache fast ignorieren. Langsam aber sicher neigt sich nun die Reise dem Ende. Es ist ein Abschied auf Raten und auch ein Ankommen in kleinen Schritten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 298 &#8211; 24.November Berlin &#8211; Leipzig: 176km; 8:08h im Sattel; 6 &#8211; 9 Grad, wechselhaft \/ Regen Hostel Juche! es geht wieder los&#8230; Nach vier Tagen in der Bundeshauptstadt ist es wieder an der Zeit, sich auf den Sattel zu schwingen. 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