{"id":2706,"date":"2014-11-30T13:47:48","date_gmt":"2014-11-30T11:47:48","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2706"},"modified":"2014-12-03T11:06:01","modified_gmt":"2014-12-03T09:06:01","slug":"tag-301-303-heimat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2706","title":{"rendered":"Tag 301 &#8211; 303: Heimat!"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 302 &#8211; 28.November<\/h2>\n<p>Prag &#8211; Sonndorf: 190km; 9:22h im Sattel; minus 2 &#8211; 0 Grad, bedeckt<br \/>\nPrivater Gastgeber<\/p>\n<p>F\u00fcr heute hatte ich mir noch einmal ein beachtliches St\u00fcck Weg vorgenommen, doch Heimatluft lag schon fast in der Luft und ich wollte es bis kurz hinter die bayerische Grenze schaffen, um bei einem guten Freund \u00fcbernachten zu k\u00f6nnen. Ich hatte mich schon auf eine kr\u00e4ftezehrende Etappe eingestellt und dementsprechend ausgiebig fiel das Fr\u00fchst\u00fcck aus. Es begann gerade zu d\u00e4mmern, als ich bei noch recht k\u00fchlen Null Grad aufs Rad stieg und mir den Weg aus der Stadt hinaus suchte. Anfangs blies mir noch ein kr\u00e4ftiger Wind entgegen, doch gl\u00fccklicherweise lie\u00df der mit der Zeit nach. Eine lange Gerade f\u00fchrte mich aus Prag hinaus, bevor der erste lange Anstieg in Angriff genommen werden musste. Die Bundesstra\u00dfe 4 f\u00fchrt direkt von Prag in Richtung Passau, doch zweimal musste ich die Stra\u00dfe verlassen, weil die B4 in diesen Streckenabschnitten als Schnellstra\u00dfe ausgebaut war und folglich f\u00fcr Radfahrer gesperrt waren. Zum Gl\u00fcck hatte ich meine offline Karten am Tablet, sodass ich mich durch die kleinen D\u00f6rfer navigieren konnte und schlie\u00dflich auf dem fr\u00fcheren, jetzt stillgelegten Streckenabschnitt der B4 landete. Die Natur holte sich die alte Asphaltfahrbahn bereits wieder zur\u00fcck, kleine B\u00fcsche und Gras wucherten bereits aus den Rissen in der Stra\u00dfe. Eigentlich ist die Stra\u00dfe f\u00fcr den Verkehr gesperrt, doch als Radfahrer kam ich sehr leicht an Schlagbaum vorbei und so hatte ich \u00fcber viele Kilometer eine traumhaft ruhige Strecke vor mir.<br \/>\nFast schon wellenartig arbeitete ich mich immer h\u00f6her hinauf, doch mir war ja schon von Beginn an klar, dass heute die Anstiege dominieren w\u00fcrden. Das feuchtkalte Wetter und der dunkle Himmel setzten mir mit der Zeit schon ein wenig zu und mein Gef\u00fchl in den F\u00fc\u00dfen drohte schon fast zu schwinden. Doch wie so oft, wenn man mit den Gedanken ganz woanders ist, wurden F\u00fc\u00dfe und H\u00e4nde wieder warm und ich beschloss, noch bis Strakonice weiterzuradeln, um dort eine w\u00e4rmende Pause einzulegen. Weit \u00fcber 100km lagen nun schon hinter mir und es war an der Zeit, endlich was warmes zu mir zu nehmen. Sozusagen ein Abschiedsessen von Tschechien &#8211; ein kr\u00e4ftiges St\u00fcck Rostbraten mit sch\u00f6ner dunkler Sauce, kulinarisch vielleicht nicht unbedingt ein Highlight, doch als Energietr\u00e4ger perfekt. Auf das obligatorische Bier verzichtete ich aber und zog eine Kanne Tee vor. Ich dr\u00fcckte mich eng an den Heizk\u00f6rper und kam so langsam wieder auf Temperatur. Zwei Drittel des Weges hatte ich jetzt schon fast hinter mir und die Vorfreude wurde schon immer gr\u00f6\u00dfer. Die Ortsnamen kamen mir nun schon bekannt vor, auch wenn ich mich nicht wirklich daran erinnern konnte, bewusst in dieser Gegend jemals gewesen zu sein. Bis Volyne (Wolin) ging es noch relativ gem\u00fctlich dahin, doch dann begann die Kletterpartie erneut. Es schien, als ob es jetzt nur noch bergauf ginge. Lange ging es mit \u00fcber 10% in die H\u00f6he, doch leider folgte darauf wieder eine lange Abfahrt. An sich sind ja Abfahrten etwas sch\u00f6nes, doch wenn man wei\u00df, dass es eigentlich noch weiter in die H\u00f6he geht, bedeutet jeder Meter bergab zus\u00e4tzliche Meter bergauf&#8230; In Vimperk begann es dann langsam zu d\u00e4mmern. Der Verkehr hatte sich auf der B4 nun deutlich reduziert und gleichzeitig wurden die mich umgebenden W\u00e4lder scheinbar immer dichter und dunkler. Nebel zog auf und die Umgebung schien in einem dumpfen Schleicher gepackt. Ein Ende des Anstiegs war nicht in Sicht und so strampelte ich, den Blick auf die paar Meter vor mir gerichtet, ins Dunkel des Waldes. Bis Strazny wollte ich eigentlich noch durchfahren, doch mitten im Anstieg begann dann der Blick schon etwas schummrig zu werden und es war h\u00f6chste Zeit f\u00fcr eine kurze Zwischenpause. Kekse und hei\u00dfer Tee brachten mich wieder in Schwung und so gings weiter ins Dunkle der Nacht. Kurz vor Strazny blitzten dann auch schon das erste Paar wei\u00dfer Lackstiefel in der Dunkelheit auf, am Stra\u00dfenstrich von Strazny war selbst bei diesen Temperaturen noch was los. Der mich umgebende Nebel war in den B\u00e4umen bereits gefroren, das Thermometer fiel immer weiter unter Null. Erstmalig war die 1000m Marke wieder \u00fcberschritten und es folgte eine langezogene Abfahrt in Richtung bayerischer Grenze. Den Grenz\u00fcbergang Philippsreut hatte ich dann ob der Dunkeheit fast \u00fcbersehen und schon war ich wieder auf deutschem Boden. Willkommen zur\u00fcck in Bayern! Lang hat es gedauert, aber jetzt gehts zur\u00fcck in die Heimat&#8230;<br \/>\nEinmal noch ein wenig in die H\u00f6he, die 1000m Marke noch einmal \u00fcberfahren und dann gings endlich die lange ersehnte Abfahrt nach Sonndorf hinab. Meine Windjacke leistete mir bei der Abfahrt gute Dienste, denn nach den vielen H\u00f6henmetern war ich ganz sch\u00f6n aufgeheizt. Fast zeitgleich mit dem Grenz\u00fcbertritt lie\u00df ich auch den Nebel hinter mir und erstmalig konnte ich wieder einen klaren Sternenhimmel bewundern. Ach, wieder zur\u00fcck in Bayern und dann auch noch eine sternenklare Nacht&#8230; sch\u00f6ner k\u00f6nnte man sich die R\u00fcckkehr nicht vorstellen.<br \/>\nIn Sonndorf wurde ich herzlichst von Daniel, Tina und ihren zwei Kindern begr\u00fc\u00dft. Bei kalter Schweinshaxe und k\u00f6stlichem Bier konnte ich die letzten Tage in Ruhe Revue passieren lassen. Die Strapazen der letzten Stunden waren sofort vergessen und ich f\u00fchlte mich so, als ob ich nie weg gewesen w\u00e4re. Ein wenig wackelig war ich zwar auf den Beinen, doch bei \u00fcber 2500 H\u00f6henmetern war dies auch nicht verwunderlich. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich wieder wie zuhause f\u00fchlen kann. Rein in die Wohnung und schon ist es so, als ob man erst vor ein paar Wochen zum letzten Mal hier gewesen w\u00e4re.<br \/>\nNachdem ich heute so fleissig gestrampelt habe, steht morgen nur noch eine sehr kurze Etappe am Programm. Mein Elternhaus ist nur noch gut 40km Fahrt entfernt. Der letzte gro\u00dfe Meilenstein auf meiner langen Reise ist schon fast erreicht.<\/p>\n<h2>Tag 303 &#8211; 29.November<\/h2>\n<p>Sonndorf &#8211; Taubing: 46km; 3:08h im Sattel; minus 1 &#8211; 4 Grad, Sonne<br \/>\nPrivater Gastgeber<\/p>\n<p>Nur noch eine halbe Tagesetappe vom Elternhaus entfernt, da st\u00f6rt es auch nicht, wenn man um kurz vor sechs Uhr von einem quitschfidelen Kleinkind aus den Federn gerissen wird. Im Grunde konnte ich es ohnehin schon nicht mehr erwarten meine Eltern wieder begr\u00fc\u00dfen zu k\u00f6nnen und auf dem Weg nach Hause noch ein paar Freunde zu besuchen. Strahlend blauer Himmel begr\u00fc\u00dfte mich heute in der Heimat. Die Wolken und das nebelige Wetter hingen offenbar im bayerischen Wald auf der tschechischen Seite fest. Sonne in diesem Ausma\u00df hatte ich nun schon eine gef\u00fchlte Ewigkeit nicht mehr erlebt. Meine Eltern konnte ich bereits heute Morgen wieder in die Arme schlie\u00dfen. Meine Mutter hatte beschlossen, mich auf den letzten Kilometern bis nach Hause noch auf dem Rad zu begleiten und wurde von meinem Vater dazu nach Sonndorf chauffiert. Welch eine Freude &#8211; nach zehn Monaten unterwegs gibt es endlich ein Wiedersehen. Schritt f\u00fcr Schritt hatte ich mich diesem Moment angen\u00e4hert und nun war es endlich soweit. HERRLICH, mehr kann man dazu nicht sagen&#8230;<br \/>\nNoch war es ziemlich k\u00fchl, dicker Reif lag auf den Wiesen, doch die Sonne w\u00e4rmte die Umgebung schon sp\u00fcrbar auf. Mit meiner Mutter radelte ich nun erst einmal in Richtung Oberfrauenwald. Auf ruhigen Nebenstra\u00dfen ging es noch einmal recht h\u00fcgelig dahin. Der Ausblick auf die bayerische H\u00fcgellandschaft war aber atemberaubend. Die Nebelschwaden hingen in der H\u00fcgelkette des Bayerischen Waldes fest und auf unserer Seite lachte die Sonne. Auf einen Schlag war es vorbei mit den tr\u00fcben Tagen, jetzt scheint endlich wieder die Sonne! Ein schwer zu beschreibendes Gef\u00fchl ist das, wenn man nach vielen Monaten in der &#8220;Fremde&#8221; nun wieder in die gewohnte Umgebung zur\u00fcckkommt. \u00c4hnlich wie schon gestern Abend f\u00fchlte sich vieles so vertraut an, als ob ich nie weg gewesen w\u00e4re. Mit einem breiten L\u00e4cheln radelte ich durch die traumhaft sch\u00f6ne H\u00fcgellandschaft. Kurz bevor wir den Oberfrauenwald erreicht hatten, wurde ich \u00fcberraschend von Alois und Tobias empfangen. Die beiden hatten mir hinter einem Baum &#8220;aufgelauert&#8221; und begleiteten uns schlie\u00dflich auf den kommenden Kilometern. Auf der Strecke hatten sie immer wieder kleine Tafeln aufgestellt, die mich in der Heimat willkommen hie\u00dfen. Isolde und Maria l\u00e4uteten dann noch lautstark unsere Ankunft ein. Bei Kaffee und Kuchen kam dann die gesamte Familie F\u00fcrst zusammen und bereitete mir einen sehr herzlichen Empfang.<br \/>\nVon vielen Reisenden hatte ich geh\u00f6rt, dass das Heimkommen mit zu den schwierigsten Teilen des Reisens geh\u00f6rt, doch f\u00fcr mich geh\u00f6rt offenbar das Heimkommen mit zu den sch\u00f6nsten Teilen der Reise.<br \/>\nNachdem Kuchen und Kekse verdr\u00fcckt waren, stieg ich gemeinsam mit meiner Mutter wieder aufs Rad und wir nahmen die letzte Etappe bis nach Taubing in Angriff. Kurz bevor ich mein Elternhaus erreicht hatte, zeigte der Tacho 22.222km an. Ankommen mit einer Schnapszahl&#8230; auch nicht schlecht!<br \/>\nIch konnte mich an der eigentlich so gewohnten Landschaft gar nicht satt sehen. Es schien alles beim Alten geblieben zu sein, nicht viel hatte sich ver\u00e4ndert und was mich am meisten freute war die Tatsache, dass ich mich sofort wieder wie zuhause f\u00fchlte. Die Sonne begleitete uns noch bis nach Hause wo wir von meinem Vater und Ingrid und Leo freudig empfangen wurden. Die beiden hatten immer gebannt meinen Blog verfolgt und wollten sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, mich als eine der Ersten begr\u00fc\u00dfen zu k\u00f6nnen. Auch Reinhard kam extra noch direkt von der Treibjagt bei uns vorbei und sch\u00fcttelte mir freudig die Hand. Sie alle waren mir in den vergangenen Monaten als treue Leser durch s\u00e4mtliche L\u00e4nder gefolgt und nun konnten sie mich endlich pers\u00f6nlich zuhause willkommen heissen.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, wer sich mehr \u00fcber das Heimkommen freute. Meine Eltern, oder ich&#8230; F\u00fcr mich ist es noch immer schwer fassbar, dass ich es nun wirklich geschafft habe, nach so vielen Tagen unterwegs, wieder mit dem Rad zuhause einzurollen. Im November letzten Jahres hatte ich meine erste und einzige &#8220;Testtour&#8221; von Wien nach Taubing und wieder zur\u00fcck in Angriff genommen. Nun kam ich also zum zweiten Mal mit meinem vollbeladenen Rad zuhause an. Bis zur Weiterfahrt nach Wien stehen noch ein paar sehr entspannte Tage vor mir. Erst in f\u00fcnf Tagen gehts wieder weiter, dann aber ebenfalls mit Begleitung bis nach Wien. In einer Woche schlie\u00dft sich dann der Kreis wieder vollst\u00e4ndig und ich komme wieder dort an, wo ich vor ziemlich genau zehn Monaten losgefahren bin.<br \/>\nVermutlich brauche ich jetzt auch erst einmal eine Woche um zu realisieren, dass ich nun wirklich schon wieder zuhause bin. F\u00fcrs Erste kann ich aber nur mal DANKE sagen an all jene, die mich so herzlich willkommen geheissen haben. Heimkommen ist wirklich etwas sch\u00f6nes und gleich noch einmal viel sch\u00f6ner, wenn man sieht, wie sehr sich die Familie, die Freunde und Bekannten dar\u00fcber freuen, dass man wieder zur\u00fcck ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 302 &#8211; 28.November Prag &#8211; Sonndorf: 190km; 9:22h im Sattel; minus 2 &#8211; 0 Grad, bedeckt Privater Gastgeber F\u00fcr heute hatte ich mir noch einmal ein beachtliches St\u00fcck Weg vorgenommen, doch Heimatluft lag schon fast in der Luft und ich wollte es bis kurz hinter die bayerische Grenze schaffen, um bei einem guten Freund&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,26],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2706"}],"collection":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2706"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2706\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2709,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2706\/revisions\/2709"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2706"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2706"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/abicyclediary.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2706"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}