{"id":2771,"date":"2014-12-10T14:55:33","date_gmt":"2014-12-10T12:55:33","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=2771"},"modified":"2014-12-10T14:55:33","modified_gmt":"2014-12-10T12:55:33","slug":"tag-310-zuruck-dorthin-wo-alles-begann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=2771","title":{"rendered":"Tag 310: Zur\u00fcck &#8211; dorthin, wo alles begann."},"content":{"rendered":"<h2>Tag 311 &#8211; 07.Dezember<\/h2>\n<p>Krems &#8211; Wien: 90km; 4:16h im Sattel; 3 &#8211; 4 Grad, Regen<br \/>\nHome Sweet Home<\/p>\n<p>Sonderlich vielversprechend war der morgendliche Blick aus dem Fenster nicht unbedingt. Es empfing mich ein Grau in Grau mit dezentem Nieselregen. F\u00fcr die Abschlussetappe nach Wien h\u00e4tte ich mir durchaus besseres Wetter vorstellen k\u00f6nnen, aber im Grunde war das alles nebens\u00e4chlich. Nur noch knapp 90 Kilometer trennten mich von dem Ort an dem alles seinen Anfang nahm, von wo aus ich vor gut 10 Monaten aufgebrochen war, den Osten des Eurasischen Kontinents zu suchen. Zehn Monate auf dem Rad durch Eis, Schnee, Regen, Sturm und Sonne, da kann mich jetzt ein bisschen Regen in der Nieder\u00f6sterreichischen Provinz auch nicht mehr aus der Reserve locken.<br \/>\nVon Krems bis Wien gibts noch einmal Zuwachs zu unserer netten Radlergruppe. Zu viert sitzen wir im Fr\u00fchst\u00fccksraum des Hotels und warten ungeduldig darauf, dass Rudi, Fred und Robert den Weg von Bahnhof Krems zum Hotel finden und wir voller Vorfreude die letzten Kilometer in Angriff nehmen k\u00f6nnen. Robert in Gummistiefeln, Fred mit Duschhaube auf dem Helm, Rudi ganz in GoreTex &#8211; vielleicht sollte ich doch noch die Regenklamotten auspacken? Es scheint sich einzuregnen&#8230; Zum letzten Mal greife ich also noch einmal auf die Regenpanier zur\u00fcck und wir rollen geschlossen in Richtung Wagram aus der Stadt. Den Donauradweg versuchen wir zu meiden und suchen unser Gl\u00fcck im idyllisch ruhigen Wagram. Zu siebt gehts nun in flottem Tempo vorbei an Weing\u00e4rten und Kellerh\u00e4usern. Der Blick fix aufs Hinterrad des Vordermannes gerichtet, doch immer wieder schweife ich ab und lasse die regennasse Landschaft auf mich wirken. Ich bin froh, dass wir den schon so oft befahrenen Donauradweg heute meiden und die weit abwechslungsreichere Wagramroute gew\u00e4hlt haben. In geschlossener Formation gehts z\u00fcgig dahin &#8211; mit meinen vollbepackten Rad habe ich streckenweise doch ein wenig M\u00fche die L\u00fccke zu den Leichtgewichten nicht zu gro\u00df werden zu lassen, doch die gro\u00dfe Gruppe motiviert und ich gebe mein Bestes. Einmal noch kr\u00e4ftig in die Pedale treten und ehe man sich versieht sind wir auch schon in Stockerau. Kurz vor Mittag, gerade die beste Zeit f\u00fcr einen kurzen Zwischenstopp f\u00fcr Kaffe, Tee und Apfelstrudel. Sieben dampfende Radler nehmen das Hinterzimmer des \u00f6rltlichen Kaffeehauses in Beschlag. Schon nach wenigen Minuten sind s\u00e4mtliche Fenster beschlagen und der Boden erinnert schon mehr an ein Schwimmbad, denn an ein Cafe. Per SMS verst\u00e4ndige ich vorausschauend schon ein paar Freunde in Wien um mich mit ihnen zu einer gemeinsamen finalen Runde um den inneren Ring Wiens zu treffen.<br \/>\nF\u00fcr uns unerschrockene Sieben gehts nun endlich \u00fcber die Donau. Bei Greifenstein wechseln wir auf das S\u00fcdufer und steuern zielstrebig Klosterneuburg an. Rudi versuchte sich zwar mit einem vorget\u00e4uschten technischen Defekt vor den bevorstehenden Kilometern zu dr\u00fccken, doch nachdem ich auf derartige Zwischenf\u00e4lle bestens vorbereitet bin, konnte uns ein leckendes Ventil auch nicht aufhalten. Ein kleines Schmankerl hatten sich Horst und ich gestern noch f\u00fcr die uns Begleitenden ausgedacht&#8230; \u00dcber die H\u00f6henstra\u00dfe gehts auf den Kahlenberg, um meiner zur\u00fcckliegenden Tour ein w\u00fcrdiges Ende zu garantieren. Der grandiose Ausblick \u00fcber die Stadt blieb uns dann aber leider wegen des dichten Nebels verwehrt. Auf dem Plateau des Kahlenberges ergriffen meine Begleiter dann die Gelegenheit, mit meinem Rad eine kurze Runde zu drehen und waren einheitlich \u00fcberrascht, ob des hohen Gewichts des Rades. Der Kontrast zwischen einem 8kg Rennrad und einem voll bepackten Reiserad k\u00f6nnte aber auch gr\u00f6\u00dfer nicht sein.<br \/>\nAuf jeden Anstieg folgt auch eine Abfahrt und das war auch heute nicht anders. In engen Serpentinen gings rasant in Richtung Wien. Die Weinberge flogen an mir vorbei und im Dunst konnte man schon die zwei massiven T\u00fcrme des Allgemeinen Krankenhauses ausmachen. Wenn auch noch ein wenig verschwommen, aber Wien hei\u00dft mich schon willkommen. Ich passiere die Stadtgrenze und es geht weiterhin steil bergab. Die Unterarme werden schon wieder hart vom vielen Bremsen &#8211; wann hatte ich dieses Gef\u00fchl zuletzt? muss schon ewig her sein&#8230; Die Gedanken \u00fcberschlagen sich. Unz\u00e4hlige Szenen der vergangenen Monate tauchen wie in einem Film vor dem inneren Auge auf, gleichzeitig kreisen Gedanken im Kopf, was mich wohl in Wien erwarten wird, was die kommenden Wochen und Monate bringen werden&#8230; Freudentr\u00e4nen mischen sich mit Regentropfen &#8211; Sch\u00f6n, wieder zur\u00fcck zu sein!<br \/>\nAm Donaukanal sammelt sich unsere Siebenergruppe wieder und wir pedalierten gem\u00fctlich zum Ringturm, wo wir bereits von Simone &amp; Michi, Marius, Philip und Michi erwartet wurden. Das Dutzend haben wir nun vollbekommen und starten die finale Runde um den inneren Ring. Ab der Urania nehmen wir dann stilecht die innere Fahrbahn f\u00fcr uns in Beschlag und rollen in einer privaten Critical Mass vorbei am MAK, an der Oper, am Burgtor, bis zum Parlament. Im R\u00fccken von Pallas Athene versammeln wir uns alle noch einmal zu einem Abschlussfoto. Georg und Katrin samt Nachwuchs sto\u00dfen dann auf den letzten Metern auch noch zu uns und wir schlie\u00dfen den Kreis, radeln vorbei am Burgtheater und dem Rathaus, das uns vor 10 Monaten als Kulisse zum Start ins Ungewisse gedient hatte, weiter zur Universit\u00e4t und wieder hinab zum Ringturm. Jetzt noch schnell zum Stefansplatz und dann zur\u00fcck in den vierten Bezirk. Unsere Gruppe wird laufend kleiner, doch Tyson, Michl, Marius und Michi begleiten mich bis zur Haust\u00fcre. Hier ging es am 1.Februar diese Jahres los. Hier war ich aufgebrochen zu einer Reise, von der ich damals nur sehr bedingt eine Vorstellung hatte und dich mich r\u00fcckblickend betrachtet fast nur positiv \u00fcberrascht hatte.<br \/>\nViel bleibt mir nicht zu sagen, ausser DANKE an all jene, die mich w\u00e4hrend der letzten Monate begleitet hatten, die mit mir geschwitzt, mit mir gefroren, mit mir gebangt und sich mit mir gefreut hatten.<br \/>\nDanke aber auch im speziellen an Tyson, der extra aus Belgien angereist war, an Michl und Horst, die die Reise von Wien nach Passau auf sich genommen hatten, um mit mir \u00fcbers h\u00fcgelige M\u00fchlviertel nach Wien zu reiten. Danke auch an Robert, Fred und Rudi, die dem Regen getrotzt hatten und meine Eskorte nach Wien erweitert hatten und auch Danke an Georg, Katrin, Philip, Michi, Simone, Marius und Michi die mir auf den letzten Kilometern trotz ungem\u00fctlicher Witterung Gesellschaft leisteten.<br \/>\nNun geht sie also zu Ende die Reise, die mich an Orte gef\u00fchrt hatte, von denen ich noch nie geh\u00f6rt hatte und dich ich sofort wieder bereisen w\u00fcrde. Die Reise, die mir meine k\u00f6rperlichen und mentalen Grenzen deutlich gemacht hatte, ohne diese jemals zu \u00fcberschreiten. Die Reise, die meinen Horizont um Welten erweitert hat und mich vermutlich auch ein klein wenig ver\u00e4ndert hat. Auf alle f\u00e4lle bin ich um eine gewaltige Erfahrung reicher, wobei das Wort Erfahrung hier durchaus w\u00f6rtlich genommen werden kann.<br \/>\nNun hei\u00dft es Abschied nehmen und Ankommen zugleich. Abschied nehmen von meinem Alltagsleben der letzten Monate, das f\u00fcr viele zuhause aufregend und exotisch gewirkt haben muss und gleichzeitig Ankommen in Wien, sich wieder zurechtfinden in einem Leben, das f\u00fcr viele zuhause banal und uninteressant wirken mag. Aber was ist schon banal und uninteressant? Habe ich in den vergangenen Monaten nicht genug banale und eigentlich uninteressante Orte bereist und immer wieder etwas spezielles gefunden? Vielleicht kommt es nur darauf an, wie man das, was man sieht verarbeitet.<br \/>\nDie Frage steht im Raum, worauf man sich am meisten freut, wenn es wieder zur\u00fcck geht in die Heimat. Zumindest von meiner Seite kann ich diese Frage sehr leicht beantworten. Das, was am meisten fehlt in den vielen Monaten auf Reise, sind die Freunde und da durfte ich mich in Wien ja wirklich auf einen sch\u00f6nen Empfang freuen.<br \/>\nNoch am selben Abend ging es in den FutureGarden um meine Ankunft geb\u00fchrend zu feiern. Schon wie vor zehn Monaten wurde ausgiebig gefeiert und zu erz\u00e4hlen gab es genug, was mir meine Stimmb\u00e4nder wohl ein wenig \u00fcbel nahmen und nach ein paar Stunden einfach den Dienst quittieren wollten. Doch so einfach ist das nicht, wenn es doch so viel zu erz\u00e4hlen gibt&#8230; Zumindest bis sich die Letzte aus unserer Runde verabschiedet hatte, mussten die angeschlagenen Stimmb\u00e4nder noch mitmachen, aber dann war auch Schicht im Schacht.<br \/>\nEin anstrengender aber unvorstellbar sch\u00f6ner Tag geht zu Ende. Ankommen in Wien h\u00e4tte &#8211; abgesehen vom Wetter &#8211; nicht sch\u00f6ner sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die letzte Seite meines Fahrradtagebuches ist nun aufgeschlagen. Von vielen wurde ich &#8211; schon fast etwas vorwurfsvoll &#8211; gefragt, was sie nun in Zukunft lesen sollen&#8230; Nun ja, diese Frage kann ich nat\u00fcrlich nicht beantworten, doch es freut mich ungemein mitzuerleben, dass meine Reise derart viele Anh\u00e4nger gefunden hat. Meine Empfehlung: einfach wieder von vorne beginnen&#8230; Das Eine oder Andere hat man sicher schon wieder vergessen.<br \/>\nEs lohnt sich aber auch noch in ein paar Tagen wieder einen Blick auf den Blog zu werfen. Die Statistik der gesamten Reise ist noch ausst\u00e4ndig&#8230;<\/p>\n<p>DANKE an ALLE, die mich auf meiner Reise begleitet haben, ob real, oder virtuell, ohne diese Unterst\u00fctzung w\u00e4re die Reise vermutlich ganz anders verlaufen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 311 &#8211; 07.Dezember Krems &#8211; Wien: 90km; 4:16h im Sattel; 3 &#8211; 4 Grad, Regen Home Sweet Home Sonderlich vielversprechend war der morgendliche Blick aus dem Fenster nicht unbedingt. Es empfing mich ein Grau in Grau mit dezentem Nieselregen. 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