{"id":485,"date":"2014-02-13T19:43:45","date_gmt":"2014-02-13T18:43:45","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=485"},"modified":"2014-02-15T20:43:15","modified_gmt":"2014-02-15T19:43:15","slug":"tag-1213-der-donau-den-rucken-gekehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=485","title":{"rendered":"Tag 12\/13: Der Donau den R\u00fccken gekehrt"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 12<\/h2>\n<p>Kladovo &#8211; Zajecar: 112km; 5:44h im Sattel; 4-8 Grad, bew\u00f6lkt<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Nachdem ich das Eiserne Tor hinter mir gelassen hatte war es Zeit, die Donau zu verlassen. Ich beschloss, mich weiter nach S\u00fcden zu bewegen und \u00fcber Sofia nach Istanbul zu radeln.<br \/>\nDer Donauradweg im Winter ist nur bedingt empfehlenswert. Man sieht deutlich, welches Potential in dieser Strecke steckt. Im Sommer wird das sicher auch zur G\u00e4nze ausgesch\u00f6pft. Jetzt zu dieser Zeit befindet sich aber alles wortw\u00f6rtlich im Winterschlaf. Viele Lokale sind geschlossen, Unterk\u00fcnfte sind teilweise schwer zu finden, Gleichgesinnte sucht man vergebens. Die im Sommer sicher traumhaften Uferwege m\u00fcssen aufgrund der Bodenbeschaffenheit gemieden werden&#8230;<br \/>\nDa der bulgarische Abschnitt der Donau bereits im Sommer als sehr ruhig beschrieben wird, beschloss ich f\u00fcr mich, wieder etwas Zivilisation zu suchen. Dazu ist es aber notwendig, wieder ein paar H\u00f6henmeter zu machen. Die Zeiten, des immerzu im Flachen dahinpedalieren sind jetzt vorbei. Schon die heutige Etappe wartete mit etwas mehr als 1000 H\u00f6henmetern auf. Qu\u00e4lend lange Anstiege belohnten aber mit atemberaubenden, teilweise kilometerlangen Abfahrten. Geschwindigkeiten jenseits der 50km\/h waren keine Seltenheit.<br \/>\nEs begleitet mich eine ganz in wei\u00df geh\u00fcllte Landschaft. Der Boden teils noch mit Schnee bedeckt, \u00fcber viele Kilometer Dunst in der Luft. Die Sonne gibt zwar ihr Bestes, kommt aber nicht gegen die Dunstschwaden an. Dementsprechend k\u00fchl bleibt auch der heutige Tag.<br \/>\nSeit ich Belgrad verlassen habe, wird die Landschaft wieder deutlich sauberer. Die gro\u00dfen Abfallberge am Stra\u00dfenrad kommen nur noch vereinzelt vor. Es finden sich auch kaum noch tote Tiere an der Stra\u00dfe. Mag auch daran liegen, dass die Dichte an &#8220;wilden&#8221; Hunden dramatisch abgenommen hat. Makaberes Detail am Rande&#8230; Jetzt weisen geh\u00e4uft in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Tafeln am Stra\u00dfenrand auf &#8211; vermutlich &#8211; Unfallopfer hin. Haupts\u00e4chlich junge M\u00e4nner. Teilweise aber auch drei bis vier Leute. W\u00e4re interessant, ob Serbien eine proportional hohe Zahl an Verkehrsopfern hat. Stellt sich die Frage, ob das mit den ausrangierten Autos, die aus Europa bezogen werden zu tun hat? Man wei\u00df es nicht. Ich bin auf alle F\u00e4lle froh, jetzt im R\u00fcckspiegel auch was erkennen zu k\u00f6nnen. Bisher gab es aber noch keine kritischen Situationen.<br \/>\nNachmittags war das Etappenziel erreicht. Direkt im Zentrum checkte ich in einem der zwei Hotels ein. Auf eine lange Suche wollte ich mich heute nicht einlassen. Die letzten Kilometer sp\u00fcrt man schon in den Beinen&#8230; Noch zwei Tagesetappen, dann gibts wieder einen Tag Pause!<br \/>\nAbends machte ich mir noch kurz ein Bild von Zajecar. Der Ort ist gar nicht mal so klein. Trotzdem so wie fast alle serbischen Ortschaften aufgebaut. Entlang einer durch den Ortskern verlaufenden Hauptstra\u00dfe sammelt sich alles an und bereits die ersten Querstra\u00dfen enden in dunklen Hinterh\u00f6fen. Man hat auf diese Weise aber auch schon nach kurzem praktisch alles gesehen.<br \/>\nDie Dichte an B\u00e4ckereien, Banken und Geldwechselstuben ist hier enorm. Nach einem 30-min\u00fctigen Rundgang lie\u00df sich kein richtiges Lokal finden. Einzig im Hotel gab es mehr Auswahl als Sandwiches und Pizza.<br \/>\nKrautsuppe mit undefinierbarer Fleischbeilage&#8230; von den Z\u00e4hnen her m\u00fcsste es irgendein Kleinnager gewesen sein. Egal, Fett war dran, also Energie&#8230;<\/p>\n<h2>Tag 13<\/h2>\n<p>Zajecar &#8211; Pirot: 108km; 5:47h im Sattel; 8-12 Grad Sonne \/ bew\u00f6lkt<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Heute Fr\u00fch etwas sp\u00e4t aus den Federn gekommen, obwohl &#8211; oder vielleicht weil &#8211; ich schon um sechs aufgewacht bin&#8230; Knapp 100km standen am Programm, daher eigentlich kein Grund zur Sorge. Ich hatte mich auf eine verkehrsreiche Etappe eingestellt, doch schon fr\u00fch wurde ich eines Besseren belehrt. Auf der streckenweise leeren M25 ging es Richtung S\u00fcden. Starker Gegenwind machte den Start in den Tag etwas m\u00fchsam. Warum kommt der Wind eigentlich zu 90 Prozent immer von vorne? Naja, kommt mir zumindest so vor.<br \/>\nSobald die erste H\u00fcgelkette erreicht war, nahm der Wind aber auch schon wieder ab. Bis zur Mittagspause in Knjazevac verlief die Strecke durch eine landschaftlich sehr reizvolle H\u00fcgellandschaft. Anschlie\u00dfend bog ich in ein kleines Seitental ein.<br \/>\nVon jetzt an kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Idylle pur&#8230; Gem\u00e4chlich schl\u00e4ngelt sich die kaum befahrene Stra\u00dfe, einem Flusslauf folgend immer tiefer ins Tal hinein. Idyllische Bauernd\u00f6rfer s\u00e4umen den Weg. In jedem Dorf werde ich freundlich gegr\u00fc\u00dft und als absolutes Highlight heute reicht mir ein von hinten kommender Autofahrer einen Erdbeersaft zur St\u00e4rkung. Der Zuckerschub kam dann auch gerade zur rechten Zeit. Je schm\u00e4ler der Flusslauf wurde, desto steiler wurde dahingehend die Stra\u00dfe. Die Spielregeln haben sich jetzt ge\u00e4ndert. Anders als an der Donau hei\u00dft es jetzt H\u00f6henmeter machen. Nicht jeder Anstieg wird auch mit denselben H\u00f6henmetern bergab belohnt&#8230;<br \/>\nDer Blick auf die Karte machte klar, dass Ich noch ins benachbarte Tal musste, um zur Transitstrecke nach Sofia zu gelangen. Am Gipfel angekommen entsch\u00e4digte mich eine atemberaubende Aussicht auf das zu meinen F\u00fc\u00dfen liegende Tal. In der Ferne leuchteten die schneebedeckten Berge, die sanften H\u00fcgelketten unter mir k\u00fcndigten eine ausgedehnte Abfahrt an. Nun der Flie\u00dfrichtung folgend ging es bergab&#8230;<br \/>\nSchon seit einigen Tagen fallen immer wieder teils verfallene H\u00fctten in einer Art Holz &#8211; Lehmbaumischung auf. In den Bauernd\u00f6rfern die ich heute passierte, war dieser Baustil noch viel st\u00e4rker verbreitet. Neben Wirtschaftsgeb\u00e4uden wurden auch Wohnh\u00e4user in diesem Stil errichtet. Das Prinzip ist aber immer dasselbe. Ein simples Holzgerippe &#8211; meist Fachwerk &#8211; bildet die Basis. Dann werden in Abh\u00e4ngigkeit von der sp\u00e4teren Nutzung die Zwischenr\u00e4ume gef\u00fcllt. Dies reicht von d\u00fcnnen, geflochtenen Zweigen \u00fcber dickere geschichtete \u00c4ste, akkurat zugeschnittene Holzlatten, oder auch Ziegelsteine. Abschlie\u00dfend wird die Konstruktion mit Lehm verputzt. Bei Wohnh\u00e4usern finden sich dann h\u00e4ufig noch Bruchst\u00fccke aus Ziegeln \/ Fliesen im Putz.<br \/>\nAuf diese Art werden aus 100% regionalen Baustoffen die erforderlichen Geb\u00e4ude errichtet.<br \/>\nSo sch\u00f6n die l\u00e4ndliche Idylle auch sein mag, sie t\u00e4uscht nicht \u00fcber die \u00dcberalterung dieser D\u00f6rfer hinweg. Kaum junge Leute sind unterwegs. Daf\u00fcr herrscht eigentlich in jedem Dorf ansteckende Ruhe.<br \/>\nAlte Frauen sitzen vor ihren H\u00e4usern und wickeln in der Fr\u00fchlingssonne Wolle ab. Eine Gruppe M\u00e4nner beugt sich konspirativ \u00fcber die ge\u00f6ffnete Motorhaube eines bis gerade eben noch fahrt\u00fcchtigen Golf II&#8230; Die Zeit scheint stehenzubleiben. Vergessen ist die Hektik des Alltags. In aller Seelenruhe begleiten zwei Bauern eine Kuh auf der Dorfstra\u00dfe und dann sieht man sie doch&#8230; die Dorfjugend. In der Bushaltestelle versammelt, mit den Smartphones besch\u00e4ftigt. Ein Nebeneinander das sicherlich nicht mehr lange so bestehen bleibt. Bei der erstbesten Gelegenheit wird ohne Zweifel f\u00fcr viele der Jungen der Schritt in den n\u00e4chtstgr\u00f6\u00dferen Ort folgen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich kommt ein eigenartiges Gef\u00fchl auf. Ich wei\u00df, dass ich am n\u00e4chsten Tag schon wieder in einem Ort bin, den viele der Alten noch gar nicht besucht haben. Und einen Tag danach schon wieder weiter, und am Tag darauf noch weiter weg&#8230;<\/p>\n<p>Seit ich mich von der Donau verabschiedet habe ist mir aufgefallen, dass die ortsans\u00e4ssige Bev\u00f6lkerung eigentlich nicht sehr mobil ist. An den Autokennzeichen l\u00e4sst sich gut ablesen, dass sich der Gro\u00dfteil eigentlich nur in einem Radius von max. 30km bewegt. Waren in Ungarn z.B. nich viele \u00f6ffentliche Busse unterwegs, sieht man in Serbien nur sehr selten jemanden an der Bushaltestelle warten. Daf\u00fcr gehen viele Leute zu Fu\u00df. Die vorbeifahrenden Autos sind meist auch voll besetzt.<\/p>\n<p>Morgen steht die letzte Etappe nach Sofia an. Die Uhr wird um eine Stunde vorgestellt. Bin gespannt, was sich sonst noch so alles \u00e4ndert. Die Serben scheinen nicht unbedingt die h\u00f6chste Meinung von den Bulgaren zu haben. Ob das nur klassische Nachbarschaftsvorurteile sind&#8230; das wird sich zeigen.<br \/>\nF\u00fcr heute habe ich mir auf alle F\u00e4lle nochmal ein Hotel geg\u00f6nnt. Auch wenn die Sonne unter Tags W\u00e4rme bringt, sinken Nachts die Temperaturen doch noch \u00f6fters unter Null.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 12 Kladovo &#8211; Zajecar: 112km; 5:44h im Sattel; 4-8 Grad, bew\u00f6lkt Hotel Nachdem ich das Eiserne Tor hinter mir gelassen hatte war es Zeit, die Donau zu verlassen. Ich beschloss, mich weiter nach S\u00fcden zu bewegen und \u00fcber Sofia nach Istanbul zu radeln. Der Donauradweg im Winter ist nur bedingt empfehlenswert. 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