{"id":538,"date":"2014-02-15T20:37:23","date_gmt":"2014-02-15T19:37:23","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=538"},"modified":"2014-02-15T20:39:44","modified_gmt":"2014-02-15T19:39:44","slug":"tag-1415-willkommen-in-bulgarien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=538","title":{"rendered":"Tag 14\/15: Willkommen in Bulgarien"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 14<\/h2>\n<p>Pirot -Sofia: 87km; 4:07h im Sattel; 8-10 Grad, Sonne<br \/>\nHostel<\/p>\n<p>Ich bin immer wieder erstaunt, wie g\u00fcnstig man ich Serbien fr\u00fchst\u00fccken kann. Die Restaurantpreise \u00e4hneln teilweise unserem Preisniveau, aber in der Fr\u00fch ist das Preis &#8211; Leistungsverh\u00e4ltnis unschlagbar. F\u00fcr ca. 1,50 EUR gibts einen Burek, Jogurt und eine Mehlspeise. Mit dieser Energiebombe l\u00e4sst es sich dann problemlos bis weit \u00fcber Mittag radeln.<br \/>\nDichter Nebel senkte heute die gef\u00fchlte Temperatur weit unter den Wert auf dem Thermometer. Gottseidank lichtete sich der Nebel nach etwa 10km und die Sonne kam wieder durch.<br \/>\nDie Grenze war nur etwa 25km von Pirot entfernt. \u00dcberraschend wenig Verkehr lie\u00df vergessen, dass ich mich gerade auf der Haupttransitroute von der T\u00fcrkei nach Zentraleuropa befinde.<br \/>\nKurzes ungl\u00e4ubiges Kopfsch\u00fctteln der Grenzer und schon war ich wieder in der EU. Mit dem Grenz\u00fcbertritt habe ich aber auch eine Stunde verloren&#8230; Die Uhr wird nach Vorne gedreht. Eine Woche Serbien von Nord nach S\u00fcd liegt hinter mir, eine Woche Bulgarien liegt vor mir.<br \/>\nMein n\u00e4chster Meilenstein hat auch schon Platz gefunden auf den Hinweistafeln f\u00fcr den Fernverkehr. Istanbul ist in greifbare N\u00e4he ger\u00fcckt. Von Sofia aus werde ich noch etwa eine Woche unterwegs sein, bevor ich den asiatischen Kontinent betreten werde.<br \/>\nWie von einer Transitstrecke zu erwarten, war der Stra\u00dfenrand wieder \u00fcber und \u00fcber mit Abfall ges\u00e4umt. Einziger Ausweg&#8230; den Blick in die Ferne richten. Dort spitzt bereits das Witoscha Gebirge (2290m) aus einer Dunstwolke. Eingezuckert mit einer wei\u00dfen Haube ragt der Berg von weitem sichtbar aus der Ebene.<br \/>\nNachdem f\u00fcr heute ja nur eine kurze Etappe geplant war, beschloss ich, ohne gr\u00f6\u00dfere Pause direkt bis Sofia durchzufahren.<br \/>\nDie Stadteinfahrt dauerte eine gef\u00fchlte Ewigkeit. Der Verkehr nahm mit jedem Meter zu. Die wenigen Pferdefuhrwerke am Stadtrand waren aber auch schon bald wieder aus dem Stadtbild verschwunden. Neben den 15-st\u00f6ckigen Hochh\u00e4usern aus der kommunistischen \u00c4ra gruppieren sich unz\u00e4hlige schwer definierbare Behausungen. Teilweise Bretterverschl\u00e4ge, teilweise ruin\u00f6se Einfamilienh\u00e4user&#8230; viele Verbindungswege nur als Sandstra\u00dfe.<br \/>\nIn einem unspektakul\u00e4ren Hostel mitten im Stadtzentrum quartierte ich mich f\u00fcr zwei N\u00e4chte ein. Das Rad kam mit ins Zimmer. Schon beim Abladen meiner Taschen hatte mich ein vorbeikommender Radfahrer davor gewarnt, das Rad in der Stadt stehen zu lassen&#8230; Naja, jetzt steht es mal f\u00fcr zwei Tage im Zimmer. Eine Waschgelegenheit w\u00e4re mal gut. Vielleicht steuere ich einfach mal eine Autowaschanlage an und mache dort ein bisschen Fahrradkosmetik.<br \/>\nIch genoss die verbliebenen Stunden bei Tageslicht. Besonders beeindruckend war der nationale Kulturpalast. Ein Kongress und Konzertgeb\u00e4ude aus den fr\u00fchen 80er Jahren. Die Vorplatzgestaltung lockt die Skate-Jugend an. Rampen, viele Treppen und glatte Oberfl\u00e4chen bilden eine perfekte Grundlage f\u00fcr einen improvisierten Skatepark.<br \/>\nAuf der Suche nach der Dachterrasse des Kulturpalasts konnte ich auch einen Blick ins Innere des Geb\u00e4udes werfen. Die Nachmittagssonne stand bereits sehr tief und tauchte jede Ebene in ein ganz spezielles Licht.<br \/>\nHeute war ja Valentinstag, der offensichtlich hier in der Stadt gro\u00df gefeiert wird. P\u00e4rchen \u00fcber P\u00e4rchen&#8230; Kaum eine Frau ohne Blumen in der Hand. Bei vielen lag der Verdacht aber nahe, dass sie bis auf heute nie Blumen geschenkt bekommen. So unbeholfen standen viele Burschen in der Gegend und warteten auf ihre Freundinnen mit einem viel zu gro\u00dfen Blumenstrau\u00df in der Hand.<br \/>\nBei der abendlichen Stadtf\u00fchrung durch Sofia erfuhr ich, dass es in Bulgarien kaum Singles gibt. Zufrieden mit ihrer Beziehung sind dagegen aber nur sehr wenige. Da lobe ich mir doch das erf\u00fcllte Single-Leben.<br \/>\nNach Tagen intensiven Fleischkonsums freute ich mich heute \u00fcber einen &#8220;italienischen Abend&#8221; mit Pasta, Wein und Tiramisu. Es muss ja nicht jeden Tag Fleisch geben&#8230;<br \/>\nMorgen muss ich mich entscheiden, in welche Richtung ich weiterfahren will. Zur Auswahl steht die gro\u00dfe Transitachse nach Istanbul, die durch den Ort Plovdiv f\u00fchrt, oder eine Variante weiter n\u00f6rdlich am Nationalpark Zentralbalkan entlang. Plovdiv soll mit einem sehr sch\u00f6nen Altstadtkern locken, aber meine Pr\u00e4ferenz liegt aktuell bei der Variante entlang der Berge. Ich muss nur noch eruieren, wie das H\u00f6henprofil dieser Strecke aussieht.<\/p>\n<h2>Tag 15<\/h2>\n<p>Ruhetag Sofia; Zwischenstand 1280km<br \/>\nHostel<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den bisher besuchten Orten in Serbien erwacht Sofia nur sehr langsam. Wenige Cafes haben schon vor neun schon ge\u00f6ffnet. War die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone gestern mit Massen bev\u00f6lkert, trifft man am Morgen nur vereinzelt Passanten.<br \/>\nNach einem gem\u00fctlichen Fr\u00fchst\u00fcck gehts auf Erkundungstour in die Stadt. Die Sonne scheint, die Sicht ist gut, vom gestrigen Dunst ist nichts mehr zu sehen&#8230; Ein ganzer Tag Stadtbesichtigung steht zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nDie meisten Hard-facts habe ich bei der gestrigen Stadtf\u00fchrung bereits erfahren. Jetzt hei\u00dft es, sich treiben lassen.<br \/>\nBeeindruckend der Innenraum der Alexander Nevski Kirche. In den orthodoxen Kirchen gibt es ja keine Sitzb\u00e4nke, daher kann man sich frei im gesamten Kirchenraum bewegen. Die Lichtstimmung ist faszinierend. Kaum zu glauben, dass die Kirche erst in den 1920er Jahren fertiggestellt wurde (Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit der Planung begonnen). Die orthodoxe Kirche in Belgrad wurde etwas sp\u00e4ter gebaut, ist aber nur au\u00dfen fertig gestellt worden. Der nackte Stahlbeton im Inneren kann nat\u00fcrlich bei weitem nicht mit der Kirche in Sofia mithalten.<br \/>\nSofia erinnert mich in vielen Situationen immer wieder an Ostberlin. Die aufgebrochenen Gehwege, viele B\u00e4ume im Stra\u00dfenraum, die leicht maroden Fassaden mit ihren massiven Balkonen, Kopfsteinpflaster in den Stra\u00dfen&#8230; einzig das kreative Publikum fehlt noch. Der Kommunismus pr\u00e4gt nat\u00fcrlich auch architektonisch das Stadtbild. Mag sein, dass ich auch daher gro\u00dfe \u00c4hnlichkeiten feststelle.<br \/>\nAufgrund des guten Wetters &#8211; und vermutlich weil Wochenende ist &#8211; tummeln sich unglaublich viele Leute in den zahlreichen Parks und auf den \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen.<br \/>\nEine gef\u00fchlte Ewigkeit sitze ich auf dem Platz vor dem Kulturpalast und beobachte die Leute. Es schein wieder Normalit\u00e4t eingekehrt zu sein. Die Gef\u00fchlsverwirrungen des gestrigen Valentinstag sind vergessen. Burschen und M\u00e4del sind wieder getrennt in Gruppen unterwegs. So wie es den Anschein macht, ist auch jeder wieder ganz zufrieden.<br \/>\nSofia eignet sich hervorragend dazu, planlos durch die Stadt zu schlendern. Die gr\u00f6\u00dften Sehensw\u00fcrdigkeiten sind in knapp 2 Stunden besichtigt, den Rest des Tages kann man sich einfach treiben lassen. F\u00fcr mich eine ganz neue Erfahrung, eine Stadt mal auf diese Weise kennenlernen zu k\u00f6nnen. Bei den bisherigen St\u00e4dteurlaube hatte ich mir viel zu selten Zeit zum Innehalten genommen. Mir f\u00e4llt auf, dass sich bei mir eine leichte Priorit\u00e4tenverschiebung einstellt. Bisher hatte ich immer versucht, so viel als m\u00f6glich zu besichtigen, doch um ehrlich zu sein&#8230; es steht noch so viel Neues bevor, daher konzentriere ich mich mehr darauf, den Moment zu genie\u00dfen. Und heute galt es, die Fr\u00fchlingssonne zu nutzen.<br \/>\nIch bin schon sehr gespannt auf das bulgarische Hinterland. Die Hauptstadt ist bereits sehr westlich orientiert. Auf mich wirkt es so, als ob ein gro\u00dfer Teil der Urspr\u00fcnglichkeit bereits verloren gegangen ist.<br \/>\nIch habe mich entschlossen, f\u00fcr die weitere Tour einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen und werde entlang des Nationalparks Zentralbalkan radeln. Es werden mich zwar sicherlich bei Weitem mehr H\u00f6henmeter erwarten, aber auf der Karte schein es so, als ob die Landschaft daf\u00fcr auch weit abwechslungsreicher sein wird.<br \/>\nMorgen gehts wieder los!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 14 Pirot -Sofia: 87km; 4:07h im Sattel; 8-10 Grad, Sonne Hostel Ich bin immer wieder erstaunt, wie g\u00fcnstig man ich Serbien fr\u00fchst\u00fccken kann. Die Restaurantpreise \u00e4hneln teilweise unserem Preisniveau, aber in der Fr\u00fch ist das Preis &#8211; Leistungsverh\u00e4ltnis unschlagbar. F\u00fcr ca. 1,50 EUR gibts einen Burek, Jogurt und eine Mehlspeise. 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