{"id":577,"date":"2014-02-20T22:45:48","date_gmt":"2014-02-20T21:45:48","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=577"},"modified":"2014-02-20T22:45:48","modified_gmt":"2014-02-20T21:45:48","slug":"tag-1920-ein-wilder-ritt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=577","title":{"rendered":"Tag 19\/20: Ein wilder Ritt"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 19<\/h2>\n<p>Edirne &#8211; Corlu: 127km; 5:48h im Sattel; 14-20 Grad, bew\u00f6lkt \/ Sonne<br \/>\nPension<\/p>\n<p>Morgens lag Edirne noch in einen dichten Nebelmantel geh\u00fcllt. So konnte ich das Panorama vom Fr\u00fchst\u00fccksraum nicht wirklich genie\u00dfen. Immerhin hatte ich gestern noch einen Rundgang durch die Stadt unternommen.<br \/>\nKurz nach Neun ging es dann wieder los. Problemlos fand ich den Weg raus aus der Stadt auf die D_100. Ohne eine einzige Abzweigung sollte mich die Stra\u00dfe bis nach Corlu f\u00fchren.<br \/>\nSchon kurz nach dem Stadtende wurde klar, dass es keine besonders spannende Etappe werden w\u00fcrde. Schon von Beginn an herrschte reger Verkehr, daf\u00fcr gab es aber einen sehr breiten Seitenstreifen, der das Radeln den Umst\u00e4nden entsprechend angenehm gestaltete. Prim\u00e4r Industrie- und Gewerbebauten pr\u00e4gten die Landschaft. Erst nach gut 50km f\u00fchrte mich die Stra\u00dfe durch einen etwas gr\u00f6\u00dferen Ort. Der Energieverbrauch der letzten Tage zeigte langsam seine Wirkung. Erst nachdem ich mir zum D\u00f6ner noch einen Adana Sandwich bestellt hatte, war ich wieder soweit hergestellt, dass ich die restlichen 75km in Angriff nehmen konnte.<br \/>\nDer Muezzin stimmte gerade zum Gebet an, als ich den Marktplatz \u00fcberquerte. Da war es wieder&#8230; das Gef\u00fchl, mich dem Orient zu n\u00e4hern.<br \/>\nW\u00e4hrend der Mittagspause hatte ich begonnen, die wichtigsten t\u00fcrkischen Vokabeln aufzuschreiben, damit ich w\u00e4hrend der Fahrt ein wenig \u00fcben konnte. So entkam ich stellenweise auch der Monotonie der Strecke.<br \/>\nLeider war die heutige Etappe sehr h\u00fcgelig. W\u00fcrde man nicht erwarten, wenn Start- und Zielort nahezu auf derselben Meeresh\u00f6he liegen und die Stra\u00dfe auf der Karte wie mit dem Lineal gezogen aussieht. Aber schlussendlich reihte sich Anstieg an Anstieg. Immer nur ein paar hundert Meter, aber immer um 5-6 Prozent. In Summe kamen \u00fcber 1200 H\u00f6henmeter zusammen.<br \/>\nNach knapp einer Stunde Fahrt gesellte sich ein t\u00fcrkischer Radler zu mir und wir versuchten uns ein wenig auszutauschen. Bei einem Glas Chai im n\u00e4chsten Ort zeigte ich ihm kurz meine bisherige Route auf der Karte und versuchte zu erkl\u00e4ren, was noch bevorsteht. Nach einem kurzen Erinnerungsfoto verschwand er dann auch wieder in der n\u00e4chsten Seitengasse.<br \/>\nMeine Wasserreserven waren bei der letzten Rast, knapp 20km vor Corlu nahezu aufgebraucht. Bis auf ein paar Kekse und einer Banane gab die Packtasche auch nicht mehr viel her. Da blieb, wie bestellt ein Bauer mit seinem Traktor neben mir stehen und reichte mir einen noch warmen B\u00f6rek. Ich wei\u00df nicht, wer sich mehr freute&#8230; er oder ich, auf alle F\u00e4lle genau das Richtige knapp vor dem Ziel.<br \/>\nDie letzten Kilometer waren dann noch ziemlich harte Arbeit. Die Temperatur fiel pl\u00f6tzlich von 20 auf 12 Grad und es zog wieder dichter Nebel auf. Als ich in Corlu ankam waren die H\u00e4user auf der anderen Stra\u00dfenseite teilweise nur noch schemenhaft zu erkennen.<br \/>\nEigentlich hatte ich mir gestern ein Hotel in der Stadt ausgesucht. Auf dem Weg dorthin kam ich aber kurz mit einem Radler ins Gespr\u00e4ch und siehe da&#8230; er betreibt eine Pension direkt neben dem von mir gew\u00e4hlten Hotel. Das Zimmer bei ihm kostete dann auch nur ein Drittel und somit war klar, wo ich die heutige Nacht verbringen werde.<br \/>\nLiebend gerne h\u00e4tte ich heute etwas leichte Kost &#8211; Nudeln etc. zu mir genommen, das \u00f6rtliche Angebot beinhaltete aber nur Pide, D\u00f6ner, D\u00fcrim, K\u00f6fte und sonstige fleischhaltige Gerichte. Immerhin gab es einen Salat zus\u00e4tzlich zum Fleischmen\u00fc&#8230;<br \/>\nNun trennen mich nur noch 100 Kilometer von Istanbul. Der Gedanke, die Stadt in einem Tag erreichen zu k\u00f6nnen hat mich heute fast die ganze Strecke \u00fcber vorangetrieben. F\u00fcr mich ist der erste Meilenstein gesetzt, wenn ich in Istanbul am Meer stehe.<br \/>\nDie bevorstehende Stadteinfahrt wird aber noch ein Kapitel f\u00fcr sich werden. Viele Radreisende berichten davon, dass der Verkehr schier unertr\u00e4glich sein soll. Ich bin gespannt und lasse mich \u00fcberraschen.<\/p>\n<h2>Tag 20<\/h2>\n<p>Corlu &#8211; Istanbul: 113km; 4:51h im Sattel; 15-20 Grad, Sonne<br \/>\nHostel<\/p>\n<p>Vom gestrigen Nebel zeugten heute Fr\u00fch nur noch die nassen Stra\u00dfen. Gut erholt konnte ich mich zum letzten Mal aufs Rad schwingen. In einem kleinen Laden g\u00f6nnte ich mir noch einen B\u00f6rek samt Tee und war so bestens ger\u00fcstet f\u00fcr die letzten 100 Kilometer. Die Strecke war anfangs bei Weitem nicht so h\u00fcgelig wie gestern. Die Kilometer schmolzen z\u00fcgig dahin. Landschaftlich war anfangs nicht viel zu sehen, doch dann blitzte pl\u00f6tzlich das Meer am Horizont auf. Ein tolles Gef\u00fchl nach knapp drei Wochen im Sattel endlich das Meer zu erblicken. Um die freidige Stimmung noch zu komplettieren, n\u00e4herte sich langsam ein PKW von hinten und aus dem Beifahrerfenster wurde mir einen Sesamring gereicht. Was will man mehr?<br \/>\nBei der Erstbesten Gelegenheit bog ich dann von der viel befahrenen D 100 ab und g\u00f6nnte mir einen Toast an der Promenade. Die M\u00f6wen kreisten \u00fcber dem Wasser, der Geruch von Meer lag in der Luft. Noch einmal tief durchatmen bevor der wilde Ritt in Richtung Istanbul beginnt.<br \/>\nDer Verkehr nahm mit jedem Kilometer zu. Eine Blechlawine w\u00e4lzte sich in Richtung Istanbul &#8211; und ich mitten drin. Das Streckenprofil wurde leider wieder ziemlich h\u00fcgelig. Die Anstiege hatten es teilweise ziemlich in sich. 10% war heute das Maximum (in Summe waren es wieder 1100 H\u00f6henmeter). Konditionell stand ich aber offensichtlich noch gut im Saft. H\u00fcgel um H\u00fcgel lie\u00df ich hinter mir, getrieben vom lange erwarteten Etappenziel.<br \/>\nEtwa 20km vor Istanbul hatte die D 100 dann autobahn\u00e4hnliche Ausma\u00dfe angenommen. Der Seitenstreifen verschwand streckenweise und lie\u00df daf\u00fcr eine neue Fahrspur entstehen.<br \/>\nViel Schlechtes hatte ich von der Stadteinfahrt nach Istanbul gelesen, nun war es so weit. Der Puls stieg merklich an, ich f\u00fchlte mich wie in einem Strudel&#8230; aber irgendwie f\u00fchlte sich das auch ganz gut an. Die Kette ziemlich oft auf dem gro\u00dfen Blatt ging es mit Spitzengeschwindigkeiten von 70km\/h die H\u00fcgel bergab. PKW, LKW, Busse von links, von rechts&#8230; viel Zeit zum Schauen blieb nicht. Ich war froh \u00fcber meinen R\u00fcckspiegel. Vor allem bei den Anstiegen war es immer wieder eine Herausforderung, die Spur rechtzeitig zu wechseln, um dem abbiegenden Verkehr Platz machen zu k\u00f6nnen. Aber ohne auch nur einen einzige brenzlige Situation erlebt zu haben bog ich dann schlussendlich in Richtung Altstadt ab.<br \/>\nKurz durchgeatmet und weiter ging der wilde Ritt. Mein Hotel lag in der N\u00e4he des Galata Turm, ich musste also noch einmal \u00fcber das Meer und dann war es geschafft. Zum Schluss k\u00e4mpfte ich mich noch die engen Gassen hoch und erreichte am fr\u00fchen Nachmittag meine Unterkunft.<br \/>\nWahnsinn&#8230; nach 20 Tagen schlussendlich in Istanbul zu sein.<br \/>\nF\u00fcr die n\u00e4chste Etappe nach Tiflis werde ich von Martin Wille begleitet. Er hatte mich kurz vor meiner Abfahrt schon angeschrieben, ob er mich ein St\u00fcck begleiten k\u00f6nne. Nun hat sich alles zum Besten gewendet und er hat den Flug schon gebucht. Wir haben vor, Tiflis in der dritten M\u00e4rzwoche zu erreichen.<br \/>\nJetzt aber erst mal ausspannen&#8230; Europa werde ich n\u00e4chste Woche hinter mir lassen. Ein paar Tage Pause sind da eine gute Gelegenheit die letzten Wochen Revue passieren zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 19 Edirne &#8211; Corlu: 127km; 5:48h im Sattel; 14-20 Grad, bew\u00f6lkt \/ Sonne Pension Morgens lag Edirne noch in einen dichten Nebelmantel geh\u00fcllt. So konnte ich das Panorama vom Fr\u00fchst\u00fccksraum nicht wirklich genie\u00dfen. Immerhin hatte ich gestern noch einen Rundgang durch die Stadt unternommen. Kurz nach Neun ging es dann wieder los. 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