{"id":587,"date":"2014-02-24T08:35:36","date_gmt":"2014-02-24T07:35:36","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=587"},"modified":"2014-02-26T21:38:40","modified_gmt":"2014-02-26T20:38:40","slug":"tag-21-24-auftanken-in-istanbul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=587","title":{"rendered":"Tag 21-23: Auftanken in Istanbul"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 21-23<\/h2>\n<p>Istanbul, 3 Ruhetage&#8230;Zwischenstand: 1894km<br \/>\n10-16 Grad, bew\u00f6lkt<br \/>\nHostel<\/p>\n<p>So, nun ist das erste Etappenziel endlich erreicht. Schlussendlich ging alles weit schneller als gedacht. Die Freude ist gro\u00df, den ersten Schritt gemacht zu haben. Bisher hat alles sehr gut funktioniert. Es w\u00e4re traumhaft, wenn die Reise so weitergeht.<br \/>\nBei meinen ersten Unterhaltungen in Istanbul zeigte sich, dass die kommenden Etappen sehr anspruchsvoll werden. Viele H\u00f6henmeter liegen vor mir, bis der n\u00e4chste Meilenstein (Tiflis) erreicht ist. Ich bin aber sehr guter Dinge. So langsam scheint man sich k\u00f6rperlich auf die Beanspruchung eingestellt zu haben. Der Rhythmus ist schon ann\u00e4hernd da&#8230;<br \/>\nMein Hostel liegt ein paar Meter hinter dem Galata Turm. Wie sich herausstellen sollte, genau die richtige Lage. Ich hatte ein paar Adressen von Leuten in der Stadt, die ich gerne treffen wollte. Wie es der Zufall will, wohnen alle im Umkreis von 500m.<br \/>\nGleich am ersten Abend wurde ich von Herbert und Eliane zum Abendessen eingeladen. Bei k\u00f6stlichen t\u00fcrkischen Ravioli bekam ich einen ersten Einblick, in das Alltagsleben von Istanbul. (vielen Dank an Herbert und Eliane f\u00fcr den herzlichen Empfang!)<br \/>\n\u00c4hnlich wie Sofia scheint Istanbul am Morgen noch sehr verschlafen zu sein. Ach im Hostel ticken die Uhren anders. Fr\u00fchst\u00fcck erst ab 9 Uhr&#8230; Es ist daf\u00fcr sehr angenehm, durch die schl\u00e4frige Stadt zu schlendern. Ich war erstaunt, wie h\u00fcgelig Istanbul ist. Die verwinkelten Gassen machen eine Orientierung anfangs etwas schwer, doch nach ein paar Stunden klappt das dann auch ganz gut. Ich schlendere \u00fcber den, noch fast menschenleeren Taxim Platz und tauche ein in ein dichtes Gassengewirr, das mich wieder In Richtung Bosporus bringt. Zum Mittagessen treffe ich Selva G\u00fcrdogan und ihren Mann, die beide das Architekturb\u00fcro Superpool f\u00fchren. Leider hatte ich ihren Vortrag letzten Herbst in Wien verpasst, aber wer Interesse hat, im Sommer wird Superpool in Wien im MAK einen Teil ihrer Arbeiten pr\u00e4sentieren.<br \/>\nEin befreiendes Gef\u00fchl ist es, eine Gro\u00dfstadt einmal ohne Stadtf\u00fchrer zu erkunden. Man kann sich v\u00f6llig ungezwungen treiben lassen und wird immer wieder positiv \u00fcberrascht. Ich hatte mir Istanbul hektischer vorgestellt. Obwohl ich mich in den letzten Wochen prim\u00e4r in l\u00e4ndlichen Gebieten aufgehalten habe, f\u00e4llt der Wechsel in das gro\u00dfst\u00e4dtische Treiben sehr leicht. Das Rad steht sicher verwahrt in der K\u00fcche des Hostels. Anfangs hatte ich nur f\u00fcr eine Nacht gebucht, doch nachdem Martin Wille nun auch in Istanbul angekommen ist, hatten wir beschlossen, die weiteren Tage im Selben Hostel zu verbringen. Daher musste ich leider auch das sehr gro\u00dfz\u00fcgige Angebot von Serkan ausschlagen, in seinem Tanzstudio die kommenden Tage zu verbringen.<br \/>\nIstanbul ohne Sightseeing ist nat\u00fcrlich schwer vorstellbar. Auch ohne konkreten Plan wird man an den gr\u00f6\u00dften Sehensw\u00fcrdigkeiten vorbeigesp\u00fclt. Ich merke aber immer wieder, dass ich mich in den gro\u00dfen Touristenmassen nicht sehr wohl f\u00fchle und fl\u00fcchte aufs Boot, um mir Istanbul vom Wasser aus anzusehen. Nachdem die Temperaturen deutlich in den Keller gesunken sind, war klar, dass am Abend ein Hamam besucht werden musste. Serkan hatte mir ein sehr urspr\u00fcngliches Hamam in der N\u00e4he empfohlen. Ein Tip, der Gold wert war. Luxus war hier zwar keiner zu suchen, doch daf\u00fcr erhielt man einen Einblick in ein authentisches Hamam, das zu 98% von Leuten aus der Gegend besucht wird. Die W\u00e4nde waren teilweise schon gr\u00fcn, der Geruch in der Luft etwas abgestanden, doch die Massage war traumhaft und der Service sehr zuvorkommend. Nachdem mir Eryt einen Gro\u00dfteil meiner Haut abgeschrubbt hatte, ging\u00b4s in die Sauna, danach Massage auf dem hei\u00dfen Stein. Genau die richtige Behandlung nach den ersten Wochen auf dem Rad.<br \/>\nBeim abschlie\u00dfenden Ausschwitzen konnte ich noch einmal die letzten Wochen Revue passieren lassen.<br \/>\nV\u00f6llig entspannt startete ich nach dem Hamam in den n\u00e4chsten Tag. Martin Wille checkte im Hostel ein und wir erkundeten die Stadt von nun an gemeinsam. Selva hatte mir den Kontakt zu Tan vermittelt, einem Fotografen und passionierten Radfahrer. Er hatte mich eingeladen, am Abend bei Critical Mass Istanbul teilzunehmen. Diese Gelegenheit lie\u00dfen wir uns nat\u00fcrlich nicht entgehen. Dazu mussten wir aber erst mal mit der F\u00e4hre \u00fcbersetzen. Die Fahrradszene in Istanbul beschr\u00e4nkt sich aktuell doch noch mehr auf die asiatische Seite.<br \/>\nEtwa 50-60 Leute fanden sich ein. Martin und ich erregten gleich zu Beginn Aufmerksamkeit mit unseren R\u00e4dern. Schnell wurde Kontakt gekn\u00fcpft und viel geplaudert. Fahrradklingeln untermauerten die Protestrufe nach mehr Akzeptanz f\u00fcr Radfahrer. &#8220;Araba dan in, Biciklete bin!&#8221; soviel wie: raus aus dem Auto, rauf auf\u00b4s Rad, oder &#8220;K\u00f6pr\u00fc degil bisiklet yolu&#8221; (keine Br\u00fccke, sondern Radwege) waren die Schlachtrufe auf der ca. 90 min\u00fctigen Rundfahrt. Die Reaktionen der Passanten waren durchgehend positiv. Die Verkehrsbelastung scheint den Leuten vor Ort auch ein Dorn im Auge zu sein. Und die Vorstellung einer dritten Bosporusbr\u00fccke st\u00f6\u00dft bei vielen nicht unbedingt auf Verst\u00e4ndnis.<br \/>\nDanke an Okay, Edibe, Jean Michel und Sedur f\u00fcr den netten Abend am Fu\u00dfe der Bosporusbr\u00fccke! Es war uns eine Freude, mit euch gemeinsam durch das n\u00e4chtliche Istanbul zu radeln.<br \/>\nTan konnte leider nicht bei Critical Mass mitfahren, weil er noch mit Dokumentarfilmarbeiten besch\u00e4ftigt war. Daf\u00fcr traf ich ihn einen Tag sp\u00e4ter auf ein Feierabend-bier. Seine Geschichten fesselten uns. Er schilderte, wie die Proteste um den Gezi Park starteten, wie seine Fotografenfreunde ihn Anfangs bel\u00e4chelten, dass er eine Fotoserie vom Park machte und wie er pl\u00f6tzlich mit einer Polizeimacht konfrontiert wurde, die ohne R\u00fccksicht gegen die eigenen Leute vorging, wie tausende Menschen protestierten, seine Frau angeschossen wurde und er nach mehreren Tagen tr\u00e4nen\u00fcberstr\u00f6mt in Mitten der Menge sein Fahrrad und das Zelt wiederfand.<br \/>\nSeine Geschichten \u00fcber wahnwitzige Projekte der t\u00fcrkischen Regierung brachten uns alle zum Lachen, obwohl es eigentlich keinen Grund zu Lachen gibt. Entgegen den Rat vieler Experten soll ein Kanal parallel zum Bosporus gegraben werden und dadurch eine zweite Meerverbindung geschaffen werden. Hier k\u00f6nnten dann z.B. die Russen mit ihren Schiffen passieren, was ihnen beim Bosporus ja untersagt ist. Die \u00f6kologischen Konsequenzen werden v\u00f6llig ignoriert. Auch die dritte Bosporusbr\u00fccke ist ein \u00e4hnliches Thema, ebenso wie die nicht ausreichende Trinkwasserversorgung der Stadt. Medial wird \u00fcber vieles nicht berichtet, doch als Bewohner der Stadt sprechen sich derartige Pl\u00e4ne nat\u00fcrlich rasch herum.<br \/>\nTan ist in Istanbul gro\u00df geworden und hat den Wandel miterlebt, den die Stadt in den letzten Jahrzehnten durchlebt hat. Er stellt sich jetzt aber schon darauf ein, in ein paar Jahren die Stadt zu verlassen, und sein Gl\u00fcck auf dem Land zu suchen.<br \/>\nAuf die l\u00e4ndlichen Regionen der T\u00fcrkei bin ich jetzt auch gespannt. In etwas mehr als einer Woche m\u00f6chten wir am schwarzen Meer ankommen. Vorerst werden wir noch im Hinterland unterwegs sein. Es sieht so aus, als ob wir des \u00d6fteren mit Regen konfrontiert sein werden. Leider sind die Temperaturen immer noch nicht gestiegen.<br \/>\nZuviel will ich dar\u00fcber aber nicht nachdenken. Ich lasse mich \u00fcberraschen.<br \/>\nIstanbul hat sich mir in den letzten Tagen von vielen Seiten gezeigt. Obwohl ich nur einen kleinen Bruchteil des st\u00e4dtischen Raums gesehen habe, kann ich mir in etwa vorstellen, was es bedeutet hier zu leben. Ich stehe am Sprung auf den asiatischen Kontinent. F\u00fcr mich beginn im Kopf jetzt die eigentliche Reise. Europa lasse ich jetzt hinter mir.<br \/>\nAsien, ich komme!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 21-23 Istanbul, 3 Ruhetage&#8230;Zwischenstand: 1894km 10-16 Grad, bew\u00f6lkt Hostel So, nun ist das erste Etappenziel endlich erreicht. Schlussendlich ging alles weit schneller als gedacht. Die Freude ist gro\u00df, den ersten Schritt gemacht zu haben. Bisher hat alles sehr gut funktioniert. Es w\u00e4re traumhaft, wenn die Reise so weitergeht. 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