{"id":710,"date":"2014-03-04T21:14:22","date_gmt":"2014-03-04T20:14:22","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=710"},"modified":"2014-03-04T21:14:22","modified_gmt":"2014-03-04T20:14:22","slug":"tag-3132-polizisten-felsengraber-und-zu-viel-sake","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=710","title":{"rendered":"Tag 31\/32: Polizisten, Felsengr\u00e4ber und zu viel Sake"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 31 &#8211; 03.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>G\u00fcm\u00fcshakik\u00f6y &#8211; Amasya: 68km; 3:00h im Sattel; 15-21 Grad, diesig<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Trotz \u00fcberaus angenehmen Temperaturen konnte man die Landschaft heute nicht wirklich genie\u00dfen, da sie praktisch nicht zu sehen war. Die Sicht war sehr schlecht, eine Mischung aus Nebel und Dunst lie\u00df alles, was mehr als 500m entfernt war nur noch schemenhaft erkennen. Daf\u00fcr standen immer wieder Obstb\u00e4ume am Stra\u00dfenrand, die fantastisch dufteten. So konnte man auch dieser Wetterstimmung noch etwas abgewinnen. Unspektakul\u00e4r bahnte sich die D 100 ihren Weg in Richtung Osten.<br \/>\nNach knapp 20km auf dem Rad wurden wir von der Verkehrspolizei gestoppt. Nicht aber etwa zur Kontrolle, sondern &#8211; wie w\u00e4re es anders zu erwarten &#8211; um uns zum Tee einzuladen. Nat\u00fcrlich gr\u00f6\u00dftes Interesse, woher wir kommen und wohin die Reise geht. Martin hat schon aufgegeben, zu erkl\u00e4ren, dass er erst in Istanbul dazugesto\u00dfen ist und nur bis Tiflis f\u00e4hrt&#8230; Manchmal m\u00fcssen die Geschichten eben ein wenig vereinfacht werden. Die d\u00fcnnen Reifen an seinem Rennrad erregen aber immer wieder gro\u00dfe Aufmerksamkeit.<br \/>\nDer Arbeitsalltag der Verkehrspolizei scheint nicht sonderlich aufregend zu sein. Hie und da wurde ein Auto aufgehalten und die Fahrzeugdaten in ein Formular eingegeben. Mit vielen Fahrern wurde lange geplaudert, einige waren offensichtlich schon &#8220;Stammg\u00e4ste&#8221; und blieben freiwillig stehen, um auf einen Tee vorbeizukommen. Es herrschte eine sehr lockere Atmosph\u00e4re. Zwei Polizisten erledigten das Offizielle, der dritte im Bunde pflanzte in der Zwischenzeit in Uniform und frisch gelackten Schuhen einen Baum am Stra\u00dfenrand. Die gr\u00f6\u00dfte Sorge war wieder einmal dass uns auf den R\u00e4dern zu kalt sei. Einer der Polizisten pr\u00e4sentierte gleich einmal seine lange Unterhose, dank der er bei diesen Temperaturen (etwa 15 Grad) nicht frieren muss. Ich konnte ihn aber geruhigen. Wir haben ja momentan eher Probleme mit der \u00dcberhitzung&#8230;<br \/>\nDie drei winkten uns noch lange hinterher. Auch wenn die Einladung zum Tee noch so sch\u00f6n war, irgendwann ist es wieder Zeit aufzubrechen.<br \/>\nF\u00fcr heute war nur ein halber Fahrtag geplant. Kurz vor dem Etappenziel begann es leicht zu regnen. Kaum sp\u00fcrbar, daf\u00fcr aber sichtbar. Jeder Regentropfen hinterlie\u00df dunkelbraune R\u00e4nder. Brauner Regen&#8230; ob da Sand in der Luft ist? Man wei\u00df es nicht. Gottseidank blieb es bei einem kurzem Intermezzo und wir rollten noch trocken in Amasya ein.<br \/>\nAmasya ist im Sommer ein gro\u00dfer Touristenmagnet. Eine sch\u00f6ne Altstadt, Felsengr\u00e4ber, eine Burg und eine beeindruckende Umgebung locken tausende Touristen an. Die Dichte an Hotels legt davon Zeugnis ab. War gestern im Ort nur ein einziges Hotel zu finden, steht heute praktisch Haus an Haus eine Unterkunftsm\u00f6glichkeit.<br \/>\nNachdem die Felsengr\u00e4ber besichtigt waren, wollte Martin noch den Burgberg erklimmen, um die Reste der Festung zu besichtigen. Also noch ein bisschen Klettern&#8230; Zu unserem Bedauern war die Burg dann schon geschlossen, wir konnten aber an der Burgmauer entlangwandern und dann doch noch ins Innere gelangen. Der Blick auf die Stadt war beeindruckend, leider hatte sich der Dunst aber noch nicht verzogen. P\u00fcnktlich vor Einbruch der Dunkelheit waren wir wieder im Stadtzentrum angekommen.<br \/>\nSehr pittoresk reihen sich die alten Holzh\u00e4user am Fluss auf. Bei Einbruch der Dunkelheit werden s\u00e4mtliche Sehensw\u00fcrdigkeiten in ein Lichtermeer getaucht. Die Grenze zum Kitsch ist hier schon deutlich \u00fcberschritten worden. Trotzdem ein nettes Bild, das sich von der Uferpromenade aus bietet.<br \/>\nDen ganzen Tag hatte ich mich heute schon auf Entspannung gefreut. Es ging wieder einmal ins Hamam. Ein sehr einfaches, relativ altes Hamam fand sich in direkter Nachbarschaft zu unserem Hotel. Genau das Richtige nach den letzten Tagesetappen. Ein bisschen gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig war vielleicht, dass der Masseur einen dezenten Spuckreflex hatte und alle paar Minuten auf den Boden spuckte, aber was solls&#8230; wird ja eh alles wieder weggesp\u00fclt. Schrubben und Massage war trotzdem traumhaft.<br \/>\nNachdem in den n\u00e4chsten Tagen immer wieder mal Regen angesagt ist, haben wir uns dazu entschlossen, die Route abermals ein wenig zu \u00e4ndern. Wir werden nun bei Orlu ans Schwarze Meer fahren. Den gro\u00dfen Pass mit \u00fcber 2200m H\u00f6he streichen wir wegen m\u00f6glichen Schneefalls nun doch von der Liste.<\/p>\n<h2>Tag 32 &#8211; 04.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>Amasya &#8211; Niksar: 115km; 5:33h im Sattel; 11-19 Grad, Sonne \/ Regen<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Strahlender Sonnenschein erwartete uns am heutigen Morgen. So konnten wir uns noch ein ungetr\u00fcbtes Bild von Amasya machen. Bei Sonnenschein wirklich ein sehr pittoresker Ort. Verst\u00e4ndlich, dass er Ziel vieler Touristen ist. F\u00fcr uns gings aber wieder weiter. Der halbe Tag Pause gestern hatte die Energiereserven wieder aufgef\u00fcllt. Hochmotiviert ging es nun weiter. Traumhaft sch\u00f6n war es, bei Sonnenschein und wenig Verkehr durch das immer breiter werdende Flusstal zu pedalieren. Das H\u00f6henprofil war uns heute auch sehr wohlwollend gestimmt. Es ging haupts\u00e4chlich leicht bergab. Das hei\u00dft allerdings auch, dass es sp\u00e4ter wieder umso mehr bergauf geht&#8230;<br \/>\nAls ich etwa 20km vor Erbaa (unserem Mittagsziel) kurz stoppte, um die Wasserflasche aufzuf\u00fcllen, gesellte sich \u00d6mer mit seinem Rad zu uns. \u00d6mer (62) ist pensionierter Volksschullehrer, hat sich Englisch selbst beigebracht und passt immer wieder Radler auf der Strecke ab. Seiner Aussage nach zur k\u00f6rperlichen Ert\u00fcchtigung, meiner Einsch\u00e4tzung nach wohl aber auch um ein paar Stunden ausser Haus zu sein, f\u00e4hrt er regelm\u00e4\u00dfig von Erbaa nach Tasova hin und zur\u00fcck. Nachdem er uns zu sich zum Mittagessen eingeladen hatte, radelten wir gemeinsam in Richtung Erbaa. Nach wenigen Kilometern mussten wir aber schon wieder stoppen, weil \u00d6mers Rad Luft verlor. Er war aber daf\u00fcr perfekt ausgestattet. In seinem Plastikkorb am Gep\u00e4cktr\u00e4ger f\u00fchrte er eine komplette Werkstattausr\u00fcstung inklusive Ersatzschlauch mit sich. Offensichtlich muss er sich \u00f6fter derartigen Problemen stellen. Wir erreichten \u00d6mers Haus gerade rechtzeitig, da es gerade heftig zu regnen begann.<br \/>\nNach einem ausgiebigen Mittagessen verbrachten wir noch etwas Zeit in der benachbarten Apotheke, die von \u00d6mers Schwager gef\u00fchrt wird. Die Apotheke dient als Treffpunkt f\u00fcr die Nachbarschaft. Es wird Tee getrunken und viel geplaudert.<br \/>\n\u00d6mer lie\u00df es sich nicht nehmen, uns noch ein paar Kilometer zu begleiten. Hierzu hatte er zuvor noch f\u00fcr jeden von uns 1\/2 Liter selbstgemachten Sake abgef\u00fcllt. Unterwegs prosteten wir uns zu und leerten gen\u00fcsslich \u00d6mers &#8220;Energiedrink&#8221;. Kurz nachdem alle drei Flaschen geleert waren, musste \u00d6mer erneut stoppen, da sein Ersatzschlauch ebenfalls ein Loch hatte. Nach einer sehr herzlichen Verabschiedung ging es f\u00fcr uns dann wieder weiter. Der Sake machte etwas schwere Beine, motivierte aber zu H\u00f6chstleistungen. Schon erstaunlich, wie so ein bisschen Alkohol die Fahrmotivation ver\u00e4ndert.<br \/>\nDer Regen hatte nachgelassen und die Sonne brach wieder durch die Wolkendecke. Wir versuchten noch vor D\u00e4mmerung Niksar zu erreichen. Die tiefstehende Sonne tauchte das Tal und die angrenzende Bergkette in ein faszinierendes Licht. F\u00fcr mich hie\u00df es jetzt, die D 100 zu verlassen. Seit ich in die T\u00fcrkei eingereist bin war ich jetzt auf dieser Stra\u00dfe unterwegs. Ziemlich genau 1000km auf ein und derselben Stra\u00dfe&#8230; Ab jetzt gehts aber in Richtung Norden. Eine Gebirgskette muss noch \u00fcberwunden werden, dann sind wir am Meer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 31 &#8211; 03.M\u00e4rz G\u00fcm\u00fcshakik\u00f6y &#8211; Amasya: 68km; 3:00h im Sattel; 15-21 Grad, diesig Hotel Trotz \u00fcberaus angenehmen Temperaturen konnte man die Landschaft heute nicht wirklich genie\u00dfen, da sie praktisch nicht zu sehen war. 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