{"id":750,"date":"2014-03-08T07:14:50","date_gmt":"2014-03-08T06:14:50","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=750"},"modified":"2014-03-08T20:07:29","modified_gmt":"2014-03-08T19:07:29","slug":"tag-3435-gleichgesinnte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=750","title":{"rendered":"Tag 34\/35: Gleichgesinnte"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 34 &#8211; 06.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>\u00dcnye &#8211; Ordu: 77km; 4:20h im Sattel; 15 Grad, Regen \/ bew\u00f6lkt<br \/>\nWarmshowers (Ayse und Serdal)<\/p>\n<p>Zum allerersten Mal auf meiner bisherigen Reise war ich nervlich sehr gereizt. Seit gestern funktioniert mein Fahrradcomputer nicht mehr. Alle paar Sekunden l\u00f6scht er die Tagesdaten. Ein Telefonat mit der Serviceline brachte mich auch nicht weiter. Spontan versuchte ich in Georgien eine Adresse aufzutreiben, um den Ersatzcomputer dorthin schicken zu lassen. Ich telefonierte dazu mit einem Hostel in Tiflis, dort wurde mir aber davon abgeraten, ein Paket nach Georgien zu schicken, da die Post sehr unzuverl\u00e4ssig sein soll. Dies deckte sich mit einigen Erfahrungsberichten im Internet. Also begrub ich diesen Plan wieder. Zu allem \u00dcberfluss regnete es auch noch&#8230; Na gut, also mal ein Tag mit schlechter Laune, so was solls ja auch geben.<br \/>\nDoch nach etwa 20km treffen wir pl\u00f6tzlich auf eine kleine Gruppe Radler. Ein deutsches P\u00e4rchen (Natascha und Friedemann aus Leipzig) und einen einheimischen Radler (Celal). Natascha und Friedemann sind mit dem Tandem und einem Anh\u00e4nger unterwegs. Sie sind ziemlich zeitgleich mit mir gestartet, haben aber verschiedene Strecken mit dem Zug zur\u00fcckgelegt. Meist haben wir uns nur um wenige Tage verpasst. Sie fahren noch weiter bis Tiflis und m\u00fcssen dann wieder zur\u00fcck. Eine Geschichte f\u00fcr sich war aber Celal. Auf den ersten Blick glaubten wir alle, dass er auf Weltumradelung ist. Doch dann stellte sich heraus, dass er nur einen Tagesausflug von \u00dcnye nach Fatsa und zur\u00fcck in Angriff genommen hatte (2x 20km). Das meiste seiner Ausr\u00fcstung hatte er selbst gebastelt. Das Rad war mit allen nur denkbaren Utensilien ausgestattet. Nur ein beispielhafter Auszug aus seinem Equipment: 8 Wasserflaschen, diverse Kompasse, 2 Luftpumpen, Flaschen\u00f6ffner, Reitpeitsche, Taschenlampe in Schlagstockform, Klamotten f\u00fcr gef\u00fchlt zwei Wochen, Campingequipment, Reitpeitsche zum verjagen von Hunden, verschiedenste Lampen am Rad, Warnwesten, mehrere Taschen, Aufn\u00e4her mit seiner Blutgruppe usw.<br \/>\nIch konnte es auch nur schwer glauben, dass er f\u00fcr 40km so massiv bepackt war. Als Polizist hatte er heute Urlaub und nutzte den Tag zum Radeln. F\u00fcr uns ein Geschenk&#8230; zuerst fuhren wir mit ihm zu seinem Freund in Fatsa und besuchten dort den Fahrradladen. Dort besorgte ich mir gleich mal einen Ersatzcomputer. Bei 20TL ist nicht viel verloren. Danach kauften wir kurz ein und gingen mit Celal gemeinsam ans Meer um dort zu Picknicken. Es wurde gro\u00df aufgekocht. Eierspeise, Tee, verschiedene K\u00e4se, Aufstriche etc. All das hatte er aus seinen Taschen gezaubert.<br \/>\nIch konnte meine 2kg Brot beisteuern, die ich gestern f\u00fcrs Camping gekauft hatte. Somit hatte das auch seinen Sinn gehabt. Die paar Stunden mit Celal waren der Beginn eines fabelhaften Tages. Wir lachten viel gemeinsam und konnten uns nur schwer vom reich gedeckten Tisch l\u00f6sen. Doch langsam wurde es Zeit aufzubrechen. Bis Ordu waren es noch knapp 60km und es war bereits Nachmittag.<br \/>\nDie schlechte Laune war wie weggeblasen. Ein breites L\u00e4cheln lag wieder auf meinem Gesicht. Ab jetzt waren wir erstmalig als richtige Reisegruppe unterwegs. Friedemann und Natascha mit ihrem Tandemgespann vorraus, wir hinterher. Wir steuerten gemeinsam in Richtung Ordu. Die schnellste Verbindung nach Ordu, durch einen 4km langen Tunnel lie\u00dfen wir rechts liegen und entschieden uns f\u00fcr die etwa 20km l\u00e4ngere Strecke an der Schwarzmeerk\u00fcste. Landschaftlich war das die beste Entscheidung \u00fcberhaupt. Ein paar H\u00f6henmeter waren immer wieder mal zu bew\u00e4ltigen, aber das Panorama und die Herzlichkeit der Menschen in den D\u00f6rfern war unbeschreiblich. Immer wieder war ich kurz davor, einfach stehen zu bleiben und das Zelt am Meer aufzuschlagen, doch f\u00fcr heute hatten wir uns mit Ayshe in Ordu verabredet. Bereits von Beginn an war klar, dass wir Ordu nicht wie geplant um 17:30 Uhr erreichen werden. Ich begann also einen regen SMS Kontakt mit Ayshe und informierte sie auch \u00fcber unsere neuen Bekannten.<br \/>\nSie organisierte kurz darauf sogar noch eine Schlafgelegenheit f\u00fcr Natascha und Friedemann. Die Hilfsbereitschaft und die Gastfreundschaft der Leute hier ist wirklich unbeschreiblich.<br \/>\nKurz nach 18 Uhr waren wir dann in Ordu angekommen. Nach einem k\u00f6stlichen Abendmahl bei Ayshe und Serdal besuchten wir noch kurz ihre Freunde, bei denen Natascha und Friedemann untergebracht waren. Es wurde ein geselliger Abend, doch die 50km bei sehr hohem Tempo waren uns allen in den Gesichtern abzulesen. M\u00fcde und ersch\u00f6pft radelten wir bei leichtem Regen zur\u00fcck zu Ayshe und Serdal.<br \/>\nSo unbefriedigend der Tag begonnen hatte, so fantastisch endete er. Ich muss mich immer wieder wundern, wie manche Zuf\u00e4lle andere Zuf\u00e4lle m\u00f6glich machen. W\u00e4ren wir heute so wie immer am Vormittag gestartet, h\u00e4tten wir niemals Natascha und Friedemann getroffen und auch der Rest des Tages w\u00e4re ganz anders verlaufen&#8230; Manche Dinge m\u00fcssen offenbar einfach passieren.<\/p>\n<h2>Tag 35 &#8211; 07.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>Bordu &#8211; Giresun: 43km; 2:13h im Sattel; 14 Grad, bew\u00f6lkt<br \/>\nWarmshowers (Emirhan + Ay\u00fcp)<\/p>\n<p>Nach \u00fcber 30 Tagen unterwegs war es offenbar notwendig, dass ein Tag mit schlechter Laune dazwischengeschoben wurde. Auf wundersame Weise l\u00f6ste sich aber alles wieder in Wohlgefallen auf. Mein Fahrradcomputer war mir heute auch wieder wohl gesinnt, die Sonne blitzte am Morgen durch den Wolkenhimmel und der Blick aufs Meer von Ayshes Wohnzimmer aus entsch\u00e4digte f\u00fcr alles. Ayshe und Serdal lie\u00dfen es sich nicht nehmen, uns vor der Abreise noch ein reichhaltiges Fr\u00fchst\u00fcck vorzusetzen. Ich bin bereits gro\u00dfer Fan der traditionell eingemachten Tomatenspeise. Dazu werden im Sommer Tomaten mit Peperoni (alles kleingehackt) eingekocht und dann bei Bedarf mit etwas K\u00e4se und Ei in der Pfanne erw\u00e4rmt.<br \/>\nF\u00fcr heute stand eine besonders kurze Tagesetappe vor uns. Daher wollten wir zuerst noch etwas Zeit in Bordu verbingen. Wir trafen uns noch kurz mit Friedemann und Natascha. Ihr Gastgeber (Cengiz) brachte sie bei unserer Unterkunft vorbei. Martin und ich hatten gestern beschlossen, den Hausberg von Bordu zu besuchen. Die Beiden hatten dazu aber keine Lust und entschieden sich zum Weiterfahren. Ich denke, dass wir ihnen auf der Strecke sicher noch einmal begegnen werden. Zumindest in Tiflis sollten wir wieder zusammentreffen.<br \/>\nCengiz ist seit einiger Zeit arbeitslos (er arbeitete lange Zeit als Ingenieur in Dubai) und freut sich riesig \u00fcber etwas Abwechslung und v.a. dar\u00fcber, sein sehr gutes English zu verbessern. Nach einem gemeinsamen Tee am Strand gings auf den Berg hinauf. Theoretisch h\u00e4tten wir nat\u00fcrlich auch mit dem Rad hochfahren k\u00f6nnen, aber die neu errichtete Seilbahn war doch zu verlockend. Cengiz verhandelte dann noch einen Rabatt, weil wir nicht mit der Bahn wieder ins Tal fahren werden. Also, jeder mit seinem Rad in eine Gondel und 8min. sp\u00e4ter konnten wir schon einen fantastischen Blick auf Bordu genie\u00dfen. Gem\u00fctlich plauderten wir am Gipfel mit Cengiz und brausten schlie\u00dflich mit den R\u00e4dern wieder in Richtung Stadt. Ich war froh, die Seilbahn genommen zu haben, die Steigung hatte es doch ziemlich in sich. Irgendwie passte heute wieder alles zusammen. Wir hatten keinen Stress fr\u00fchzeitig die Stadt zu verlassen und so konnten wir mit Cengiz noch das &#8220;Hauptquartier&#8221; des \u00f6rtlichen Fahrradclubs besuchen. In Ordu gibt es ziemlich viele Radbegeisterte. Bei den gemeinsamen Ausfahrten der Bikesafari Ordu sind immer zwischen 10 und 50 Leute dabei. Man muss fairerweise aber auch sagen, dass es sich dabei prim\u00e4r um die gehobene Mittelschicht handelt. \u00c4rzte, Juristen, Ingenieure&#8230; Alleine die Ausr\u00fcstung kann Gut und Gerne mit Europ\u00e4ischem Standard mithalten. Viele der R\u00e4der werden aus Deutschland importiert.<br \/>\nCengiz beschloss, uns noch ein paar Kilometer zu begleiten. Dazu wurde aber erst mal das Mountainbike mit dem Rennrad getauscht. Nachdem er schon l\u00e4ngere Zeit \u00fcberlegt, ebenfalls eine mehrw\u00f6chige Radtour zu unternehmen versuchte er die ersten 15km mit meinem Rad zu fahren. Ich hatte unterdessen das Gef\u00fchl schwerelos \u00fcber der Stra\u00dfe zu gleiten. 9kg Rennrad unter dem HIntern, kein Gep\u00e4ck&#8230; Aber irgendwie fehlte etwas. In den letzten Wochen habe ich mich schon so sehr an das Rad gew\u00f6hnt, dass mir das Rennrad fast ein bisschen zu wenig war. Cengiz hingegen keuchte vor uns her. Er war zu sehr damit besch\u00e4ftigt, Balance zu halten, als dass er die Schaltung bet\u00e4tigen wollte. Doch nach einigen Kilometern hatte auch er den Dreh raus.<br \/>\nSo, und als ob es nicht schon Zuf\u00e4lle genug gegeben h\u00e4tte&#8230; kurz bevor wir zwecks einer kleinen St\u00e4rkung Halt machen wollten, tauchte vor uns wieder ein Reiseradler auf. Wir waren auf zwei junge Belgier gesto\u00dfen (Nominoe und Simon &#8211; www.theveloteurs.eklablog.com), die bereits im September in Belgien gestartet waren und sich langsam in Richtung Indien vorarbeiten. Somit war die Gruppe schlagartig wieder auf 5 Radler angewachsen. Cengiz war zu sehr in die Gespr\u00e4che vertieft, als dass er wieder in Richtung Ordu umkehren wollte. Erst in Giresun, unserem Etappenziel beschloss er, die Heimfahrt anzutreten.<br \/>\nEs ist immer wieder ein eigenartiges Gef\u00fchl, sich von Leuten zu trennen, mit denen man so angenehme Stunden verbracht hatte. Aber bei Cengiz fand ich es besonders schade, dass er wieder zur\u00fcck musste. Ich dr\u00fccke ihm die Daumen, dass er seine geplante T\u00fcrkeitour in den n\u00e4chsten Wochen starten kann.<br \/>\nDen beiden Belgiern hatte ich angeboten, mit nach Giresun zu kommen. Unser Gastgeber, Emirhan, setzte nach unserer Ankunft gleich alle Hebel in Bewegung, dass die beiden ebenfalls einen Schlafplatz bei Freunden von ihm bekommen.<br \/>\nUnglaublich, diese Spontaneit\u00e4t und die Hilfsbereitschaft, die uns in der T\u00fcrkei entgegengebracht wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 34 &#8211; 06.M\u00e4rz \u00dcnye &#8211; Ordu: 77km; 4:20h im Sattel; 15 Grad, Regen \/ bew\u00f6lkt Warmshowers (Ayse und Serdal) Zum allerersten Mal auf meiner bisherigen Reise war ich nervlich sehr gereizt. Seit gestern funktioniert mein Fahrradcomputer nicht mehr. Alle paar Sekunden l\u00f6scht er die Tagesdaten. 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