{"id":776,"date":"2014-03-12T19:29:45","date_gmt":"2014-03-12T18:29:45","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=776"},"modified":"2014-03-12T19:29:45","modified_gmt":"2014-03-12T18:29:45","slug":"tag-39-40-2-stunden-weniger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=776","title":{"rendered":"Tag 39 \/40: 2 Stunden weniger"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 39 &#8211; 11.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>S\u00fcrmene &#8211; Arhavi: 123km; 5:01h im Sattel; 9 Grad, Nieselregen<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Unser letzter Warmshowers Gastgeber zeigte uns noch einmal eine bisher nicht so sehr pr\u00e4sente Seite der T\u00fcrkei. Kurtay und seine Freundin wohnen seit etwa 1 1\/2 Jahren in einer sehr ger\u00e4umigen Wohnung etwas au\u00dferhalb vom Ortszentrum. Kurtay nimmt regelm\u00e4\u00dfig Reisende auf. Wenn im Ort Leute auftauchen, die suchen umherlaufen und offenbar nicht t\u00fcrkisch sprechen wird oft gleich mal Kurtay angerufen, da sie in der Regel ihn suchen&#8230;<br \/>\nSchon Kurtays Eltern waren politisch sehr aktiv und hatten daf\u00fcr auch einige Zeit im Gef\u00e4ngnis verbracht. Kurtay zeigt uns noch einen Zugang zur T\u00fcrkei der sehr zum Nachdenken anregt. Immer wieder werden ohne gro\u00dfes Aufregen neue Gesetze erlassen, die verhindern sollen, dass Protest entstehen kann. Aktuell ist es zum Beispiel strafbar, in der N\u00e4he von Demonstrationen mit Milch, oder Zitronen vorbeizulaufen. Man kann also verhaftet werden, wenn man einen Sack Zitronen mitf\u00fchrt, weil Zitronen und Milch gegen Tr\u00e4nengas helfen&#8230; Seit einigen Wochen lebt Kurtay auch mehr oder weniger illegal in seiner Wohnung, da es ein neues Gesetz gibt, welches das Zusammenleben von Studenten regelt. ganz bin ich dabei aber nicht dahintergestiegen. Zumindest sind in seiner Wohnung dauerhaft die Vorh\u00e4nge geschlossen und es stehen keine Schuhe vor der T\u00fcr, was sonst in jeder t\u00fcrkischen Wohnung \u00fcblich ist. Ende des Monats werden in der T\u00fcrkei Regionalwahlen abgehalten. Dies wird ein erster Hinweis daf\u00fcr sein, wohin sich die T\u00fcrkei entwickelt. Kurtay sieht der Zukunft seines Landes sehr skeptisch entgegen. Ich hoffe, dass sich die T\u00fcrkei auch ohne gro\u00dfe Tumulte neu orientieren kann.<br \/>\nDie Nacht bei Kurtay hatten wir ja gemeinsam mit unseren belgischen Freunden verbracht. Nominoe spielte gestern noch kurz mit seiner Geige auf und pr\u00e4sentierte stolz ein bayrisches Volkslied, das er bei seinem Aufenthalt in Passau einstudiert hatte. Beeindruckend sein musikalisches Talent. Mit ihrer lockeren und aufmunternden Art bringen die beiden immer wieder enorm viel Energie in die Runde.<br \/>\nMorgens gab es dann Nominoes selbst gebackenes Brot, das er gestern noch spontan in den Ofen geschoben hatte. Ein perfekter Start in den Tag. Leider begleitete uns auf der gesamten Strecke ein immer wiederkehrender Nieselregen. Bei Temperaturen um 9 Grad nicht unbedingt das angenehmste, doch die Szenerie passte perfekt dazu. Zu unserer Linken das Meer, zu unserer Rechten steil aufragend dicht bewachsene Felsw\u00e4nde. Unz\u00e4hlige Farne, bl\u00fchender Oleander, zwischendurch immer wieder Bananenstauden und dann tauchten auch endlich die Teeplantagen auf. Die H\u00e4nge waren nun von einem dichten Teppich von dunkelgr\u00fcnen Teeb\u00fcschen \u00fcberzogen. Aus der Gegend um Rize kommt ein Gro\u00dfteil des t\u00fcrkischen Cays. Das meist feuchte Klima in dieser Region scheint dem Tee gut zu tun.<br \/>\nF\u00fcr uns h\u00e4tte ich mir durchaus ein paar Sonnenstrahlen gew\u00fcnscht.<br \/>\nKurz nach 16 Uhr war dann aber auch Schluss. Wir rollten in Arhavi ein. Ein relativ kleiner Ort, doch ich hatte die Hoffnung, doch eine beheizte Unterkunft zu finden. Der Gedanke an eine warme Dusche war doch zu verlockend. Wir wurden zum vermutlich einzigen Hotel des Ortes geleitet und dann mal wieder einer dieser Zuf\u00e4lle&#8230; gerade eben verl\u00e4sst eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe M\u00e4nner das Hotel. Gro\u00df ist das Interesse an unseren R\u00e4dern und der Geschichte dazu. Wieder mal sind wir auf einen kleinen Fahrradklub gesto\u00dfen. Der Leiter des Hotels ist dann auch noch der Vorstand des Clubs. Beim Durchforsten der Fotos der letzten Ausfl\u00fcge sticht mir ein bekanntes Gesicht ins Auge. Tyson Beilan, den ich im November auf der Fahrt von Passau nach Wien getroffen habe ist vor einigen Tagen auch hier im Hotel abgestiegen. Wenn alles gut geht, werde ich Tyson in Tiflis treffen. Tja, wieder mal zeigt sich, wie klein die Welt doch ist.<br \/>\nEin wenig durchgefroren geht es nach der obligatorischen Fotorunde unter die wohlverdiente Dusche.<br \/>\nNur noch wenige Kilometer trennen uns von der georgischen Grenze. So viele sch\u00f6ne Tage in der T\u00fcrkei liegen hinter mir. Ich h\u00e4tte mir im Traum nicht vorgestellt, wie warmherzig Radreisende hier aufgenommen werden. Besonders beeindruckt hat mich das Hinterland. Die Freude und Herzlichkeit, mit welcher die Leute mir entgegenkamen z\u00e4hlt f\u00fcr m ich neben den landschaftlichen H\u00f6hepunkten zu den pr\u00e4gendsten Erfahrungen der letzten Wochen.<br \/>\nMeine T\u00fcrkischkenntnisse haben sich zumindest soweit entwickelt, dass ich eine grobe Vorstellung davon habe, was die Leute von mir wollen, bzw. was gerade besprochen wird. Sobald man zu verstehen gibt, dass man zumindest ein paar Brocken T\u00fcrkisch versteht, ist man schon Teil der gro\u00dfen Runde&#8230;<br \/>\nDoch nun ist es Zeit das Land zu verlassen. Ich bin sehr gespannt, was auf mich wartet. Es wird sich vieles \u00e4ndern. Neue Sprache, neue Schrift, andere Zeitzone, neue Kultur, Gebirgslandschaft&#8230; ich lasse mich \u00fcberraschen!<\/p>\n<h2>Tag 40 &#8211; 12.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>Arhavi &#8211; Batumi: 50km; 2:19h im Sattel; 8 Grad, Regen<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Die letzten Kilometer in der T\u00fcrkei gingen wir heute sehr gem\u00fctlich an. Ohne Eile packten wir unsere Sachen zusammen, warteten noch auf die W\u00e4sche, die gestern zum Waschen ausser Haus gegeben wurde und plauderten noch mit ein paar Leuten im Hotel, die allesamt einmal l\u00e4ngere Zeit, oder auch nur kurz in Deutschland waren. Die Stadt, welche r\u00fcckblickend mit Abstand am h\u00e4ufigsten genannt wurde, wenn irgendjemand aus der T\u00fcrkei mal in Deutschland gearbeitet hat, war Stuttgart. Und auch heute wieder&#8230; Ein 79 j\u00e4hriger Herr leistete uns beim Fr\u00fchst\u00fcck Gesellschaft und erz\u00e4hlte ein wenig aus seiner Jugend, die er in Stuttgart und teilweise auch in Wien verbracht hat. Leider war ich selber erst ein Mal in Stuttgart, sodass ich auch diesmal nicht wirklich mitreden konnte.<br \/>\nDas Wetter meinte es heute leider nicht gut mit uns. Das Thermometer erreichte kaum 9 Grad und es regnete die ganze Zeit. Es gibt sicher sch\u00f6neres, aber wozu gibt es Regenklamotten.<br \/>\nNach etwa 1 1\/4 Stunden war die Grenze erreicht. Wir wurden durch ein scheinbar neues Fu\u00dfg\u00e4ngerterminal geschleust. Man kam sich vor, wie auf dem Flughafen. Die Ausreise aus der T\u00fcrkei verlief reibungslos, bei der Einreise gab es aber wieder mal ein paar Schwierigkeiten. Nachdem ich meine beiden P\u00e4sse vorgelegt hatte gab es gro\u00dfe Verwirrung, da in einem der beiden P\u00e4sse mein zweiter Name nicht aufgef\u00fchrt ist. Nach mehrmaligem Beteuern, dass beide P\u00e4sse auf mich ausgestellt wurden drang das lang ersehnte &#8220;Klack&#8221; aus der Kabine an mein Ohr und der Georgische Stempel war in meinem neuen Pass. So, jetzt sollte dieses Kapitel auch beendet sein. Der alte Pass wandert in die Packtaschen und wird nur noch im Notfall hervorgeholt.<br \/>\nInteressant der Grenz\u00fcbertritt zwischen der T\u00fcrkei und Georgien. Auf der einen Seite ragt eine Moschee in den Himmel, auf der anderen Seite thront eine Kirche, beide Seiten teilen sich den selben Uferstreifen&#8230;<br \/>\nNachdem wir ein wenig der Branung gelauscht hatten, ging es im str\u00f6menden Regen weiter in Richtung Batumi. Durchgefroren checkten wir in einem Hotel ein und w\u00e4rmten uns erst einmal auf. Beim Grenz\u00fcbertritt wurde die Uhr um zwei Stunden vorgestellt. Das Mittagessen fiel daher aus&#8230; Bei einem kurzem Spaziergang durch die Stadt staunte ich \u00fcber die neue Baukultur. Es schie\u00dfen Hotelkomplexe in die H\u00f6he, die ich nicht unbedingt in dieser Stadt erwartet h\u00e4tte. Die letzten drei Wochen in der T\u00fcrkei war ich stets mit einer nicht existenten Baukultur konfrontiert. Es wurde zwar viel gebaut, aber eigentlich immer ohne Gesicht. Zweckbau wie er im Buche steht. Jetzt pl\u00f6tzlich &#8220;Gestaltung&#8221;. \u00dcber die \u00c4sthetik dieser Form von Architektur l\u00e4sst sich gut streiten, aber interessant ist, dass es pl\u00f6tzlich wieder so etwas wie eine architektonische Wertsch\u00e4tzung gibt. Be so viel Investition in die Hotelarchitektur vor Ort liegt der Schluss nahe, dass Batumi im Sommer ein gro\u00dfer Touristenmagnet ist. Jetzt im Fr\u00fchling und bei Regen ist davon aber nichts zu erkennen.<br \/>\nGravierend ist der Unterschied von der T\u00fcrkei nach Georgien. Es wirkt, als ob die Autos etwas aggressiver unterwegs sind, die Qualit\u00e4t der Stra\u00dfen hat schlagartig abgenommen, die Vegetation am Stra\u00dfenrand hat sich pl\u00f6tzlich ver\u00e4ndert. Auch die Stadtstruktur ist komplett verschieden. Es dauerte eine Weile, bis wir ein Hotel gefunden hatten und auch bis wir Abends ein Lokal ausfindig gemacht hatten, verging ziemlich viel Zeit.<br \/>\nAm st\u00e4rksten sticht aber die Produktauswahl ins Auge, wenn man in einen einfachen Supermarkt geht. Zwischen Wasser, S\u00e4ften und Limonade Wodka in H\u00fclle und F\u00fclle.<br \/>\nAnderes Land, andere Sitten&#8230; jetzt hei\u00dft es wieder umgew\u00f6hnen. Ein paar georgische Redewendungen stehen schon auf meinem Lernzettel. Nur bei der Schrift muss ich passen. Schade, weil die Schrift wirklich sehr \u00e4sthetisch ist.<br \/>\nF\u00fcr morgen w\u00e4re eigentlich der Einstieg ins Gebirge geplant gewesen. Unseren beiden deutschen Tandemfreunde haben uns aber heute dar\u00fcber informiert, dass der Pass aufgrund von Schnee aktuell nicht passierbar ist. Wir m\u00fcssen uns also eine Alternativroute aussuchen. Schade&#8230; ich hatte mich schon auf dei Berge gefreut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 39 &#8211; 11.M\u00e4rz S\u00fcrmene &#8211; Arhavi: 123km; 5:01h im Sattel; 9 Grad, Nieselregen Hotel Unser letzter Warmshowers Gastgeber zeigte uns noch einmal eine bisher nicht so sehr pr\u00e4sente Seite der T\u00fcrkei. Kurtay und seine Freundin wohnen seit etwa 1 1\/2 Jahren in einer sehr ger\u00e4umigen Wohnung etwas au\u00dferhalb vom Ortszentrum. 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