{"id":823,"date":"2014-03-16T19:16:09","date_gmt":"2014-03-16T18:16:09","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=823"},"modified":"2014-03-16T19:16:09","modified_gmt":"2014-03-16T18:16:09","slug":"tag-41-44-nun-doch-auf-den-gederdzi-pass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=823","title":{"rendered":"Tag 41-44: Nun doch auf den Gederdzi-Pass&#8230;"},"content":{"rendered":"<address>So&#8230; es hat diesmal ein bisschen gedauert, bis ich meine Eintr\u00e4ge ins Netz stellen konnte. Die Internetverf\u00fcgbarkeit war die letzten Tage ziemlich schlecht. Wir waren n\u00e4mlich f\u00fcr einige Tage in den Bergen.<br \/>\nNur soviel sei im Vorfeld gesagt: es bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr f\u00fcr Leib und Leben! Beschwerliche, aber sehr sehr sch\u00f6ne Tage liegen hinter uns.<\/address>\n<h2>Tag 41 &#8211; 13.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>Batumi &#8211; Khulo: 87km; 4:52h im Sattel; 9-14 Grad, bew\u00f6lkt<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Tja, was soll ich sagen&#8230; gestern noch dar\u00fcber geredet, dass wir uns eine Alternative zur Strecke durch die Berge suchen wollten, starteten wir heute doch in Richtung Berge. Im Internet hatte Martin gelesen, dass der Pass in der Regel von Februar bis November befahrbar ist. Dar\u00fcber hinaus hatte Martin herausgefunden, dass es auf der Passh\u00f6he ein Skigebiet geben sollte, das von Tiflis aus erreichbar ist. Demnach kann wenn dann nur die eine Seite des Passes schwierig zu befahren sein. Aufgrund des sehr milden Winters dachten wir, dass es einen anderen Grund geben m\u00fcsste, warum unsere Tandemfreunde gestern von der Polizei zur\u00fcckggeschickt wurden. Wir einigten uns darauf, dass wir den Anstieg nach Khulo einmal starten und wenn n\u00f6tig eben zur\u00fcckfahren.<br \/>\nErstaunlich, wie stark der landschaftliche Kontrast zur T\u00fcrkei ist. Mir kommt vor, dass nicht nur die Berge anders aussehen, sondern dass auch die Vegetation unterschiedlich ist. B\u00e4ume s\u00e4umen die wenig befahrene Stra\u00dfe, abgemagerte K\u00fche laufen frei herum und suchen sich ihr Futter. Auch die Leute am Stra\u00dfenrand wirken auf den ersten Blick etwas reserviert, doch auf mein freundliches Gr\u00fc\u00dfen hin werden wir meist auch sehr freundlich zur\u00fcckgegr\u00fc\u00dft.<br \/>\nDie Stra\u00dfe folgt einem relativ gro\u00dfen Gebirgsfluss und schl\u00e4ngelt sich gem\u00e4chlich mit ca. 3% Steigung in die H\u00f6he. Die zur\u00fcckliegenden Regenf\u00e4lle hatten sich in den h\u00f6heren Lagen als Schnee abgelegt. Das Panorama war faszinierend. Ein wei\u00dfes Band zog sich an den Bergr\u00fccken entlang und wir glaubten, jeden Moment in die Schneezone zu fahren. Doch eigenartigerweise blieb die Schneegrenze immer in derselben Entfernung. Nachmittags \u00f6ffnete sich die Wolkendecke kurzzeitig und lang ersehnte Sonnenstrahlen w\u00e4rmten die Umgebung rasch auf. Der Verkehr war wie erwartet kaum vorhanden. Einzig ein paar Minibusse, die hier f\u00fcr den lokalen Transport verwendet werden, waren unterwegs. Fast ausschlie\u00dflich Ford Tranporter. Viele davon mit deutschen Firmenaufklebern, die nach dem Import nach Georgien nicht entfernt wurden.<br \/>\nAuf dem Weg passierten wir eine kleine Tankstelle. Mein Benzinvorrat war nahezu aufgebraucht, also beschloss ich die Benzinflasche f\u00fcr den Kocher wieder aufzuf\u00fcllen. Die Zapfs\u00e4ule war aber offenbar nur Dekoration. Den eigentlichen Benzin gab es in einem Bretterverschlag. Dort befand sich ein gro\u00dfer Tank aus dem soviel Benzin gesch\u00f6pft wurde, wie bestellt wurde. Die Wartenden rauchten in aller Seelenruhe ihre Zigaretten, ich ging sicherheitshalber einmal einen Schritt zur\u00fcck. Direkt neben dem Tank befand sich auch eine Schlafgelegenheit f\u00fcr den Tankstellenwart. So kann offenbar auch ein 24 Stunden Service sichergestellt werden.<br \/>\nAufgrund der zwei Stunden Zeitverschiebung waren wir heute Morgen nicht so fr\u00fch wie gedacht in Batumi gestartet. Folglich kamen wir am sp\u00e4ten Nachmittag in Khulo an. Nach Recherche von Martin der letzt Ort vor dem Pass, in dem ein einziges Hotel zu finden ist. Offensichtlich ist diese Quelle nicht mehr ganz richtig, denn beim abendlichen Drink in einer Art Restaurant erfuhren wir, dass wir im teuersten Hotel des Ortes abgestiegen sind. Das Hotel David w\u00e4re die richtige Adresse gewesen. Naja, was solls&#8230; knapp 12,50 EUR pro Person sind jetzt auch kein Beinbruch.<br \/>\nViel gab es nicht zu sehen in Kuhlo. Wir versorgten uns mit Lebensmittel f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag und begaben uns auf die Suche nach einer Essensgelegenheit. Gar kein so leichtes Unterfangen. Valerie, ein etwa 35j\u00e4hriger Georgier winkte uns schlie\u00dflich in sein Lokal. Eigentlich hatte er uns was zu Essen versprochen, doch f\u00fcrs erste war es viel wichtiger, ein Bier mit uns zu trinken. Nach der zweiten Runde selbstgebrannten Schnaps ging es dann schlie\u00dflich in die K\u00fcche und wir bekamen eine k\u00f6stliche Suppe vorgesetzt. Wir waren die einzigen G\u00e4ste und offenbar eine willkommene Abwechslung. Je sp\u00e4ter der Abend, desto ausgelassener die Stimmung und die Stereoanlage wurde immer lauter gedreht. Es wurde ein sehr feuchtfr\u00f6hlicher Abend an dem viel gelacht wurde, ich aber &#8211; um ehrlich zu sein &#8211; praktisch kein einziges Wort verstanden habe. Aber Valerie hatte sich offenbar bestens mit uns am\u00fcsiert.<\/p>\n<h2>Tag 42 &#8211; 14.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>Khulo &#8211; igendwo hinter Danisparauli: 26km; 3:19h im Sattel; minus 3 &#8211; 9 Grad, bew\u00f6lkt<br \/>\nCamping 1850m Seeh\u00f6he<\/p>\n<p>Vor allem Martin musste heute f\u00fcr den gestrigen Abend b\u00fc\u00dfen. Es bedurfte einiger Anl\u00e4ufe, bis er schlie\u00dflich soweit war, das Zimmer zu r\u00e4umen. Immerhin schafften wir es um kurz vor 12 Uhr aus Khulo loszuradeln.<br \/>\nUnd dann ging es auch gleich ans Eingemachte. Direkt hinter Khulo endet die asphaltierte Stra\u00dfe. Mein Rad konnte nun die Qualit\u00e4ten auf unsanftem Untergrund ausspielen. Martin hatte mit seinem Renner doch etwas zu k\u00e4mpfen, schlug sich aber ganz tapfer. Fast in jedem Ort wurden wir angehalten und gefragt, wo wir hin wollten. Der Pass sei geschlossen. Wir hatten uns darauf geeinigt, soweit zu fahren, bis es nicht mehr weitergeht. Als einfache Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Leute vor Ort behaupteten wir oben ein Foto machen zu wollen und dann wieder zur\u00fcckzufahren.<br \/>\nGut, nachdem wir jetzt schon so oft dar\u00fcber informiert wurden, dass der Pass nicht passierbar ist, fing ich langsam an mir Gedanken zu machen. Die Alternative klang aber auch nicht so gut. ca. 100km bis nach Batumi zur\u00fcckfahren und dann dieselbe Distanz in einem anderen Tal wieder in Richtung Tiflis zu radeln. 200km Weg, um wieder soweit zu kommen, wie wir aktuell sind. Also dachte ich, wir versuchen es einfach mal. Ich wollte es mit eigenen Augen sehen&#8230;<br \/>\nDie Stra\u00dfe wurde mit jedem Kilometer schlechter. Von Stra\u00dfe war \u00fcber lange Passagen eigentlich gar nicht mehr zu reden. Vielmehr kam ich mir vor, wie in einem ausgetrockneten Flussbett. Mit knapp 10km\/h ging es trotzdem ganz gem\u00fctlich voran. Mir kam es vor, als ob sich die Schneegrenze immer von uns entfernen w\u00fcrde. Als wir in Batumi gestartet waren, wirkte es, als ob bis auf 200m Schnee in den B\u00e4umen w\u00e4re. Jetzt waren wir schon auf 1500m und immer noch kein Schnee. Ab 1600m ging es dann aber langsam los. Wir passierten Danisparauli und mussten uns wieder mal einer Gruppe M\u00e4nner stellen, die uns vor dem Weiterfahren hindern wollte. Nachdem wir versichert hatten, dass wir nur ein Foto machen wollen, lie\u00dfen sie uns weiterradeln. Hier wurde ich dann auch zum allerersten Mal auf der gesamten Reise mit Heil Hitler begr\u00fc\u00dft. Ein ca. 80j\u00e4hriger Mann lie\u00df den Spruch los, als ich der Gruppe erkl\u00e4rte, dass ich aus Deutschland komme.<br \/>\nLangsam gab es dann auch Schnee auf der &#8220;Stra\u00dfe&#8221;. Zum radeln war es aber immer noch sehr gem\u00fctlich. Hinter der n\u00e4chsten Kurve erblickten wir dann eine Art Schneekorridor. In einer Breite von etwa 2m war die Stra\u00dfe freiger\u00e4umt und seitlich t\u00fcrmte sich bis auf 1,50m der Schnee. Drei Raupenfahrzeuge kamen uns von Oben entgegen. Offenbar wurde gerade an der R\u00e4umung der Stra\u00dfe gearbeitet. Wir waren jetzt schon so weit gekommen&#8230; an Umkehren wollte eigentlich keiner denken. Also weiter! Nach gut 15 Minuten holte uns von unten kommend ein Gel\u00e4ndewagen ein. Die Arbeiter aus den Raupenfahrzeugen erkl\u00e4rten uns, dass in ca. 1km die Stra\u00dfe nicht mehr ger\u00e4umt sei. Wir hatten uns damit schon arrangiert und beschlossen, die restlichen 300 H\u00f6henmeter zu Fu\u00df hinter uns zu bringen. Schlie\u00dflich reichte mir einer der M\u00e4nner sein Telefon und ich telefonierte mit dem Tourist-Service in Khulo. Die Dame wollte uns auch mit allerlei Schauerm\u00e4rchen davon abhalten, zu Fu\u00df weiterzugehen. Angeblich w\u00fcrde es in der Nacht unter minus 20 Grad geben und Sturm sei auch angesagt&#8230; Ein Blick in den Himmel verriet aber etwas anderes. Nachdem ich die besorgte Dame \u00fcberzeugt hatte, dass wir beide gut ausger\u00fcstet sind und auch Erfahrung mit dem Winter haben w\u00fcnschte sie uns wiederwillig viel Gl\u00fcck.<br \/>\nKofpsch\u00fcttelnd kehrten die Arbeiter wieder um und wir starteten unseren Aufstieg Richtung Passh\u00f6he. Knapp 300 H\u00f6henmeter trennten uns noch von der Passh\u00f6he. Uns war klar, dass wir die Passage nicht mehr heute bew\u00e4ltigen werden. Aber wir hatten ja Zeit. Gep\u00e4ck geschultert, ein paar hundert Meter gehen, Gep\u00e4ck abladen und zur\u00fccklaufen. Dann das Rad schultern, denselben Weg wieder hoch und so weiter und so weiter. Um Weg zu sparen versuchten wir so gut als m\u00f6glich der Falllinie zu folgen. Nach etwa 2 Stunden hatten wir die schneebedeckte &#8220;Stra\u00dfe&#8221; wieder erreicht und beschlossen hier das Zelt aufzuschlagen. Die erste horizontale Fl\u00e4che seit langem. F\u00fcr mich Premiere beim Wintercampen. Immerhin hat es jetzt einen Sinn, warum ich mit einem 4-Jahreszeiten Zelt unterwegs bin. \u00dcber Wassermangel brauchten wir uns nicht zu beschweren, Schnee gab es genug und der Kocher leistete gute Arbeit. Abend erreichten wir sogar 11 Grad im Zelt, obwohl es drau\u00dfen sicherlich weit unter minus 5 war. Aber soweit war alles Bestens. Es gab Fertignudeln und haufenweise Kekse. Mit einer W\u00e4rmflasche im Schlafsack sollte alles gut werden.<\/p>\n<h2>Tag 43 &#8211; 15.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>irgendwo hinter Danisparauli &#8211; irgendwo hinter dem Goderdzi-Pass: ca. 6km; 6,5h Gep\u00e4cktransport, 0h im Sattel; minus 2-16 Grad, sonnig<br \/>\nCamping 1820m Seeh\u00f6he<\/p>\n<p>Wasserdichte Socken sind eine grandiose Erfindung, wenn man am folgenden Tag in nasse \/ steifgefrorene Schuhe einsteigen muss. Auch Fahrrad\u00fcberschuhe k\u00f6nnen perfekt als Schneegamaschen verwendet werden&#8230; nur soviel zur Ausr\u00fcstung.<br \/>\nDas Morgenpanorama entsch\u00e4digte f\u00fcr s\u00e4mtliche Strapazen des gestrigen Tages. Die Sonne tauchte die Winterlandschaft in ein beeindruckendes Licht. Gestern war die Passh\u00f6he nur kurzzeitig zu erkennen gewesen, heute war alles klar zu erkennen. Wir erkannten dann auch Spuren im Schnee, die zur Passh\u00f6he f\u00fchrten. Entweder war vor uns auch schon jemand unterwegs, oder es sind Leute auf dem Pass. In jedem Fall schien es Gesellschaft zu geben. Als wir gerade am Zusammenpacken waren, h\u00f6rten wir dann auch Rufe in der Ferne. Es schien, als ob wir angek\u00fcndigt worden sind. Nach gut einer halben Stunde Marsch mit Gep\u00e4ck kamen uns dann auch zwei \u00e4ltere Herren entgegen. Die Verst\u00e4ndigung war eher schwierig, aber wir konnten durchaus erkennen, dass die zwei den Sinn unseres Vorhabens nicht ganz verstanden. Es stellte sich heraus, dass die beiden ein relativ neu errichtetes Hotel auf der Passh\u00f6he &#8220;bewachten&#8221;. Offenbar k\u00fcmmerten sie sich im Winter um den Erhalt. Ein wenig eigenartig war, dass sie weder \u00fcber flie\u00dfend Wasser, noch \u00fcber eine Heizung verf\u00fcgten. Das Hotel schien aber fertiggestellt zu sein. Offenbar gibt es f\u00fcr die Gegend gro\u00dfe Pl\u00e4ne f\u00fcr den Tourismus. Es wird an einem Skigebiet gearbeitet, mir aber nicht ganz einleuchtend, wenn es nicht mal eine funktionierende Stra\u00dfe gibt. In einem Nebenzimmer hingen Architektenpl\u00e4ne f\u00fcr die geplante Entwicklung des Gebietes. Haufenweise Ferienh\u00e4user, Hotels und Gastronomie. Aber ich frage mich, woher die Leute kommen sollen. Offenbar versickert hier ordentlich viel Geld im Nichts.<br \/>\nNat\u00fcrlich freuten wir uns sehr, in dieser verlassenen Gegend auf Leute zu treffen. Wir wurden erst mal zur St\u00e4rkung ins Hotel gef\u00fchrt. Eine etwas eigenartige Szenerie erwartete uns. In einem Raum, der bis zum Rauchmelder fertiggestellt wurde standen 4 Betten und ein Tisch. Eine Fensterscheibe war entfernt und statt dessen ein Holzbrett eingesetzt, um dadurch das Ofenrohr zu f\u00fchren. Mit einem kleinen Ofen wurde der Raum sowohl geheizt, als auch Warmwasser zubereitet. Vor dem Hotel parkten zwei nagelneue Pistenraupen, die aber offenbar noch kaum verwendet wurden. Auf die Pistenraupen durften wir nicht z\u00e4hlen, da keiner der beiden diese Ger\u00e4te fahren durfte, daf\u00fcr borgte man uns Schneeschuhe. Das war auch schon ein Gewinn. Also erst einmal den zweiten Schwung Gep\u00e4ck geholt. Mit den Schneeschuhen ging das alles dann auch viel leichter.<br \/>\nDie Sonne sorgte unterdessen f\u00fcr sehr fr\u00fchlingshafte Temperaturen. Der Ausblick in die verschneite Landschaft war atemberaubend. \u00dcberall standen vereinzelt alte Holzh\u00e4user, die offenbar als Sommerh\u00e4user verwendet werden. Was die Szenerie vermutlich so besonders machte war das g\u00e4nzliche Fehlen von Spuren. \u00dcberall H\u00e4user, doch nirgendwo auch nur eine einzige Spur (bis auf die der beiden Herren vom Hotel). Es w\u00e4re nicht verwunderlich, wenn in so einer Situation die Stimmung eher getr\u00fcbt w\u00e4re&#8230; 15km Fu\u00dfmarsch im Schnee mit 40kg Gep\u00e4ck und 17kg Fahrrad&#8230; da gibt es Besseres. Aber bei so einem Panorama und diesem Kaiserwetter &#8211; da geht einem richtig das Herz auf. Die Anstrengungen sind praktisch vergessen und ich genie\u00dfe ausgiebig den Blick in die tiefverschneite Landschaft.<br \/>\nWir steckten jetzt also mitten drin in diesem speziellen Vorhaben. Es gab eigentlich keinen Weg zur\u00fcck, nur nach vorne. Demnach mussten wir auch die Einladung, im Hotel zu \u00fcbernachten ausschlagen. Immerhin sollten wir in zwei Etappen bis unter die Schneegrenze kommen.<br \/>\nAusger\u00fcstet mit den Schneeschuhen stapften wir auf der eigentlichen Stra\u00dfe langsam in Richtung Tal (Betonung auf LANGSAM). F\u00fcr etwas mehr als 4km ben\u00f6tigten wir fas drei Stunden. Die Fahrradtaschen eignen sich doch nicht so ideal f\u00fcr l\u00e4ngere Transportpassagen. Die Belastung auf den Schultern war enorm. Der Plan war aber, mit den Schneeschuhen eine gute Spur zu legen, damit wir vielleicht die R\u00e4der bergab schieben k\u00f6nnten. F\u00fcr morgen sind dann noch weitere 5km im Schnee angesagt, dann sollten wir aus dem Gr\u00f6bsten raus sein.<br \/>\nAuf dem Weg zur\u00fcck im Hotel, diesmal ohne Gep\u00e4ck, konnte ich die Umgebung erst richtig genie\u00dfen, ja f\u00f6rmlich aufsaugen. Immer wieder musste ich stehenbleiben und einfach nur Schauen, so speziell war die Kulisse. Auch wenn es etwas eigenartig klingt, aber schlussendlich bin ich froh \u00fcber dieses Erlebnis. Ich m\u00f6chte zwar die Situation nicht unbedingt noch einmal erleben, doch f\u00fcr den Moment ist es einfach nur sch\u00f6n. Die Ruhe, das sagenhafte Panorama und die Vorstellung, in einem Tag wieder trockenen Boden unter den F\u00fc\u00dfen zu haben lie\u00dfen zu keinem Zeitpunkt schlechte Stimmung aufkommen.<br \/>\nIm Hotel wartete schon eine herzhafte Kartoffelspeise auf uns. Die Runde der &#8220;Hotelbewacher&#8221; war jetzt auf drei angewachsen. Ich kann mir vorstellen, dass es sich bald in den D\u00f6rfern herumspricht, dass zwei verr\u00fcckte Touristen mit dem Rad \u00fcber den tiefverschneiten Pass gestiefelt sind.<br \/>\nVor dem Campen wurden wir mal wieder eindringlich gewarnt. Angeblich schleichen W\u00f6lfe und B\u00e4ren durch die W\u00e4lder. Die einzigen Tierspuren, die ich die letzten zwei Tage gesehen haben, waren die von einem Hasen und von einem kleinen Huftier. Kein Wolf, B\u00e4r, oder Fuchs weit und breit. Mir scheint, als ob die Berge hier noch etwas furchteinfl\u00f6\u00dfendens auf die Leute vor Ort haben. Bestens gelaunt brachen wir dann schlie\u00dflich auf. F\u00fcr mich geht es jetzt aber gef\u00fchlterma\u00dfen bergauf, denn es geht konstant bergab.<br \/>\nUnser Plan mit der Spur f\u00fcr die R\u00e4der ging zur G\u00e4nze auf. Es war nahezu ein Spaziergang die R\u00e4der die gut 4km bis zu unserem Gep\u00e4ck zu schieben. Wir schlugen das Zelt direkt neben einem eingeschneiten Auto auf. Leider war der Wagen verschlossen, sonst h\u00e4tten wir ja diesmal im Auto schlafen k\u00f6nnen.<br \/>\nWenn es heute Nacht ordentlich friert, k\u00f6nnten wir morgen sogar Gl\u00fcck haben, sodass wir die R\u00e4der samt Gep\u00e4ck ins Tal schieben k\u00f6nnen. Nur noch gut 5km liegen vor uns. Martin reparierte noch schnell seinen platten Hinterreifen, bevor die Sonne hinter den Gipfeln verschwand. Auf den letzten Metern hatte er sich gestern offenbar einen Dornen eingefahren.<br \/>\nIn Windeseile war das Zelt aufgestellt, der Kocher in Gang gebracht und der letzte Suppenvorrat landete im Topf. Ein fantastischer Tag geht zu Ende. Unverhofft bin ich so zu einem Tag Wintersport gekommen. F\u00fcr Schneeschuhtouren in solch einer Umgebung geben manche Leute richtig viel Geld aus. F\u00fcr uns war es unverhofft und gratis.<br \/>\nDer n\u00e4chtliche Blick aus dem Zelt gab mir wieder Recht, dass es genau der richtige Weg war, den wir eingeschlagen hatten, auch wenn er vielleicht etwas beschwerlich war. Der Vollmond stand hoch \u00fcber dem Zelt, die Sterne leuchteten hell und klar, keine einzige Wolke war am Himmel, in der Ferne rauschte der Bach und nur die Rufe einer Eule durchbrachen die n\u00e4chtliche Ruhe. Vom Wolf h\u00f6rte man die ganze Nacht nichts.<\/p>\n<h2>Tag 44 &#8211; 16.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>irgendwo hinter dem Goderdzi-Pass &#8211; Akhaltsikhe: 50km; 3:19h im Sattel; minus 5 &#8211; 20 Grad, sonnig.<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Wie von einer wolkenlosen Nacht zu erwarten war, sanken die Temperaturen in der Nacht deutlich unter -10 Grad. Im Zelt gab es am Morgen Schneefall vom Innenzelt. Der Schlafsack hielt aber erstaunlich gut warm. Aufs Fr\u00fchst\u00fcck verzichteten wir, um Zeit zu sparen. Der Boden war steinhart gefroren, wir schienen Gl\u00fcck zu haben. Gerade als wir mit Zusammenpacken fertig waren, kam und Georgi mit einem paar alter Holzski und einem Stock von oben entgegen. Er hatte die Nacht bei seinen Freunden im Hotel verbracht und fuhr jetzt wieder Richtung Tal. Er versicherte uns, dass uns in 3km tiefer Schnee erwarten w\u00fcrde. Ich wollte auf seine Aussage aber nicht viel geben, bei den warmen Temperaturen gestern und den frostigen Nachttemperaturen sollte es doch eine tragf\u00e4hige Schneedecke geben.<br \/>\nAlso los&#8230; Gep\u00e4ck auf die R\u00e4der, den Spanngurt um die Schulter und das Rad in Richtung Tal geschoben \/ gezogen. Alles lief wie am Schn\u00fcrchen. Wir sanken praktisch nie ein, die R\u00e4der gruben sich nicht in den Schnee&#8230; nahezu ein Spaziergang.<br \/>\nDie Sonne brannte vom Himmel und schon bald waren die Morgentemperaturen von -5Grad Geschichte. Ich hatte etwas Sorge, dass die Sonne den Schnee zu schnell wieder auftauen w\u00fcrde, doch schlussendlich hatten wir gro\u00dfes Gl\u00fcck. Als wir auf ca. 1500m Seeh\u00f6he angelangt waren, war die Stra\u00dfe wieder frei. Von nun an sollte es wieder auf schneefreiem Belag weitergehen.<br \/>\nGeorgi konnte es auch kaum glauben, dass die Schneedecke so gut gehalten hatte. Er war vor drei Tagen noch in Richtung Hotel aufgebrochen und oft genug bis zur H\u00fcfte eingebrochen. Nun ja, so hatte es uns beim Aufstieg auch ergangen, aber der Abstieg war praktisch ein Geschenk.<br \/>\nWir fr\u00fchst\u00fcckten noch gemeinsam mit Georgi in der Sonne und packten Zelt und Schlafsack noch einmal aus, um sie von Eis und Schnee zu befreien. Bei 15 Grad und strahlendem Sonnenschein trocknete auch alles rasend schnell wieder auf.<br \/>\nEin tolles Gef\u00fchl, endlich wieder auf dem Rad zu sitzen. Das Gehen mit den Schneeschuhen hatte auf den Fu\u00dfsohlen zu Blasen gef\u00fchrt, beim Radeln st\u00f6rte das gottseidank kaum.<br \/>\nEin paar Kilometer Schotterstra\u00dfe lagen noch vor uns, dann erreichten wir Zarzma, einen Ort mit einem Mittelalterlichen Kloster. Die Leute versammelten sich gerade zum Gottesdienst, als wir ankamen. Eine beeindruckende Atmosph\u00e4re herrschte in der kleinen d\u00fcsteren Kirche.<br \/>\nIm darauffolgenden Ort machten wir an der Tankstelle kurz Halt. Tekla, ein 15j\u00e4hriges M\u00e4dchen \u00fcbersetzte f\u00fcr uns und die Anwesenden alle Fragen in perfektem Englisch. Sie m\u00f6chte einmal Diplomatin werden und hat sich dazu privat Englisch beigebracht. In ihrer Schule gibt es keinen Englischunterricht. Alle vor Ort waren etwas \u00fcberrascht, dass es schon Touristen von der &#8220;anderen Seite&#8221; gibt. F\u00fcr 2014 waren wir die ersten Radler, die hier durchgekommen sind. Im Sommer herrscht offenbar Hochbetrieb. Neben der Tankstelle betrieb Teklas Gro\u00dfvater eine kleine B\u00e4ckerei \/ einen Ofen zum Brotbacken. Wir statteten uns daher noch mit zwei Laiben frisch gebackenem Brot aus und fuhren wieder weiter.<br \/>\nSo kr\u00e4ftezehrend die letzten Tage waren, so erholsam war die heute Etappe. Es ging konstant leicht bergab und wir rollten durch eine Art Hochebene, ges\u00e4umt von steil aufragenden Berggipfeln zu unserer Rechten.<br \/>\nEs sind noch ca. 220km bis nach Tiflis. Ich beschloss daher, heute etwas fr\u00fcher Schluss zu machen. Die vielen Kilometer im Schnee hatten die Muskulatur etwas durcheinander gebracht. Ein Erholungstag im Hotel ist da genau das Richtige. Diesmal machte ich nicht den Fehler, das erstbeste Hotel zu buchen, sondern fragte zwei Jungs nach einem billigen Hotel. Und siehe da, ca. 100m hinter dem gerade neu erbauten Hotel im Ortszentrum fanden wir ein Hotel, das offenbar in weit zur\u00fcckliegenden Zeiten seinen H\u00f6hepunkt erlebt hat. F\u00fcr 5 EUR pro Person eine Okkasion!<br \/>\nAlso, jetzt die Beine hochlegen und den Sonnenbrand im Gesicht auskurieren, dann gehts morgen wieder weiter in Richtung Tiflis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So&#8230; es hat diesmal ein bisschen gedauert, bis ich meine Eintr\u00e4ge ins Netz stellen konnte. Die Internetverf\u00fcgbarkeit war die letzten Tage ziemlich schlecht. Wir waren n\u00e4mlich f\u00fcr einige Tage in den Bergen. Nur soviel sei im Vorfeld gesagt: es bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr f\u00fcr Leib und Leben! 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