{"id":920,"date":"2014-03-28T08:09:55","date_gmt":"2014-03-28T07:09:55","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=920"},"modified":"2014-03-28T08:09:55","modified_gmt":"2014-03-28T07:09:55","slug":"tag-55-yerevan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=920","title":{"rendered":"Tag 55: Yerevan"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 55 &#8211; 27.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>Yerevan: Ruhetag; 11-15 Grad, wolkig \/ Regen<br \/>\n<span style=\"line-height: 1.5em;\">Privatunterkunft<\/span><\/p>\n<p>Seit Wochen wieder einmal eine gem\u00fctliche Matratze&#8230; Traumhaft! Obwohl ich immer wieder auch in Hotels untergekommen bin, war die Qualit\u00e4t der Schlafunterlagen meist eher m\u00e4\u00dfig. Im Bad von Hasmik und Onik sto\u00dfe ich auf eine Personenwaage. Neugierig \u00fcberpr\u00fcfte ich das aktuelle K\u00f6rpergewicht. Ist ja interessant, ob man auf der Reise Gewicht verliert. Bisher hat jeder, mit dem ich geredet habe auf dem Rad etwa 5kg verloren. Gef\u00fchlt hatte ich an Gewicht zugelegt, zumindest sind die Oberschenkel deutlich dicker geworden, doch die Waage meinte, dass ich 4kg verloren h\u00e4tte&#8230; Nun ja, offenbar muss ich den Energiehaushalt noch ein wenig optimieren.<br \/>\nBestens erholt ging es also in Begleitung von Onik ins Stadtzentrum. Der angesagte Regen hatte sich noch nicht sehen lassen, es war aber damit zu rechnen, dass im Laufe des Tages noch was kommen w\u00fcrde.Yerevan ist mit etwa 1,2 Mio Einwohnern die gr\u00f6\u00dfte Stadt Armeniens. Architektonisch f\u00e4llt auf, dass der Stadtgrundriss sehr geplant wirkt. Noch 1920 lebten nur etwa 20.000 Menschen in der Stadt. Alexander Tamaijan entwickelte den heutigen Grundriss der Stadt. Leider sind viele Ideen von damals nicht weiter ber\u00fccksichtigt worden. So war beispielsweise ein Gr\u00fcng\u00fcrtel um das Stadtzentrum geplant. Onik hat dieses gr\u00fcne Band noch selbst gesehen, als er zum ersten Mal in Yerevan war, doch im Laufe der Zeit sind die Freifl\u00e4chen Schritt f\u00fcr Schritt von Cafes und Vergn\u00fcgungsanstalten \u00fcberbaut worden.<br \/>\nEs finden sich nur noch wenige historische Geb\u00e4ude in der Stadt. Viele wurden in den letzten Jahren demoliert und mussten anonymen Neubauten weichen. Gerade im Zentrum, um das Nationalmuseum und die Oper herum wurde in den letzten Jahren viel Neues gebaut, doch leider verspr\u00fchen die neuen Geb\u00e4ude keinen Charme mehr. Nur sehr selten wurden alte Geb\u00e4ude restauriert, bzw. in den Neubau mit integriert.\u00a0Faszinierend ist der Einsatz von Tuffstein. In allen erdenklichen Farben wird der Stein in Fassaden verwendet. Man kann sich gut vorstellen, dass die Armenier zu den besten Steinmetzen geh\u00f6rt haben. Handwerklich sehr elegante Details stechen bei den alten Fassaden hervor. Auch die neuen Geb\u00e4ude werden prim\u00e4r mit Tuffstein gebaut.<br \/>\nBeeindruckend auch ein relativ junges Projekt, die sog. Kaskade von Yerevan. Es handelt sich um einen gewaltigen Treppenkomplex aus hellem Travertinstein. Yerevan erstreckt sich \u00fcber einen steilen H\u00fcgel. Die Kaskade sollte einen Stadtteil direkt mit dem Zentrum verbinden. Der Entwurf stammt aus den drei\u00dfiger Jahren. Erst in den 1970er Jahren startete Russland den Bau, doch dann zerfiel die Sowjetunion und der Bau wurde gestoppt. Erst in den 2000er Jahren kam Gerhard Cafesjian aus Amerika (reicher Sohn armenischer Gesch\u00e4ftsleute und Kunstsammler) nach Yerevan und brachte das Projekt zu Ende. Am Fu\u00dfe der Kaskade stehen einige Skulpturen zeitgen\u00f6ssischer Kunst. Im Inneren f\u00fchren Rolltreppen nach oben. Ein Teil seiner Kunstsammlung ist im Inneren des Komplexes untergebracht. Es sollte das Guggenheim des Kaukasus werden, doch bereits kurz nach der Er\u00f6ffnung stagnierte der Museumsbetrieb. Der Komplex wird zwar von der Bev\u00f6lkerung genutzt, doch prim\u00e4r halten sich die Leute auf den Stufen auf und kaum jemand geht ins Innere.<br \/>\nImmer wieder st\u00f6\u00dft man auf \u00e4hnliche Geschichten. Wohlhabende Armenier aus dem Ausland kommen zur\u00fcck in ihr Land, investieren Unsummen an Geld und m\u00fcssen leider oft feststellen, dass das Geld im Sand versickert. Viele verlassen danach auch das Land wieder. Ein unvorstellbar gro\u00dfer Anteil von Armeniern lebt im Ausland. Nur ein Bruchteil davon hat sich auch in Armenien niedergelassen.<br \/>\n<span style=\"line-height: 1.5em;\">Immer wieder st\u00f6\u00dft man auf moderne Architektur, die Stadt gibt sich international, weltoffen und doch immer wieder auch sehr traditionell.\u00a0Onik kennt die Stadt praktisch in- und auswendig. Wir schlendern herum und ich werde bestens informiert. Ich kann gut verstehen, dass er M\u00fcnchen hinter sich gelassen hat und in Yerevan seinen neuen Lebensmittelpunkt gegr\u00fcndet hat. F\u00fcr die meisten Armenier ist es zwar unverst\u00e4ndlich, warum Hasmik und er in Armenien wohnen, da sie doch praktisch ein Ticket nach Deutschland haben. Es gibt offenbar zwei Typen von Armeniern, die Einen, die ihr Land \u00fcber alles sch\u00e4tzen, investieren und versuchen einen Aufschwung zu erwirken, und die Anderen, die so schnell als m\u00f6glich ins Ausland gehen m\u00f6chten.In den wenigen Tagen in denen ich nun Armenien bereist habe, hat sich mir gezeigt, dass es sich um ein unwahrscheinlich reiches Land handelt. Reich nicht im Sinne von wirtschaftlich reich, sondern viel mehr in kultureller Sicht, oder auch im Bezug auf die Landschaft. In kaum einem Land kann man derart unterschiedliche Landschaftsformationen auf engstem Raum finden. Historisch betrachtet ist meiner Meinung nach das Land noch weit unter Wert verkauft. \u00dcberall finden sich bedeutende Zeugnisse weit zur\u00fcckliegender Kulturen. Hasmik ist als Arch\u00e4ologin t\u00e4tig und meint, dass egal wo man in Armenien zu graben beginnt, man immer auf etwas sto\u00dfen wird.<br \/>\n<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">Erst k\u00fcrzlich wurde in der N\u00e4he von Yerevan der \u00e4lteste Schuh der Welt gefunden. Ein perfekt erhaltener Lederschuh, der \u00fcber 5000 Jahre alt ist. Leider ist Armenien politisch gesehen ein wenig eingezw\u00e4ngt. Die Grenzen zur T\u00fcrkei und zu Azerbaijan sind zu, in Richtung Iran gibt es nur einen sehr schmalen Grenzstreifen, nur nach Georgien hin ist das Land offen. Der Konflikt mit Azerbaijan wird noch lange nicht beiseite gelegt werden, auch die Streitigkeiten mit der T\u00fcrkei werden noch lange bestehen. Es ist fraglich, wie sich das Land in den kommenden Jahrzehnten entwickeln wird.F\u00fcr mich geht es morgen wieder weiter in Richtung S\u00fcden. Ich freue mich schon sehr auf den Iran, doch zuvor muss ich noch ein paar Gebirgsp\u00e4sse \u00fcberqueren. Es gibt viel zu sehen auf dem Weg zur Grenze. Ich k\u00f6nnte mich noch Wochen aufhalten und h\u00e4tte dann immer noch nicht alles gesehen.\u00a0Hasmik und Onik haben mich mehr als herzlich in ihrem Heim aufgenommen. Durch sie konnte ich einen sehr intensiven Einblick in die Geschichte Armeniens und auch in die Geschichte von Yerevan erhaschen. Ein \u00fcberaus spannendes Land. Es lohnt sich definitiv noch einmal wiederzukommen, doch f\u00fcr mich gehts wieder weiter. Es gibt noch so viel zu sehen&#8230;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 55 &#8211; 27.M\u00e4rz Yerevan: Ruhetag; 11-15 Grad, wolkig \/ Regen Privatunterkunft Seit Wochen wieder einmal eine gem\u00fctliche Matratze&#8230; Traumhaft! 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