{"id":946,"date":"2014-03-29T22:15:57","date_gmt":"2014-03-29T21:15:57","guid":{"rendered":"http:\/\/abicyclediary.com\/?p=946"},"modified":"2014-03-29T22:15:57","modified_gmt":"2014-03-29T21:15:57","slug":"tag-5657-den-schnee-wird-man-nicht-los","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abicyclediary.com\/?p=946","title":{"rendered":"Tag 56\/57: den Schnee wird man nicht los"},"content":{"rendered":"<h2>Tag 56 &#8211; 28.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>Yerevan &#8211; kurz vor Zangakatun: 95km; 5:08h im Sattel; 14-20 Grad, sonnig \/ Regen<br \/>\nCamping<\/p>\n<p>Auch wenn ich nur einen Tag zu Besuch bei Hasmik und Onik war, habe ich die beiden sehr ins Herz geschlossen. Fast schon ein bisschen schade, heute schon wieder aufzubrechen. Es herrschte aber keine Eile. Wir fr\u00fchst\u00fcckten noch gem\u00fctlich gemeinsam, dann packte ich langsam meine f\u00fcnf Taschen zusammen. Kurz nach Mittag brach ich dann auf. Ich beschloss nicht gleich auf die Reise zu gehen, sondern drehte noch eine kleine Runde in Yerevan. Das besonders dynamische Reiterstandbild vor dem Bahnhof hatte mich schon Vorgestern fasziniert, heute wollte ich es noch einmal in Ruhe anschauen. Selten habe ich so einen Kraftausdruck in einem Reiterstandbild gesehen. Paradox, dass um das Standbild herum sich eigentlich alles im Stillstand befindet. Die gro\u00df dimensionierte Bahnhofshalle l\u00e4sst auf ein gesch\u00e4ftiges Treiben schlie\u00dfen, doch der Zugverkehr in Armenien ist praktisch nicht existent. Mag sein, dass vor vielen Jahren mehr Z\u00fcge gefahren sind, aber heute f\u00e4hrt praktisch nichts mehr.<br \/>\nIm Zentrum von Yerevan steht ein sehr spannend gestaltetes Geb\u00e4ude, das eigentlich als Kino entworfen wurde. Zwei Kinos\u00e4le recken sich in den \u00f6ffentlichen Raum. Leider ist auch dieses Geb\u00e4ude nicht mehr in Verwendung. Eine eigenartige Mischung von Marktst\u00e4nden befindet sich nun im Eingangsbereich des einst sehr imposanten Kinos. Vermutlich st\u00f6\u00dft man auf weit mehr derartige Schmankerl wenn man sich noch mehr Zeit nehmen w\u00fcrde, doch nach gut 1 1\/2 Stunden Stadtrundfahrt mit dem Rad schlage ich dann den Weg in Richtung Osten ein. Faszinierend f\u00fcr mich war, dass sich die armenischen Autofahrer nicht nur auf den Landstra\u00dfen, sondern auch im Gro\u00dfstadtverkehr sehr r\u00fccksichtsvoll verhalten. Es wird gro\u00dfz\u00fcgig Abstand gehalten, Spurwechsel sind ohne Probleme m\u00f6glich. Selbst im dichtesten Verkehr steigt der Puls kaum an. Eine sehr angenehme Erfahrung!<br \/>\nLeider bleibt mir der Blick auf den Ararat verwehrt. Es brauen sich dichte Schlechtwetterwolken zusammen und der Gipfel des Bergs der Armenier &#8211; der aber in der T\u00fcrkei steht &#8211; bleibt verborgen. Dennoch kann ich mich beim Verlassen der Stadt nicht seinem Bann entziehen. Immer wieder blicke ich nach rechts und beobachte fasziniert seine schneebedeckten Flanken. Ganz genau behalten ich auch die Bewegung der Wolken im Auge. Immer wieder brauen sich dicke schwarze Wolken zusammen. Man kann bereits Regen in der Ferne erkennen, doch offenbar habe ich aktuell noch Gl\u00fcck. Die Wolken regnen sich abseits meiner Route ab.<br \/>\nUnd so kann ich die Fahrt durch unz\u00e4hlige Obstplantagen genie\u00dfen. Ein bet\u00f6render Duft von verschiedensten Obstbl\u00fcten liegt in der Luft. Leider verschwinden die Obstplantagen ab ca. 1200 H\u00f6henmetern.<br \/>\nAm sp\u00e4ten Nachmittag nehme ich den Anstieg auf knapp 2200m in Angriff. Ich m\u00f6chte gerne noch heute \u00fcber den Pass, um auf etwas niedrigerer H\u00f6he mein Zelt aufschlagen zu k\u00f6nnen. Gerade als ich am h\u00f6chsten Punkt angekommen bin, setzt starker Schneefall ein. Gerade noch rechtzeitig kann ich die Regenklamotten aus der Packtasche holen und entfliehe mit \u00fcber 70km\/h dem Schnee. Auf etwa 1600m schlage ich dann mein Zelt auf. Diesmal muss ich das Zelt bereits bei leichtem Regen aufstellen. Doch als alles im Trockenen ist, bricht ein kurzes Gewitter an. Froh noch rechtzeitig ins Trockene gekommen zu sein bereite ich das Abendessen vor. So schnell wie das Gewitter gekommen ist, so schnell verzieht es sich auch wieder und ich kann meinen Kocher ohne Regen aufstellen.<\/p>\n<h2>Tag 57 &#8211; 29.M\u00e4rz<\/h2>\n<p>kurz vor Zangakatum &#8211; Sisian: 138km; 7:39h im Sattel; 2-13 Grad, Regen<br \/>\nHotel<\/p>\n<p>Nachts hatte es immer wieder kurz, aber heftig geregnet. Ich versuche ein Regenfenster zu erwischen, um meine Sachen zu packen. Ein heftiger Schauer verbannt mich aber wieder ins Zelt und ich \u00fcberbr\u00fccke die Zeit mit einem ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck. In meiner Packtasche haben sich bereits unz\u00e4hlige Dinge angesammelt, die sich zum fr\u00fchst\u00fccken eignen&#8230; daher ist sie vermutlich auch so schwer geworden.<br \/>\nF\u00fcr ein paar Kilometer radle ich dann noch im Trockenen, doch bald holt mich der Regen wieder ein. Das radeln in Regenklamotten ist gerade bei Anstiegen immer etwas unangenehm, da man trotz GoreTex unwahrscheinlich schwitzt. Es kommt dann zwar kein Regen rein, daf\u00fcr ist man von innen her tropfnass. Atmungsaktivit\u00e4t hin oder her&#8230;<br \/>\nOnik und Hasmik hatten mir gestern mehrfach ans Herz gelegt, einen Abstecher nach Noravank zu machen. Es sind nur 8km einfacher Weg (die Stra\u00dfe ist leider eine Sackgasse), daf\u00fcr geht es aber ordentlich bergauf. Bei str\u00f6mendem Regen strample ich in einen wundersch\u00f6nen Canyon hinein. Die Felsw\u00e4nde ragen steil in die H\u00f6he, \u00fcberall sieht man kleinere H\u00f6hlen in den Felsen, die von verschiedensten V\u00f6geln bewohnt werden. Nach knapp einer Stunde komme ich v\u00f6llig erledigt am Kloster von Noravank an. Die M\u00fche hatte sich aber gelohnt. Auf einem H\u00fcgel thront eine sehr beeindruckende Kirchenanlage aus dem 12.Jahrhundert. Die filigranen Steinmetzarbeiten ziehen mich besonders in ihren Bann. Von Steinbearbeitung verstehen die Armenier wirklich was! Warum die Kl\u00f6ster aber immer auf einem Berg stehen m\u00fcssen ist mir immer noch ein R\u00e4tsel.<br \/>\nEigentlich wollte ich ja schon gestern bis Noravank gekommen sein. Doch nachdem ich erst sehr sp\u00e4t in Yerevan gestartet bin liegen nun noch einige Kilometer bis Silian vor mir. Es regnet weiterhin und die Temperaturen pendeln sich bei unter 8 Grad ein. Der Gedanke an ein Hotel und eine warme Dusche am Abend treibt mich vorw\u00e4rts. Als ich am fr\u00fchen Nachmittag in einem Stra\u00dfenlokal kurz Halt mache, vermutet der Besitzer schon, dass ich seit Tagen nichts mehr gegessen habe. Ich bestelle praktisch alles, was seine K\u00fcche hergibt. Das war dann aber auch gerade genug!<br \/>\nKurz danach geht es wieder mal bergauf. 1100 H\u00f6henmeter am St\u00fcck stehen vor mir. Diesmal geht es hinauf auf 2350m. Zu meinem Gl\u00fcck l\u00e4sst der Regen nach und schlussendlich kommt sogar die Sonne f\u00fcr ein paar Augenblicke heraus.<br \/>\nDer Weg hinauf ist zwar m\u00fchsam, doch landschaftlich umwerfend. Obwohl ich mich auf der M2, der einzigen Stra\u00dfe von Armenien in den Iran befinde, herrscht kaum Verkehr. Viele der wenigen Autos bleiben kurz stehen und erkundigen sich nach meinem Weg. Seit ich in Armenien bin ist den Leuten Wladiwostok ein Begriff. Der Einfluss der ehemaligen Sowjetunion ist doch sp\u00fcrbar&#8230;<br \/>\nBei 2000m tauche ich langsam in die Schneelandschaft ein. Von den zur\u00fcckliegenden Schauern liegt noch vereinzelt Schnee auf der Fahrbahn, die Temperatur f\u00e4llt auf 2 Grad und starker Wind kommt auf. Zu meinem Gl\u00fcck kommt der dieses Mal aber von hinten! Offenbar hatte ich heute einen guten Draht nach Oben&#8230; Bei Kehren l\u00e4\u00dft der Wind nach und wenn ich wieder in die richtige Richtung radle frischt er wieder auf.<br \/>\nNach unz\u00e4hligen Kehren komme ich schlie\u00dflich auf 2350m am. Ein eisiger Wind pfeift mir um die Ohren, doch ein &#8220;Gipfelfoto&#8221; ist nach diesem fulminanten Aufstieg Pflicht.<br \/>\nAuf den armenischen Landstra\u00dfen sind Kilometerbeschilderungen sehr selten zu finden. In der Regel werden nur die Stra\u00dfenkilomter der befahrenen Stra\u00dfe gez\u00e4hlt. Nun wei\u00df ich zwar, wie weit es noch bis zur Grenze zum Iran ist, doch leider wei\u00df ich immer noch nicht, wie weit es noch bis Silivan ist. In Silivan hoffe ich auf ein Hotel. Die Besiedelung ist in dieser Gegend \u00e4u\u00dferst gering und wenn man auf D\u00f6rfer st\u00f6\u00dft, ist ein Hotel eher schwer zu finden. So langsam wird es dunkel und ich bin froh \u00fcber meine gute Lichtanlage. Die Stra\u00dfe ist wieder einmal gespickt mit Schlagl\u00f6chern und Bodenwellen, doch der Scheinwerfer leuchtet die Fahrbahn besser aus, als manch LKW der von hinten kommt.<br \/>\nBis ich in Silivan ankomme vergeht noch einige Zeit. K\u00f6rperlich bin ich schon an meinen Grenzen angelangt. Bei weit \u00fcber 100km und 2500 H\u00f6henmetern in den Beinen ist das aber kein Wunder. Gottseidank findet sich gleich ein Hotel und ich belagere das Zimmer mit meinen gesamten nassen Sachen. Das Zelt wird zum trocknen aufgestellt und aus den Vorr\u00e4ten der Packtasche wird noch ein k\u00f6stliches Abendessen auf den Tisch gezaubert.<br \/>\nJetzt erst Mal F\u00fc\u00dfe hoch und Kraft tanken f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage. Es gibt noch einige Berge zu \u00fcberqueren. Wenn alles nach Plan l\u00e4uft, werde ich am 1.April in den Iran einreisen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 56 &#8211; 28.M\u00e4rz Yerevan &#8211; kurz vor Zangakatun: 95km; 5:08h im Sattel; 14-20 Grad, sonnig \/ Regen Camping Auch wenn ich nur einen Tag zu Besuch bei Hasmik und Onik war, habe ich die beiden sehr ins Herz geschlossen. Fast schon ein bisschen schade, heute schon wieder aufzubrechen. Es herrschte aber keine Eile. 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